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title: "Belege außerhalb des Neuen Testaments"
canonical: "https://paulineletters.com/de/explore/evidence"
published: "2026-10-23"
updated: "2026-10-23"
language: "de"
license: "https://paulineletters.com/de/explore/license"
source: "Paulusbriefe · Pauline Letters"
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# Belege außerhalb des Neuen Testaments

> Externe Belege bestätigen ein Ereignis der Apostelgeschichte selten direkt, aber sie verorten die Erzählung immer wieder unter den richtigen Amtsträgern, Titeln, Namen und Jahrzehnten, und sie zeigen deutlich, wo sie nicht weiterhelfen können.

**Gibt es außerhalb des Neuen Testaments Belege für Paulus und die Apostelgeschichte?**

Ja, und zwar verschiedener Art. Eine Inschrift nennt Gallio als Statthalter von Achaja; andere verwenden örtliche Titel, die auch die Apostelgeschichte verwendet, etwa die Politarchen in Thessalonich; Josephus beschreibt Statthalter und einen Hohenpriester, die die Apostelgeschichte nennt. Keine nichtchristliche Quelle erwähnt Paulus. Christliche Autoren ab etwa 96 n. Chr. zitieren seine Briefe und erinnern an seinen Tod in Rom.

## Was hier als Beleg gilt

Diese Seite sammelt, was außerhalb des Neuen Testaments erhalten ist und dessen Darstellung des Paulus betrifft: Steininschriften und Münzen, die Orte selbst, Papyri und frühe Handschriften der Briefe, jüdische und römische Autoren sowie die ersten christlichen Verfasser, die ihn zitieren oder beschreiben. Jeder Eintrag sagt, was das Stück belegt, was nicht und wo die Ausleger uneins sind, mit Katalognummern und den gemeinfreien Texten hinter jedem Zitat.

Die Einträge prüfen häufiger das Umfeld als die Ereignisse. Ein korrekter Titel für die Beamten einer Stadt zeigt, dass der Verfasser diese Stadt kannte; er zeigt nicht, dass eine bestimmte Anhörung stattgefunden hat. Wo eine Identifizierung umstritten ist, etwa bei der vorgeschlagenen Verbindung einer Pflasterinschrift mit Erastus oder anderer Inschriften mit Sergius Paulus, ist die Debatte Teil des Eintrags.

## Wie früh die Briefe bekannt waren

Die zweite Hälfte der Seite verfolgt jeden der dreizehn Briefe nach außen: den ersten Autor, der ihn nennt, das erste eindeutige Zitat, wahrscheinliche Anspielungen und die früheste Handschrift. Die Einstufungen sind bewusst vorsichtig, denn eine gemeinsame Wendung kann eher aus der allgemeinen christlichen Sprache stammen als aus einem Brief.

## Die Daten nutzen

Jeder Eintrag wird außerdem als offene Daten unter CC BY 4.0 mit stabilen Kennungen veröffentlicht, sodass Lehrende, Forschende oder Assistenten ein einzelnes Element zitieren und darauf verlinken können.

[Diesen Datensatz herunterladen (JSON, CC BY 4.0)](https://paulineletters.com/de/data/agent/commons/v1/external-evidence.json)

## Inschriften

### [Die Warninschriften vom Tempel in Jerusalem](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/temple-warning-inscription)

Zwei griechische Hinweistafeln vom herodianischen Tempel in Jerusalem, eine vollständig erhalten (heute in Istanbul) und eine fragmentarisch (Israel Museum), verbieten jedem Nichtjuden, die Schranke um die inneren Vorhöfe zu überschreiten, und warnen, dass ein Eindringling für seinen eigenen Tod selbst verantwortlich ist. Zusammen mit den Beschreibungen des Josephus machen sie die Anklage gegen Paulus in Apostelgeschichte 21,28–29 verständlich und schwerwiegend, aber sie nennen niemanden und können nicht zeigen, dass die Anklage zutraf.

- **Datierung:** Eingemeißelt zu einem Zeitpunkt zwischen dem herodianischen Neubau des Tempels (begonnen um 23–19 v. Chr.) und seiner Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. Epigraphische Kataloge datieren beide Exemplare auf 23 v. Chr. – 70 n. Chr.; der genaue Zeitpunkt der Anfertigung ist unbekannt.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Archäologische Museen Istanbul (vollständiger Stein, gefunden 1871); Israel Museum, Jerusalem (IAA 1936-989) (Fragment)
- **Katalognummern:** OGIS 598; CIIP I.1 no. 2; CIJ II 1400; IIP JERU0598; IIP JERU0599
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 21,26–36; Apostelgeschichte 21,28–29; Apostelgeschichte 20,4; Apostelgeschichte 23,26; Apostelgeschichte 24,6; Apostelgeschichte 24,18; Apostelgeschichte 25,8; Apostelgeschichte 26,21; Epheser 2,14–15; Römer 15,30–31
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Der herodianische Tempel hatte eine Schranke um seine inneren Vorhöfe, an der griechische Hinweistafeln angebracht waren. Die Tafeln verboten jedem Nichtjuden (allogenes), innerhalb der Balustrade und der Umfriedung um das Heiligtum zu gehen, und warnten, dass ein ertappter Eindringling für seinen eigenen Tod selbst verantwortlich sei. Ein vollständiges Exemplar und ein Fragment sind erhalten.
- Josephus beschreibt die Schranke und ihr mit dem Tod bewehrtes Verbot (Ant. 15.417), sagt, die Tafeln seien auf Griechisch und Lateinisch abgefasst gewesen (Bell. 5.193-194), und bei ihm behauptet der Feldherr Titus, Rom habe den Juden gestattet, Eindringlinge zu töten, selbst wenn es Römer waren (Bell. 6.124-126).
- In Apostelgeschichte 21,28–29 wird Paulus beschuldigt, den Tempel entweiht zu haben, indem er Heiden hineinführte – in der Annahme, er habe Trophimus aus Ephesus mit hineingenommen. Die Anklage beruft sich auf eine reale, öffentlich angeschlagene Regel, die das Eindringen von Heiden über die Schranke hinaus als todeswürdige Angelegenheit behandelte; das hilft, die Gewalttätigkeit der Menge zu erklären (Apostelgeschichte 21,30–31). Die Garnison griff in den daraus entstehenden Aufruhr ein (Apostelgeschichte 21,31–36).
- Josephus verortet die Schranke am Aufgang vom äußeren Vorhof zu den inneren Vorhöfen und sagt, die Tafeln hätten Fremden das Weitergehen verwehrt (Bell. 5.193-194; Ant. 15.417). Das angebliche Vergehen bestand also darin, einen Heiden über die Schranke hinauszuführen, nicht darin, überhaupt einen in den Tempelbezirk zu bringen.

**Was es nicht belegt**

- Sie zeigen nicht, dass Paulus Trophimus, seinen Begleiter aus Asia (Apostelgeschichte 20,4), oder einen anderen Heiden über die Schranke hinausgeführt hat. Die Apostelgeschichte stellt die Anklage als Schlussfolgerung daraus dar, dass man sie zusammen in der Stadt gesehen hatte (Apostelgeschichte 21,29); Paulus bestreitet jedes Vergehen gegen den Tempel (Apostelgeschichte 24,18; Apostelgeschichte 25,8). Tertullus wiederholt die Anklage vor Felix (Apostelgeschichte 24,6), und Paulus erinnert daran, im Tempel ergriffen worden zu sein (Apostelgeschichte 26,21).
- Die Inschriften nennen keine Einzelperson. Sie bestätigen die Existenz und den Ernst der Regel, nicht die Verhaftung selbst oder andere Einzelheiten von Apostelgeschichte 21–26, etwa die Rolle des Befehlshabers, den die Apostelgeschichte später als Klaudius Lysias benennt (Apostelgeschichte 23,26).
- Die Strafe auf dem Stein trifft den heidnischen Eindringling; für einen Juden, der einen solchen hineinbrachte, nennt er keine Strafe. Für sich genommen erklärt er also nicht, warum sich die Menge gegen Paulus selbst wandte.
- Sie klären zwei Fragen nicht: ob Epheser 2,14 auf diese Schranke anspielt und ob die Todeswarnung ein Gerichtsurteil, geduldete Gewalt der Menge oder göttliche Strafe meinte.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Mehrere Fragen bleiben offen. Wer hat die Tafeln angebracht, und wann: die Bauleute des herodianischen Tempels, die Priester oder römische Behörden nach 6 n. Chr.? Letzteres ist die Auffassung Mommsens, zitiert in OGIS 598, gestützt auf die lateinische Fassung der Tafeln, von der Josephus berichtet (keine ist erhalten), und auf die Worte, die der Feldherr Titus spricht. Bedeutete „für seinen eigenen Tod verantwortlich“ eine Hinrichtung durch ein Gericht, geduldete Gewalt der Menge oder eine Strafe durch Gott? Wie weit spiegelt die von Josephus verfasste Rede, die der Feldherr Titus hält, die tatsächliche römische Politik wider? Schließlich: Spielt das Bild der Mauer in Epheser 2,14 auf diese Schranke an oder auf das Gesetz (Epheser 2,15)? Diese Frage hängt teilweise von der umstrittenen Verfasserschaft und Datierung des Briefes ab.

**Andere Lesarten**

- **Zutreffender Schauplatz, keine Bestätigung des Ereignisses.** Die Regel war weithin bekannt: Josephus berichtet mehr als einmal davon, und sie war am Tempel auf Griechisch angeschlagen. Ein Verfasser in einiger Entfernung von den Ereignissen konnte den Schauplatz zutreffend zeichnen; die Übereinstimmung zeigt daher, dass die Apostelgeschichte den Tempel gut kennt, ohne den Aufruhr und die Verhaftung zu bestätigen. Der Brief des Paulus zeigt zwar, dass er mit Gefahr durch Ungläubige in Judäa rechnete (Römer 15,30–31), nicht aber den Aufruhr selbst.
- **Epheser 2,14 meint das Gesetz, nicht die Balustrade.** Nach dieser Lesart steht das Bild der Mauer für das Gesetz mit seinen Geboten, das nach dem folgenden Vers abgetan wurde (Epheser 2,15). Auch der Wortschatz für die Mauer im Brief an die Epheser unterscheidet sich von dem des Steins (tryphaktos, peribolos) und von dem des Josephus (dryphaktos); die Tempelschranke ist also eine Veranschaulichung, die Ausleger wie Robinson (1903) beigesteuert haben. Wenn der Brief an die Epheser nach 70 n. Chr. geschrieben wurde, war die Schranke bereits zerstört.
- **Römischer Ursprung der Tafeln.** Theodor Mommsen, von Dittenberger in OGIS 598 zitiert, vertrat die Auffassung, die Römer hätten die Tafeln anbringen lassen, nachdem Judäa im Jahr 6 n. Chr. Provinz geworden war. Er verwies auf die lateinische Fassung, die Josephus neben der griechischen erwähnt (keine wurde gefunden), und auf die Worte, die der Feldherr Titus bei Josephus spricht. Andere betrachten die Tafeln als Teil des herodianischen Neubaus. Nach beiden Auffassungen standen sie zu Lebzeiten des Paulus.

**Quellen**

- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737), War 5.193-194 (Whiston 5.5.2): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2850/pg2850.txt>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737), War 6.124-126 (Whiston 6.2.4): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2850/pg2850.txt>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 15.417 (Whiston 15.11.5): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Temple Warning inscription (Q16934222), Q16934222: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q16934222.json>

### [Die Erastus-Inschrift im Pflaster von Korinth](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/erastus-inscription)

Eine lateinische Inschrift auf einem gepflasterten Platz östlich des Theaters von Korinth hält fest, dass der Ädil Erastus das Pflaster auf eigene Kosten als Gegenleistung für seine Ädilität verlegte. Sie verortet einen Mann dieses Namens unter den Magistraten des römischen Korinth – in jener Art städtischen Umfelds, die Römer 16,23 beschreibt. Sie beweist nicht, dass er der Erastus des Paulus ist: Sein vollständiger Name ist verloren, es ist umstritten, ob der Titel im Brief an die Römer einer Ädilität entspricht, und die Datierung ist strittig.

- **Datierung:** Katalogisiert als 31–70 n. Chr. (EDH, EDCS), vereinbar mit Kents Datierung in die Mitte des 1. Jahrhunderts. Friesen (2010) argumentiert, sie sei wahrscheinlich nicht vor der Mitte des 2. Jahrhunderts verlegt worden; der hier angegebene Zeitraum endet mit 150 n. Chr., dem frühesten Punkt dieses Vorschlags, nicht mit seinem Ende.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Archäologische Stätte des antiken Korinth, Griechenland: die Platte in situ auf der gepflasterten Fläche östlich des Theaters; der Verbleib der übrigen Fragmente ist hier nicht bestätigt.
- **Katalognummern:** Corinth VIII.3 232; AE 1930, 118; EDH HD025815; EDCS-32001186; TM 177152
- **Bezieht sich auf:** Römer 16,23; Apostelgeschichte 19,22; 2. Timotheus 4,20; 1. Korinther 1,26
- **Grad der Sicherheit:** Mittel
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- Eine lateinische Bauinschrift aus dem römischen Korinth (Kent, Corinth VIII.3 Nr. 232; EDH HD025815) hält fest, dass ein Mann mit dem Cognomen Erastus die Fläche auf eigene Kosten (sua pecunia) als Gegenleistung für seine Ädilität (pro aedilitate) pflasterte. Praenomen und Nomen sind verloren, und erhalten sind nur die Einarbeitungen für die eingelegten Metallbuchstaben.
- Sie zeigt, dass die römische Kolonie Korinth in der Provinz Achaja Ädilen hatte und dass ein Amtsträger seine Wahl vergelten konnte, indem er öffentliches Pflaster bezahlte.
- Sie verortet den Ädil Erastus in der Amtsträgerschicht von Korinth, irgendwann zwischen der Mitte des 1. Jahrhunderts und – nach dem spätesten Vorschlag – der Mitte des 2. Jahrhunderts oder später. Ein korinthischer Erastus mit einem städtischen Titel (Römer 16,23) passt daher zum belegten Umfeld der Stadt.

**Was es nicht belegt**

- Sie zeigt nicht, dass der Ädil der Erastus aus Römer 16,23, Apostelgeschichte 19,22 oder 2. Timotheus 4,20 ist. Praenomen und Nomen sind verloren, es ist umstritten, ob der städtische Titel im Brief an die Römer einer Ädilität entspricht, und die Datierung ist strittig.
- Sie zeigt nicht, dass der in der Apostelgeschichte, im Brief an die Römer und im zweiten Brief an Timotheus genannte Erastus ein und dieselbe Person ist; diese Frage beruht auf den Texten, nicht auf diesem Stein. Paley (1790) folgerte aus Apostelgeschichte 19,22, Römer 16,23 und 2. Timotheus 4,20, dass Korinth die Heimat des Erastus war; dieses Argument ist älter als der Stein und hängt von den Texten ab.
- Sie zeigt nicht, dass die korinthische Gemeinde des Paulus wohlhabende Magistrate umfasste oder dass einer der Christen die Ädilität innehatte; beides hängt von der umstrittenen Identifizierung ab. Die Bemerkung des Paulus, nicht viele korinthische Gläubige seien von hohem Stand gewesen (1. Korinther 1,26), schließt ein Mitglied der Elite weder aus, noch bestätigt sie es.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen bleiben offen. Datierung: Kent setzte das Pflaster um die Mitte des 1. Jahrhunderts an, und EDH und EDCS katalogisieren es als 31–70 n. Chr. Gill berichtet, die vollständige Platte sei 1929 in situ gefunden worden, Friesen dagegen argumentiert, die Inschrift liege in einem sekundären Kontext und sei wahrscheinlich nicht vor der Mitte des 2. Jahrhunderts verlegt worden. Amt: Manche setzen den städtischen Titel des Erastus in Römer 16,23 mit dem Ädil gleich (Kent, Gill), andere mit dem Quästor (Theissen, Goodrich), und wieder andere (Cadbury; Friesen) lesen ihn als niedrigrangigen städtischen Posten, der möglicherweise von einem Sklaven bekleidet wurde; Weiss bestreitet, dass Korinth städtische Quästoren hatte. Identität: Brookins hält den Namen für selten, doch ein wahrscheinlicher Erastus des 2. Jahrhunderts in Korinth (Clarke 1991) zeigt, dass der Name dort nicht einzigartig war; und da Praenomen und Nomen verloren sind, bleibt die Identifizierung möglich, nicht erwiesen.

**Andere Lesarten**

- **Derselbe Mann, spätere Laufbahn.** Kent hielt die Identifizierung mit dem Erastus des Briefes an die Römer für stichhaltig, und Clarke hält sie für eine ernstzunehmende Möglichkeit. Theissen setzte das Amt im Brief an die Römer mit einem niederen Posten wie dem des Quästors gleich; Furnish schlug im Anschluss an ihn vor, Erastus sei um die Zeit des Briefes Quästor und später Ädil gewesen. Auch Goodrich plädiert für eine Quästur, die er als hochrangigen, von der Elite bekleideten Posten ansieht.
- **Ein anderer, späterer Ädil.** Friesen argumentiert, die Inschrift liege in einem sekundären Kontext und sei wahrscheinlich nicht vor der Mitte des 2. Jahrhunderts verlegt worden. Nach dieser Auffassung nennt sie ein nichtchristliches Mitglied der Elite, nicht den Erastus des Briefes an die Römer, der ein niedrigrangiger städtischer Funktionsträger, möglicherweise ein Sklave, gewesen sei; Friesen bezweifelt zudem, dass der Erastus des Briefes an die Römer überhaupt ein Gläubiger war.
- **Nach derzeitiger Beleglage nicht entscheidbar.** Gill meint, die Belege erlaubten weder eine sichere Identifizierung noch eine sichere Ablehnung. Das Pflaster fügt den Quellen den korinthischen Ädil Erastus hinzu, ohne zu klären, ob er der Mann ist, den Paulus nennt.

**Quellen**

- Epigraphic Database Heidelberg (record last updated 2013-05-24, Cowey), EDH inscription record: building/dedicatory inscription from Colonia Laus Iulia Corinthus, EDH HD025815: <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/inschrift/HD025815>
- Epigraphik-Datenbank Clauss / Slaby, EDCS monument record (JSON data endpoint), EDCS-32001186: <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/320/32001186.json>
- Trismegistos, TM text relations data service, TM 177152: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/177152>
- Pleiades, Corinthus/Korinthos, Pleiades 570182: <https://pleiades.stoa.org/places/570182/json>
- William Paley, Horae Paulinae, or, The Truth of the Scripture History of St. Paul, ch. II (Epistle to the Romans), No. II: <https://archive.org/download/horaepaulinaeort00pale/horaepaulinaeort00pale_djvu.txt>

### [Die Gallio-Inschrift von Delphi](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/gallio-inscription)

Fragmente eines in Delphi eingemeißelten Briefes des Klaudius nennen Gallio, ergänzt als [L. Ju]nius Gallio, als Freund des Kaisers und Statthalter. Die 26. imperatorische Akklamation des Klaudius datiert den Brief höchstwahrscheinlich in die ersten sieben Monate des Jahres 52 n. Chr.; Gallio verwaltete Achaja demnach um 51/52, möglicherweise 52/53. Sie verankert die Verhandlung von Apostelgeschichte 18,12–17 zeitlich, erwähnt aber weder Paulus noch die Verhandlung.

- **Datierung:** Höchstwahrscheinlich die ersten sieben Monate des Jahres 52 n. Chr. (vor dem 1. August); ein Datum ganz am Ende des Jahres 51 n. Chr. ist nicht völlig ausgeschlossen. Eingemeißelte Abschrift eines Briefes des Klaudius, datiert durch seine 26. imperatorische Akklamation.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Delphi (EDH). Deissmann (1912) berichtet, Bourguets vier Fragmente befänden sich im Museum von Delphi (Inv. 3883, 2178, 2271, 4001); die gegenwärtige Ausstellung ist nicht überprüft.
- **Katalognummern:** FD III 4, 286; SIG3 801 D; AE 2002, 1335; Oliver, Greek Constitutions 31; EDH HD043294; EDCS-66400014; PHI 240470; SEG 32, 546 (Deiana's reading of line 17; PHI 240472); TM 177226
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 18,12–17; Apostelgeschichte 18,1–11; Apostelgeschichte 18,18; 1. Korinther 1,1
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein in Delphi eingemeißelter Brief des Klaudius nennt Gallio als Freund des Kaisers und Statthalter, in einem Abschnitt über den Mangel an Bürgern in Delphi, über den er offenbar berichtet hatte (das Verb ist ergänzt). Vom Namen ist nur „-nios Gallion“ erhalten; „Junius“, „Freund“ und „Statthalter“ sind aus Buchstabenresten ergänzt, aber allgemein anerkannt. Delphi lag in Achaja; der Brief bestätigt also unabhängig von der Apostelgeschichte, dass Gallio Achaja verwaltete (Apostelgeschichte 18,12).
- Die Titel des Klaudius bewahren die Zahl 26 für seine imperatorischen Akklamationen. Eine Inschrift aus Kys verbindet die 26. mit seinem 12. tribunizischen Jahr; der Text am Aquädukt der Porta Maggiore (CIL VI 1256; EDR104278) verbindet das 12. mit der 27. Da Dessau, gefolgt von Deissmann (1912), diesen Aquädukt auf den 1. August 52 datierte, fällt der Brief höchstwahrscheinlich in die ersten sieben Monate des Jahres 52; Ende 51 ist nicht völlig ausgeschlossen.
- Statthalter amtierten normalerweise etwa ein Jahr, sodass sich die Amtszeit des Gallio mit der ersten Hälfte des Jahres 52 überschnitt: am wahrscheinlichsten 51/52, möglicherweise 52/53. Wenn Apostelgeschichte 18,12–17 die Verhandlung zeitlich richtig einordnet, fällt sie in die Zeit um 51–53. Deissmann (1912) sprach sich für 51/52 aus; Ramsay bevorzugte, wie Deissmann berichtet, 52/53.
- Tacitus (Ann. 15.73) nennt Gallio den Bruder Senecas; Seneca (Ep. 104.1) erinnert daran, dass er Achaja zu Schiff verließ, als ein Fieber einsetzte, sodass seine Amtszeit möglicherweise verkürzt wurde (eine Schlussfolgerung). Dio (60.24.1) sagt, Klaudius habe Achaja im Jahr 44 n. Chr. wieder an durch das Los bestimmte Statthalter zurückgegeben, was zum Titel Statthalter in Apostelgeschichte 18,12 passt.

**Was es nicht belegt**

- Sie erwähnt weder Paulus noch die Juden von Korinth noch irgendeine Verhandlung. Sie bestätigt den in Apostelgeschichte 18,12 genannten Statthalter, nicht dass sich die Szene in Apostelgeschichte 18,12–17 so abspielte, wie sie erzählt wird.
- Sie nennt weder Beginn noch Ende der Amtszeit des Gallio. Die Wahl zwischen 51/52 und 52/53 hängt von der üblichen einjährigen Amtszeit ab, davon, wann Amtszeiten begannen, und davon, ob der Brief Gallio als amtierenden Statthalter behandelt.
- Sie kann nicht zeigen, in welchen Abschnitt der achtzehn Monate oder mehr, die Paulus in Korinth verbrachte, die Verhandlung fiel (Apostelgeschichte 18,11 und Apostelgeschichte 18,18). Das Datum der Ankunft des Paulus in Korinth ist daher eine weitere Schlussfolgerung.
- Sie zeigt nicht, dass Apostelgeschichte 18,1–18 einen einzigen zusammenhängenden Besuch beschreibt.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Datierung auf 52 n. Chr. beruht auf der Zahl der Akklamation, die auf dem Stein erhalten ist; die offenen Fragen kommen danach. Die Grenze des 1. August gilt nur, wenn der Text der Porta Maggiore das Weihedatum des Aquädukts wiedergibt (EDR datiert ihn nur auf 52/53), und Dessau hielt es für möglich, wenn auch für unwahrscheinlich, dass die 26. Akklamation ganz ans Ende des Jahres 51 fiel. Das Amtsjahr des Gallio könnte 51/52 oder 52/53 sein. Dio (60.17.3) sagt, Klaudius habe im Jahr 43 n. Chr. angeordnet, dass durch das Los bestimmte Statthalter Rom vor Mitte April verlassen sollten, was auf einen Amtsbeginn im Frühjahr oder Frühsommer schließen lässt (eine Schlussfolgerung); Deissmann nahm im Anschluss an Mommsen einen nominellen 1. Juli an. Plassarts Lesung von Zeile 17 in der zweiten Person, hier bekannt in der Wiedergabe durch Oliver (1971), macht den Nachfolger des Gallio zum Empfänger. Oliver bevorzugte eine Gemeinschaft als Empfänger, und andere teilen Zeile 17 als das Verb εἴασε ab, wodurch das Pronomen entfällt (Deiana, SEG 32.546; PHI 240472). Die Verhandlung früh in der Amtszeit des Gallio anzusetzen, wie Deissmann es tat, ist eine Schlussfolgerung, und ob die Szene stattfand, ist ein gesondertes historisches Urteil.

**Andere Lesarten**

- **Das Amtsjahr des Gallio war 52/53.** Gallio könnte sein Amt im Frühjahr oder Frühsommer 52 angetreten haben, wobei Klaudius vor dem 1. August 52 schrieb. Die Verhandlung fiele dann in das Jahr 52 oder Anfang 53 und die Ankunft des Paulus in Korinth um 51. Deissmann berichtet, dass Ramsay (1909) die Amtszeit als Statthalter von April 52 bis April 53 und die Ankunft des Paulus auf Oktober 51 ansetzte und dass Babut (1911) einen ähnlichen Zeitraum bevorzugte.
- **Der Brief wurde nach der Amtszeit des Gallio versandt.** Plassart teilte, wie Oliver (1971) berichtet, Zeile 17 so ab, dass sich ein Personalpronomen der zweiten Person Singular ergibt; damit wird der Empfänger zu einer Einzelperson, wahrscheinlich dem Nachfolger des Gallio, dem mitgeteilt wird, was Gallio berichtet hatte. Das würde das Amtsjahr des Gallio auf 51/52 und die Verhandlung in das Jahr 51 oder Anfang 52 legen. Oliver bezweifelte die Lesung, weil Klaudius Gallio noch immer Statthalter nennt, und Deianas Abteilung der Zeile beseitigt das Pronomen.
- **Apostelgeschichte 18 verbindet zwei Besuche.** Donfried, Lüdemann und Hurd (wie Fellows 2005 berichtet) sehen in Apostelgeschichte 18 eine Verbindung zweier Besuche in Korinth und setzen den Vorfall um Gallio beim späteren an; die Inschrift würde dann die Verhandlung datieren, nicht die Ankunft des Paulus. Fellows entgegnet, der Vorfall gehöre wahrscheinlich zum ersten Besuch: Wenn der Sosthenes aus Apostelgeschichte 18,17 Mitabsender des ersten Briefes an die Korinther war (1. Korinther 1,1), lässt sich der Vorfall kaum nach diesem Brief datieren.
- **Amt bestätigt, Szene unbewiesen.** Ein skeptischer Leser kann einräumen, dass Gallio etwa um diese Zeit Achaja verwaltete, und Apostelgeschichte 18,12–17 dennoch als Rahmung der Erzählung über Korinth durch Lukas behandeln. Deissmann berichtet, dass Loisy die Verhandlung, falls historisch, auf 52 oder Anfang 53 datierte. Die Inschrift klärt das Amt und das ungefähre Datum; ob das Ereignis stattfand, erfordert eine gesonderte Bewertung der Apostelgeschichte.

**Quellen**

- Epigraphic Database Heidelberg (record last updated by Cowey), Epigraphic Database Heidelberg: public legal inscription from Delphi (Achaia), EDH HD043294: <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/inschrift/HD043294>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby (references FDelphes 286; AE 2002, 1335; dated 52; Delphoi, Achaia), EDCS-66400014: <https://edcs.hist.uzh.ch/monument/66400014>
- Trismegistos Texts, text-relations service (links EDH HD043294, EDCS 66400014, PHI 240470-240472), TM 177226: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/177226>
- Wikidata: Delphi Inscription, Q5254406: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q5254406.json>
- Seneca, Seneca, Moral Letters to Lucilius (Ad Lucilium Epistulae Morales), vol. 3 (Richard Mott Gummere, 1925), Ep. 104.1: <https://en.wikisource.org/wiki/Moral_letters_to_Lucilius/Letter_104>
- Tacitus, Tacitus, Annals, Book 15 (Alfred John Church and William Jackson Brodribb (Wikisource text based on their translation), 1876), Ann. 15.73: <https://en.wikisource.org/wiki/The_Annals_(Tacitus)/Book_15>
- Cassius Dio, Cassius Dio, Roman History, Book 60 (Loeb vol. VII) (Earnest Cary, 1924), 60.24.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- Cassius Dio, Cassius Dio, Roman History, Book 60 (Loeb vol. VII) (Earnest Cary, 1924), 60.17.3: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby: CIL 06, 01256 (p 3129, 3798, 4365) = ILS 218a, EDCS-17800159 (CIL 06, 01256 (p 3129, 3798, 4365) = ILS 218a): <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/178/17800159.json>

### [Ephesus als Tempelhüterin der Artemis: Münzen, Inschriften und die Frage der Miniaturschreine](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/ephesus-artemis-neokoros)

Apostelgeschichte 19,35 ist der früheste eindeutige Text, der Ephesus den Titel einer Tempelhüterin der Artemis gibt. Münzen von 65/6 n. Chr. nennen die Epheser neokoroi, ohne den Tempel zu nennen; Inschriften fügen „der Artemis“ erst ab etwa 200 n. Chr. hinzu. Inschriften von 104 n. Chr. und aus römischer Zeit bezeugen Tempelbeamte, Silberschmiede und silberne Bilder der Artemis. Die hier ausgewerteten Quellen weisen keinen silbernen Miniaturschrein der Artemis nach, im Unterschied zu Statuetten.

- **Datierung:** Um 334 v. Chr. bis 244 n. Chr. (eine Gruppe von Quellen): Neokoros der Artemis als persönliches Amt um 334 v. Chr. (IPriene 231); neronische Münzen 65/6 n. Chr.; Salutaris-Stiftung 104 n. Chr.; „Neokoros der Artemis“ als Titel der Stadt in Inschriften von 200/210 bis 244 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Stätte von Ephesus und das Artemision (Selçuk, Türkei); IPriene 231 wurde in Priene gefunden. Die Inschriften zu Salutaris und zu den neopoioi wurden nach Steinen im British Museum als GIBM 481 und 578 veröffentlicht; ihr gegenwärtiger Standort wurde nicht anhand eines Verzeichnisses des British Museum überprüft. RPC verzeichnet das einzige bekannte Exemplar von RPC I 2628 im British Museum; Exemplare von 2626-2627 befinden sich in mehreren Sammlungen.
- **Katalognummern:** RPC I 2626; RPC I 2627; RPC I 2628; IPriene 231 (= IK Priene 150); IEph 27B (= GIBM 481); IEph 27E; IEph 300 (= CIG 2972); IEph 1578A (= GIBM 578; SEG 36, 1028); IEph 2040; IEph 2212; IEph 4336
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 19,23–41; Apostelgeschichte 19,24; Apostelgeschichte 19,27; Apostelgeschichte 19,35
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- In Ephesus im Jahr 65/6 n. Chr. geprägte Bronzemünzen nennen die Epheser neokoroi: RPC I 2626-2627, die den Statthalter Aviola und den Magistrat Aichmokles nennen, wobei 2628 nach Typ und Stil derselben Emission zugewiesen wird. Die Stadt führte den Titel etwa ein Jahrzehnt nach dem Aufenthalt des Paulus, vor ihrer ersten sicher bezeugten kaiserlichen Neokorie (dem flavischen Tempel, von Friesen auf 89/90 n. Chr. datiert). Die Legenden nennen den Tempel nicht.
- Neokoros war am Artemision lange vor Paulus ein anerkanntes Amt. Eine in Priene gefundene Inschrift (um 334 v. Chr.) ehrt Megabyxos, Sohn des Megabyxos (der erste Name ist ergänzt), als Neokoros der Artemis in Ephesus (IPriene 231).
- Ab etwa 200 n. Chr. nennen ephesische Inschriften die Stadt neben ihren kaiserlichen Neokorien Neokoros der Artemis: IEph 2040 (Theaterreparatur, 200/210 n. Chr.), IEph 300 (214/217 n. Chr.; dreimal Neokoros, zweimal der Kaiser, einmal der Artemis) und IEph 4336 (244 n. Chr.), die auch den Schreiber des Volkes und zwei neopoioi nennt. IEph 2040 könnte etwas älter sein als die Verleihung unter Caracalla, die Witetschek als offiziell betrachtet.
- Im Jahr 104 n. Chr. weihte die Salutaris-Stiftung (IEph 27) ein goldenes Bild der Artemis und mehrere silberne Bilder (die Gesamtzahl ist ergänzt). Ein Ratsbeschluss ließ sie aus der Vorhalle des Artemision zu Versammlungen und Spielen tragen, begleitet von neopoioi (Tempelbeamten). Ein undatiertes Grab aus römischer Zeit (IEph 2212) gehört einem Silberschmied, der zugleich neopoios war und um das sich das synedrion der Silberschmiede kümmerte.
- Pausanias, der im 2. Jahrhundert n. Chr. schreibt, sagt, alle Städte verehrten die Artemis von Ephesus und Einzelne ehrten sie über alle Götter (4.31.8). Diese spätere Parallele zur Behauptung ihrer weltweiten Verehrung in Apostelgeschichte 19,27 bezeugt ihr Ansehen zu seiner Zeit, nicht in den 50er-Jahren.

**Was es nicht belegt**

- Die Belege zeigen nicht, dass Demetrius, der Aufruhr im Theater oder die Rede des Stadtschreibers sich so zugetragen haben, wie Apostelgeschichte 19,23–41 erzählt. Sie zeigen, dass das städtische und religiöse Umfeld plausibel ist.
- Sie bezeugen keine silbernen Miniaturschreine der Artemis. Die silbernen Gegenstände der Salutaris-Stiftung sind Statuetten. 1890 kannte Hicks keine Metallschreine der Artemis aus Ephesus, und die hier ausgewerteten Quellen fügen keine hinzu. Gegenstände aus Edelmetall sind selten erhalten; dieses Schweigen ist daher ein schwaches Indiz.
- Sie beweisen nicht, dass „Neokoros der Artemis“ in den 50er-Jahren ein förmlicher Titel der Stadt war. Die neronischen Münzen nennen den Tempel nicht, und Formulierungen, die Artemis nennen, erscheinen in Inschriften erst ab etwa 200 n. Chr.
- IEph 1578A nennt in ihrer beschädigten Datierungsformel einen Demetrios, dessen Amt verloren ist, und Demetrios, Sohn des Menophilos, als ersten aufgeführten neopoios; es kann sich um denselben Mann handeln oder nicht. Keiner von beiden lässt sich mit dem Silberschmied aus Apostelgeschichte 19,24 identifizieren.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

War „Neokoros der Artemis“ zur Zeit des Paulus gebräuchlich? Keil (1919), dem Friesen zustimmt, bezog die neronischen Münzen auf Artemis. Burrell und Kirbihler verbinden sie mit einem unter Nero gewährten kaiserlichen Tempel; Burrell versteht Apostelgeschichte 19,35 dennoch als Spiegel der 50er-Jahre, da der Titel seiner Ansicht nach zwischen der kaiserlichen Neokorie von Ephesus und dem frühen 3. Jahrhundert nicht zur Stadt gepasst hätte. Witetschek hält die Münzen für sich genommen für nicht beweiskräftig, liest Apostelgeschichte 19,35 aber als Beleg dafür, dass Epheser zur Zeit des Lukas im späten 1. Jahrhundert den Titel verwenden konnten, was wiederum Keils Deutung der Münzen plausibler macht. Pervo vermutet einen leichten Anachronismus. Zu den Schreinen des Demetrius schlug Ramsay kleine Schreine der Göttin aus Terrakotta, Marmor und Silber vor; Hicks bevorzugte Statuetten und identifizierte Demetrius mit einem Beamten der neopoioi; Rogers hält diese Identifizierung für spekulativ.

**Andere Lesarten**

- **Informeller Titel bereits in Gebrauch (die Apostelgeschichte passt zu den 50er-Jahren).** Ephesus nannte sich schon vor jedem kaiserlichen Tempel informell Neokoros der Artemis, und die neronische Legende von 65/6 n. Chr. bezieht sich auf Artemis (Keil, dem Friesen zustimmt; auch die Anmerkung von RPC zu 2628 erwägt einen Tempel der Artemis). Nach dieser Auffassung passen die Worte des Stadtschreibers in Apostelgeschichte 19,35 in die Zeit des Paulus, auch wenn die Apostelgeschichte der früheste eindeutige Text ist, der der Stadt diesen Titel der Artemis gibt.
- **Die neronischen Münzen beziehen sich auf einen kaiserlichen Tempel.** Die Münzen von 65/6 n. Chr. spiegeln einen provinzialen kaiserlichen Tempel, der unter Nero gewährt und nach seinem Tod unterbrochen wurde (Burrell, Kirbihler). Sie sagten dann nichts über einen Titel mit Bezug auf Artemis, und Apostelgeschichte 19,35 stünde als einziger Beleg aus dem 1. Jahrhundert dafür da. Witetschek urteilt, diese Theorie beruhe mehr auf Vermutung und Lücken in den Quellen als auf klaren Belegen.
- **Die eigene Zeit des Lukas oder ein Anachronismus.** Die Wendung spiegelt, wie die Epheser ihre Stadt zur Abfassungszeit der Apostelgeschichte im späten 1. Jahrhundert verstanden (Witetschek), oder sie ist möglicherweise ein leichter Anachronismus (Pervo). In beiden Fällen ist sie ein Beleg für das Umfeld des Lukas, nicht eine Aufzeichnung von Worten, die in den 50er-Jahren gesprochen wurden.
- **Was waren die Schreine des Demetrius?.** Es könnten kleine Schreine der Göttin gewesen sein, die zur Weihung verkauft wurden: billige aus Terrakotta, teurere aus Marmor oder Silber (Ramsay). Hicks hielt Metallstatuetten wie die Bilder der Salutaris-Stiftung für wahrscheinlicher und identifizierte Demetrius mit dem Demetrios der Datierungsformel von IEph 1578A, den er für den Vorsteher der neopoioi hielt. Rogers betrachtet diese Identifizierung als Spekulation.

**Quellen**

- Pausanias, Description of Greece (W. H. S. Jones and H. A. Ormerod, 1918), Paus. 4.31.8: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0160%3Abook%3D4%3Achapter%3D31%3Asection%3D8>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XII §5, 'Demetrius the Silversmith' (p. 278 in the 1903 printing): <https://archive.org/download/cu31924029332297/cu31924029332297_djvu.txt>

### Der Stadtschreiber und die Asiarchen von Ephesus

Inschriften zeigen, dass beide Titel, die die Apostelgeschichte beim Aufruhr in Ephesus verwendet, real waren. Ein Dekretfragment aus der Regierungszeit des Tiberius wurde im Amtsjahr eines grammateus (Schreibers) des Volkes ratifiziert, dessen Name verloren ist, und eine Weihung von 92/93 n. Chr. ist nach Tiberius Claudius Aristion als grammateus und „dem Asiarchen“ datiert. Keiner dieser Texte erwähnt Paulus oder den Aufruhr. Ephesische Inschriften mit Asiarchen beginnen erst im späten 1. Jahrhundert, und was Asiarchen waren, ist noch umstritten.

- **Datierung:** Der Zeitraum umfasst nur die ephesischen Inschriften, von der Regierungszeit des Tiberius (14–37 n. Chr.) bis 102/114 n. Chr. SEG 57.1220 aus Silandos in Lydien wird von den Herausgebern ins 1. Jahrhundert v. Chr. datiert, muss aber nach 29/27 v. Chr. liegen; andere bevorzugen das 1. Jahrhundert n. Chr. Das Martyrium des Polykarp, hier nach Eusebius zitiert, stammt aus der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Die ephesischen Texte wurden in Ephesus (Selçuk, Türkei) gefunden, mit Ausnahme von Fragment c von Suppl. Ephes. 241, das in Pamucak gefunden wurde. SEG 57.1220 stammt aus Silandos in Lydien (Fundort Tamasis/Selmanhacılar). Der gegenwärtige Standort der Steine wurde nicht überprüft. Das Martyrium des Polykarp ist als Text erhalten und wird hier nach Eusebius zitiert.
- **Katalognummern:** I.Ephesos 508 (PHI PH248466; McCabe, Ephesos 753); I.Ephesos 234 (PHI PH248454; McCabe, Ephesos 741); I.Ephesos 424 (PHI PH247993; McCabe, Ephesos 285); I.Ephesos 858 (PHI PH248477; McCabe, Ephesos 763); Suppl. Ephes. 241 (PHI PH255995; new fragments of the donor list I.Ephesos 1687); Suppl. Ephes. 142+0144 (PHI PH255972); SEG 57.1220 (PHI PH348884)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 19,31; Apostelgeschichte 19,35–41; Apostelgeschichte 19,23–41
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ephesus hatte vor dem Aufenthalt des Paulus einen städtischen Amtsträger namens grammateus (Schreiber) des Volkes. Ein Dekretfragment, nach seiner Formel in die Regierungszeit des Tiberius (14–37 n. Chr.) datiert, wurde im Amtsjahr des Oberpriesters des Tiberius und eines grammateus des Volkes (Name verloren) ratifiziert, mit Zustimmung „der strategoi und des grammateus des Volkes“. Spätere Weihungen unter Domitian und Trajan sind nach dem grammateus datiert.
- Ein Asiarch ist möglicherweise schon vor Paulus außerhalb von Ephesus bezeugt. Ein Text aus Silandos in Lydien (SEG 57.1220) ehrt Tiberius [Iulius?] Damas als Asiarchen und Sebastophanten. Seine Herausgeber datieren ihn ins 1. Jahrhundert v. Chr., doch der augusteische Kulttitel erfordert ein Datum nach 29/27 v. Chr., und Campanile bevorzugt das 1. Jahrhundert n. Chr. (wie Witetschek 2009 berichtet).
- Dieselben Honoratioren konnten beide Ämter bekleiden. Ti. Claudius Aristion ist 88/89 n. Chr. „Oberpriester von Asia“ (I.Ephesos 234) und 92/93 n. Chr. grammateus und „der Asiarch“ (I.Ephesos 508); Claudius Aristion, der allgemein mit ihm gleichgesetzt wird, ist 102/114 n. Chr. „dreimal Asiarch“ (I.Ephesos 424). T. Flavius Pythion ist 104/105 n. Chr. zum zweiten Mal grammateus und Asiarch (I.Ephesos 858).
- Die Titel in der Erzählung vom Aufruhr (Apostelgeschichte 19,31 und Apostelgeschichte 19,35) sind real: grammateus in Ephesus vor Paulus, Asiarch in Ephesus ab dem späten 1. Jahrhundert und möglicherweise früher anderswo in Asia.

**Was es nicht belegt**

- Keiner dieser Texte nennt Paulus, Demetrius, den Aufruhr oder den namenlosen Stadtschreiber von Apostelgeschichte 19,35. Sie bestätigen die Titel und das Umfeld, nicht die Ereignisse, die die Apostelgeschichte erzählt.
- Sie klären nicht, was ein Asiarch war oder tat. Der Titel könnte eine andere Bezeichnung für den Oberpriester des provinzialen Kaiserkults sein, eine eigene, an die Ausrichtung von Spielen gebundene Ehre oder ein städtisches Amt.
- Ephesische Inschriften mit Asiarchen beginnen in spätflavischer Zeit (um 89/90 n. Chr.). Für sich genommen können sie nicht zeigen, ob Apostelgeschichte 19,31 die 50er-Jahre oder die eigene Zeit des Lukas widerspiegelt; unter den hier angeführten Texten könnte nur SEG 57.1220 älter sein, und seine Datierung ist unsicher.
- Das Martyrium des Polykarp, von Eusebius zitiert, stammt aus Smyrna, etwa ein Jahrhundert nach Paulus. Es zeigt einen Asiarchen, der dort Spielen vorsteht, nicht die ephesische Praxis der 50er-Jahre.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Viele Gelehrte, von Ramsay bis Deininger und Rossner, haben „Asiarch“ als andere Bezeichnung für den Oberpriester des provinzialen Kaiserkults von Asia gelesen. Kearsley (1986) und Friesen (1999) argumentierten, die Titel seien verschieden, und Friesen belebte Magies Auffassung wieder, Asiarchen seien eine besondere Klasse von Spielleitern gewesen. Im Martyrium des Polykarp, wie Eusebius es zitiert, weigert sich der Asiarch Philippos, einen Löwen loszulassen, weil er die Spiele beendet habe. Eine zweite Frage betrifft die Datierung. Witetschek räumt ein, dass das Amt vor 89/90 n. Chr. existierte, und verweist auf die Asiarchen, die Strabon zur Zeit des Augustus in Tralles nennt, argumentiert aber, dass seine neue Bedeutung danach Apostelgeschichte 19,31 zu einer Aktualisierung aus der eigenen Zeit des Lukas macht. Kirbihler spricht von einer flavischen Überarbeitung; Hemer zählte die Asiarchen zu den Ortskenntnissen des Lukas.

**Andere Lesarten**

- **Asiarch als provinzialer Oberpriester.** Nach dieser Auffassung war „Asiarch“ ein anderer Titel für den Oberpriester des Kaiserkults von Asia. Die mehreren Asiarchen von Apostelgeschichte 19,31 wären dann ehemalige Amtsinhaber, die den Titel behielten (Deininger), oder die Oberpriester der Tempel der Provinz. Witetschek wendet ein, dass es nur zwei oder drei solcher Tempel gab, dass die Amtszeiten ein Jahr dauerten und dass ehemalige Asiarchen in ephesischen Inschriften anders bezeichnet werden.
- **Asiarch als eigene Ehre.** Nach dieser Auffassung waren Asiarchen eine eigene und zahlreichere Ehre. Für Friesen, der Magie folgt, waren sie eine besondere Kategorie von Spielleitern (Agonotheten); Kearsley schlug später städtische Magistrate vor (wie Friesen 1999 berichtet). In beiden Fällen konnten sich mehrere Asiarchen gleichzeitig in Ephesus aufhalten, ohne Verbindung zum Oberpriesteramt des Kaiserkults.
- **Lokalkolorit aus der eigenen Zeit des Lukas.** Die Asiarchen von Apostelgeschichte 19,31 spiegeln die Verhältnisse zur Abfassungszeit der Apostelgeschichte, nachdem das Amt neue Bedeutung gewonnen hatte: eine Aktualisierung statt eines Anachronismus (Witetschek 2009) oder eine flavische Überarbeitung, die einen späteren Begriff auf ein Amt aus der Zeit des Paulus anwandte (Kirbihler, wie Witetschek berichtet). In beiden Fällen ist der Vers eher ein Beleg für die Welt des Lukas als für die des Paulus.
- **Eine Erinnerung an die Zeit des Paulus.** Asiarchen älterer Art gab es schon vor dem flavischen Tempel; Lukas könnte sich also auf sie beziehen, und ihre Freundschaft mit Paulus muss nicht als unwahrscheinlich abgetan werden (Hemer, wie Witetschek berichtet). Witetschek hält dies für möglich, liest den Vers aber lieber als Aktualisierung.

**Quellen**

- Eusebius, Church History, Book 4 (quoting the Martyrdom of Polycarp), Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1 (Arthur Cushman McGiffert, 1890), Hist. eccl. 4.15.27: <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (10th ed., CCEL text), ch. XII §5, 'Demetrius the Silversmith': <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>

### [Die Politarcheninschriften von Thessalonich und der Stein vom Vardar-Tor](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/thessalonica-politarchs)

Inschriften aus Thessalonich zeigen, dass in Apostelgeschichte 17,6 und 17,8 für die höchsten Beamten der Stadt der zutreffende Titel verwendet wird, Politarchen: Texte von Augustus bis 143 n. Chr. führen Kollegien von fünf oder sechs auf. Ein Block vom Vardar-Tor, heute im British Museum, nennt nach der üblichen Lesart sechs, doch seine Datierung ist umstritten. Der Titel ist in der Literatur selten, in makedonischen Inschriften aber häufig. Die Steine bestätigen kein Ereignis, keine Bürgschaft und keine Person aus Apostelgeschichte 17,1–9.

- **Datierung:** Der Block vom Vardar-Tor trägt keine Datierungsformel. Burton setzte ihn nach 30 v. Chr. an, möglicherweise sogar erst 143 n. Chr. oder später; Athanasiadis datiert eine Liste, die er als IG X 2,1 126 anführt und in Worten beschreibt, die zu diesem Text passen, in das frühe 1. Jahrhundert n. Chr. statt wie Edson ins 2. Jahrhundert. Die übrigen Politarchentexte aus Thessalonich reichen von der Regierungszeit des Augustus bis 143 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** British Museum, London (Block vom Vardar-Tor, 1877 von J. E. Blunt geschenkt, laut GIBM). Der augusteische Politarchentext vom Kalamaria-Tor ist verloren (Burton).
- **Katalognummern:** CIG 1967; GIBM II 171
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 17,1–9; Apostelgeschichte 17,5–9; Apostelgeschichte 17,6; Apostelgeschichte 17,8; Apostelgeschichte 19,29; Apostelgeschichte 20,4; Römer 16,21
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Die höchsten städtischen Beamten von Thessalonich bildeten ein Kollegium mit dem Titel Politarchen – die Amtsträger, die englische Übersetzungen von Apostelgeschichte 17,6 und 17,8 die Herrscher der Stadt nennen. Ein heute verlorener augusteischer Text vom Kalamaria-Tor nennt fünf, ein Text von 143 n. Chr. sechs, und der Block vom Vardar-Tor nach der üblichen Lesart sechs. Das entspricht dem mehrköpfigen Gremium, vor das Jason und andere Gläubige gebracht wurden.
- In der erhaltenen griechischen Literatur kommt der Titel nur in der Apostelgeschichte vor; Aineias Taktikos 26.12 (Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr.) hat eine verwandte Form, politarchos. Inschriften bezeugen das Amt häufig, ganz überwiegend in Makedonien. Die Apostelgeschichte verwendet also einen präzisen regionalen Begriff statt eines allgemeinen Wortes für Herrscher.
- Der Text von 143 n. Chr. nennt auch den Rat (boule) und das Volk (demos) der Stadt – den städtischen Rahmen, den Apostelgeschichte 17,5–9 voraussetzt, wenn die Menge die Missionare vor das Volk bringen will. Volksversammlung und Rat waren in griechischen Städten üblich, daher ist dieses Detail allgemein; die kennzeichnende Übereinstimmung ist der Politarchentitel.

**Was es nicht belegt**

- Die Belege bestätigen kein Ereignis aus Apostelgeschichte 17,1–9: weder die Predigt in der Synagoge noch den Aufruhr, die Gastfreundschaft des Jason oder die Bürgschaft, die man von Jason und den anderen nahm.
- Das Amt ist von der Zeit vor der römischen Neuordnung von 167 v. Chr. (nach Maris Lesart des ephebarchischen Gesetzes von Amphipolis) bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. bezeugt, in vielen makedonischen Städten und darüber hinaus. Die korrekte Verwendung des Titels kann daher für sich allein weder die Apostelgeschichte datieren noch zeigen, dass ihr Verfasser Augenzeuge war.
- Die Namen Sosipatros, Secundus und Gaius auf dem Block waren verbreitet. Secundus ist der Vater des ersten Politarchen und Gaius der Vorname eines anderen Politarchen, Gaius Agilleius Poteitus; sie identifizieren daher weder Sekundus noch Gaius aus Apostelgeschichte 19,29 und 20,4 noch Sosipater aus Römer 16,21.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zu den offenen Fragen gehört die Datierung des Blocks vom Vardar-Tor. Boeckhs flavische oder spätere Datierung (nicht vor 69 n. Chr.) beruhte auf einem falsch gelesenen Namen; Burton datierte ihn nach 30 v. Chr. und möglicherweise auf 143 n. Chr. oder später; Athanasiadis berichtet von einer Umdatierung ins frühe 1. Jahrhundert für eine Liste, die er als IG X 2,1 126 anführt – offenbar dieser Text –, gegen Edsons Datierung ins 2. Jahrhundert. Der Block nennt nach der üblichen Lesart sechs Politarchen, doch Mordtmann hielt fünf für möglich. Die größere Frage ist, wie viel ein korrekter Titel zur Zuverlässigkeit der Apostelgeschichte beiträgt: Hemer wertet solche Details als Beleg für einen gut unterrichteten Verfasser, während Pervo die Apostelgeschichte auf etwa 115 n. Chr. datiert. Behauptungen, die Forschung habe den Titel bezweifelt, bis dieser Stein auftauchte, treffen nicht zu: Er wurde 1740 veröffentlicht, und neutestamentliche Lexika des 19. Jahrhunderts führten ihn bereits an (Burton).

**Andere Lesarten**

- **Gut unterrichteter, aber späterer Verfasser.** Burtons Belege zeigen Politarchen bis ins 3. Jahrhundert n. Chr.; ein gut unterrichteter Verfasser, der im frühen 2. Jahrhundert schrieb (wie Pervo für die Apostelgeschichte argumentiert), konnte den Titel also dennoch korrekt verwenden. Nach dieser Sicht bestätigen die Inschriften die Genauigkeit des Schauplatzes, nicht eine frühe Abfassung oder eine Erzählung aus Augenzeugenschaft.
- **Zutreffendes Detail innerhalb einer kumulativen Argumentation.** Hemer und andere behandeln den korrekten Titel als eines von vielen präzisen lokalen Details in der Apostelgeschichte, die zusammen auf einen Verfasser mit genauer Kenntnis der beschriebenen Orte hinweisen. Selbst nach dieser Sicht bestätigen die Inschriften den Titel, nicht die Episode.
- **Makedonisch statt ausschließlich thessalonisch.** Politarchen sind in anderen makedonischen Städten sowie in Thrakien, Bithynien und am Bosporus bezeugt, und ein politarches erscheint in ptolemäischen Papyri aus Herakleopolis in Ägypten. Der Begriff passt daher allgemein für eine makedonische Stadt und ist kein Insiderdetail, das nur Thessalonich eigen wäre, auch wenn Thessalonich einen ungewöhnlich großen Anteil der Belege liefert.

**Quellen**

- C. T. Newton (ed.), The Collection of Ancient Greek Inscriptions in the British Museum, Part II, GIBM II no. CLXXI (171), Macedonia section: <https://archive.org/download/collectionofanci00brit/collectionofanci00brit_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. X, sec. 6, p. 227: <https://archive.org/download/paulthetraveller00ramsuoft/paulthetraveller00ramsuoft_djvu.txt>
- Wikidata: Golden Gate (Thessaloniki), alias Vardar Gate, Q96631855: <https://www.wikidata.org/w/api.php?action=wbgetentities&ids=Q96631855&props=labels%7Cdescriptions%7Caliases%7Cclaims%7Csitelinks&languages=en%7Cel%7Cde%7Cfr&format=json>
- Pleiades: Thessalonica, 491741: <https://pleiades.stoa.org/places/491741/json>

### [Inschriften, die möglicherweise den Statthalter Sergius Paulus nennen](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/sergius-paulus-inscriptions)

Keine erhaltene Inschrift nennt den Statthalter Sergius Paulus aus Apostelgeschichte 13,7 mit Sicherheit. Ein claudischer Grenzstein in Rom nennt einen Senator, L. Sergius Paullus; in Antiochia in Pisidien gibt es später im Jahrhundert Sergii Paulli; eine Grabinschrift aus Soloi erwähnt ein Amt, das unter einem Statthalter Paulos ausgeübt wurde; ein Fragment aus Kythrea wird so gelesen, dass es einen Quintus Serg- nennt. Sie zeigen, dass der Name zu einem Senator jener Zeit passt, doch jede Verbindung zum Statthalter von Zypern beruht auf Ergänzung, Schlussfolgerung oder einem undatierten Text.

- **Datierung:** Cippus aus Rom 41–54 n. Chr. (Klaudius; EDR schlägt 41–47 vor). Fragment aus Kythrea: erste Hälfte des 1. Jahrhunderts laut dem Verzeichnis des Met und 1. Jahrhundert nach den Buchstabenformen (van Elderen), wobei der Kaiser als Tiberius oder Klaudius ergänzt wird. Grabinschrift aus Soloi aus der Zeit nach Klaudius (PHI); das darin erwähnte Jahr des Paulos liegt früher und nennt keine Ära. Antiochia in Pisidien: Text der Sergia Paulla 81–96 n. Chr.; die Basis des L. Sergius Paullus filius ist undatiert (Ramsay setzte die Buchstaben des identischen Textes aus Salir auf 60–100 n. Chr. an).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Rom, Museo Nazionale Romano, Kreuzgang des Michelangelo, Inv. 242 (Tiber-Cippus, laut EDR). New York, Metropolitan Museum of Art, Cesnola Collection, Akzessionsnummer 74.51.2425 (Fragment aus Kythrea, laut dem Verzeichnis des Met). Heutiger Aufbewahrungsort der Steine aus Soloi und Antiochia in Pisidien nicht überprüft.
- **Katalognummern:** CIL VI 31545; ILS 5926; EDR127293; TM 281782; EDH HD046352; AE 2002, 1457; TM 176947; EDH HD046353; AE 2002, 1458; TM 176948; IGR III 300; Sterrett, EJ 134,108; JRS 3 (1913) 262,5; IGR III 930; ABSA 42 (1947) 201,1; IGR III 935; SEG 20:302; SEG 55:1526; Myres 1914, no. 1903
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 13,6–12; Apostelgeschichte 13,7
- **Grad der Sicherheit:** Mittel
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- Zypern wurde von Prokonsuln regiert, nachdem Augustus die Insel um 22 v. Chr. der Verwaltung des Volkes zurückgegeben hatte (Dio 54.4.1); der Titel, den die Apostelgeschichte dem Statthalter der Insel gibt, passt daher in die Zeit, wie Ramsay betonte.
- Ein Grenz-Cippus vom Tiber in Rom (CIL VI 31545 = ILS 5926), aufgestellt im Auftrag des Klaudius (41–54 n. Chr.), führt L. Sergius Paullus als einen von fünf Kuratoren der Ufer und des Flussbetts des Tibers auf. Ein Senator, der beide Namen trug, die die Apostelgeschichte angibt, bekleidete also unter Klaudius ein öffentliches Amt in Rom.
- In Antiochia in Pisidien nennt eine undatierte Ehrenbasis (EDH HD046352) L. Sergius Paullus, Sohn des Lucius, mit dem Zusatz filius (der Jüngere), in einem frühen Abschnitt einer senatorischen Laufbahn: Straßenkommissar (IIIIvir viarum curandarum), Militärtribun der legio VI Ferrata und Quästor. Ramsay veröffentlichte einen identischen Text nach einer Abschrift, die 1912 in Salir angefertigt wurde. Ein Fragment (EDH HD046353) ehrt die Schwiegermutter eines Paullus Ser[gius].
- Ein griechischer Ehrentext von 81–96 n. Chr. aus Antiochia in Pisidien (IGR III 300) nennt [Ser]gia(?) Paulla, Tochter des Lucius, als Ehefrau des C. Caristanius Fronto, des Legaten Domitians für Lyzien und Pamphylien; der Name Sergia ist teilweise ergänzt. Zusammen mit der Basis weist er auf eine senatorische Familie der Sergii Paulli hin, die im späteren 1. Jahrhundert in Antiochia in Pisidien geehrt wurde.
- Eine Grabinschrift aus Soloi (IGR III 930) hält fest, dass Apollonios als Zensor im 10. Jahr unter einem Statthalter Paulos die Ratsliste überarbeitete (Titel teilweise ergänzt; keine Ära genannt). Ein Fragment aus Kythrea (IGR III 935) wird als Quintus Serg- neben einem Kaiser gelesen, dessen Name verloren ist. Herausgeber ergänzen es als Datierungsformel, die den Statthalter nennt, doch Rigsby liest es anders.

**Was es nicht belegt**

- Keine dieser Inschriften nennt den Statthalter aus Apostelgeschichte 13,7 mit Sicherheit. Der Stein aus Rom nennt kein Amt auf Zypern, der Text aus Soloi nennt nur Paulos, und auf dem Fragment aus Kythrea sind die Wörter für Paulos und Statthalter vollständig redaktionelle Ergänzungen.
- Sie datieren den Besuch des Paulus auf Zypern nicht. Die Ergänzungen des Textes aus Kythrea reichen von Tiberius (Campbell: bis 37 n. Chr.) bis Klaudius (SEG 20.302: 46–48 n. Chr.), und das Jahr des Paulos in Soloi nennt keine Ära.
- Sie zeigen weder, dass die Sergii Paulli von Antiochia in Pisidien vom Statthalter von Zypern abstammen, noch, dass er oder seine Verwandten Christen wurden. Ramsays Rekonstruktion der Familie beruht auf Schlüssen aus Namen und aus Schweigen, und er selbst nannte sie eine Hypothese. Auch bestätigen die Steine die Episode um Elymas nicht.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Ist der Statthalter der Apostelgeschichte in irgendeiner Inschrift bezeugt? Viele identifizieren ihn mit dem Tiberkurator L. Sergius Paullus, weil ein Prokonsulat auf Zypern vor oder nach einer claudischen Kuratur liegen könnte. Doch wie van Elderen betonte, verbindet kein Text diesen Mann mit Zypern, und die Apostelgeschichte nennt kein Praenomen. Der Paulos von Soloi hat keinen Familiennamen: Mitford errechnete, wie van Elderen berichtet, frühestens 50 n. Chr. und hielt die Inschrift für wahrscheinlich erheblich später, während Ramsays ältere Lesart die Wendung als Datum des Steins selbst verstand. In Kythrea ist nur Quintus Serg- erhalten, weshalb Myres die Verbindung ablehnte. Campbell ergänzte Tiberius und datierte den Besuch bis 37 n. Chr., eine Chronologie, die Bernier für unwahrscheinlich hält. Van Elderen wies Ramsays Familientheorie zu Antiochia in Pisidien als zu spekulativ zurück.

**Andere Lesarten**

- **Identifizierung mit dem Tiberkurator.** Nach dieser Sicht war der Statthalter aus Apostelgeschichte 13,7 L. Sergius Paullus, der claudische Tiberkurator von CIL VI 31545, der Zypern vor oder nach diesem Amt regierte. Name und Datierung machen dies plausibel, doch keine Inschrift verbindet ihn mit Zypern, und die Apostelgeschichte nennt kein Praenomen.
- **Quintus Sergius in Kythrea.** Nach Campbells Ergänzung nennt das Fragment einen Quintus Serg[ius Paullus], wahrscheinlich den Statthalter; die Wörter für Paulos und Statthalter sind vollständig ergänzt. Campbell ergänzt Tiberius und datiert die Mission auf Zypern daher bis 37 n. Chr., früher als üblich; die ältere Lesart von SEG 20.302 ergänzt Klaudius (46–48). Myres nahm an, der Statthalter der Apostelgeschichte sei ein Lucius gewesen, und lehnte die Verbindung ab; van Elderen hielt diesen Mann mit Vorbehalt für den attraktivsten Kandidaten.
- **Ramsays Familienhypothese.** Ramsay schlug als Hypothese vor, dass L. Sergius Paullus in Antiochia in Pisidien der Sohn des Prokonsuls und Sergia Paulla dessen Tochter gewesen sei und dass der christliche Glaube über sie an ihren Sohn weitergegeben worden sei, während die männliche Linie heidnisch blieb. Van Elderen, der sich auf Lakes Urteil von geistreichen, aber nicht überzeugenden Kombinationen berief, verwarf das Schema.
- **Noch nicht bezeugt.** Keine erhaltene Inschrift nennt den Statthalter der Apostelgeschichte mit Sicherheit. Mehrere Senatoren trugen den Namen Paullus: IGR III 939 aus Palaipaphos nennt Paullus Fabius Maximus, von dem Dessau erschloss, dass er Zypern verwaltet hatte. Ein gemeinsamer Name allein kann die Identifizierung nicht entscheiden.

**Quellen**

- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby: CIL 06, 31545 (p 3796, 4362) = ILS 5926; TM 281782, EDCS-19500065 (CIL 06, 31545 (p 3796, 4362) = ILS 5926; TM 281782): <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/195/19500065.json>
- Epigraphic Database Heidelberg: honorific base of L. Sergius Paullus filius, Antiochia Pisidiae, EDH HD046352 (AE 2002, 1457; TM 176947): <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/data/api/inschrift/suche?hd_nr=HD046352>
- Epigraphic Database Heidelberg: fragment naming Paullus Ser[gius] and L. Serg[ius], Antiochia Pisidiae, EDH HD046353 (AE 2002, 1458; TM 176948): <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/data/api/inschrift/suche?hd_nr=HD046353>
- John L. Myres, Handbook of the Cesnola Collection of Antiquities from Cyprus (Metropolitan Museum of Art), no. 1903, p. 319 (appendix text p. 548): <https://archive.org/download/handbookofcesnol00metruoft/handbookofcesnol00metruoft_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. IV, p. 74: <https://archive.org/download/stpaultravellerr00rams/stpaultravellerr00rams_djvu.txt>
- Cassius Dio, Roman History (Loeb Classical Library, vol. VI) (Earnest Cary, 1917), 54.4.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/54*.html>

### Inschriften mit dem Namen Derbe bei Karaman (Kerti Höyük und Devri Şehri)

Zwei griechische Inschriften nennen Derbe in der Ebene nordöstlich von Karaman (dem antiken Laranda). Die eine ist eine städtische Weihung an Antoninus Pius aus dem Jahr 157 n. Chr., die 1956 auf dem Kerti Höyük (auch Kerti Hüyük geschrieben) gefunden wurde. Die andere ist eine spätere Grabinschrift für Michael, Bischof von Derbe, die im nahe gelegenen Sudurağı gesehen wurde. Zusammen verorten sie das Derbe aus Apostelgeschichte 14,20–21 und 16,1 in diesem Bezirk. Keine von beiden stammt aus dem 1. Jahrhundert, und die genaue Lage der Stadt ist weiterhin umstritten.

- **Datierung:** 157 n. Chr. für die städtische Weihung an Antoninus Pius (Van Elderen; Wagner und Wilson). Die Grabinschrift des Bischofs nennt nur den 8. Juni eines vierzehnten Indiktionsjahres; Van Elderen hielt ihre Buchstaben für möglicherweise spätes 4. bis 5. Jahrhundert, Wagner und Wilson geben das 5.–6. Jahrhundert an.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Archäologisches Museum Konya (Weihung; Van Elderen 1970 sowie Wagner und Wilson 2019 unter Berufung auf McLean 2002). Garten des Archäologischen Museums Karaman (Grabinschrift des Michael; Wagner und Wilson 2019).
- **Katalognummern:** SEG 16.758
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 14,6; Apostelgeschichte 14,20–21; Apostelgeschichte 16,1; Apostelgeschichte 20,4
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Durch Quellen gestützt

**Was es belegt**

- 1956 fand Ballance am Hang des Kerti Höyük, etwa 22 km nordnordöstlich von Karaman, einen beschrifteten Kalksteinblock (SEG 16.758). Er ehrt Antoninus Pius, stammt aus dem Jahr 157 n. Chr. und wurde vom Rat (boule) und Volk (demos) von Derbe aufgestellt; der veröffentlichte Text ergänzt das Ethnikon der Stadt als [Claudio]derbetaner.
- Mitte des 2. Jahrhunderts war Derbe also eine sich selbst verwaltende Bürgergemeinde mit eigenem Rat und eigener Volksversammlung, die den Kaiser in der üblichen griechischen städtischen Form ehrte.
- Eine christliche Grabinschrift bezeichnet Michael als gottgeliebtesten Bischof von Derbe und ist nur auf den 8. Juni eines vierzehnten Indiktionsjahres datiert. Ballance sah sie 1958 in Sudurağı (Sidrova), Van Elderen 1962. Sie bezeugt ein späteres Bistum von Derbe im selben Bezirk.
- Zusammen verorten die beiden Texte das Derbe aus Apostelgeschichte 14,6; 14,20–21 und 16,1 nordöstlich von Laranda, in Luftlinie etwa 95 km von Lystra entfernt. Damit waren frühere Vorschläge nordwestlich von Karaman überholt (Sterretts Bosola und Losta, auch Zosta genannt; Ramsays Gudelisin), von denen keiner durch eine Inschrift mit dem Namen Derbe gestützt war.

**Was es nicht belegt**

- Keine der beiden Inschriften stammt aus der Zeit des Paulus. Die Weihung ist etwa ein Jahrhundert jünger, die Grabinschrift noch jünger. Sie bezeugen die Stadt und ihre spätere christliche Gemeinde, nicht die Predigt des Paulus und des Barnabas dort, die dort gewonnenen Jünger oder die Verbindung des Timotheus oder des Gaius mit Derbe.
- Keiner der Steine wurde bei einer dokumentierten Ausgrabung gefunden. Die Weihung lag am Hang des Hügels, und der Fundort der Grabinschrift beruht auf widersprüchlichen Angaben gegenüber Ballance und Van Elderen. Die Steine entscheiden daher nicht, ob das Stadtzentrum der Kerti Höyük, der Devri Şehri oder ein größeres Gebiet war, das beide umfasste.
- Der claudische Name der Stadt klärt ihren Status in den 40er-Jahren nicht: Breytenbach und Zimmermann (nach dem Bericht von Wagner und Wilson) verstehen ihn als Ehrung, die unter Antiochos IV. von Kommagene verliehen wurde, während Jones das Präfix als eigene Verleihung durch Klaudius auffasste, wodurch Derbe außerhalb des Königreichs des Antiochos läge.
- Sie erzeugen keinen Widerspruch zu Apostelgeschichte 14,20. Die neue Verortung setzt Derbe etwa 95 km von Lystra entfernt an, doch der Vers datiert nur den Aufbruch, nicht die Ankunft, und muss daher keine Tagesreise bedeuten (Van Elderen).

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Ballance hielt es für unwahrscheinlich, dass der schwere Block (nach Van Elderen etwa eine Tonne) weit bewegt worden war, und verortete Derbe am oder nahe dem Kerti Höyük. 1964 zog er den Devri Şehri vor, etwa 4 km südsüdöstlich, weil der Kerti Höyük keine byzantinische Besiedlung zeigte und der Stein des Bischofs angeblich vom Devri Şehri stammte. Van Elderen wurde 1962 gesagt, er stamme vom Kerti Höyük; er verwies auf byzantinisches Material auf nahe gelegenen Hügeln und hielt am Kerti Höyük fest. Van Elderen, MAMA und das Fundstelleninventar der Provinz Karaman bevorzugen den Kerti Höyük; der Barrington Atlas verzeichnet, wie Wagner und Wilson berichten, beide. Wagner und Wilson berichten, dass 2013 eine Ausgrabung begann, aber nicht fortgesetzt wurde und unveröffentlicht ist. Ob Derbe innerhalb des römischen Galatien lag, als Paulus kam, bleibt eine eigene offene Frage.

**Andere Lesarten**

- **Devri Şehri als Ort der Stadt.** Ballance (1964) zog den Devri Şehri vor, etwa 4 km südsüdöstlich des Kerti Höyük, weil der Kerti Höyük keine byzantinische Besiedlung zeigte und die Grabinschrift des Bischofs angeblich vom Devri Şehri stammte. Wagner und Wilson merken an, dass der IVP Atlas dieser Verortung folgt.
- **Ein Territorium, Zentrum nicht festgelegt.** Nach dem Bericht von Wagner und Wilson (2019) behandeln Breytenbach und Zimmermann (2018) beide Hügel als Teil des Territoriums von Derbe und verorten die Stadt nahe der Straße Laranda–Sidamaria, ohne ihr städtisches Zentrum festzulegen.
- **Ältere nordwestliche Identifizierung.** Vor 1956 setzten Sterrett (Bosola und Losta, auch Zosta genannt) und danach Ramsay (Gudelisin, in The Cities of St. Paul, 1907) Derbe nordwestlich von Karaman an, näher an Lystra. Sterrett war davon beeindruckt, dass Derbe nahe bei Lystra liegen müsse; Ramsay stützte sich auf Oberflächenreste, die Straßengeografie und eine Glosse in einer späten Bistumsliste. Keiner von beiden hatte eine Inschrift mit dem Namen Derbe, und neuere Atlanten haben diese Auffassung aufgegeben.
- **Derbe zur Zeit des Paulus außerhalb der Provinz.** Ogg (1963) argumentierte, die neue Verortung lasse offen, ob Derbe zur Zeit des Paulus innerhalb der Provinz Galatien lag; Van Elderen fügte Münzbelege hinzu, wonach das nahe Laranda ab 41 n. Chr. zu Antiochos IV. gehörte. Breytenbach und Zimmermann (nach dem Bericht) stellen Derbe unter Antiochos IV., während Jones meinte, sein claudisches Präfix stamme von Klaudius selbst. Die Antwort ist für die südgalatische Hypothese zum Brief an die Galater von Belang.

**Quellen**

- J. R. S. Sterrett, The Wolfe Expedition to Asia Minor (Papers of the American School of Classical Studies at Athens III), p. 22 (itinerary for 5 June, Bosola to Almassen): <https://archive.org/download/papersofamerican03arch/papersofamerican03arch_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. VIII §5, p. 192: <https://archive.org/download/stpaultravellerr00rams/stpaultravellerr00rams_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. V §9, p. 120: <https://archive.org/download/stpaultravellerr00rams/stpaultravellerr00rams_djvu.txt>
- Pleiades: Derbe/Claudioderbe, Pleiades 648620: <https://pleiades.stoa.org/places/648620/json>
- Wikidata: Derbe (ancient city), Q20717624: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q20717624.json>

### Die Inschriften des macellum (Fleischmarkt) im römischen Korinth

Das römische Korinth besaß ein öffentliches Marktgebäude, das offiziell macellum hieß – der lateinische Begriff, der gewöhnlich mit dem Markt verbunden wird, den Paulus in 1. Korinther 10,25 erwähnt. Ein Fragment bewahrt MACELLV[M]; eine eng parallele zweite Weihinschrift wird entsprechend ergänzt. Die augusteisch bis tiberisch datierten Texte nennen Q. Cornelius Secundus und seine Familie als Stifter, offenbar mit einer Fischanlage (piscarium). Sie zeigen nicht, wo das Gebäude stand, ob es in den 50er-Jahren noch in Gebrauch war oder welches Fleisch dort verkauft wurde.

- **Datierung:** Augusteisch bis tiberisch. EDCS gibt 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. an; Kent datierte Exemplar 1 nach den Buchstabenformen in die Regierungszeit des Augustus; West datierte, wie Cadbury berichtet, in die letzten Jahre des Augustus oder die Regierungszeit des Tiberius; die Grabungsunterlagen geben die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. an. Die Spanne von 27 v. Chr. bis 50 n. Chr. umfasst diese Schätzungen.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Corinth Excavations, im antiken Korinth (die mit Inventarnummer zitierten Fragmente I 70 und I 27 gehören beide zu Exemplar 1; Magazin- oder Ausstellungsstatus nicht überprüft).
- **Katalognummern:** Corinth VIII.2 124; Corinth VIII.2 125; Corinth VIII.3 321; EDH HD058881; EDH HD058882; EDCS-32001248; EDCS-08200358; TM 177612; TM 177613
- **Bezieht sich auf:** 1. Korinther 10,25; 1. Korinther 10,23–33; 1. Korinther 8,1–13; Apostelgeschichte 18,1–18
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Zwei eng parallele lateinische Weihinschriften aus weißem Marmor, gewöhnlich als Kopien behandelt, sind in Fragmenten erhalten. Exemplar 1 (Corinth VIII.2 124, von Kent als VIII.3 321 erweitert) wird von den Herausgebern aus mehreren Fragmenten zusammengesetzt; Exemplar 2 ist VIII.2 125. Die Buchstaben MACELLV[ sind nur auf Exemplar 1 erhalten; in Exemplar 2 ist das Wort macellum vollständig ergänzt.
- Die Stifter sind Q. Cornelius Secundus aus der Tribus Aemilia, seine Frau Maecia und ihre Kinder. Ein Freigelassener, Q. Maecius Cleogenes, wird in einer teilweise ergänzten Wendung im Genitiv genannt, wahrscheinlich als Ehemann der Tochter Cornelia Secunda, nicht als Stifter.
- Die erhaltenen Buchstaben PI[ (Exemplar 1) und ]SCARIO (Exemplar 2) werden zu piscarium ergänzt, einer Fischanlage, die zusammen mit dem macellum gestiftet wurde. Ob sie innerhalb des macellum oder daneben lag, ist umstritten. In jedem Fall passt die Stiftung zu Cadburys Hinweis, dass macella Fisch und andere Lebensmittel verkauften, nicht nur Fleisch.
- Kent datierte Exemplar 1 nach den Buchstabenformen in die Regierungszeit des Augustus, und West setzte beide Texte in die letzten Jahre des Augustus oder unter Tiberius. Ein Gebäude namens macellum wurde der Kolonie also vor dem Aufenthalt des Paulus in Korinth (Apostelgeschichte 18) gestiftet, möglicherweise mehrere Jahrzehnte zuvor.
- Der lateinische Begriff war in der römischen Kolonie im offiziellen öffentlichen Gebrauch. Das Wort, das Paulus in 1. Korinther 10,25 gebraucht, ist makellon, ein Begriff, der in römischer Zeit als das lateinische macellum galt (seine letztliche Herkunft ist umstritten), und, wie Cadbury beobachtete, eines der sehr wenigen lateinischen Lehnwörter in den Briefen des Paulus.

**Was es nicht belegt**

- Wo das macellum stand. Kents hinzugefügtes Fragment stammt aus der Südbasilika, und Gill sagt, das Gebäude sei nicht mit Sicherheit identifiziert. Er gibt Ward-Perkins' Beschreibung des Nordmarkts von Korinth als Markt pompejanischen Typs und Wisemans Hinweis auf ein macellum nördlich des Tempelhügels wieder, doch nichts verbindet diese Inschriften mit einem der beiden oder mit irgendeinem Gebäude, das zur Zeit des Paulus sicher in Gebrauch war.
- Ob das Gebäude noch in Gebrauch war, als Paulus schrieb, oder wie viel des dort verkauften Fleisches aus Tempelopfern stammte. Der erhaltene Text nennt Stifter und Gebäude, nicht dessen Handel oder Belieferung.
- Irgendein Ereignis aus Apostelgeschichte 18 oder irgendein Detail des korinthischen Streits um Götzenopferfleisch. Unabhängig davon wurde ein griechisches Graffito aus der Südstoa, das einst als Nennung eines Metzgers gelesen wurde, später von seinem Ausgräber Broneer als Personenname neu gelesen, wie Gill berichtet; es ist also kein Beleg für den Markt.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen bleiben offen. Erstens: War das piscarium Teil eines einzigen macellum (Nabers, dem Gill folgt) oder ein eigenes Gebäude? De Waele schlug, wie Cadbury berichtet, zwei Marktgebäude nahe der Lechaion-Straße vor; Cadbury hielt einen eigenen, aber verbundenen Fischmarkt für möglich; und Cadbury und Gill beschreiben Wests eigene Lesart unterschiedlich. Zweitens: Wo stand das Gebäude? De Waele verortete es an der Stelle des Peribolos des Apollon neben der Lechaion-Straße (berichtet von Cadbury und Gill); Gill verweist außerdem auf Ward-Perkins' Beschreibung des Nordmarkts als Markt pompejanischen Typs. Keiner dieser Orte ist mit den Inschriften verbunden. Drittens: Wie viel des Marktfleisches stammte aus Opfern? Cadbury bezweifelte, dass macella grundsätzlich eng mit dem Tempelkult verbunden waren. Die Anweisungen des Paulus in 1. Korinther 10,25–28 setzen voraus, dass ein Käufer womöglich nicht wusste, ob Fleisch als Opfer dargebracht worden war.

**Andere Lesarten**

- **Zwei getrennte Marktgebäude.** De Waele schlug in einem von Cadbury wiedergegebenen Brief von 1934 ein macellum an der späteren Stelle des Peribolos des Apollon und ein eigenes piscarium nördlich der römischen Basilika vor. Cadbury hielt einen eigenen, aber verbundenen Fischmarkt für möglich. Gill sagt, West, dem Kent folgte, habe ein eigenes Macellum Piscarium gelesen; Cadbury sagt, die frühe Lesart habe auf ein einziges geschlossen.
- **Ein macellum mit Fischanlagen.** Gill berichtet, Nabers (1969) habe argumentiert, die Cornelii hätten kaum zwei Gebäude mit derselben Funktion gestiftet. Andere macellum-Inschriften verwenden „macellum cum ...“, um Bestandteile eines einzigen Komplexes aufzuzählen; das macellum von Korinth umfasste daher wahrscheinlich Einrichtungen für Fisch. Gill (1992) folgt dieser Lesart.
- **Genau der Markt, den Paulus meinte.** Fee (1987) betrachtet, wie Gill ihn zitiert, eine korinthische macellum-Inschrift als Nennung genau des Marktes aus 1. Korinther 10,25. Das ist plausibel, wenn das Gebäude in den 50er-Jahren noch der Lebensmittelmarkt der Kolonie war, doch die Inschriften zeigen weder, dass es fortbestand, noch, wo es stand, noch, dass es der einzige Ort war, an dem Fleisch verkauft wurde.

**Quellen**

- Epigraphic Database Heidelberg (Cowey), Epigraphic Database Heidelberg: building/dedicatory inscription from Colonia Laus Iulia Corinthus (West 124 + Kent 321, copy 1), EDH HD058881: <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/inschrift/HD058881>
- Epigraphic Database Heidelberg (Cowey), Epigraphic Database Heidelberg: building/dedicatory inscription from Colonia Laus Iulia Corinthus (West 125, copy 2), EDH HD058882: <https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/inschrift/HD058882>
- Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby (Corinth-08-02, 00124; Corinth-08-03, 00321), EDCS-32001248: <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/320/32001248.json>
- Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby (Corinth-08-02, 00125), EDCS-08200358: <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/082/08200358.json>
- Trismegistos text relations: Corinth macellum dedication, copy 1, TM 177612: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/uri/177612>
- Trismegistos text relations: Corinth macellum dedication, copy 2, TM 177613: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/uri/177613>

### Der „Erste der Melitenser“ auf Malta: der protos-Titel in griechischen und lateinischen Inschriften

Ein Titel wie der, den Apostelgeschichte 28,7 Publius gibt, war auf Malta in Gebrauch: Eine verlorene griechische Inschrift, nur aus frühneuzeitlichen Abschriften bekannt (IG XIV 601), nennt den römischen Ritter L. Castricius Prudens Ersten der Melitenser. Eine lateinische Basis des 2. Jahrhunderts (CIL X 7495) hat ein beschädigtes, teilweise ergänztes primus omni[um], dessen Sinn umstritten ist. Keiner der Texte nennt Publius, und die Fachleute sind uneins, ob der Titel ein Amt oder eine Ehre bezeichnete.

- **Datierung:** IG XIV 601: 1. Jahrhundert n. Chr. (EDR und EDCS 1–100 n. Chr.; tiberisch nach Mommsen, wie Kaibel festhält, und nach Hemer, 14–37 n. Chr.). CIL X 7495: 2. Jahrhundert n. Chr. (EDR 100–200 n. Chr.; EDCS 101–200 n. Chr.).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** IG XIV 601: verloren (EDR112577; Cappelletti 2024). CIL X 7495: Museum of Roman Antiquities, Rabat, Malta (laut EDR112567).
- **Katalognummern:** IG XIV 601; IGRR I 512; CIG 5754; PHI 140928; I.Sicily ISic003683; TM 285166; EDR112577; EDCS-39101548; CIL X 7495; ILS 5415; EDCS-22100614; EDR112567; TM 285139
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 28,7; Apostelgeschichte 28,1–10; Apostelgeschichte 13,50; Apostelgeschichte 28,17
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- IG XIV 601, heute verloren und aus frühneuzeitlichen Abschriften bekannt, bezeichnet einen römischen Ritter, L. Castricius Prudens aus der Tribus Quirina (Gentilname teilweise ergänzt), als Ersten der Melitenser und Patron, der Archon und amphipolos (Priester) des Gottes Augustus gewesen war.
- Mindestens ein führender Melitenser trug diesen Titel in der frühen Kaiserzeit; der Begriff, den Apostelgeschichte 28,7 auf Publius anwendet, entspricht also dem örtlichen Sprachgebrauch.
- CIL X 7495, ein fragmentarischer lateinischer Marmorblock des 2. Jahrhunderts aus Mdina, wahrscheinlich eine Statuenbasis, ehrt einen ungenannten Stifter von Tempelbauten, darunter Säulen, ein Podium und ein Pflaster. Seine beschädigte erste Zeile lautet [muni]cipi(i) Mel(itensium) primus omni[um]; der Zeilenanfang ist verloren, und der Sinn der erhaltenen Wörter ist umstritten.
- Der griechische Text zeigt im frühen 1. Jahrhundert Archonten, einen Patron und ein Priesteramt für Augustus. Von diesen beiden Texten bezeugt nur die lateinische Basis des 2. Jahrhunderts Dekurionen und den Status eines municipium. Wann Melita ein municipium wurde, ist umstritten.

**Was es nicht belegt**

- Keine der beiden Inschriften erwähnt Publius. Keine bestätigt den Schiffbruch, den Aufenthalt des Paulus, die Heilung des Vaters des Publius oder ein anderes Ereignis aus Apostelgeschichte 28,1–10.
- Welche Befugnisse, wenn überhaupt, der Titel um 60 n. Chr. mit sich brachte. Die Texte stammen aus dem frühen 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr., und der griechische Text führt „Erster“ neben dem früheren Archontat seines Trägers auf, nicht an dessen Stelle.
- Dass primus omni[um] in CIL X 7495 ein Titel ist und nicht der Beginn einer Wendung „als Erster von allen …“ über die aufgezählten Wohltaten.
- Wo auf Malta das Schiff an Land kam.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen sind offen. Erstens: Was bedeutete „Erster“ auf Malta? Smith und Ramsay verstanden es als amtlichen Titel; Kaibel sah darin eine bestimmte bürgerliche Ehrung und verband sie mit Publius; Hemer las es als Titel des höchsten örtlichen Beamten. Andere, besonders Suhl, behandeln es als Ehrentitel. Cappelletti akzeptiert Suhls Parallelen für Ehrentitel, nennt es aber einen feststehenden, amtlichen örtlichen Titel innerhalb einer sozialen und wirtschaftlichen Hierarchie und lässt seine Befugnisse offen. In IG XIV 601 steht er neben „der Archon gewesen war“, nicht an dessen Stelle. Zweitens: Ist die beschädigte lateinische Wendung in CIL X 7495 das Gegenstück? Hemer hält den lateinischen Text unter Berufung auf griechische Parallelen für nicht entscheidend und meint, primus bedeute eher der Erste, der die aufgezählten Wohltaten erbrachte. Auch wann Melita ein municipium wurde, ist umstritten: Mommsen schloss, wie Kaibel festhält, aus dem Castricius-Text, dass die Melitenser unter Tiberius keinen römischen Bürgerstatus besaßen; Cappelletti hält das municipium für wahrscheinlich augusteisch, gegen Ashbys spätere Datierung.

**Andere Lesarten**

- **Ehrenrang, kein Amt.** Der Titel könnte den führenden Honoratioren der Insel ehrenhalber auszeichnen, statt eine bestimmte Magistratur zu bezeichnen. Vergleichbare Titel wie „Erster der Provinz“ und „Erster der Stadt“ erscheinen in griechischen Inschriften des Ostens des Reiches, die Suhl gesammelt hat und Cappelletti überblickt. Nach dieser Sicht war Publius der vornehmste Mann auf Malta, doch der Titel sagt nichts über seine formalen Befugnisse.
- **Beschreibende Wendung in der Apostelgeschichte.** Lukas beschreibt Publius möglicherweise einfach in nichttechnischem Sinn als den führenden Mann der Insel. Lukas verwendet den Plural für die führenden Männer in Antiochia in Pisidien und für die führenden Männer der Juden in Rom (Apostelgeschichte 13,50; Apostelgeschichte 28,17). Smith (1848) legte diese Lesart dar, der ältere englische Übersetzer folgten, bevor er für einen amtlichen Titel argumentierte.
- **„Als Erster X tun“ in CIL X 7495.** In der lateinischen Basis könnte primus omni[um] eine Wendung „als Erster von allen …“ einleiten. Hemer (1985) hielt den Text unter Berufung auf griechische Parallelen für nicht entscheidend. Lateinische Ehreninschriften mit dieser Formel gibt es, zum Beispiel CIL XI 6054 und CIL IX 2237; diese Parallelen stammen aus der EDCS-Suche für diesen Eintrag, nicht von Hemer.

**Quellen**

- Georg Kaibel (ed.), Inscriptiones Graecae XIV: Inscriptiones Siciliae et Italiae, IG XIV 601, p. 142 (lemma, text and commentary): <https://archive.org/details/bub_gb_WNFOCQoUpq4C/page/n190>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby: IG XIV 601, EDCS-39101548 (IG 14, 00601): <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/391/39101548.json>
- Trismegistos text relations: IG XIV 601, TM 285166: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/uri/285166>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby: CIL X 7495, EDCS-22100614 (CIL 10, 07495 (p 994) = D 05415): <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/221/22100614.json>
- Trismegistos text relations: CIL X 7495, TM 285139: <https://www.trismegistos.org/dataservices/texrelations/uri/285139>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, pp. 112-114 (Malta; the title of Publius): <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog/page/n168>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV, sec. 9 'Malta', p. 343: <https://archive.org/details/paulthetraveller00ramsuoft/page/n362>

### Philippi als römische Kolonie: ihre Münzen, ihre duoviri und koloniale Liktoren

Münzen, lateinische Inschriften und Cassius Dio zeigen, dass Philippi eine römische Kolonie war, wie Apostelgeschichte 16,12 sagt, verwaltet von zwei höchsten Magistraten (duoviri). Das Stadtgesetz einer anderen Kolonie, Urso in Spanien, stellt solchen Magistraten Liktoren zur Seite. Das passt zur Apostelgeschichte, in der die Magistrate eine Prügelstrafe mit Ruten anordnen und später Stabträger schicken (Apostelgeschichte 16,22.35–38). Nichts davon bestätigt die Episode, und das Bürgerrecht des Paulus ist nur in der Apostelgeschichte bezeugt.

- **Datierung:** Kolonieprägungen von der Gründung durch Antonius nach 42 v. Chr. bis Klaudius (41–54 n. Chr.); lateinische Inschriften, die Magistrate der Kolonie nennen, 1.–2. Jahrhundert n. Chr. (die jüngste angeführte ist auf 138–161 n. Chr. datiert); Vergleichsmaterial aus dem Stadtgesetz von Urso (von der EDCS auf 44 v. Chr. datiert)
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Philippi (Krenides), östliches Makedonien, Griechenland (Fundort der Inschriften von Philippi); das Stadtgesetz von Urso stammt aus Osuna im südlichen Spanien; Münzexemplare befinden sich in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen (RPC); Dios Text ist in der handschriftlichen Überlieferung erhalten
- **Katalognummern:** RPC I 1649; RPC I 1650; RPC I 1653; EDCS-15900071; AE 1938, 52; Pilhofer, Philippi II 253; CIPh II.1, 136; EDCS-43000131; AE 2006, 1330; Pilhofer, Philippi II 324a; CIPh II.1, 121; EDCS-24200017; CIL III 14206,19; Pilhofer, Philippi II 452; CIPh II.1, 15; EDCS-20200004; CIL II 5439; ILS 6087; CIL II²/5, 1022
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 16,10–17; Apostelgeschichte 16,12; Apostelgeschichte 16,19–24; Apostelgeschichte 16,35–39; Apostelgeschichte 22,25–29; Apostelgeschichte 25,10–12; 1. Thessalonicher 2,2; 2. Korinther 11,25
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Philippi war zur Zeit des Paulus eine römische Kolonie. Ihre Münzen nennen sie eine Kolonie unter Antonius, dessen Befehl die Legende anführt (RPC I 1649), unter Augustus (RPC I 1650, COL AVG IVL PHIL IVSSV AVG) und unter Klaudius (RPC I 1653). Cassius Dio (51.4.6) berichtet, dass Octavian dort enteignete Italiker ansiedelte. Apostelgeschichte 16,12 ist die einzige Stelle im Neuen Testament, die eine Stadt als römische Kolonie bezeichnet.
- Lateinische Inschriften aus Philippi geben den höchsten Magistraten der Kolonie den Titel IIvir iure dicundo, im Rahmen einer Ämterlaufbahn nach römischem Muster, zu der Ädil und Quästor gehören. Die EDCS datiert eine davon ins 1. Jahrhundert n. Chr. (EDCS-15900071) und eine weitere, für M. Figilius Pudens, der den Ehrenrang eines Dekurionen (ornamenta decurionalia) innehatte, auf 138–161 n. Chr. (EDCS-43000131). Die Kolonie selbst erscheint als Dedikantin (EDCS-24200017).
- Magistrate von Kolonien hatten Liktoren. Das Stadtgesetz der Kolonie Urso (Kap. 62) gewährt jedem duovir zwei Liktoren, dazu einen Amtsgehilfen (accensus), zwei Schreiber und zwei Boten (EDCS-20200004). Ramsay folgerte, dass die Rutenschläge, die Paulus erlitt, in Kolonien stattfanden, deren Magistrate von Liktoren begleitet wurden. Die Apostelgeschichte passt zu diesem Bild: Amtsdiener, deren Titel Stabträger bedeutet, also Liktoren, überbringen die Botschaften der Magistrate (Apostelgeschichte 16,35.38).
- Sueton berichtet, dass Klaudius diejenigen hinrichten ließ, die sich das Bürgerrecht anmaßten (Claud. 25.3); nach der üblichen Chronologie fiel der Besuch des Paulus (um 49–50 n. Chr.) in seine Regierungszeit. Sherwin-White (1963) erörterte die römisch-rechtlichen Bestimmungen, insbesondere das julische Gesetz über öffentliche Gewalt, die Bürger davor schützten, von Magistraten gefesselt oder geschlagen zu werden. Die Bestürzung der Magistrate in Apostelgeschichte 16,38 ist daher aus römisch-rechtlicher Sicht nachvollziehbar.

**Was es nicht belegt**

- Keine Inschrift und keine Münze nennt die Magistrate, den Kerkermeister, Lydia oder sonst jemanden aus Apostelgeschichte 16 oder verzeichnet die Festnahme, die Prügelstrafe, die Haft oder die Freilassung von Paulus und Silas. Ein zutreffender institutioneller Rahmen zeigt für sich genommen nicht, dass sich die Episode so ereignete, wie sie erzählt wird.
- Es beweist nicht, dass Paulus das römische Bürgerrecht besaß. Die Behauptung findet sich nur in der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 16,37 und 22,25–29). Die Briefe des Paulus bestätigen Misshandlungen in Philippi (1. Thessalonicher 2,2) und drei Prügelstrafen mit Ruten (2. Korinther 11,25), erwähnen aber nie das Bürgerrecht. Manche fragen auch, warum ein Bürger dreimal mit Ruten geschlagen wurde (2. Korinther 11,25); die Briefe erklären das nicht.
- Das eigene Stadtgesetz von Philippi ist nicht erhalten, daher stammen die Belege für Liktoren per Analogie aus einer anderen Kolonie (Urso). Die hier angeführten lateinischen Inschriften verwenden IIvir; ob die griechischsprachige Bevölkerung von Philippi diese Männer förmlich oder umgangssprachlich mit dem griechischen Titel bezeichnete, den die Apostelgeschichte verwendet, ist ungeklärt.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Offene Fragen bleiben. Die lateinischen Inschriften von Philippi lauten IIvir (duovir). Ramsay behandelte den Titel, den die Apostelgeschichte diesen Männern gibt und den er mit „Prätoren“ wiedergab, als Höflichkeitstitel; Brélaz merkt an, dass derselbe griechische Titel gewöhnlich duumvir wiedergab, so in den griechischen Inschriften der Kolonie Korinth. Zum Bürgerrecht bezweifelt Lentz, dass ein strenger Pharisäer es besessen hätte, und liest es als Teil des Bildes, das Lukas von Paulus zeichnet; Weber argumentiert, dass die Berufung auf den Kaiser es voraussetzt. Kritiker fragen außerdem, warum Paulus sich erst nach der Prügelstrafe darauf berief. Schließlich steht die Einstufung von Philippi als erste Stadt ihres Bezirks in Apostelgeschichte 16,12 in Spannung zum älteren Rang von Amphipolis als Hauptstadt des Teilgebiets. Ramsay las die Wendung als Bürgerstolz: als einen Rang, den Philippi beanspruchte, während Amphipolis ihn nach allgemeiner Anerkennung innehatte. Andere übernehmen eine Variante oder eine konjekturale Lesart, die in einigen modernen kritischen Ausgaben gedruckt ist und Philippi zu einer Stadt des ersten Bezirks macht, oder verstehen die Einstufung als Ehrenbezeichnung statt als Verwaltungsrang.

**Andere Lesarten**

- **Zutreffender Rahmen, gestaltete Szene.** Lukas oder seine Quelle wusste, wie Kolonien im Osten funktionierten. Die korrekten Titel und Verfahren zeigen Vertrautheit mit dem Umfeld, sind aber mit einer dramatisierten oder gestalteten Episode vereinbar. Nach dieser Sicht gehört die späte Enthüllung des Bürgerrechts zum literarischen Bild, das die Apostelgeschichte vom hohen Status des Paulus zeichnet (so Lentz), und nicht zu einem überprüfbaren Ereignis.
- **Höflichkeitstitel, kein Fachfehler.** Rechtlich waren die Magistrate duoviri, wie die Inschriften zeigen. Der griechische Titel, den die Apostelgeschichte ihnen gibt, spiegelt einen höflichen oder volkstümlichen Sprachgebrauch für Magistrate von Kolonien wider. Ramsay hielt ihn für zutreffend auf der Ebene gebildeter Konversation, nicht technischer Präzision. Brélaz behandelt ihn als gewöhnliche griechische Entsprechung zu duumvir, und das LSJ wendet das Wort auf die duoviri von Kolonien an, wobei sein Beleg allerdings die Apostelgeschichte selbst ist.
- **Gut informierter Erzähler mit teilweise unabhängiger Stütze.** Die Erzählung in der ersten Person Plural reicht bis Philippi (Apostelgeschichte 16,10–17), bricht aber vor der Festnahme ab. Die eigenen Briefe des Paulus berichten unabhängig von Misshandlungen in Philippi (1. Thessalonicher 2,2) und von Prügelstrafen mit Ruten (2. Korinther 11,25). Paley argumentierte, dass der Brief nicht aus der Apostelgeschichte geschöpft sei und dennoch mit ihr übereinstimme; Ramsay sah im Erzähler jemanden mit Ortskenntnis. Die Briefe bestätigen dennoch weder die Behauptung des Bürgerrechts noch die Einzelheiten des Verfahrens.

**Quellen**

- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby (University of Zurich), Funerary text for [Varin]ius Macedo, aedile, quaestor, IIvir iure dicundo at Philippi, munerarius (dated 1st century AD), EDCS-15900071 = AE 1938, 52 = Pilhofer, Philippi II 253 = CIPh II.1, 136: <https://edcs.hist.uzh.ch/monument/15900071>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby (University of Zurich), Inscription for M. Figilius Pudens, holder of honorary decurional rank (ornamenta decurionalia), aedile, IIvir iure dicundo at Philippi, flamen of Antoninus (AD 138-161), EDCS-43000131 = AE 2006, 1330 = Pilhofer, Philippi II 324a = CIPh II.1, 121: <https://edcs.hist.uzh.ch/monument/43000131>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby (University of Zurich), Dedication by col(onia) Philipp(iensium) to the children and grandchildren of Augustus (EDCS date 1st century AD), EDCS-24200017 = CIL III 14206,19 = Pilhofer, Philippi II 452 = CIPh II.1, 15: <https://edcs.hist.uzh.ch/monument/24200017>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby (University of Zurich), Lex Coloniae Genetivae Iuliae (Urso charter), ch. 62: each duovir to have two lictors, an accensus, two scribes and two viatores, EDCS-20200004 = CIL II 5439 = ILS 6087 = CIL II²/5, 1022, ch. LXII: <https://edcs.hist.uzh.ch/monument/20200004>
- Cassius Dio, Roman History, Book 51 (Earnest Cary, 1917), 51.4.6: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/51*.html>
- Suetonius, Life of Claudius (J. C. Rolfe, 1914), Claud. 25.3: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (CCEL text of the 10th edition, 1907), ch. X, §3 'Accusation and Condemnation in Philippi': <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (CCEL text of the 10th edition, 1907), ch. V, §4 'The Church at Pisidian Antioch': <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (CCEL text of the 10th edition, 1907), ch. IX, §4 'The Entrance into Macedonia': <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>
- William Paley, Horae Paulinae (SPCK edition, 1855), ch. IV (Second Epistle to the Corinthians), No. IX: <https://archive.org/download/horpaulinortrut00palegoog/horpaulinortrut00palegoog_djvu.txt>

### Die lateinische Weihinschrift, die Lystra verortete

Dieser beschriftete lateinische Sockel ist der Hauptbeleg dafür, Lystra, die lykaonische Stadt aus Apostelgeschichte 14 und 16, auf dem Hügel Zoldera bei Hatunsaray zu verorten. Von der Kolonie „Iulia Felix Gemina Lustra“ dem vergöttlichten Augustus geweiht, zeigt er, dass Lystra irgendwann nach 14 n. Chr. eine römische Kolonie war. J. R. S. Sterrett schrieb ihn im Juli 1885 ab. Er erwähnt Paulus nicht und bestätigt kein Ereignis, das die Apostelgeschichte dort erzählt.

- **Datierung:** Nicht genau datiert. Die Inschrift ist jünger als 14 n. Chr., da Augustus darin divus genannt wird; die herangezogenen Katalogeinträge nennen kein Datum, und dateTo 100 ist eine konventionelle Obergrenze. Sterrett schrieb sie im Juli 1885 ab und veröffentlichte sie 1888.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Nach Berichten im Archäologischen Museum Konya, Türkei (Bahar et al. 2005, unter Berufung auf MAMA VIII); kein Katalogeintrag eines Museums wurde bestätigt.
- **Katalognummern:** CIL III 6786; MAMA VIII 5; AE 1888, 89; EDCS-27800574; Sterrett, The Wolfe Expedition to Asia Minor (1888), no. 242
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 14,6–21; Apostelgeschichte 16,1–2; 2. Timotheus 3,11
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- J. R. S. Sterrett schrieb im Juli 1885 auf dem Hügel Zoldera, etwa fünfzehn Minuten nördlich von Khatün Serai (dem heutigen Hatunsaray), einen großen vierseitigen Sockel ab. Er trägt eine lateinische Weihung der „Colonia Iulia Felix Gemina Lustra“ (Sterrett Nr. 242; CIL III 6786).
- Eine städtische Weihung dieser Größe, die auf dem Hügel selbst gefunden wurde, ist der Hauptbeleg dafür, Lystra dort anzusetzen, in der lykaonischen Ebene süd-südwestlich von Konya (dem antiken Ikonion). In The Historical Geography of Asia Minor (1890) schrieb Ramsay Sterrett den Fund des Beweises zu, dass die frühere Identifizierung Leakes richtig war.
- Als die Weihung erfolgte, war Lystra eine römische Kolonie, deren Dekurionen (Stadtrat) den vergöttlichten Augustus öffentlich ehrten. Der Text stammt daher aus der Zeit nach 14 n. Chr.
- Die Lage passt zur Apostelgeschichte, die Lystra zusammen mit Derbe zu den Städten in Lykaonien zählt und es mit dem nahen Ikonion verbindet (Apostelgeschichte 14,6; 14,19–21; 16,1–2).

**Was es nicht belegt**

- Die Inschrift nennt keinen Christen. Sie kann weder die Heilung noch die Huldigung an Barnabas und Paulus als Zeus und Hermes noch die Steinigung des Paulus bestätigen (Apostelgeschichte 14,8–20).
- Sie ist nicht genau datiert. Sie zeigt nicht, wann die Kolonie gegründet wurde oder wie die Stadt aussah, als Paulus sie besuchte.
- Die Apostelgeschichte nennt Lystra nirgends eine Kolonie; der Stein liefert also Hintergrund, statt eine bestimmte Aussage der Apostelgeschichte zu bestätigen. Korrekte Geographie allein zeigt weder, dass der Verfasser Augenzeuge war, noch, wann die Apostelgeschichte geschrieben wurde.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Vor 1885 war Lystra anderswo angesetzt worden; Sterrett merkt an, man habe es bei Bin Bir Kalesi vermutet. Ramsay (1890) schreibt Leake die richtige Identifizierung und Sterrett ihren Beweis zu, und der Pleiades-Gazetteer sowie die epigraphischen Kataloge folgen ihr. Surveys seit 1994 melden Material vom Chalkolithikum bis in die römische Zeit auf dem Hügel (Bahar et al. 2005), auch wenn ein einzelner Stein grundsätzlich verlagert worden sein könnte. Offen ist die Frage, wie dies zu deuten ist. Manche sehen im zutreffenden lykaonischen Schauplatz der Apostelgeschichte ein Zeichen kundiger, früher Berichterstattung. Andere weisen darauf hin, dass Lystra jahrhundertelang bestand und dass zutreffendes Lokalkolorit die Episode, die die Apostelgeschichte erzählt, nicht verifiziert.

**Andere Lesarten**

- **Ältere Lokalisierungsvorschläge.** Vor Sterretts Fund war Lystra anderswo angesetzt worden; Sterrett merkt an, man habe es bei Bin Bir Kalesi vermutet. Moderne Gazetteers und epigraphische Kataloge (Pleiades, EDCS) folgen der Identifizierung mit Zoldera, die sich vor allem auf diese Weihung und ihren Fundort stützt, unterstützt durch Surveyfunde auf dem Hügel.
- **Lesart der Apostelgeschichte als spätere Komposition.** Richard Pervo und andere datieren die Apostelgeschichte ins frühe zweite Jahrhundert und lesen viele ihrer Episoden als literarische Komposition; zutreffendes Lokalkolorit zeigt demnach, dass der Verfasser die Region kannte, nicht, dass er Augenzeuge war. Ausleger vergleichen außerdem die Szene um Zeus und Hermes mit Ovids Jupiter und Merkur, die Phrygien besuchen (Metamorphosen 8), gelesen entweder als literarisches Vorbild oder als regionale Legende, die die Menge in der Apostelgeschichte teilt.
- **Lesart historischer Zuverlässigkeit.** Ramsay, Hemer und andere argumentieren, dass die Apostelgeschichte lykaonische Geographie und Politik präzise behandelt, was auf kundige und wahrscheinlich frühe Berichterstattung schließen lässt. Sie betrachten die bestätigte Lage der Kolonie als Teil eines kumulativen Arguments. Der Stein selbst betrifft jedoch nur den Schauplatz.

**Quellen**

- J. R. Sitlington Sterrett, The Wolfe Expedition to Asia Minor (Papers of the American School of Classical Studies at Athens, vol. 3), No. 242, p. 142: <https://archive.org/details/papersofamerican03arch/page/142/mode/1up>
- J. R. Sitlington Sterrett, The Wolfe Expedition to Asia Minor (Papers of the American School of Classical Studies at Athens, vol. 3), Itinerary entry for 10 July (Maï to Khatün Serai), p. 141: <https://archive.org/download/papersofamerican03arch/page/n152_w500.jpg>
- J. R. Sitlington Sterrett, The Wolfe Expedition to Asia Minor (Papers of the American School of Classical Studies at Athens, vol. 3), p. 15 (itinerary entry for 1 June, at Serpek): <https://archive.org/details/papersofamerican03arch/page/15/mode/1up>
- Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby, EDCS-27800574 (CIL 03, 06786; MAMA 08, 00005; AE 1888, 00089; place: Hatunsaray / Katin Serai / Lystra): <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/278/27800574.json>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, Ch. V, Note 2 ('Declension of Lystra'); p. 129 in the 1895 first edition: <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.viii.html>
- Pleiades gazetteer of ancient places, Place 648699 (Lystra/Col. Iulia Felix Gemina): <https://pleiades.stoa.org/places/648699/json>
- Wikidata, Q535982 (Lystra): <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q535982.json>

## Münzen

### Judäische Münzen aus dem fünften Jahr des Nero, Festus zugeschrieben

Kleine Bronzemünzen, die im fünften Jahr des Nero (58/59 n. Chr.) für Judäa geprägt wurden und deren Legenden nur die Namen Nero und Caesar sowie das Jahr nennen, werden oft Porcius Festus zugeschrieben, dem Statthalter, der in Apostelgeschichte 24,27 Felix ablöst. Sie passen zum römisch geprägten Umfeld von Apostelgeschichte 24–25, nennen aber nie einen Statthalter und können daher für sich genommen nicht festlegen, wann Festus eintraf; die Vorschläge reichen von 54 bis 61 n. Chr.

- **Datierung:** 5. Regierungsjahr des Nero (datiert L E), 58/59 n. Chr.; Nero war Klaudius im Oktober 54 nachgefolgt (Sueton, Claud. 45); RPC datiert den Typ auf 59 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Zahlreiche Exemplare; RPC I 4972 verzeichnet 34 in öffentlichen und privaten Sammlungen.
- **Katalognummern:** RPC I 4972; Meshorer 35 (as cited by RPC I 4972)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 24,10; Apostelgeschichte 24,27; Apostelgeschichte 25,1–12; Apostelgeschichte 27,9
- **Grad der Sicherheit:** Mittel
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- Für Judäa wurden im fünften Regierungsjahr des Nero (datiert L E, 58/59 n. Chr.) kleine Bronzemünzen in seinem Namen geprägt. Eine Seite trägt den Namen des Nero in einem Kranz; die andere nennt das Jahr und den Namen Caesar neben einem Palmzweig. RPC verzeichnet den Typ unter Jerusalem als RPC I 4972 und datiert ihn auf 59 n. Chr.
- Judäische Prägungen aus dem 14. Jahr des Klaudius (54 n. Chr.; RPC I 4970-4971), die geprägt wurden, als Felix Statthalter war, nennen ebenfalls keinen Statthalter. De Saulcy schrieb den Typ des 5. Jahres Porcius Festus zu, wie Madden (1881) berichtet, und viele moderne Kataloge folgen ihm. Apostelgeschichte 24,27 und Josephus (Ant. 20.182; War 2.271) nennen beide Festus als Nachfolger des Felix, und Josephus sagt, Nero habe ihn gesandt.
- Festus starb im Amt, bevor Albinus eintraf (Ant. 20.197-200), und Albinus war spätestens zum Laubhüttenfest vier Jahre vor dem Krieg Prokurator (War 6.300-305); die Amtszeit des Festus endete also spätestens 62 n. Chr.

**Was es nicht belegt**

- Die Münzen nennen keinen Statthalter. Ob sie Festus oder Felix gehören, hängt von der zugrunde gelegten Chronologie ab: Madden (1881) datierte Festus auf 60–61 n. Chr. und führte den Typ des 5. Jahres unter Felix.
- Sie legen das Jahr der Ankunft des Festus nicht fest. Wer sie als seine erste Emission betrachtet, setzt voraus, dass neue Statthalter bald nach ihrer Ankunft Münzen prägen ließen. Josephus erzählt die Ernennung des Felix unmittelbar vor einem Ereignis, das nach Vollendung des zwölften Regierungsjahres des Klaudius datiert ist (etwa 53 n. Chr.; Ant. 20.137), doch die judäischen Münzen seiner Amtszeit mit claudischer Datierung gehören ins Jahr 54 n. Chr. Nach dieser Folgerung folgte die Münzprägung nicht notwendigerweise auf die Ankunft.
- Sie sagen nichts über Paulus, seine Verhöre vor Felix und Festus oder darüber, wie lange er festgehalten wurde (Apostelgeschichte 24,27).

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Ankunft des Festus, die davon abhängt, wann Felix abberufen wurde, ist auf 54 bis 61 n. Chr. datiert worden. Frühe Datierungen stützen sich auf die Chronik des Eusebius, deren armenischer Text die Abberufung in das letzte Jahr des Klaudius setzt und deren Fassung bei Hieronymus in das zweite des Nero, sowie auf die Bemerkung des Josephus, dass Pallas, der 55 aus seinem Amt entfernt wurde, Felix noch immer schützte (Ant. 20.182; Tacitus, Ann. 13.14). Schürer entgegnete, dass die Daten der Chronik oft willkürlich sind, dass Josephus fast alle Taten des Felix unter Nero einordnet und dass Pallas noch vor Ende des Jahres 55 von einer Anklage freigesprochen wurde (Ann. 13.23). Auch das Kompliment des Paulus über die lange Erfahrung des Felix als Richter des Volkes (Apostelgeschichte 24,10) spricht für eine lange Amtszeit. Ramsay datierte die Seereise anhand des Fastens, das nach Apostelgeschichte 27,9 bereits vergangen war und im Jahr 59 auf den 5. Oktober fiel. Wenn die Münzen des 5. Jahres Festus gehören, war er spätestens 59 n. Chr. im Amt, was gegen 60 oder 61 spricht; doch diese Deutung beruht auf einer Münze, die keinen Statthalter nennt, und auf einem angenommenen Prägemuster.

**Andere Lesarten**

- **Frühe Abberufung des Felix (54–55 n. Chr.).** Wie Schürer (1890) berichtet, setzte Kellner die Abberufung des Felix in den November 54 und V. Weber in den Sommer 55, unter Berufung auf die Chronik des Eusebius und den Einfluss des Pallas bei Nero (Ant. 20.182). Schürer entgegnete, dass Josephus fast alle Taten des Felix unter Nero einordnet und dass Pallas vor Ende des Jahres 55 freigesprochen worden war (Tacitus, Ann. 13.23). Nach der frühen Sicht fielen die Münzen des 5. Jahres mitten in die Amtszeit.
- **Ankunft im Jahr 59 n. Chr. (Ramsay).** Ramsay datierte die Reise nach Rom mit einem Kalenderargument, nicht mit einem Münzargument, auf den Herbst 59: Das Fasten, das nach Apostelgeschichte 27,9 bereits vergangen war, fiel im Jahr 59 auf den 5. Oktober. Sein chronologisches Register setzt die Gefangenschaft des Paulus in Palästina von Juni 57 bis Juli 59 an; nach seiner Rechnung traf Festus also 59 ein. Das stimmt damit überein, die Münzen des 5. Jahres Festus zuzuschreiben, geprägt in seinen ersten Monaten.
- **Traditionelles Datum (60 n. Chr.).** Die meisten Forscher, die Schürer 1890 überblickte, setzten die Abberufung des Felix auf 60, und McGiffert (1890) gab im Anschluss an Wieseler 59–61 als weitesten Spielraum für den Amtsantritt des Festus an. Gray-Fow (2016) behandelt den Sommer 60 noch immer als traditionelles Datum. Nach dieser Sicht wurden die Münzen des 5. Jahres unter Felix ausgegeben, wie Madden sie 1881 verzeichnete, und nach seiner Aufstellung sind keine Münzen des Festus bekannt.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1895 edition), Ant. 20.182 (Whiston 20.8.9): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston+chapter%3D8%3Awhiston+section%3D9>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1895 edition), Ant. 20.137-138 (Whiston 20.7.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston+chapter%3D7%3Awhiston+section%3D1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1895 edition), Ant. 20.197 (Whiston 20.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston+chapter%3D9%3Awhiston+section%3D1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1895 edition), Ant. 20.200 (Whiston 20.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston+chapter%3D9%3Awhiston+section%3D1>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1895 edition), War 2.271 (Whiston 2.14.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D2%3Awhiston+chapter%3D14%3Awhiston+section%3D1>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1895 edition), War 6.300 (Whiston 6.5.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D6%3Awhiston+chapter%3D5%3Awhiston+section%3D3>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1895 edition), War 6.305 (Whiston 6.5.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D6%3Awhiston+chapter%3D5%3Awhiston+section%3D3>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 reprint), Ann. 13.14 (narrative of AD 55): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0078%3Abook%3D13%3Achapter%3D14>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 reprint), Ann. 13.23 (narrative of AD 55): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0078%3Abook%3D13%3Achapter%3D23>
- Suetonius, Lives of the Caesars: Claudius (J. C. Rolfe, 1914), Claud. 45: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.22.1: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Arthur Cushman McGiffert, Notes to Eusebius, Church History (NPNF, Second Series, vol. 1), HE 2.22.1, note 469: <https://ccel.org/ccel/schaff/npnf201/npnf201.iii.vii.xxiii.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (CCEL text of the 10th edition, 1907), ch. XIV, §3 'The Council': <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen (CCEL text of the 10th edition, 1907), Chronological Index to the Life of St. Paul: <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>

## Orte und Bauten

### Das große Theater von Ephesus

Das große Theater von Ephesus, in den Hang des Panayır Dağı hineingebaut, ist der reale und noch heute sichtbare Ort, an dem Apostelgeschichte 19,29 die Menge zusammenkommen lässt. Es fasste wahrscheinlich bereits in hellenistischer Zeit eine große Menschenmenge, und eine Inschrift im Theater selbst zeigt, dass die Bürgerversammlung dort spätestens 104 n. Chr. tagte. Der Ort bestätigt den Schauplatz, nicht den Aufruhr, und die meisten sichtbaren Überreste stammen aus der Zeit nach Paulus.

- **Datierung:** Hellenistisches Bühnengebäude, erste Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. (ursprüngliches Datum und ursprüngliche Form des Zuschauerraums lassen sich nicht bestimmen); wichtigste römische Erweiterung unter Domitian und Trajan (um 81–117 n. Chr.); Salutaris-Inschrift 104 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** In situ, archäologische Stätte Ephesus, Selçuk (Provinz İzmir), Türkei; Salutaris-Inschrift teilweise in situ, einige Blöcke im British Museum
- **Katalognummern:** I.Ephesos 27; SEG 15, 698; SEG 41, 974; GIBM III 481
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 19,23–41; Apostelgeschichte 19,29–31; Apostelgeschichte 19,35–41; Apostelgeschichte 19,39; 1. Korinther 15,32; 1. Korinther 16,8–9; 2. Korinther 1,8–10
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- In Ephesus stand lange vor dem Aufenthalt des Paulus ein Theater, in den Hang des Panayır Dağı hineingebaut. Sein Bühnengebäude stammt aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. und gehörte zu den größten hellenistischen Bühnengebäuden in Kleinasien; das spricht für einen großen Zuschauerraum, auch wenn dessen genaue Größe unbekannt ist.
- Die Salutaris-Inschrift (I.Ephesos 27, 104 n. Chr.), in die Wand des südlichen Theatereingangs eingemeißelt, sieht vor, dass Bilder der Artemis und anderer Gestalten aus ihrem Tempel ins Theater getragen und bei jeder ordentlichen Sitzung der Volksversammlung aufgestellt werden. Zu dieser Zeit war das Theater zugleich Versammlungsort der Bürgerversammlung und Bühne der Verehrung der Artemis, was zum Schauplatz von Apostelgeschichte 19,23–41 passt.
- Der Ort und die Inschrift machen – in ephesischen Begriffen – den Gegensatz verständlich, den die Apostelgeschichte zwischen der im Theater zusammengelaufenen Menge und der ordnungsgemäß einberufenen Versammlung zieht, auf die der Stadtschreiber verweist (Apostelgeschichte 19,39).
- Das meiste, was Besucher heute sehen, einschließlich der Bühnenfassade und der erweiterten oberen Sitzreihen (Durchmesser knapp 150 m), gehört zu einer Erweiterung, die vor allem in die Regierungszeit Domitians und Trajans datiert wird (um 81–117 n. Chr.), also nach Paulus. Mitte der 50er-Jahre war das Gebäude das ältere hellenistische Theater mit einigen frühkaiserzeitlichen Umbauten.
- Eine legendarische Erzählung des 3. Jahrhunderts lässt Apollonios die gesamte Bevölkerung von Ephesus ins Theater führen (Philostratos, Leben des Apollonios 4.10). Sie ist spät und kein unabhängiger Beleg für die Apostelgeschichte, zeigt aber, dass man sich an das Theater als den Ort erinnerte, an dem die Stadt zusammenkam.

**Was es nicht belegt**

- Es bestätigt nicht unabhängig, dass der Aufruhr von Apostelgeschichte 19,23–41 stattgefunden hat, noch irgendeine seiner Einzelheiten: Demetrius, die Ergreifung von Gaius und Aristarch, Alexander oder das zweistündige Geschrei. Nichts, was im Theater gefunden wurde, nennt Paulus oder den Tumult.
- Die Kapazitätsangaben (Woods eigene Berechnung von 24.500 im Jahr 1877; etwa 20.000 für die römische Cavea im österreichischen Band von 2017; bis zu 25.000 bei Pleiades) beschreiben das erweiterte römische Gebäude oder beruhen auf Rekonstruktionen. Sie sagen uns nicht, wie viele Menschen das Theater Mitte der 50er-Jahre fasste oder wie viele anwesend waren, und die Apostelgeschichte nennt keine Zahl.
- Die Salutaris-Inschrift ist etwa fünfzig Jahre jünger als der Aufenthalt des Paulus und verwendet für eine planmäßige Versammlung ein anderes griechisches Adjektiv als Apostelgeschichte 19,39. Sie veranschaulicht städtische Praxis, nicht die Ereignisse der 50er-Jahre. Die Apostelgeschichte sagt auch nicht, dass Paulus das Theater betrat oder dort sprach (Apostelgeschichte 19,30–31), auch wenn manche populären Nacherzählungen das behaupten.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen bleiben offen. Die erste ist, wie das Gebäude zur Zeit des Paulus aussah. Die österreichische Forschung datiert die wichtigste römische Erweiterung und die Bühnenfassade in die Zeit Domitians und Trajans, während ältere Arbeiten die ersten Fassadengeschosse auf 66 n. Chr. datierten; der Grabungsbericht von 2017 kommt zudem zu dem Ergebnis, dass sich Datum und Form des hellenistischen Zuschauerraums nicht bestimmen lassen, sodass seine damalige Kapazität unsicher ist. Die zweite ist, was ein zutreffender Schauplatz besagt. Sherwin-White und Hemer werteten das präzise städtische Detail als Zeichen gut informierter Überlieferung. Pervo liest die Episode als literarisches Schaustück, und andere merken an, dass ein späterer, informierter Verfasser solches Lokalkolorit liefern konnte, sodass der Schauplatz allein den Aufruhr nicht bestätigen kann.

**Andere Lesarten**

- **Zutreffender Schauplatz für einen realen Tumult.** Lukas stützte sich auf verlässliche Informationen über eine reale Krise in Ephesus. Das Theater als Versammlungsort, die Begriffe für die Versammlung, der Stadtschreiber und die Asiarchen passen zum frühkaiserzeitlichen Ephesus (Sherwin-White, Hemer); Ramsay nannte die Szene das aufschlussreichste erhaltene Bild der Gesellschaft in einer Stadt der Provinz Asia. Die Briefe des Paulus berichten von schwerer Gefahr in Ephesus und in Asia (1. Korinther 15,32; 1. Korinther 16,8–9; 2. Korinther 1,8–10), allerdings nie von einem Aufruhr im Theater.
- **Literarisches Schaustück auf einer vertrauten Bühne.** Die Episode ist weitgehend eine dramatische Komposition des Lukas, in der Art der Massenszenen, die Pervo mit antiken Romanen vergleicht. Das Theater, die Verehrung der Artemis und die städtischen Ämter waren öffentliche und langlebige Merkmale von Ephesus, die noch 104 n. Chr. hervortraten; ein informierter Verfasser konnte dort also eine Szene ansiedeln, ohne eine bestimmte Quelle zu haben. Nach dieser Auffassung bestätigt der zutreffende Schauplatz weder das Ereignis, noch datiert er die Apostelgeschichte.
- **Reale Unruhen, komponierte Szene.** Eine mittlere Auffassung hält daran fest, dass ein realer Tumult hinter dem Bericht steht, da die Briefe des Paulus ernste Gefahr in Ephesus bezeugen, nimmt aber an, dass Lukas die Szene und ihre Reden gestaltet hat. Nach dieser Auffassung stützt der Schauplatz eine Überlieferung von Konflikten, ohne deren Einzelheiten zu bestätigen.

**Quellen**

- Pleiades, Theater of Ephesus, Pleiades 818256726 (connected to Ephesus 599612): <https://pleiades.stoa.org/places/818256726/json>
- Wikidata, Theater (Ephesus), Q15723477: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q15723477.json>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XII, sec. 5, p. 277: <https://archive.org/download/paulthetraveller00ramsuoft/paulthetraveller00ramsuoft_djvu.txt>
- Philostratus, The Life of Apollonius of Tyana (F. C. Conybeare, 1912), VA 4.10: <https://archive.org/download/lifeofapollonius00philuoft/lifeofapollonius00philuoft_djvu.txt>

### [Das bema (rostra) auf dem römischen Forum von Korinth](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/corinth-bema)

Möglich, aber nicht beweisbar. Die große Plattform auf dem römischen Forum von Korinth ist ein vernünftiger Kandidat für den Richterstuhl (bēma), an dem Gallio es ablehnte, über Paulus zu richten (Apostelgeschichte 18,12–17). Kent ergänzte verstreute Marmorfragmente so, dass sie die Plattform als die rostra der Kolonie bezeichnen, und eine Plattform stand dort wahrscheinlich schon zur Zeit des Paulus. Keine antike Quelle benennt den Ort, die Identifizierung ist ein moderner Schluss aus den Ausgrabungen, und ein Richterstuhl in der Julischen Basilika ist eine ernsthafte Alternative.

- **Datierung:** Plattform wahrscheinlich bald nach der Gründung der Kolonie 44 v. Chr. errichtet, zunächst mit einer Poros-Fassade (Corinth Computer Project; Kent). Ein beschriftetes Epistyl aus der östlichen Nische mit Sitzbänken ist vorläufig augusteisch (Kent 157). Kent datierte die Marmorverkleidung (Kent 322) nach den Buchstabenformen in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., wahrscheinlich das zweite Viertel, obwohl seine Bautabelle sie unter Klaudius führt. Eine Kirche oder Grabkapelle stand ab dem 9. oder frühen 10. Jahrhundert in ihrer Nähe; eine Kirche auf der Plattform ist für das 12. Jahrhundert sicher (Scranton).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Plattform in situ auf dem römischen Forum der archäologischen Stätte des antiken Korinth, Griechenland. Die Verkleidungsfragmente von Kent 322 (Kents Inv. 285, 410, 682, 727, 1929, 2119) gehören zur Sammlung der Corinth Excavations; ihr Magazin- oder Ausstellungsort wurde nicht überprüft.
- **Katalognummern:** Corinth VIII.3 322; Corinth VIII.2 47; Corinth VIII.2 52; Corinth VIII.3 157; Corinth VIII.3 306; Corinth VIII.3 728; AE 1939, 110; AE 1947, 198; EDCS-08200272; EDCS-15300190
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 18,12–17; Apostelgeschichte 25,6; Apostelgeschichte 25,17; Johannes 19,13
- **Grad der Sicherheit:** Mittel
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Rekonstruiert

**Was es belegt**

- Kent fügte Verkleidungsfragmente aus weißem Marmor, die 1901–1938 rund um das Forum gefunden wurden, zu einer Bauinschrift zusammen, deren erhaltene Buchstaben ROST er zu rost[ra] ergänzte (Corinth VIII.3 322; EDCS-08200272). Indem er Dicke und Bearbeitung der Platte mit der Verkleidung der Plattform abglich, schloss er, dass die zentrale Plattform offiziell die Rostra war, das lateinische Gegenstück zum griechischen bēma (Richterstuhl).
- Ein beschriftetes Epistyl aus der östlichen schola ist vorläufig augusteisch (Kent 157). Kent datierte die Marmorverkleidung in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts, wahrscheinlich das zweite Viertel, obwohl seine Bautabelle sie unter Klaudius führt. Eine Plattform, zumindest in einer früheren Form mit Poros-Verkleidung, stand also wahrscheinlich auf dem Forum, als Gallio Anfang der 50er-Jahre Achaja verwaltete.
- Korinth hatte um 170 n. Chr. eine rostra, von der aus amtliche Schreiben verlesen wurden (Kent 306; AE 1939, 110). Der Text sagt nicht, welches Bauwerk das war, und er zeigt nur die Praxis des 2. Jahrhunderts.
- In Apostelgeschichte 18,12.16 und 17 findet die Verhandlung vor Gallio an einem bēma statt. Die Ausgrabung zeigt, dass das städtische Zentrum von Korinth eine markante öffentliche Plattform dieser Art besaß; der Schauplatz bei Lukas passt also zur Anlage der Stadt. Jede Provinzhauptstadt hätte einen solchen Richterstuhl gehabt, daher ist die Übereinstimmung zu erwarten und nicht kennzeichnend.

**Was es nicht belegt**

- Dass Paulus vor dieser Plattform stand. Kein antiker Text und keine Inschrift verbindet sie mit Gallio oder Paulus; die Identifizierung ist ein moderner Schluss aus Lage und Funktion der Plattform.
- Datum oder Einzelheiten der Verhandlung. Die Amtszeit des Gallio wird durch den gesonderten Delphi-Brief des Klaudius datiert, und die Apostelgeschichte ist der einzige Bericht über die Verhandlung.
- Eine ununterbrochene christliche Erinnerung an Paulus an diesem Ort. Eine Kirche oder Grabkapelle stand ab dem 9. oder frühen 10. Jahrhundert nahe der Plattform, und eine Kirche auf ihr ist für das 12. Jahrhundert sicher; Scranton hielt die nötige Kontinuität seit der Antike für schwer nachweisbar. Eine Inschrift des 9./10. Jahrhunderts, die eine Kirche des [heiligen] Paulus nennt (Kent 728), zeigt eine paulinische Widmung zu dieser Zeit, keine Erinnerung aus dem 1. Jahrhundert.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Kent hielt die Identifizierung der rostra des Statthalters für gesichert, und spätere Kataloge (EDCS) übernehmen seine Ergänzung, obwohl vom entscheidenden Wort nur ROST erhalten ist und Kent einräumte, seine Ergänzung erweise sich möglicherweise nicht in jeder Einzelheit als richtig. Drei Fragen bleiben offen. Erstens: Fand die Verhandlung vor Gallio an dieser Plattform statt oder an einem Richterstuhl anderswo? Nach der Verlagsbeschreibung von Corinth XXII (2022) war die Julische Basilika der wahrscheinliche Sitz des kaiserlichen Gerichtshofs der Provinz. Zweitens: Wie viel von der heute sichtbaren Marmorphase ist älter als die Amtszeit des Gallio? Drittens: Bewahrt die mittelalterliche Kirche auf der Plattform eine antike Erinnerung, oder spiegelt sie eine spätere Identifizierung wider?

**Andere Lesarten**

- **Gericht in einer Basilika.** Förmliche prokonsularische Verhandlungen könnten eher in einer Basilika als auf der rostra unter freiem Himmel stattgefunden haben. Die Verlagsbeschreibung von Corinth XXII (2022) nennt die Julische Basilika am Ostende des Forums den wahrscheinlichen Sitz des kaiserlichen Gerichtshofs von Achaja. Der Richterstuhl des Gallio könnte dort gestanden haben. Die Beschreibung geht nicht auf Paulus ein.
- **Bēma bezeichnet den Richterstuhl, nicht ein Gebäude.** Die Apostelgeschichte verwendet denselben Begriff für den Richterstuhl des Festus in Cäsarea (Apostelgeschichte 25,6; Apostelgeschichte 25,17), und Johannes gebraucht ihn für den des Pilatus an dem Ort, der Steinpflaster genannt wird (Johannes 19,13). Der Richterstuhl eines Statthalters wird in unterschiedlichen Umgebungen beschrieben, daher muss Apostelgeschichte 18 nicht die dauerhafte rostra meinen; die Plattform auf dem Forum ist ein plausibler Kandidat unter anderen.
- **Mittelalterliche Identifizierung statt Erinnerung.** Die byzantinische Kirche auf der Plattform könnte eher eine spätere christliche Identifizierung des Ortes widerspiegeln als eine seit dem 1. Jahrhundert überlieferte Erinnerung. Scranton hielt die nötige Kontinuität für schwer nachweisbar, und die früheste bezeugte paulinische Widmung in der Nähe (Kent 728) stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert.
- **Frühere oder unvollendete Anlage zur Zeit des Paulus.** Kents Bautabelle setzt die Marmorverkleidung unter Klaudius (41–54 n. Chr.) an, obwohl sein Text das zweite Viertel des Jahrhunderts bevorzugt. Die marmorne rostra könnte daher kurz vor der Amtszeit des Gallio oder danach fertiggestellt worden sein, und Paulus könnte die frühere, mit Poros (örtlichem Kalkstein) verkleidete Plattform gesehen haben.

**Quellen**

- Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby, EDCS record of the rostra revetment inscription, Corinth (cites West no. 47; = Kent no. 322), EDCS-08200272: <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/082/08200272.json>
- Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby, EDCS record of a governor's letter to Corinth with the note that it was read from the rostra (AE 1939, 110; = Kent no. 306), EDCS-15300190: <https://edcs.hist.uzh.ch/data/monument/153/15300190.json>
- Pleiades, Corinthus/Korinthos, 570182: <https://pleiades.stoa.org/places/570182/json>

## Papyri und Handschriften

### [Papyrus 46 (P46), die früheste umfangreiche Handschrift der Briefe des Paulus](https://paulineletters.com/de/explore/evidence/papyrus-46)

P46 ist die früheste umfangreiche Handschrift der Briefe des Paulus: 86 Blätter eines griechischen Papyruskodex aus Ägypten, um 200 n. Chr. datiert, heute zwischen Dublin und Ann Arbor aufgeteilt. Sie zeigt, dass Römer, Hebräer, 1. Korinther und 2. Korinther, Epheser, Galater, Philipper, Kolosser und 1. Thessalonicher gemeinsam als ein Buch abgeschrieben wurden. Ihre Datierung beruht auf der Schrift und ist umstritten, und wegen der verlorenen Blätter bleibt offen, ob sie 2. Thessalonicher, Philemon oder die Pastoralbriefe enthielt.

- **Datierung:** Um 200 n. Chr., allein nach der Schrift datiert. Das INTF gibt das frühe dritte Jahrhundert an (200–225), das CSNTM das späte zweite oder frühe dritte Jahrhundert (um 200) und ein Ausstellungsschild der Chester Beatty Library das dritte Jahrhundert n. Chr. Veröffentlichte Vorschläge reichen vom späteren ersten bis zum dritten Jahrhundert.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Chester Beatty Library, Dublin (BP II, 56 Blätter); University of Michigan Library, Ann Arbor (inv. 6238, 30 Blätter)
- **Katalognummern:** Gregory-Aland P46; INTF Liste docID 10046; Chester Beatty Library BP II; University of Michigan Library inv. 6238
- **Bezieht sich auf:** Römer 15,33; Römer 14,24–26; Römer 16,1–23; Epheser 1,1; 1. Thessalonicher 5,23–28
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Sechsundachtzig Blätter eines einzigen griechischen Papyruskodex mit Briefen des Paulus sind erhalten, aufgeteilt zwischen der Chester Beatty Library, Dublin (BP II, 56 Blätter), und der University of Michigan Library, Ann Arbor (inv. 6238, 30 Blätter). Die Kataloge datieren ihn aus paläographischen Gründen um 200 n. Chr. Er stammt aus Ägypten: Ein Ausstellungsschild der Chester Beatty Library nennt für ein Blatt (BP II f.61) Ägypten und das dritte Jahrhundert n. Chr.
- Die erhaltenen Blätter enthalten in dieser Reihenfolge: Römer (ab 5,17, mit Lücken), Hebräer, 1. Korinther und 2. Korinther, Epheser, Galater, Philipper, Kolosser und 1. Thessalonicher (fragmentarisch, bricht in 5,28 ab). Diese Briefe wurden also gemeinsam als ein einziges Buch abgeschrieben, wobei der Brief an die Hebräer direkt auf den Brief an die Römer folgt.
- Der Brief an die Römer enthält in P46 bereits Kapitel 16 mit der Empfehlung der Phöbe aus Kenchreä und den Grüßen an Priska, Aquila und andere (16,1–23). Er setzt die Schlussdoxologie jedoch nach 15,33 und geht von 16,23 direkt in die Überschrift des Briefes an die Hebräer über. Die Doxologie ist in kritischen Ausgaben 16,25–27 und in der Zählung der WEB 14,24–26.
- Der Brief an die Epheser ist in P46 als Brief an die Epheser überschrieben, doch der Gruß in Epheser 1,1 nennt keine Zielstadt. P46 ist daher ein früher Zeuge für diese Form des Verses.

**Was es nicht belegt**

- Ob der Kodex jemals 2. Thessalonicher, Philemon oder die Pastoralbriefe enthielt. Seine ersten und letzten Blätter sind verloren, und Urteile darüber, wie viel Text die fehlenden Blätter fassen konnten, sind Schätzungen.
- Wer einen der darin enthaltenen Briefe schrieb. Dass der Brief an die Hebräer aufgenommen ist, zeigt, dass die Benutzer des Kodex ihn den Briefen des Paulus zuordneten. Das belegt ihre Meinung, nicht, wer ihn schrieb. Die Meinungen gingen auseinander: Klemens von Alexandria hielt den Brief an die Hebräer für ein Werk des Paulus, während in Rom Caius nur dreizehn Briefe des Paulus zählte (Eusebius, Kirchengeschichte 6.14.2; 6.20.3).
- Ein genaues Datum oder die Ereignisse der Apostelgeschichte. Die Datierung beruht auf der Schrift, nicht auf einer Angabe in der Handschrift. Der Kodex bezeugt den Text und die Verbreitung der Briefe, nicht die Geschichte, die sie beschreiben, oder den Bericht der Apostelgeschichte darüber.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen sind offen. Datierung: Die meisten Paläographen setzen die Schrift um 200 n. Chr. an; das INTF sowie Orsini und Clarysse setzen sie ins frühe dritte Jahrhundert, und Griffin plädierte für etwa 175–225. Kim schlug das spätere erste Jahrhundert vor (kaum übernommen), Comfort und Barrett die Mitte des zweiten, während Sanders, der Erstherausgeber der Michigan-Blätter, sie dem dritten Jahrhundert zuwies. Inhalt: Kenyon hielt die verlorenen letzten Blätter für zu wenige für die Pastoralbriefe, während Duff vertrat, der Schreiber habe den Text verdichtet und hätte Blätter hinzufügen können. Auch in Markions Ausgabe fehlten sie (Tertullian, Gegen Markion 5.21), doch das ist eine Analogie aus einer anderen Region und Gruppe, kein Beleg über diesen Kodex. Der Brief an die Römer: Markiert die Doxologie nach 15,33 eine Ausgabe mit fünfzehn Kapiteln (Manson) oder eine sekundäre Platzierung in einem ursprünglich sechzehn Kapitel umfassenden Brief (Gamble)?

**Andere Lesarten**

- **Frühere Datierung.** Kim (1988) datierte P46 ins spätere erste Jahrhundert, Comfort und Barrett (2001) in die Mitte des zweiten. Trifft eine dieser Datierungen zu, ist die Sammlung noch älter. Die meisten Paläographen bevorzugen etwa 200 n. Chr., und jede Datierung nach der Schrift hat einen Spielraum von mehreren Jahrzehnten.
- **Pastoralbriefe geplant oder ergänzt (Duff).** Duff (1998) vertrat, dass der Schreiber den Text auf den späteren Seiten verdichtete und möglicherweise zusätzliche Blätter vorsah, sodass der Kodex vielleicht die Pastoralbriefe enthalten sollte. Kenyons gegenteiliges Urteil beruht auf einer Schätzung des Raums, den die verlorenen Blätter boten. Die erhaltenen Blätter können die Frage in keiner Richtung entscheiden.
- **Der Brief an die Römer mit fünfzehn Kapiteln.** Manson las die Doxologie nach 15,33 als Ende einer Ausgabe mit fünfzehn Kapiteln, die nach Rom geschickt wurde, während Kapitel 16 zu einer Abschrift für Ephesus gehörte. Gamble vertrat, dass der Brief mit sechzehn Kapiteln ursprünglich ist. P46 selbst schreibt Kapitel 16 noch als Teil des Briefes an die Römer ab.

**Quellen**

- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF NTVMR, page-level record), Gregory-Aland P46 (INTF docID 10046): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- Chester Beatty online exhibition page: New Testament (label for the Pauline Epistles leaf), CBL BP II f.61: <https://chesterbeatty.ie/exhibitions/fragments/new-testament/>
- CSNTM manuscript record: P46, GA P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>
- INTF NTVMR transcription of P46, P46 folio 20r: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10046&pageID=210&format=xhtml>
- INTF NTVMR transcription of P46, P46 folio 21v: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10046&pageID=240&format=xhtml>
- INTF NTVMR transcription of P46, P46 folio 75r: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10046&pageID=1310&format=xhtml>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 6.14.2: <https://www.newadvent.org/fathers/250106.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 6.20.3: <https://www.newadvent.org/fathers/250106.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21.1: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Wikidata item: Papyrus 46, Q1513469: <https://www.wikidata.org/wiki/Q1513469>

### Papyrus 32: ein frühes Fragment des Briefes an Titus

P32 ist ein kleines Papyrusfragment in Manchester (P.Ryl. 1 5), das Teile von Titus 1,11–15 und 2,3–8 von einem Kodexblatt bewahrt. Nach der Schrift ins dritte Jahrhundert datiert (INTF: 200–225 n. Chr.; Hunt hielt es für vielleicht später als eine vergleichbare Schrift des dritten Jahrhunderts), gehört es mit P133 zu den ältesten erhaltenen Handschriften der Pastoralbriefe. Es zeigt, dass der Brief an Titus damals in Buchform abgeschrieben wurde; wer den Brief schrieb oder wann, kann es nicht entscheiden.

- **Datierung:** Drittes Jahrhundert nach der Schrift (Hunt 1911, der es für vielleicht später hielt als die Schrift des dritten Jahrhunderts, mit der er es verglich); frühes drittes Jahrhundert, 200–225 n. Chr., im INTF-Katalog. Der Zeitraum 200–299 deckt beide Urteile ab.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** John Rylands Library, University of Manchester (Gr. P. 5)
- **Katalognummern:** Gregory-Aland P32; P.Ryl. 1 5; Manchester, John Rylands Library, Gr. P. 5
- **Bezieht sich auf:** Titus 1,11–15; Titus 2,3–8; Titus 3,10; 1. Timotheus 3,13–4,8; Apostelgeschichte 28,30–31
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein Fragment von etwa 10,6 mal 4,9 cm vom unteren Rand eines Papyruskodexblatts bewahrt auf der einen Seite Teile von Titus 1,11–15 und auf der anderen von Titus 2,3–8. A. S. Hunt veröffentlichte es 1911 als P.Ryl. 1 5, und es ist als Gregory-Aland P32 katalogisiert (Manchester, Gr. P. 5).
- Seine Datierung beruht allein auf der Schrift. Hunt (1911) verglich die Schrift mit dem Genesis-Papyrus aus Oxyrhynchus (P.Oxy. 656), wies sie dem dritten Jahrhundert zu und hielt sie für vielleicht die spätere der beiden. Der INTF-Katalog gibt 200–225 n. Chr. an.
- Zusammen mit P133 (1. Timotheus 3,13–4,8, als drittes Jahrhundert katalogisiert) gehört es zu den ältesten bekannten Handschriften der Pastoralbriefe. Keiner der drei Pastoralbriefe erscheint in den erhaltenen Blättern von P46, dem Papyruskodex paulinischer Briefe aus dem frühen dritten Jahrhundert.
- Hunt (1911) vermerkte bei Titus 2,7 eine frühe Variante von einem Buchstaben in einem Wort, die er sonst nur als in zwei Handschriften des neunten Jahrhunderts verzeichnete Variante kannte. Er warnte, dass ihr Alter nicht beweist, dass sie ursprünglich ist.

**Was es nicht belegt**

- Es zeigt nicht, wer den Brief an Titus schrieb oder wann. Eine Abschrift, die mehr als ein Jahrhundert nach Paulus entstand, passt sowohl zur Verfasserschaft des Paulus als auch zu einer Abfassung unter seinem Namen nach seinem Tod.
- Es ist nicht der früheste Beleg dafür, dass der Brief an Titus existierte. Irenäus, der im späteren zweiten Jahrhundert schrieb, schreibt Titus 3,10 bereits Paulus zu und erwähnt die Briefe des Paulus an Timotheus (Gegen die Häresien 3.3.3-4).
- Es kann nicht zeigen, was sein Kodex sonst enthielt (nur den Brief an Titus, die drei Pastoralbriefe oder eine größere Sammlung paulinischer Briefe) oder wo es abgeschrieben oder gefunden wurde. Hunt nennt keinen Fundort, und nach seiner eigenen erklärten Praxis bedeutet das, dass die Herkunft nicht sicher bekannt war.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen sind offen. Die erste ist die Datierung. P32 ist nur nach der Schrift datiert, daher ist jedes Datum eine Schätzung: Hunt sagte drittes Jahrhundert, vielleicht später als die Schrift, mit der er es verglich, und der INTF-Katalog sagt 200–225 n. Chr. Die zweite ist die Bedeutung. Tertullian berichtet, dass der Brief an Titus in Markions Sammlung aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts fehlte, und er erscheint nicht in dem, was von P46 erhalten ist. Manche erklären dieses Fehlen als Ablehnung oder Auslassung; andere lesen es als Zeichen späterer Abfassung. P32 zeigt, dass der Brief an Titus im dritten Jahrhundert als Buch abgeschrieben wurde, kann aber die Verfasserfrage nicht entscheiden.

**Andere Lesarten**

- **Von Paulus geschrieben.** Viele evangelikale und einige andere Forschende sind der Ansicht, dass Paulus den Brief an Titus schrieb, möglicherweise mit einem Sekretär, nach einer Freilassung aus der Haft in Rom von Apostelgeschichte 28,30–31, die die Apostelgeschichte nicht erzählt, die diese Sicht aber aus den Briefen und späterer Überlieferung rekonstruiert. P32 ist mit dieser Sicht vereinbar, kann sie aber nicht beweisen, weil es eine Abschrift ist, die lange nach der Lebenszeit des Paulus entstand.
- **Später unter dem Namen des Paulus geschrieben.** Viele kritische Forschende betrachten die Pastoralbriefe als Werk eines Anhängers, der nach dem Tod des Paulus unter dessen Namen schrieb. Sie verweisen auf Wortschatz, Gemeindeordnung und das Fehlen der Briefe in Markions Sammlung. Eine Abschrift aus dem dritten Jahrhundert ist mit dieser Sicht ebenso vereinbar.
- **Ein weiteres Datierungsfenster für das Fragment.** Da P32 nur durch Schriftvergleich datiert ist, ist sein Datum eher ein ungefähres Fenster als ein fester Punkt. Hunt selbst hielt es für vielleicht später als den Genesis-Papyrus des dritten Jahrhunderts, mit dem er es verglich; daher lässt sich ein Datum später im dritten Jahrhundert nicht ausschließen.

**Quellen**

- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF online catalogue), Gregory-Aland P32: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10032&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF online catalogue), Gregory-Aland P133: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10133&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF online catalogue), Gregory-Aland P46: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21.1: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Irenaeus, Against Heresies (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Against Heresies 3.3.3-4: <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>

### Papyrus 30 (P. Oxy. 1598), Fragmente von 1. Thessalonicher und 2. Thessalonicher in Gent

P30 zeigt, dass 1. Thessalonicher und 2. Thessalonicher spätestens um das dritte Jahrhundert unmittelbar nacheinander abgeschrieben wurden, wahrscheinlich innerhalb einer Sammlung der Briefe des Paulus. Seine Fragmente aus einem Kodex, der in Oxyrhynchos gefunden wurde und sich heute in Gent befindet, bewahren Teile von 1. Thessalonicher 4–5 und den Anfang von 2. Thessalonicher, mit den Seitenzahlen 207–208, die nach Ansicht seiner Erstherausgeber auf eine solche Sammlung hinwiesen. Er kann nicht zeigen, wann, wo oder von wem die Briefe geschrieben wurden.

- **Datierung:** Drittes Jahrhundert im Verzeichnis des CSNTM und auf Signaturebene in der Liste des INTF, deren Kopfzeile „E II - A III“ lautet (Ende des zweiten bis Anfang des dritten Jahrhunderts). Die Erstherausgeber setzten die Schrift wahrscheinlich ins späte dritte Jahrhundert und überschrieben den Eintrag mit spätes drittes oder viertes Jahrhundert.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Universitätsbibliothek Gent, Inv. 61
- **Katalognummern:** Gregory-Aland P30; P. Oxy. XIII 1598; Ghent University Library Inv. 61; INTF Liste docID 10030
- **Bezieht sich auf:** 1. Thessalonicher 4,12–13; 1. Thessalonicher 4,16–17; 1. Thessalonicher 5,3; 1. Thessalonicher 5,8–10; 1. Thessalonicher 5,12–18; 1. Thessalonicher 5,25–28; 2. Thessalonicher 1,1–2; Apostelgeschichte 17,1–10
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein Papyruskodex aus Oxyrhynchos in Ägypten enthielt 1. Thessalonicher und wurde im dritten Jahrhundert abgeschrieben; seine Erstherausgeber ließen auch das vierte zu. Erhalten sind vier Fragmente von zwei aufeinanderfolgenden Blättern und ein nicht identifizierter Schnipsel, mit einer Spalte von etwa 34 Zeilen pro Seite. Die Blätter bewahren 1. Thessalonicher 4,12–13; 4,16–17; 5,3; 5,8–10; 5,12–18 und 5,25–28, mit großen Lücken.
- In diesem Kodex folgte 2. Thessalonicher unmittelbar auf 1. Thessalonicher. Eine Spalte enthält nacheinander das Ende von 1. Thessalonicher, den Schlusstitel des ersten Briefes, den Anfangstitel des zweiten und dessen Gruß (2. Thessalonicher 1,1–2). Ein Teil des Grußes ist erhalten, darunter ein Teil des Namens Silvanus.
- Die Seitenzahlen 207 und 208 sind erhalten, sodass etwa 206 Seiten vor 1. Thessalonicher 4,12 standen. Grenfell und Hunt (1919) bemerkten, dass die übliche Reihenfolge der Briefe des Paulus von Römer bis 1. Thessalonicher genau diese Seiten füllen würde, und schlugen vor, das Buch sei eine Sammlung der Briefe des Paulus gewesen. Das ist ihr Rückschluss.
- Der Text ist gemischt. Die Erstherausgeber fanden, dass er teils mit dem Codex Vaticanus, teils mit dem Sinaiticus und dem Alexandrinus übereinstimmt. Nach ihrer Lesung schließt 1. Thessalonicher mit dem kurzen Titel, der sich im Sinaiticus und in der ersten Hand des Vaticanus findet. Es fehlen die Unterschriften, die andere Handschriften hinzufügen; eine davon besagt, der Brief sei von Athen aus geschrieben worden.

**Was es nicht belegt**

- Er datiert und verortet die Abfassung keines der beiden Briefe. Er ist eine etwa zwei Jahrhunderte später angefertigte Abschrift, und die fehlende Unterschrift „von Athen aus“ bestätigt oder widerlegt keine Ansicht darüber, wo Paulus 1. Thessalonicher schrieb.
- Er klärt nicht, wer 2. Thessalonicher geschrieben hat. Er zeigt nur, dass dieser Kodex den Brief spätestens im dritten Jahrhundert als zweiten Brief an die Thessalonicher führte, unmittelbar nach dem ersten und wahrscheinlich innerhalb einer paulinischen Sammlung.
- Er bestätigt nicht den Bericht der Apostelgeschichte über die Mission des Paulus in Thessalonich (Apostelgeschichte 17,1–10).
- Inhalt und Reihenfolge der 206 verlorenen Seiten sind aus der Seitenrechnung erschlossen; niemand hat sie gesehen.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Datierung beruht allein auf dem Schriftbild. Grenfell und Hunt setzten die Schrift wahrscheinlich ins späte dritte Jahrhundert, überschrieben ihren Eintrag aber mit spätes drittes oder viertes Jahrhundert. Das CSNTM nennt das dritte Jahrhundert, ebenso die Liste des INTF auf Signaturebene, deren Kopfzeile „E II - A III“ lautet (Ende des zweiten bis Anfang des dritten Jahrhunderts). Die Annahme, der Kodex sei eine Sammlung der Briefe des Paulus gewesen, beruht auf Seitenrechnung. Etwa 206 verlorene Seiten passen zur üblichen Abfolge von Römer bis 1. Thessalonicher, doch andere Inhalte ähnlichen Umfangs lassen sich nicht ausschließen. Ob Paulus 2. Thessalonicher geschrieben hat, ist umstritten; der Papyrus betrifft die Frage, wie der Brief abgeschrieben wurde, nicht, wer ihn geschrieben hat.

**Andere Lesarten**

- **Eine etwas spätere Abschrift.** Die Erstherausgeber überschrieben den Papyrus mit spätes drittes oder viertes Jahrhundert, bevorzugten jedoch das späte dritte. Trifft das spätere Ende dieser Spanne zu, ändert das nichts am Inhalt, doch P30 wäre ein etwas späterer Zeuge.
- **Eine etwas frühere Abschrift.** Die Kopfzeile der Liste des INTF datiert P30 „E II - A III“, also Ende des zweiten bis Anfang des dritten Jahrhunderts. Die Datierung beruht weiterhin allein auf dem Schriftbild, und der Inhalt bleibt davon unberührt.
- **Nicht unbedingt ein vollständiges paulinisches Briefkorpus.** Die Seitenzahlen beweisen nur, dass etwa 206 Seiten vor 1. Thessalonicher 4,12 standen. Eine andere Auswahl oder Reihenfolge von Texten ähnlichen Umfangs könnte denselben Raum füllen. „Eine Sammlung der Briefe des Paulus“ ist der wahrscheinliche Rückschluss der Herausgeber, nicht etwas, das jemand beobachtet hat.
- **2. Thessalonicher als pseudonym.** Viele kritische Forschende meinen, 2. Thessalonicher sei von einem späteren Verfasser unter dem Namen des Paulus geschrieben worden. Auch nach dieser Sicht zeigt P30, dass der Brief spätestens im dritten Jahrhundert unmittelbar nach 1. Thessalonicher als zweiter Brief an die Thessalonicher abgeschrieben wurde. Der Papyrus passt zu beiden Ansichten über die Verfasserschaft.

**Quellen**

- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland P30 (docID 10030): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10030&detail=page>
- CSNTM manuscript record: P30, GA P30: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P30>
- Wikidata item: Papyrus 30, Q2051048: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q2051048.json>

### Papyrus 87, ein Kölner Fragment von Philemon

Papyrus 87 ist ein kleines Fragment einer Kodexseite, das sich heute in Köln befindet und auf der einen Seite Teile von Philemon 13–15, auf der anderen von 24–25 bewahrt. Als Stück des dritten Jahrhunderts katalogisiert, ist es die älteste bekannte Handschrift von Philemon und zeigt, dass der Brief zu dieser Zeit in Buchform abgeschrieben wurde. Erhalten sind nur verstreute Buchstaben, und es sagt nichts darüber, wer den Brief schrieb oder wo.

- **Datierung:** Drittes Jahrhundert n. Chr., nach dem Schriftbild datiert (INTF: 200–299; CSNTM: drittes Jahrhundert). Der Datensatz der Kölner Sammlung zu seiner Edition (P.Köln IV 170, hrsg. von C. Römer) setzt es früh in dieses Jahrhundert.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Institut für Altertumskunde, Universität zu Köln (Inv. Nr. 12)
- **Katalognummern:** Gregory-Aland P87; INTF Liste docID 10087; Köln, Institut für Altertumskunde, Inv. Nr. 12; P.Köln IV 170
- **Bezieht sich auf:** Philemon 1,13–15; Philemon 1,24–25
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein Papyrusfragment im Institut für Altertumskunde der Universität zu Köln (Inv. Nr. 12), vom INTF als Gregory-Aland P87 registriert, bewahrt auf der einen Seite Teile von Philemon 13–15 und auf der anderen Philemon 24–25.
- Beide Seiten tragen Teile desselben Briefes in fortlaufender Folge, daher stammt das Fragment von einem Kodexblatt, nicht von einer Rolle. Das INTF verzeichnet Teile von acht Zeilen auf der einen und zwei auf der anderen Seite und schätzt die ursprüngliche Seite auf 32 Zeilen.
- Das INTF datiert es ins dritte Jahrhundert (200–299 n. Chr.). In der Liste des INTF ist es die einzige Handschrift von Philemon, die vor das vierte Jahrhundert datiert wird. Die nächstältesten, P139 und der Codex Sinaiticus, stammen beide aus dem vierten Jahrhundert.
- Es ist ein materieller Beleg dafür, dass Philemon spätestens im dritten Jahrhundert abgeschrieben wurde. Belege für einen früheren Umlauf des Briefes sind literarischer Art: Tertullian, der zu Beginn des dritten Jahrhunderts schrieb, berichtet, dass die Sammlung der Briefe des Paulus, die Markion im zweiten Jahrhundert anlegte, ihn enthielt.

**Was es nicht belegt**

- Es zeigt nicht, wer Philemon schrieb, wann oder während welcher Gefangenschaft. Rom, Ephesus und Cäsarea sind alle vorgeschlagen worden, und diese Fragen werden aus dem Brief selbst heraus erörtert.
- Ein Großteil des Textes in der Transkription des INTF ist redaktionelle Ergänzung. Auf der Seite mit den Versen 24–25 ist der Name Demas vollständig ergänzt, und vom Namen des Lukas sind nur zwei Buchstaben gelesen, einer davon unsicher; das Fragment bezeugt diese Namen also nicht aus sich heraus.
- Es zeigt nicht, ob sein Kodex nur Philemon oder eine Sammlung der Briefe des Paulus enthielt, und auch nicht, wo er abgeschrieben wurde. Die herangezogenen Katalogeinträge nennen keinen Fundort.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Datierung beruht allein auf dem Schriftbild. INTF und CSNTM katalogisieren das Fragment als Stück des dritten Jahrhunderts, und der Datensatz der Kölner Sammlung zu seiner Edition engt dies auf das frühe dritte Jahrhundert ein; Datierungen nach literarischen Schriften lassen gewöhnlich Jahrzehnte Spielraum in beide Richtungen. Es sind so wenige Buchstaben erhalten, dass jede Aussage über seinen Texttyp über das hinausgeht, was das Fragment zeigt. Dasselbe gilt für jede Behauptung, es stamme aus einer Sammelausgabe der Briefe des Paulus wie P46, deren erhaltene Blätter, wie das INTF sie verzeichnet, keinen Teil von Philemon enthalten. Die meisten Forschenden halten Philemon aus anderen Gründen für einen Brief des Paulus; von wo aus er ihn schrieb, ist weiterhin umstritten.

**Andere Lesarten**

- **Minimale Lesart.** Ein Fragment von etwa zehn unvollständigen Zeilen zeigt nur, dass jemand Philemon spätestens im dritten Jahrhundert in einem Kodex abschrieb. Es kann weder den Hintergrund des Briefes noch die darin genannten Personen bestätigen. Diese Fragen hängen vom Brief selbst und seinen Verbindungen zu Kolosser und zur Apostelgeschichte ab.
- **Ein knapper Altersvorsprung.** Datierungen nach dem Schriftbild sind Schätzungen. Wenn P87 spät im dritten Jahrhundert und P139 oder der Codex Sinaiticus früh im vierten abgeschrieben wurden, lägen die ältesten erhaltenen Abschriften von Philemon zeitlich nahe beieinander. P87 bliebe nach Katalogdatum die früheste, doch ihr Vorsprung könnte nur Jahrzehnte betragen.

**Quellen**

- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste (INTF NTVMR): manuscript record P87, P87 (docID 10087): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10087&detail=page&format=xml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, INTF transcription of P87, folio 1r, P87 f. 1r (Phlm 13-15): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10087&pageID=10&format=teiraw>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, INTF transcription of P87, folio 1v, P87 f. 1v (Phlm 24-25): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10087&pageID=20&format=teiraw>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste (INTF NTVMR): manuscript record P139, P139 (docID 10139): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10139&detail=page&format=xml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste (INTF NTVMR): manuscript record 01 (Codex Sinaiticus), 01 (docID 20001): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20001&detail=page&format=xml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste (INTF NTVMR): manuscript record P46, P46 (docID 10046): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- CSNTM manuscript catalogue: GA P87, GA P87: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P87>
- Wikidata: Papyrus 87, Q571588: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q571588.json>
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

### Codex Vaticanus (B) und die Briefe des Paulus

Der Codex Vaticanus (Vat. gr. 1209, Gregory-Aland 03), eine griechische Bibel aus dem vierten Jahrhundert, bewahrt Römer bis 2. Thessalonicher sowie Hebräer bis 9,14, wo seine ursprünglichen Blätter enden. Scrivener (1861) berichtete, dass seine durchlaufenden paulinischen Abschnittsnummern von Galater (58) zu Epheser (70) springen und Hebräer mit 59 beginnen lassen, was auf eine ältere Abschrift hinweist, in der Hebräer nach Galater stand. Der verlorene Schluss kann nicht zeigen, ob 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus und Philemon folgten.

- **Datierung:** Viertes Jahrhundert (Liste des INTF „IV“; Vatikanische Bibliothek „sec. IV“); Hebräer 9,14 bis zum Ende sowie die Offenbarung wurden im fünfzehnten Jahrhundert ergänzt
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Biblioteca Apostolica Vaticana, Vatikanstadt (Vat. gr. 1209)
- **Katalognummern:** Gregory-Aland 03 (B); Vat. gr. 1209; INTF Liste docID 20003; Gregory-Aland 1957 (15th-century supplement, Vat. gr. 1209 pp. 1519-1536)
- **Bezieht sich auf:** Römer 1,1–16,24; 1. Korinther 1,1–16,24; 2. Korinther 1,1–13,14; Galater 1,1–6,18; Epheser 1,1–6,24; Philipper 1,1–4,23; Kolosser 1,1–4,18; 1. Thessalonicher 1,1–5,28; 2. Thessalonicher 1,1–3,18; Hebräer 1,1–9,14
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein griechischer Kodex des vierten Jahrhunderts in der Vatikanischen Bibliothek (Vat. gr. 1209, Gregory-Aland 03) bewahrt Römer, 1. Korinther und 2. Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, 1. Thessalonicher und 2. Thessalonicher sowie Hebräer 1,1–9,14. Diese folgen auf die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Katholischen Briefe, auf S. 1445–1518 des Kodex.
- Der Brief an die Hebräer beginnt auf derselben Seite, auf der 2. Thessalonicher endet (S. 1512), sodass er in diesem Kodex unmittelbar auf die Briefe des Paulus an die Thessalonicher folgt und zum paulinischen Teil gehört.
- Wie Scrivener (1861) berichtete, tragen die Briefe des Paulus im älteren der beiden Abschnittssysteme des Kodex eine einzige durchlaufende Reihe von Abschnittsnummern: Galater endet mit 58, Epheser beginnt mit 70 und Hebräer beginnt mit 59. Er und Gregory (1907) folgerten, dass die Nummerierung für eine ältere Abschrift angelegt wurde, in der Hebräer zwischen Galater und Epheser stand.
- Die ursprüngliche Hand endet bei Hebräer 9,14. Der Rest von Hebräer und die Offenbarung (S. 1519–1536) sind eine Ergänzung aus dem fünfzehnten Jahrhundert, die gesondert als Gregory-Aland 1957 katalogisiert ist.

**Was es nicht belegt**

- Ob der Kodex 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus und Philemon enthielt. Die letzten Lagen sind verloren und die Zahl der fehlenden Blätter ist unbekannt, sodass der Kodex über die Pastoralbriefe und Philemon schweigt. Er ist kein Beleg gegen sie.
- Dass Paulus den Brief an die Hebräer geschrieben hat. Seine Stellung unter den Briefen des Paulus zeigt, wie Abschreiber des vierten Jahrhunderts einen Brief einordneten, der keinen Verfasser nennt. Sie zeigt nicht, wer ihn geschrieben hat.
- Wann oder von wem die durchlaufenden Abschnittsnummern zuerst angelegt wurden, oder Datum und Ort der früheren Abschrift, deren Reihenfolge sie widerspiegeln.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Der erhaltene Inhalt ist unstrittig, und der Sprung in den Abschnittsnummern wird seit dem neunzehnten Jahrhundert berichtet; seine Deutung ist weniger gesichert. Wann und von wem die durchlaufenden Nummern angelegt wurden und ob sie vom eigenen Textvorfahren des Kodex oder von einer anderen Abschrift stammen, ist ungewiss. Der Inhalt der verlorenen Lagen ist erschlossen: Sinaiticus und Alexandrinus führen beide von Hebräer zu 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus und Philemon, doch P46 mit Hebräer nach Römer zeigt, dass frühe Sammlungen sich unterschieden. Die Datierung des Kodex innerhalb des vierten Jahrhunderts und seine Herkunft bleiben umstritten: Bis 1908 waren Rom, Kleinasien und Ägypten vorgeschlagen worden, und Skeat sprach sich später für Cäsarea aus.

**Andere Lesarten**

- **Übernommene Nummerierung (die übliche Lesart).** Die durchlaufenden Abschnittsnummern wurden aus einer älteren Handschrift übernommen, in der Hebräer auf Galater folgte. Der Kodex selbst stellte Hebräer hinter 2. Thessalonicher, die Reihenfolge, die sich auch im Codex Sinaiticus und im Codex Alexandrinus findet.
- **Nummerierung aus einer anderen Quelle.** Das Abschnittssystem könnte aus einer anderen Abschrift stammen als derjenigen, die den Text lieferte. In diesem Fall gibt es die Reihenfolge in der Quelle dieses Systems wieder, nicht im direkten Textvorfahren des Kodex.
- **Inhalt des verlorenen Schlusses.** Die Pastoralbriefe und Philemon, vielleicht auch die Offenbarung, folgten wahrscheinlich auf Hebräer, wie im Codex Sinaiticus und im Codex Alexandrinus. Das ist ein vernünftiger Rückschluss aus vergleichbaren Bibeln, doch kein erhaltenes Blatt bestätigt es für diesen Kodex.

**Quellen**

- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland 03 (docID 20003): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20003&detail=page>
- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland 1957 (docID 31957): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=31957&detail=page>
- Biblioteca Apostolica Vaticana, DigiVatLib manuscript record, Vat.gr.1209, Vat.gr.1209: <https://digi.vatlib.it/mss/detail/Vat.gr.1209>
- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland 01 (docID 20001): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20001&detail=page>
- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland 02 (docID 20002): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20002&detail=page>
- Kurzgefasste Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments (INTF, New Testament Virtual Manuscript Room), Gregory-Aland P46 (docID 10046): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- Wikidata: Codex Vaticanus, Q209285: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q209285.json>

### Die Briefe des Paulus im Codex Sinaiticus

Der Codex Sinaiticus, eine im vierten Jahrhundert abgeschriebene griechische Bibel, die sich heute größtenteils in der British Library befindet, ist die älteste bekannte Handschrift, die alle dreizehn Briefe enthält, die den Namen des Paulus tragen; der Brief an die Hebräer steht darin unter ihnen, nach 2. Thessalonicher. Er zeigt, wie die Briefe des Paulus etwa drei Jahrhunderte nach ihm gesammelt und gelesen wurden; als korrigierte Abschrift legt er weder jede ursprüngliche Lesart fest, noch klärt er, wer den Brief an die Hebräer schrieb.

- **Datierung:** 4. Jahrhundert n. Chr. (anhand der Schrift datiert; manchmal genauer in die Mitte des Jahrhunderts gesetzt)
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** British Library, London (Add. MS 43725, einschließlich des gesamten Neuen Testaments); weitere Blätter in der Universitätsbibliothek Leipzig, der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg und im Katharinenkloster auf dem Sinai
- **Katalognummern:** Gregory-Aland 01; INTF Liste docID 20001; British Library Add. MS 43725
- **Bezieht sich auf:** Römer 1,1–16,24; 1. Korinther 1,1–16,24; 2. Korinther 1,1–13,14; Galater 1,1–6,18; Epheser 1,1–6,24; Epheser 1,1; Philipper 1,1–4,23; Kolosser 1,1–4,18; 1. Thessalonicher 1,1–5,28; 2. Thessalonicher 1,1–3,18; Hebräer 1,1–13,25; 1. Timotheus 1,1–6,21; 2. Timotheus 1,1–4,22; Titus 1,1–3,15; Philemon 1,1–25
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein griechischer Pergamentkodex, der anhand seiner Schrift ins vierte Jahrhundert datiert wird, bewahrt das gesamte Neue Testament. Sein paulinischer Teil umfasst Römer, 1. Korinther und 2. Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, 1. Thessalonicher und 2. Thessalonicher, Hebräer, 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus und Philemon, und die Apostelgeschichte folgt unmittelbar darauf (British Library Add. MS 43725, Blätter 261r-298r im Seitenindex des INTF).
- Er ist die älteste bekannte Handschrift, die jeden Brief enthält, der den Namen des Paulus trägt. Papyrus 46 (um 200–225) enthält in seinem erhaltenen Umfang weder 2. Thessalonicher noch 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus oder Philemon. Der ähnlich alte Codex Vaticanus bricht bei Hebräer 9,14 ab; ob er je 1. Timotheus und 2. Timotheus, Titus und Philemon enthielt, ist daher unbekannt.
- In beiden großen griechischen Kodizes des vierten Jahrhunderts, dem Sinaiticus und dem Vaticanus, wurde der Brief an die Hebräer innerhalb der paulinischen Sammlung abgeschrieben; hier steht er zwischen 2. Thessalonicher und 1. Timotheus. Eusebius zählt im selben Jahrhundert vierzehn Briefe des Paulus, berichtet aber, dass einige den Brief an die Hebräer ablehnten, weil die römische Kirche bestritt, dass Paulus ihn geschrieben habe.
- In Epheser 1,1 fehlt bei der ersten Hand die Wendung, die Ephesus nennt; ein späterer Korrektor hat sie ergänzt. Auch Papyrus 46 und die erste Hand des Codex Vaticanus haben die Wendung nicht, sodass der Kodex zu den frühesten Zeugen für diese textkritische Frage gehört.

**Was es nicht belegt**

- Wer den Brief an die Hebräer schrieb. Die Stellung des Briefes zeigt, wie Abschreiber des vierten Jahrhunderts ihn einordneten, nicht, wer ihn verfasste. Origenes hielt nach dem Bericht des Eusebius die Gedanken für die des Paulus, den Wortlaut aber für den eines anderen, und sagte, nur Gott wisse, wer der Verfasser sei.
- Den ursprünglichen Wortlaut an jeder Stelle. Der Sinaiticus ist ein einzelner Zeuge, vom vierten bis zum zwölften Jahrhundert von vielen Händen korrigiert, und seine Lesarten müssen gegen die Papyri und andere Handschriften abgewogen werden.
- Wo er abgeschrieben wurde, wer ihn bezahlte oder ob irgendein Ereignis in der Apostelgeschichte oder den Briefen stattfand. Ein seit Tischendorf vertretener Vorschlag verbindet ihn mit den fünfzig Abschriften, die Konstantin bei Eusebius in Auftrag gab (Eusebius, Vita Constantini 4.36), doch kein Dokument belegt diese Verbindung, und eine genaue Abschrift eines Briefes bezeugt dessen Text, nicht die Geschichte, die der Text beschreibt.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Herkunft: Nichts im Kodex hält fest, wo oder für wen er ursprünglich abgeschrieben wurde. Vermerke eines späteren Korrektors nach 2. Esdras und Ester besagen, der Text sei an einer sehr alten Abschrift geprüft worden, die der Märtyrer Pamphilus, ein Presbyter in Cäsarea, korrigiert hatte; das verbindet den Kodex einige Jahrhunderte nach seiner Abschrift mit Cäsarea (Fenlon setzte diesen Korrektor 1908 wahrscheinlich ins siebte Jahrhundert). Cäsarea, Ägypten (oft Alexandria), Rom und das südliche Italien sind alle als Entstehungsort vorgeschlagen worden. Ein seit Tischendorf vertretener Vorschlag verbindet ihn mit den fünfzig Abschriften, die Konstantin bei Eusebius in Auftrag gab (Eusebius, Vita Constantini 4.36), doch kein Dokument belegt diese Verbindung. Datierung: Die Schrift weist ihn ins vierte Jahrhundert, manchmal in dessen Mitte, doch die Datierung nach der Schrift ist nur annähernd. Reihenfolge: Auch der Codex Vaticanus und der Codex Alexandrinus aus dem fünften Jahrhundert stellen den Brief an die Hebräer hinter 2. Thessalonicher, Papyrus 46 stellt ihn hinter Römer, und moderne westliche Bibelausgaben stellen ihn hinter Philemon. Text: Die Fachleute sind uneins, ob der Ortsname in Epheser 1,1 ursprünglich war und früh verloren ging oder später hinzugefügt wurde.

**Andere Lesarten**

- **Der Brief an die Hebräer als Brief des Paulus gelesen.** Manche Ausleger, antike wie moderne, sehen in der Stellung des Briefes an die Hebräer unter den Briefen des Paulus eine Stütze für eine paulinische Verfasserschaft oder für einen Verfasser aus dem Kreis um Paulus. Die Einordnung zeigt durchaus, dass ein großer Teil der griechischsprachigen Kirche den Brief an die Hebräer zu den Briefen des Paulus zählte. Quellen aus derselben Zeit verzeichnen aber auch Zweifel in Rom und die Ansicht des Origenes, der Wortlaut stamme nicht von Paulus; die Stellung allein kann die Verfasserfrage daher nicht entscheiden.
- **Der Auftrag Konstantins.** Ein seit Tischendorf vertretener Vorschlag verbindet den Sinaiticus, manchmal auch den Codex Vaticanus, mit den fünfzig Pergamentabschriften der Heiligen Schrift, die Konstantin bei Eusebius für die Kirchen seiner neuen Stadt in Auftrag gab (Eusebius, Vita Constantini 4.36). Umfang und Alter des Kodex machen das möglich, doch kein erhaltenes Dokument verbindet diese Handschrift mit jenem Auftrag, und Fenlon (1908) bemerkte, dass nichts darauf hindeutet, dass sie je in Konstantinopel war.
- **Der Brief an die Epheser als Rundschreiben.** Mehrere frühe Zeugen, darunter die erste Hand dieses Kodex, haben den Ortsnamen in Epheser 1,1 nicht. Daraus schließen manche, der Brief sei für mehrere Gemeinden bestimmt gewesen. Andere halten den Namen für ursprünglich und sein Fehlen für eine frühe Änderung beim Abschreiben, die der eigene Korrektor dieses Kodex rückgängig machte.

**Quellen**

- Codex Sinaiticus Project, About the Codex: Content, About the Codex: Content (surviving books; New Testament order, Hebrews after 2 Thessalonians, Acts between the Pastoral and Catholic Epistles): <https://www.codexsinaiticus.org/en/codex/content.aspx>
- Codex Sinaiticus Project, About the Codex: Date, About the Codex: Date (fourth century, sometimes mid-century, by palaeography; Vaticanus of similar date): <https://www.codexsinaiticus.org/en/codex/date.aspx>
- Codex Sinaiticus Project, About the Codex: Significance, About the Codex: Significance (corrections from the fourth to the twelfth century; order of books): <https://www.codexsinaiticus.org/en/codex/significance.aspx>
- Codex Sinaiticus Project, About the Codex: History, About the Codex: History (holdings: British Library 347 leaves; Leipzig 43 leaves; parts of six leaves in St Petersburg; further leaves at St Catherine's): <https://www.codexsinaiticus.org/en/codex/history.aspx>
- Codex Sinaiticus Project, Transcription of Codex Sinaiticus, quire 36, folio 5 recto, Quire 36, folio 5 recto: colophon after 2 Esdras stating that the text was collated with a very old copy corrected by the martyr Pamphilus: <https://www.codexsinaiticus.org/handler/transcription.ashx?q=36&f=5&s=r&type=0>
- Codex Sinaiticus Project, Transcription of Codex Sinaiticus, quire 37, folio 3 recto, Quire 37, folio 3 recto: colophon after Esther stating that the text was collated with a very old copy corrected by the martyr Pamphilus, whose own subscription cites Origen's Hexapla: <https://www.codexsinaiticus.org/handler/transcription.ashx?q=37&f=3&s=r&type=0>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste record and page index: GA 01, Gregory-Aland 01 (docID 20001): IV century; British Library Add. 43725; page index Romans from 261r to Philemon at 298r, Hebrews 288v-293v, Acts from 299r: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20001&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, NTVMR transcription of GA 01, folio 280v, GA 01 folio 280v (pageID 1620), Ephesians 1:1: first hand omits the place-name; corrector supplies it: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=20001&pageID=1620&format=xhtml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste record and page index: GA 03, Gregory-Aland 03 (docID 20003): IV century; Vat. gr. 1209; page index has Hebrews after 2 Thessalonians and ends at Hebrews 9:14: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20003&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, NTVMR transcription of GA 03, page 1493, GA 03 page 1493 (pageID 2620), Ephesians 1:1: first hand omits the place-name; corrector supplies it: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=20003&pageID=2620&format=xhtml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste record and page index: P46, Gregory-Aland P46 (docID 10046): dated 200-225; page index Romans, Hebrews, 1-2 Corinthians, Ephesians, Galatians, Philippians, Colossians, 1 Thessalonians: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, NTVMR transcription of P46, folio 75r, P46 folio 75r (pageID 1310), Ephesians 1:1: no place-name: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10046&pageID=1310&format=xhtml>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste record and page index: GA 02, Gregory-Aland 02 (docID 20002): V century; British Library Royal 1 D.VIII; page index has Hebrews after 2 Thessalonians: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20002&detail=page>
- Eusebius, Church History, Book III (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.3.5: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius, Church History, Book VI (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 6.25.11-14: <https://www.newadvent.org/fathers/250106.htm>
- Eusebius, Church History, Book VII (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 7.32.24-25 (Pamphilus a presbyter of the church at Caesarea in Palestine): <https://www.newadvent.org/fathers/250107.htm>

## Jüdische und römische Autoren

### König Aretas IV. und die Flucht des Paulus aus Damaskus

Josephus bezeugt Aretas IV., den einzigen König dieses Namens, dessen Regierungszeit in die Lebenszeit des Paulus passt, und damit den in 2. Korinther 11,32 genannten König. Datierte Inschriften und Münzen setzen seine Regierungszeit auf um 9 v. Chr. bis 40 n. Chr. an; die Flucht des Paulus im Korb aus Damaskus lag also vor etwa 40 n. Chr. Ob Aretas damals Damaskus beherrschte, ist unbewiesen; die Argumentation stützt sich auf eine Lücke in der Münzprägung der Stadt und auf die Deutung des Titels, den der Beamte des Aretas trägt – ein Begriff, den Josephus sowohl für einen Gebietsherrscher als auch für das Oberhaupt einer Gemeinschaft verwendet.

- **Datierung:** Regierungszeit des Aretas IV., um 9 v. Chr. bis 40 n. Chr. Die Flucht des Paulus lag vor dem Tod des Aretas und wird in 2. Korinther erinnert, verfasst Mitte der 50er-Jahre.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung (Josephus, Jüdische Altertümer und Jüdischer Krieg; Cassius Dio). Die städtischen Münzen von Damaskus befinden sich in mehreren Museums- und Privatsammlungen und sind im RPC katalogisiert.
- **Katalognummern:** RPC I 4781-4806 (civic coinage of Damascus, 37/36 BC to AD 65/6); RPC I 4800-4802A (Damascus under Tiberius, year 345 = AD 33/4, the last dated issue before the gap); RPC I 4803-4806 (Damascus under Nero, year 377 = AD 65/6)
- **Bezieht sich auf:** 2. Korinther 11,32–33; Apostelgeschichte 9,23–25; Apostelgeschichte 9,26; Galater 1,17–18; Galater 1,21
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Durch Quellen gestützt

**Was es belegt**

- Aretas IV. ist ein nabatäischer König, der außerhalb des Neuen Testaments bezeugt ist. Josephus berichtet, dass er nach dem Tod des Obodas die Herrschaft übernahm und dass Augustus ihn nur widerwillig bestätigte. Josephus berichtet außerdem von seinem Sieg über Herodes Antipas und davon, dass Vitellius seinen Marsch gegen Aretas abbrach, als die Nachricht vom Tod des Tiberius im Jahr 37 n. Chr. eintraf.
- Seine Regierungszeit wird auf um 9 v. Chr. bis 40 n. Chr. angesetzt, wobei das Jahr des Herrschaftsantritts unsicher ist. Schürer (1890) berichtet von Inschriften aus el-Hegr und Münzen, die in sein 48. Jahr datiert sind; Al-Salameen (2011) veröffentlicht eine Inschrift, die auf das Todesjahr eines Königs namens Aretas datiert ist, höchstwahrscheinlich Aretas IV. im Jahr 40 n. Chr.
- Paulus sagt, der Beamte des König Aretas habe Damaskus bewacht, um ihn festzunehmen; die Flucht (2. Korinther 11,32–33; vgl. Apostelgeschichte 9,23–25) lag also vor um 40 n. Chr. Wenn die Flucht dem ersten Besuch des Paulus in Jerusalem vorausging (Apostelgeschichte 9,23–26; Galater 1,17–18), erfolgte seine Bekehrung spätestens um 37 n. Chr.
- RPC I verzeichnet städtische Münzen von Damaskus, die unter Tiberius bis zum Jahr 345 (33/4 n. Chr.) datiert sind. Die nächste sichere Emission stammt aus der Zeit des Nero (Jahr 377, 65/6 n. Chr.), und es sind keine Emissionen von Damaskus unter Gaius oder Klaudius katalogisiert.

**Was es nicht belegt**

- Es zeigt nicht, dass Aretas Damaskus regierte. Keine Inschrift, keine Münze und kein nichtchristlicher Text sagt das. Dios Liste der Schenkungen des Gaius im Jahr 38 n. Chr. erwähnt arabische Gebiete, aber weder Aretas noch Damaskus (59.12.2).
- Die Lücke in der Münzprägung beweist keinen Herrscherwechsel. Damaskus prägte nur mit Unterbrechungen: RPC I enthält keine datierten Emissionen zwischen 4/3 v. Chr. und 13/14 n. Chr. Die Lücke ist ein Argument aus dem Schweigen.
- Es legt das Jahr der Flucht nicht fest und macht die Apostelgeschichte und 2. Korinther nicht zu völlig unabhängigen Zeugen. In der Forschung werden Datierungen von den frühen 30er-Jahren bis 39/40 n. Chr. vertreten, und die beiden Berichte haben einige Formulierungen gemeinsam.
- Die Apostelgeschichte und Paulus nennen unterschiedliche Verfolger: In der Apostelgeschichte bewachen die Juden die Tore (Apostelgeschichte 9,23–24), während Paulus den Beamten des Aretas nennt (2. Korinther 11,32). Jede Harmonisierung, etwa eine Zusammenarbeit zwischen ihnen, ist eine Folgerung.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Offen ist die Frage, was der Beamte des Aretas in Damaskus war. Schürer (1890) verstand die Worte des Paulus so, dass Damaskus damals Aretas gehörte, wahrscheinlich von Gaius an ihn zurückgegeben, und verwies auf die Lücke in der Münzprägung der Stadt; wie Riesner (2011) berichtet, plädierte Welborn für eine Übergabe durch Gaius in den Jahren 37–39. Bacon (1899) setzte eine solche Herrschaft nicht früher als Ende 38 an. Riesner, der sich unter anderem auf Hengel und Schwemer beruft, hält weder eine Schenkung noch eine Eroberung für erwiesen. Holtzmann verstand den Beamten, wie Bacon (1899) berichtet, als Vertreter arabischer Interessen in Damaskus; Riesner versteht ihn als Aufseher des nabatäischen Viertels der Stadt, ähnlich wie das Oberhaupt der Juden von Alexandria, das Josephus unter Berufung auf Strabon einen Ethnarchen nennt (Ant. 14.117). Campbell behandelt die Flucht als Fixpunkt der paulinischen Chronologie.

**Andere Lesarten**

- **Nabatäische Herrschaft über die Stadt, um 37–40 n. Chr..** Aretas regierte Damaskus kurzzeitig durch seinen Beamten, vielleicht aufgrund einer Schenkung des Gaius nach dem Tod des Tiberius. Die Machthaber in Damaskus hatten einst einen früheren Aretas zur Herrschaft über Koilesyrien gerufen (Ant. 13.392), und Josephus gibt Archelaos als Herrscher über die Hälfte des Reiches Herodes des Großen denselben Titel (War 2.93). Die Münzlücke passt dann, die Flucht fällt um 37–40 n. Chr., und zusammen mit Galater 1,18 rückt die Bekehrung des Paulus in die Mitte der 30er-Jahre.
- **Beamter als Gemeinschaftsoberhaupt oder königlicher Vertreter.** Damaskus blieb eine Stadt im römisch beherrschten Syrien. Der Beamte des Aretas war entweder das Oberhaupt der örtlichen nabatäischen Gemeinschaft (Riesner) oder ein Vertreter der Interessen des Königs (Holtzmann, wie Bacon berichtet). In beiden Fällen konnte er nach Paulus Ausschau halten, ohne die Stadt zu regieren, sodass die Flucht früher in die 30er-Jahre fallen kann. Bacon (1899) bezweifelte, dass ein solcher Beauftragter eine römisch kontrollierte Stadt bewachen konnte, um jemanden am Verlassen zu hindern.
- **Ein eng gefasstes Ankerdatum.** Campbell macht die Flucht vor dem Beamten des Aretas zum Anker einer aus den Briefen gewonnenen Chronologie und datiert sie eng in die späteren 30er-Jahre. Riesner (2011) hält dagegen, dass sich eine nabatäische Herrschaft über Damaskus nicht nachweisen lässt; sicher sei daher nur, dass die Flucht vor dem Tod des Aretas im Jahr 40 n. Chr. lag.
- **Flucht später, als die Apostelgeschichte sie ansetzt.** Weizsäcker – so berichtet Bacon (1899), der ihm vorsichtig folgt – verlegte die Flucht in einen späteren Aufenthalt in Damaskus um 39 n. Chr., nach dem ersten Besuch des Paulus in Jerusalem (Apostelgeschichte 9,26), während seiner Tätigkeit in Syrien und Kilikien (Galater 1,21). Nach dieser Sicht ordnet Apostelgeschichte 9 die Episode falsch ein.
- **Gemeinsame Überlieferung oder literarische Abhängigkeit.** Paley (1790) stellte die beiden Berichte nebeneinander, den einen mit dem Beamten des Königs, der die Stadt bewacht, den anderen mit den Juden, die die Tore bewachen, und urteilte, dass sie sich in den Umständen zu sehr unterscheiden, als dass der eine vom anderen abgeleitet sein könnte. Welborn weist darauf hin, dass sie teilweise im Wortlaut übereinstimmen, was zwischen der Apostelgeschichte und den Briefen ungewöhnlich ist. Ob die Apostelgeschichte den Brief des Paulus oder eine gemeinsame Überlieferung benutzte, bleibt offen.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 18.109-115 (Whiston 18.5.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=18:whiston%20chapter=5:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 18.120-129 (Whiston 18.5.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=18:whiston%20chapter=5:whiston%20section=3>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 16.293-299 (Whiston 16.9.4): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=16:whiston%20chapter=9:whiston%20section=4>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 16.351-355 (Whiston 16.10.9): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=16:whiston%20chapter=10:whiston%20section=9>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 14.117 (Whiston 14.7.2), quoting Strabo on the Jews of Egypt: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=14:whiston%20chapter=7:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), War 2.93 (Whiston 2.6.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=6:whiston%20section=3>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text of the 1895 Beardsley edition)), Ant. 13.392 (Whiston 13.15.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=13:whiston%20chapter=15:whiston%20section=2>
- Cassius Dio, Roman History, Book 59 (Earnest Cary, 1924), 59.12.2: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/59*.html>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. IV (Second Epistle to the Corinthians), No. II: <https://archive.org/download/horaepaulinaeort00pale_0/horaepaulinaeort00pale_0_djvu.txt>
- Wikidata, Aretas IV Philopatris, Q302986: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q302986.json>
- Pleiades, Damascus, Pleiades 678106: <https://pleiades.stoa.org/places/678106/json>

### Griechische Dichter, zitiert in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Paulus: Aratos, Menander und „Epimenides“

Drei Stellen in der Apostelgeschichte und den paulinischen Briefen geben griechische Verse wieder. Apostelgeschichte 17,28 entspricht der ersten Hälfte von Vers 5 der Phainomena des Aratos (3. Jahrhundert v. Chr.). 1. Korinther 15,33 entspricht bis auf einen nicht elidierten Vokal einem iambischen Trimeter, der als Vers Menanders aus seiner verlorenen Komödie Thais gedruckt wird. Titus 1,12 ist ein Hexameter, den Clemens von Alexandria dem kretischen Seher Epimenides zuschrieb. Die Verse zeigen einen griechischen literarischen Horizont, aber weder, dass Paulus diese Dichter gelesen hat, noch, dass die Rede in Athen wörtlich wiedergegeben ist.

- **Datierung:** Gedichte: Diogenes Laertius setzt Epimenides in die 46. Olympiade (596–593 v. Chr.), ein legendarisches Datum, und kein Werk von ihm ist vollständig erhalten; Menander 343/42–292/91 v. Chr. (Allinson); die Phainomena des Aratos um 276–274 v. Chr. (Folgerung von Mair); der Hymnos auf Zeus des Kallimachos, 3. Jahrhundert v. Chr. Früheste angeführte christliche Zuschreibung: Clemens von Alexandria, Stromateis (um 200 n. Chr.).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** Aratus, Phaenomena 5 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0653.tlg001); Menander, Thais fr. 218 Kock; Euripides fr. 1013 Nauck (cross-reference given by Allinson 1921); Callimachus, Hymn 1 (To Zeus) 8; Diogenes Laertius 1.109-112 (Epimenides)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 17,28; Apostelgeschichte 17,22–31; 1. Korinther 15,33; Titus 1,12–13; Apostelgeschichte 22,3
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Die Worte, die Apostelgeschichte 17,28 griechischen Dichtern zuschreibt, entsprechen der ersten Hälfte von Vers 5 der Phainomena des Aratos; der griechische Wortlaut unterscheidet sich nur in der Verbform (Aratos hat das epische εἰμέν). Aratos stammte aus Soloi in Kilikien und verfasste das Gedicht nach Mairs Datierung von 1921 um 276–274 v. Chr.
- 1. Korinther 15,33 entspricht bis auf einen nicht elidierten Vokal einem iambischen Trimeter, den Allinson (1921) als Menander, Thais fr. 218 Kock, druckt. Das Stück ist verloren, die Zuschreibung beruht also auf antiken Zeugnissen und nicht auf erhaltenem Text. Clemens von Alexandria nannte den Vers bereits einen entlehnten „tragischen iambischen Vers“.
- Titus 1,12 führt einen Hexameter als Ausspruch eines kretischen Propheten an. Seine ersten drei Wörter eröffnen auch Vers 8 des Hymnos auf Zeus des Kallimachos (3. Jahrhundert v. Chr.), den Mairs Loeb-Ausgabe von 1921 als sprichwörtliche, Epimenides zugeschriebene Redensart erläutert. Clemens identifiziert den Propheten des Briefes an Titus als Epimenides (Strom. 1.14).
- Clemens von Alexandria führt alle drei Verse in Stromateis 1.14 und 1.19 an. Er sagt, Paulus habe sich nicht geschämt, griechische Gedichte zu verwenden, und folgert aus dem Aratos-Zitat, dass Paulus billigte, was die Griechen gut gesagt hatten.

**Was es nicht belegt**

- Dass Paulus Aratos, Menander oder Epimenides aus erster Hand gelesen hat. Jeder Vers ist kurz und zitierfähig, und den Vers aus 1. Korinther nennt Clemens „tragisch“, während Allinson ihn unter den Fragmenten Menanders druckt und zudem auf Euripides verweist. Das passt zu einer Verbreitung als Sinnspruch.
- Dass Epimenides den kretischen Vers geschrieben hat. Kein Werk von ihm ist vollständig erhalten, und die früheste hier angeführte Zuschreibung (Clemens, um 200 n. Chr.) stammt aus der Zeit etwa acht Jahrhunderte nach dem Datum, das Diogenes Laertius ihm gibt.
- Wer den Brief an Titus geschrieben hat oder wie genau Apostelgeschichte 17 die Worte des Paulus in Athen wiedergibt. Die Zitate sind mit paulinischer Verfasserschaft vereinbar, mit einer Abfassung der Rede durch Lukas oder mit einem späteren paulinischen Autor.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Fünf Fragen bleiben offen. Erstens: Hat Lukas die Rede auf dem Areopag in hellenistischer Ausdrucksweise verfasst (Dibelius), oder dienen ihre griechischen Zitate einer biblischen Theologie (Gärtner)? Zweitens: Greift auch der erste Satzteil von Apostelgeschichte 17,28 auf Epimenides zurück? Harris vertrat dies aufgrund eines syrischen Kommentars, der seiner Ansicht nach Theodor von Mopsuestia bewahrt, und Rothschild aufgrund volkstümlicher Epimenides-Überlieferungen. Drittens: Hat Epimenides den kretischen Vers geschrieben, oder wurde sein Name später mit einem Sprichwort verbunden, das zu einem logischen Paradox geworden war (Koskenniemi)? Cook liest den Vers in seinem religionsgeschichtlichen Kontext statt als Paradox. Viertens: Stammt der Vers aus 1. Korinther von Menander, von einem Tragiker oder aus allgemeinem Spruchgut? Fünftens: Hat Paulus (Mounce) oder ein Mitarbeiter (Marshall) den Brief an Titus geschrieben?

**Andere Lesarten**

- **Eigene Zitate des Paulus.** Paulus, einer der griechischsprachigen Juden aus Tarsus (Apostelgeschichte 22,3), schöpfte aus einer schulischen Vertrautheit mit griechischen Dichtern und wählte Verse, die zu seinen Zuhörern passten. Clemens las die Verse so (Strom. 1.14; 1.19), und für den Brief an Titus verteidigt Mounce die paulinische Verfasserschaft.
- **Sprichwörtliche Verbreitung.** Die Verse waren verbreitete Sinnsprüche; ihre Verwendung zeigt daher Vertrautheit mit der griechischen Spruchüberlieferung und kein Studium der Werke der Dichter. Die unsichere Herkunft des Verses aus 1. Korinther – Menanders Komödie oder eine Tragödie, wie das „tragisch“ bei Clemens nahelegt – weist in diese Richtung.
- **Lukanische Komposition in Athen.** Das Aratos-Zitat gehört zur literarischen Gestaltung einer Rede in hellenistischem Stil durch Lukas (Dibelius). Nach dieser Sicht zeigt es die Bildung des Verfassers der Apostelgeschichte, nicht notwendigerweise die des Paulus.
- **Epimenides als spätere Zuschreibung.** Der kretische Hexameter könnte ein anonymer Vers sein, der Epimenides zugeschrieben wurde, nachdem er zu einem Sprichwort und einem logischen Rätsel geworden war (Koskenniemi). Dass Kallimachos die Anfangsworte verwendet, zeigt nur, dass der Halbvers im 3. Jahrhundert v. Chr. geläufig war.
- **Nachpaulinischer Brief an Titus.** Wenn ein Mitarbeiter den Brief an Titus nach dem Tod des Paulus schrieb (Marshalls „Allonymität“), zeigt dessen Zitat den literarischen Horizont des paulinischen Kreises und nicht den des Paulus selbst.
- **Euripides oder gemeinsames Spruchgut statt Menander.** Clemens nennt den Vers aus 1. Korinther „tragisch“, und Allinson verweist auf Euripides fr. 1013 Nauck. Der Vers könnte von mehr als einem Dichter verwendet worden sein oder schon vor Menander sprichwörtlich gewesen sein.

**Quellen**

- Aratus, Phaenomena (English translation, Loeb Classical Library) (G. R. Mair, 1921), Phaen. 4-6 (English translation): <https://archive.org/download/callimachuslycop0000wmai/callimachuslycop0000wmai_djvu.txt>
- Aratus, Phaenomena (Greek text, ed. G. R. Mair), Phaen. 5: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:2008.01.0483>
- G. R. Mair, Introduction to Aratus, in Callimachus and Lycophron; Aratus (Loeb Classical Library), Introduction to Aratus, p. 360 (birthplace): <https://archive.org/download/callimachuslycop0000wmai/callimachuslycop0000wmai_djvu.txt>
- G. R. Mair, Introduction to Aratus, in Callimachus and Lycophron; Aratus (Loeb Classical Library), Introduction to Aratus, p. 363 (date of the Phaenomena): <https://archive.org/download/callimachuslycop0000wmai/callimachuslycop0000wmai_djvu.txt>
- Clement of Alexandria, Stromata, Book I (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 1.14 (Epimenides): <https://www.newadvent.org/fathers/02101.htm>
- Clement of Alexandria, Stromata, Book I (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 1.14 (Greek poems; 1 Corinthians line): <https://www.newadvent.org/fathers/02101.htm>
- Clement of Alexandria, Stromata, Book I (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 1.19 (Aratus): <https://www.newadvent.org/fathers/02101.htm>
- Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, Book I (Epimenides) (R. D. Hicks, 1925), 1.110 (date of Epimenides' visit to Athens): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0258%3Abook%3D1%3Achapter%3D10>
- Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, Book I (Epimenides) (R. D. Hicks, 1925), 1.111 (works ascribed to Epimenides): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0258%3Abook%3D1%3Achapter%3D10>

### Josephus über den Tod von Herodes Agrippa I. in Cäsarea

Josephus, ein nichtchristlicher Historiker, berichtet in Umrissen von dem Tod aus Apostelgeschichte 12,19–23. In den Altertümern 19.343-350 (vollendet 93/94 n. Chr.) stirbt Herodes Agrippa I., der Herodes aus Apostelgeschichte 12, in Cäsarea, nachdem er sich als göttliches Wesen hatte feiern lassen und von plötzlichen Schmerzen ergriffen worden war. Seine Angaben zur Regierungszeit werden gewöhnlich so gelesen, dass sie den Tod in das Jahr 44 n. Chr. setzen. Die Berichte unterscheiden sich in Anlass, Vorzeichen und Krankheit, und ob Lukas Josephus kannte, ist umstritten.

- **Datierung:** Die Altertümer wurden im dreizehnten Regierungsjahr Domitians und im sechsundfünfzigsten Lebensjahr des Josephus vollendet (Ant. 20.267), also 93/94 n. Chr. Der Tod wird gewöhnlich auf 44 n. Chr. datiert, eine moderne Rekonstruktion aus den Regierungsjahrzählungen des Josephus; Josephus nennt kein Kalenderjahr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** Josephus, Antiquitates Judaicae 19.343-350 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001); Josephus, Bellum Judaicum 2.218-219 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg004)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 12,19–23; Apostelgeschichte 12,1–4; Apostelgeschichte 11,27–30; Apostelgeschichte 12,24–25
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus, der selbst nicht zu den Christen gehörte, berichtet, dass Herodes Agrippa I. in Cäsarea starb, nachdem er bei Spielen aufgetreten war, die dort zu Ehren des Kaisers veranstaltet wurden, und dass ihn Schmerzen im Leib nach fünf Tagen töteten (Ant. 19.343-350). Auch sein Jüdischer Krieg verlegt den Tod nach Cäsarea (War 2.219).
- Josephus und Apostelgeschichte 12,19–23 teilen einen gemeinsamen Ablauf: Der König tritt in Cäsarea in königlichem Gewand öffentlich auf, wird als göttliches Wesen akklamiert, weist die Ehre nicht zurück und erkrankt plötzlich tödlich. Die Apostelgeschichte sagt, ein Engel des Herrn habe ihn geschlagen, weil er die Ehre nicht Gott gegeben habe; bei Josephus deutet Herodes Agrippa I. seinen Schmerz als Schicksal (Whiston: „Providence“), das die Schmeichler widerlegt.
- Josephus sagt, Herodes Agrippa I. habe drei Jahre über ganz Judäa regiert und sei im siebten Jahr seiner Herrschaft gestorben (Ant. 19.343, 350; War 2.219). Diese Zählungen werden zusammen mit dem Beginn der Regierungszeit des Klaudius gewöhnlich so gelesen, dass sie den Tod in das Jahr 44 n. Chr. setzen. Dieses Jahr ist eine moderne Rekonstruktion; Josephus nennt kein Kalenderdatum.
- Der König, den die Apostelgeschichte „Herodes“ nennt, ist Herodes Agrippa I., über dessen Tod auch Josephus berichtet. Schon Eusebius argumentierte, dass Zeit und Ereignisse zeigen, dass dieselbe Person gemeint ist (HE 2.10.10).

**Was es nicht belegt**

- Es bestätigt nicht die Einzelheiten, die nur Lukas bietet: die Gesandtschaft aus Tyrus und Sidon, Blastus, die Rede, den Engel des Herrn und den Tod durch Würmer. Josephus hat stattdessen kaiserliche Spiele, ein Eulen-Omen und fünf Tage Schmerzen im Unterleib.
- Es macht die beiden Berichte nicht schon für sich genommen zu unabhängigen Zeugen. Ob Lukas die Altertümer kannte oder beide Autoren aus gemeinsamer Kunde schöpften, ist umstritten; ihre Übereinstimmung sollte daher nicht doppelt gezählt werden.
- Es datiert nicht den Hilfsbesuch von Barnabas und Saulus während der Hungersnot (Apostelgeschichte 11,27–30; 12,25). Josephus setzt die große Hungersnot in Judäa in die Zeit der Statthalter, die auf Herodes Agrippa I. folgten (Ant. 20.101); die Apostelgeschichte könnte den Tod daher thematisch und nicht in strenger Abfolge in diese Geschichte einfügen.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Seit dem 19. Jahrhundert wird darüber gestritten, ob Lukas Josephus kannte. Krenkel (1894) trat dafür ein, dass Lukas Josephus an vielen Stellen benutzte, und brachte die Idee auf, Lukas habe die Eule, die Josephus einen „Boten“ (griechisch angelos) nennt, durch einen Engel ersetzt. Für Apostelgeschichte 12 jedoch hielt er die Gesandtschaft aus Tyrus und Sidon sowie Blastus für Material aus einer anderen Quelle, wodurch eine Benutzung des Josephus hier zweifelhaft wurde, und er las Eule, Engel und Würmer als Legende um einen gemeinsamen historischen Kern. Mason (2003) zählt den Tod von Herodes Agrippa I. zu den Übereinstimmungen, die eine Kenntnis des Josephus durch Lukas glaubhafter machen als einen Zufall, und Pervo (2006) tritt für diese Kenntnis und eine Abfassung der Apostelgeschichte im zweiten Jahrhundert ein. Das Zitat der Stelle bei Eusebius (HE 2.10.6) liest „Engel“, wo die Handschriften des Josephus die Eule haben. Beide Erzählungen folgen zudem einem gängigen Muster für frevelhafte Herrscher; offen bleibt daher, wie viel jeweils Bericht und wie viel literarische Gestaltung ist.

**Andere Lesarten**

- **Lukas bearbeitete Josephus.** Der Verfasser der Apostelgeschichte kannte die Altertümer (vollendet 93/94 n. Chr.) und gestaltete ihren Bericht für christliche Leser um, sodass Engel und Würmer an die Stelle des Eulen-Omens treten. Mason (2003) hält die Kenntnis des Josephus durch Lukas für glaubhafter als einen Zufall, und Pervo (2006) tritt für sie ein. Nach dieser Sicht wurde die Apostelgeschichte nach der Mitte der 90er-Jahre geschrieben.
- **Unabhängige Berichte über einen öffentlichen Tod.** Lukas und Josephus schöpften jeweils aus Berichten über einen Tod, den in Cäsarea viele Menschen miterlebten. Sie unterscheiden sich im Anlass, in mehreren Einzelheiten und im Namen des Königs, was gegen literarische Entlehnung spricht; Krenkel, der andernorts für eine Benutzung des Josephus durch Lukas eintrat, hielt sie hier für zweifelhaft. Trifft das zu, ist ihre Übereinstimmung in Schauplatz, Akklamation und plötzlicher Krankheit eine unabhängige Bestätigung.
- **Konvention prägte beide Berichte.** Beide Autoren erzählten den Tod nach einem vertrauten Muster der Vergeltung an Herrschern, die göttliche Ehren annehmen. Josephus selbst beschreibt die tödliche Krankheit Herodes des Großen, mit Würmern, als Gericht, das Gott für seine Sünden über ihn verhängte (Ant. 17.168-169), und 2. Makkabäer 9 erzählt ebenso von Antiochos IV. Der gemeinsame Umriss könnte dieser Konvention ebenso viel verdanken wie einer voneinander unabhängigen Kenntnis des Ereignisses (vgl. Allen 1997 zur Apostelgeschichte).

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.343 (Whiston 19.8.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.344 (Whiston 19.8.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.345 (Whiston 19.8.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.346 (Whiston 19.8.2; no rebuke and the owl): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.346 (Whiston 19.8.2; the owl as messenger): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.347 (Whiston 19.8.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 19.350 (Whiston 19.8.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=8:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 18.200 (owl omen, 18.195-202; Whiston 18.6.7): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=18:whiston%20chapter=6:whiston%20section=7>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 17.168-169 (Whiston 17.6.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=17:whiston%20chapter=6:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.101 (Whiston 20.5.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=5:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.267 (Whiston 20.11.3): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.218-219 (Whiston 2.11.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=11:whiston%20section=6>
- Eusebius, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1) (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.10.6: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1) (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.10.10: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Wikidata item: Agrippa I, Q298636: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q298636.json>
- Pleiades place: Stratonos Pyrgos/Caesarea, 678401: <https://pleiades.stoa.org/places/678401/json>

### Altäre für unbekannte Götter in Athen: Pausanias, Philostratos und Diogenes Laertius

Nichtchristliche Autoren des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. berichten von Altären für unbekannte Götter in Athen und seinem Hafen Phaleron, aber stets im Plural; keiner bezeugt die Weihung im Singular aus Apostelgeschichte 17,23. Pausanias verzeichnet in Phaleron Altäre von Göttern, die „Unbekannte“ genannt werden. Bei Philostratos erwähnt Apollonios solche Altäre in Athen, und Diogenes Laertius erzählt von namenlosen Altären überall in Attika. Der Rahmen passt zur Apostelgeschichte; der genaue Wortlaut bleibt unbestätigt.

- **Datierung:** 2.–3. Jahrhundert n. Chr. (Pausanias, 2. Jahrhundert; Philostratos und Diogenes Laertius, 3. Jahrhundert). Christliche Kommentare von Clemens von Alexandria und Tertullian (um 200 n. Chr.); der spätere Bericht des Hieronymus über eine Inschrift im Plural (spätes 4. Jahrhundert) ist hier über Norden bekannt.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** Pausanias, Description of Greece 1.1.4; 5.14.8 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0525.tlg001); Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers 1.110 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0004.tlg001); Philostratus, Life of Apollonius of Tyana 6.3 (CTS urn:cts:greekLit:tlg0638.tlg001)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 17,23; Apostelgeschichte 17,16–34
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Durch Quellen gestützt

**Was es belegt**

- Pausanias (2. Jahrhundert n. Chr.) verzeichnet in Phaleron, einem Hafen von Athen, Altäre von Göttern, die „Unbekannte“ genannt werden, und in Olympia einen Altar der Unbekannten Götter neben dem Altar des Olympischen Zeus (1.1.4; 5.14.8).
- Bei Philostratos (3. Jahrhundert n. Chr.) rät Apollonios von Tyana in einem Gespräch, das in Ägypten spielt, gut von allen Göttern zu sprechen, „besonders in Athen, wo sogar unbekannten Göttern zu Ehren Altäre errichtet sind“ (Leben des Apollonios 6.3). Der griechische Text spricht von unbekannten daimones, die Conybeare mit „gods“ wiedergibt.
- Diogenes Laertius (1.110) bewahrt eine Überlieferung, nach der Epimenides eine Seuche in Athen mit Opfern an Stellen beendete, die umherziehende Schafe auswählten, und nach der sich namenlose Altäre aus dieser Reinigung noch in Attika finden ließen.
- Apostelgeschichte 17,23 beschreibt einen Altar einer Art, die nichtchristliche Autoren bezeugen, allerdings nur im Plural. Tertullian ist an einer Stelle, die weder die Apostelgeschichte noch Paulus erwähnt, ein weiterer Zeuge für den Plural: Er nennt Altäre für unbekannte Götter den Götzendienst von Athen (Gegen Markion 1.9). Clemens von Alexandria versteht Paulus so, dass die Griechen Gott, den Schöpfer, mittelbar durch die unbekannte Gottheit verehrten (Strom. 1.19).

**Was es nicht belegt**

- Keiner dieser Autoren beschreibt einen Altar, der einer einzigen unbekannten Gottheit geweiht war. Sie stützen die Art des Altars, nicht die genaue Weihung im Singular, von der die Apostelgeschichte berichtet.
- Sie können den Altar, den Paulus gesehen haben soll, weder lokalisieren noch identifizieren. Ein zutreffendes örtliches Detail bestätigt für sich genommen weder die Rede auf dem Areopag noch den Rest der Szene.
- Die namenlosen Altäre bei Diogenes werden nicht Altäre für unbekannte Götter genannt, und seine Epimenides-Geschichte ist eine Legende, die in der 46. Olympiade spielt, früh im 6. Jahrhundert v. Chr.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Offen ist die Frage des Singulars. Pausanias, Philostratos und Tertullian sprechen von unbekannten Göttern im Plural. Norden (1913) zitiert den Kommentar des Hieronymus zu Titus 1,12, nach dem die Inschrift im Plural stand und die Götter von Asien, Europa und Afrika zusammen mit unbekannten und fremden Göttern nannte und Paulus sie für seine Argumentation in den Singular setzte. Norden ordnete diesen ausführlicheren Wortlaut einem anderen Altar zu, wahrscheinlich in Rom, und las den Singular in der Apostelgeschichte als Umarbeitung eines Plural-Motivs aus einer Apollonios-Überlieferung. Deissmann (1912) hielt es für möglich, dass ein einzelner Verehrer einer einzigen unbekannten Gottheit einen Altar geweiht hatte, und verwies auf einen Altar aus Pergamon, dessen Ergänzung als Weihung an unbekannte Götter selbst unsicher ist.

**Andere Lesarten**

- **Eine Pluralformel, angepasst.** Hieronymus hielt die tatsächliche Inschrift für pluralisch und meinte, Paulus habe sie im Singular zitiert, weil seine Argumentation einen einzigen Gott brauchte. Nach dieser Sicht passt die Apostelgeschichte einen tatsächlichen Weihungstyp an. Norden, der Hieronymus zitiert, führte dessen ausführlicheren Wortlaut auf einen anderen Altar zurück, wahrscheinlich in Rom, den ein früherer Ausleger fälschlich mit dem Altar in Athen gleichgesetzt hatte.
- **Literarische Entlehnung.** Norden argumentierte, dass die Rede auf dem Areopag von einem literarischen Bericht abhängt, in dem Apollonios von Tyana in Athen spricht, und dass der Wechsel vom Plural zum Singular die Apostelgeschichte als die entlehnende Seite ausweist. Das Argument hängt davon ab, einen früheren Bericht über Apollonios aus dem Werk des Philostratos aus dem 3. Jahrhundert zu rekonstruieren.
- **Eine echte Weihung im Singular.** Deissmann hielt es für wahrscheinlich, dass ein Einzelner aus Dankbarkeit gegenüber einer Gottheit, die er nicht benennen konnte, einer einzigen unbekannten Gottheit einen Altar weihte, ähnlich wie es ein Priester der Demeter in Pergamon im 2. Jahrhundert n. Chr. offenbar für unbekannte Götter tat. Nach dieser Sicht gibt die Apostelgeschichte den Wortlaut möglicherweise zutreffend wieder, obwohl kein Altar im Singular erhalten ist und die Ergänzung der Inschrift aus Pergamon unsicher ist.
- **Epimenides-Überlieferungen als Rahmen.** Rothschild argumentiert, dass volkstümliche Überlieferungen über den kretischen Seher Epimenides, die sie mit dem Altar aus Apostelgeschichte 17,23 verbindet, die scheinbar improvisierten Züge der Episode in Athen erklären und dem Thema der Kultübertragung bei Lukas dienen.
- **Textverderbnis oder Gedächtnisfehler.** Norden berichtet, dass Blass vermutete, die Apostelgeschichte habe ursprünglich den Plural gelesen, und dass Usener annahm, Paulus habe sich an die Inschrift falsch erinnert. Norden verwarf die Konjektur von Blass, weil nur der Singular zur Argumentation der Rede passt, und wies Useners Sicht als Verzicht auf jede Lösung zurück.

**Quellen**

- Pausanias, Description of Greece (W. H. S. Jones, 1918), 1.1.4: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0160:book=1:chapter=1:section=4>
- Pausanias, Description of Greece (W. H. S. Jones, 1918), 5.14.8: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0160:book=5:chapter=14:section=8>
- Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, Book I (Epimenides) (R. D. Hicks, 1925), 1.110 (nameless altars): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0258:book=1:chapter=10>
- Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, Book I (Epimenides) (R. D. Hicks, 1925), 1.110 (46th Olympiad): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0258:book=1:chapter=10>
- Philostratus, Life of Apollonius of Tyana (F. C. Conybeare, 1912), 6.3: <https://archive.org/download/lifeofapollonius02philuoft/lifeofapollonius02philuoft_djvu.txt>
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), 1.9: <https://www.newadvent.org/fathers/03121.htm>
- Clement of Alexandria, Stromata, Book I (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 1.19 (the unknown God): <https://www.newadvent.org/fathers/02101.htm>

### Felix und Drusilla bei Josephus und Tacitus

Josephus bestätigt die Amtsträger und Familienbande, die Apostelgeschichte 23–25 voraussetzt. Er nennt Felix, den Bruder des Pallas, als Prokurator von Judäa unter Klaudius und Nero, berichtet, dass Drusilla, eine Tochter des Herodes Agrippa I., ihren Mann verließ, um Felix zu heiraten, und nennt Porcius Festus als seinen Nachfolger. Tacitus und Sueton bestätigen das Amt des Felix. Keine Quelle außerhalb der Apostelgeschichte erwähnt die Verhöre des Paulus, und ob die Apostelgeschichte von Josephus unabhängig ist, ist umstritten.

- **Datierung:** Josephus: Jüdischer Krieg um 75–79 n. Chr. (übliche Datierung); Jüdische Altertümer abgeschlossen 93/94 n. Chr. (Ant. 20.267). Tacitus und Sueton: frühes zweites Jahrhundert n. Chr. Geschilderte Ereignisse: vom Tod des Herodes Agrippa I. (44 n. Chr.) bis zur Amtsnachfolge des Festus, deren Jahr umstritten ist.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001 (Josephus, Antiquities); urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg004 (Josephus, Jewish War); urn:cts:latinLit:phi1351.phi004 (Tacitus, Histories); urn:cts:latinLit:phi1351.phi005 (Tacitus, Annals)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 23,24–24,27; Apostelgeschichte 24,24; Apostelgeschichte 24,27; Apostelgeschichte 25,14
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus (Ant. 20.137; War 2.247) und Tacitus (Hist. 5.9; Ann. 12.54), deren Berichte im Einzelnen voneinander abweichen, halten fest, dass Felix, der Bruder des Pallas, unter Klaudius in Judäa regierte. Josephus fügt hinzu, dass Nero ihn im Amt bestätigte (War 2.252). Das ist der Statthalter, vor dem Apostelgeschichte 23,24–24,27 die Verhöre des Paulus in Cäsarea ansetzt.
- Josephus sagt, Drusilla sei eine Tochter des Herodes Agrippa I. gewesen und bei dessen Tod sechs Jahre alt (Ant. 19.354). Agrippa II. verheiratete sie mit Azizus von Emesa, der bereit war, sich beschneiden zu lassen; während Felix Prokurator war, verließ sie Azizus seinetwegen, was Josephus einen Bruch der väterlichen Gesetze nennt (Ant. 20.139-143). Apostelgeschichte 24,24 stellt Drusilla ebenfalls als jüdische Frau des Felix dar.
- Josephus berichtet, dass Nero Porcius Festus als Nachfolger des Felix sandte (Ant. 20.182; War 2.271 nennt nur Festus) – die Amtsnachfolge, von der Apostelgeschichte 24,27 berichtet. Er fügt hinzu, dass führende Juden aus Cäsarea nach Rom reisten, um Felix anzuklagen, der durch den Einfluss seines Bruders Pallas einer Strafe entging.
- Die nichtchristlichen Quellen zeichnen Felix in harten Farben. Josephus sagt, er habe den Räuber Eleazar durch Verrat gefangen genommen, die Ermordung des früheren Hohepriesters Jonathan veranlasst und Truppen gegen die Anhänger des ägyptischen Propheten und gegen aufrührerische Juden in Cäsarea geschickt (Ant. 20.160-178; War 2.253). Tacitus wirft ihm Grausamkeit und Begierde vor (Hist. 5.9). Der Statthalter der Apostelgeschichte, der auf Geld hoffte, passt zu diesem Ruf.

**Was es nicht belegt**

- Keine Quelle außerhalb der Apostelgeschichte erwähnt Paulus, seine Verhöre vor Felix, seine privaten Unterredungen mit Felix und Drusilla oder seine zwei Jahre in Haft. Die Übereinstimmung bestätigt die Amtsträger, ihre Familienbande und den Schauplatz. Sie bestätigt nicht die Ereignisse, die die Apostelgeschichte erzählt.
- Die Quellen legen keine genauen Daten fest. Sowohl der Beginn der Herrschaft des Felix (Tacitus sagt, er habe Samarien neben Cumanus verwaltet und sein Amt bis 52 n. Chr. bereits „seit einiger Zeit“ innegehabt) als auch das Jahr, in dem Festus ihn ablöste, sind umstritten.
- Die Drusilla des Tacitus, eine Enkelin von Antonius und Kleopatra, ist nicht die jüdische Tochter des Herodes Agrippa I.; Tacitus bestätigt Apostelgeschichte 24,24 also nicht in der Frage, wer Drusilla war.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen bleiben offen. Chronologie: Bei Tacitus verwaltet Felix vor 52 n. Chr. Samarien, während Cumanus Galiläa innehatte, wohingegen Josephus Felix zum Nachfolger des Cumanus macht; auch das Jahr der Ankunft des Festus ist umstritten. Die Antwort hängt zum Teil davon ab, ob Pallas, der nach Josephus Felix schützte, diesen Einfluss behielt, nachdem Nero ihn um 55 n. Chr. aus seinem Amt entfernt hatte (Ann. 13.14), und zum Teil davon, ob die zwei Jahre von Apostelgeschichte 24,27 die Haft des Paulus oder die Amtszeit des Felix bemessen. Ehefrauen: Die Drusilla des Tacitus stammt von Antonius und Kleopatra ab, und Sueton schreibt Felix drei Königinnen zu. Unabhängigkeit: Einige Fachleute argumentieren, dass Lukas die Altertümer des Josephus kannte. Wenn ja, zählt die Übereinstimmung als eigenständige Bestätigung weniger.

**Andere Lesarten**

- **Die Apostelgeschichte stützt sich auf Josephus.** Richard Pervo und, zurückhaltender, Steve Mason argumentieren, dass der Verfasser der Apostelgeschichte die Schriften des Josephus kannte; wenn ja, ist die Übereinstimmung keine unabhängige Bestätigung. Gegen eine Entlehnung an dieser Stelle spricht: Die Ehe der Drusilla erscheint nur in den Altertümern (93/94 n. Chr.), die viele Fachleute nach der Apostelgeschichte datieren, und die Apostelgeschichte teilt keine der charakteristischen Einzelheiten des Josephus (Azizus; der zyprische Zauberer, Atomos in Nieses griechischem Text, Simon in Whistons englischer Übersetzung).
- **Tacitus bevorzugt zur Laufbahn und zu den Ehefrauen des Felix.** Ramsay berichtete, dass Mommsen in Bezug auf das frühe Kommando des Felix Tacitus gegenüber Josephus den Vorzug gab. Roman Deiksler (2020) argumentiert, dass Tacitus zu Recht eine der Ehefrauen des Felix zu einer Nachfahrin der Kleopatra machte. Keine der beiden Auffassungen schließt aus, dass Felix auch die Tochter des Herodes Agrippa I. heiratete, da Sueton ihm drei königliche Ehefrauen zuschreibt. Die Frage betrifft die Genauigkeit des Josephus, nicht Apostelgeschichte 24,24.
- **Der schlechte Ruf des Felix ist möglicherweise überzeichnet.** Brenk und Canali De Rossi (2001) argumentieren, dass der „berüchtigte“ Ruf des Felix mit Vorsicht zu behandeln ist. Redaktionelle Anmerkung: Tacitus schreibt mit offener Verachtung für kaiserliche Freigelassene, und Josephus erklärt den Weg zum Krieg der Juden. Ein feindseliges Porträt in beiden Quellen bestätigt daher für sich genommen nicht das Bild, das die Apostelgeschichte von einem Statthalter zeichnet, der Geld wollte.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.137 (Whiston 20.7.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=7:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.141-144 (Whiston 20.7.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=7:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 19.354 (Whiston 19.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=19:whiston%20chapter=9:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.160-166 (Whiston 20.8.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.182 (Whiston 20.8.9): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=9>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.247 (Whiston 2.12.8): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=12:whiston%20section=8>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.252-253 (Whiston 2.13.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=13:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.271 (Whiston 2.14.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=14:whiston%20section=1>
- Tacitus, The Histories (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1873 (Perseus text: Random House reprint, 1942)), Hist. 5.9: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0080:book=5:chapter=9>
- Tacitus, The Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 19th-century translation (Perseus text: Random House reprint, 1942)), Ann. 12.54: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=12:chapter=54>
- Tacitus, The Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 19th-century translation (Perseus text: Random House reprint, 1942)), Ann. 13.14: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=13:chapter=14>
- Suetonius, The Lives of the Caesars: Claudius (J. C. Rolfe, 1914), Claud. 28.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- William Whiston, Translator's note to Antiquities 20.7.2 (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Note 1 to Ant. 20.142 (Whiston 20.7.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=7:whiston%20section=2>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, Ch. 13 (The Voyage to Jerusalem), note 56: <https://www.ccel.org/ccel/r/ramsay/paul_roman/cache/paul_roman.txt>

### Josephus über den Hohepriester Hananias, Sohn des Nedebäus

Josephus bestätigt, dass ein Hohepriester namens Hananias, Sohn des Nedebäus, um 47/48 n. Chr. eingesetzt wurde, reich und mächtig blieb, den Statthalter Albinus mit Geschenken umwarb und 66 n. Chr. von Aufständischen getötet wurde. Das passt zu Namen und Amt, die die Apostelgeschichte dem Hohepriester gibt, der Paulus schlagen lässt und ihn vor Felix anklagt (Apostelgeschichte 23,2–5; 24,1). Josephus erwähnt Paulus nie und nennt kein Enddatum für die Amtszeit des Hananias.

- **Datierung:** Jüdischer Krieg um 75–79 n. Chr. (übliche Datierung); Jüdische Altertümer abgeschlossen 93/94 n. Chr. (Ant. 20.267); die geschilderten Ereignisse reichen von etwa 47 bis 66 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001 (Josephus, Antiquities); urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg004 (Josephus, Jewish War)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 23,2–5; Apostelgeschichte 24,1; Apostelgeschichte 9,10–19; Apostelgeschichte 22,12–16; Apostelgeschichte 5,1–11
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus nennt einen Hohepriester, Hananias, Sohn des Nedebäus, der um 47/48 n. Chr. von Herodes von Chalkis eingesetzt wurde (Ant. 20.103). Um 52 n. Chr. schickte ihn der Statthalter von Syrien, Quadratus, zu Klaudius, nach den Altertümern in Fesseln (Ant. 20.131; War 2.243). Die Apostelgeschichte nennt den Hohepriester beim Verhör des Paulus, um 57 n. Chr., Hananias (Apostelgeschichte 23,2; 24,1).
- Josephus beschreibt Hananias als wohlhabend und gut vernetzt: von den Bürgern geachtet, ein „Anhäufer von Geld“, der den Statthalter Albinus mit Geschenken für sich gewann, während seine Diener die Zehnten der Priester an sich rissen und die schlugen, die sich weigerten (Ant. 20.205-207, 213). Andere Hohepriester taten dasselbe (Ant. 20.207). Das knappe Bild, das die Apostelgeschichte von einem Hohepriester zeichnet, der einen Gefangenen schlagen lässt, stimmt damit überein.
- Josephus berichtet, dass Aufständische 66 n. Chr. das Haus des Hananias niederbrannten und ihn dann zusammen mit seinem Bruder Ezechias töteten (War 2.426, 441). Ein Hohepriester dieses Namens gehörte also von den späten 40er-Jahren bis zum Aufstand zur Führungsschicht in Jerusalem.

**Was es nicht belegt**

- Josephus erwähnt weder Paulus noch das Verhör vor dem Hohen Rat, den Befehl, ihn zu schlagen, oder das Verfahren vor Felix. Die Szenen in Apostelgeschichte 23–24 sind selbst nicht bestätigt.
- Josephus nennt kein Enddatum für die Amtszeit des Hananias. Die Apostelgeschichte nennt ihn um 57 n. Chr. Hohepriester; Josephus bestätigt das weder noch widerspricht er dem, und er gibt den Titel auch Männern, die nicht mehr im Amt waren (Jonathan in Ant. 20.162; Hananias selbst unter Albinus in Ant. 20.205).
- Die Apostelgeschichte erzählt die Ermordung des Hananias im Jahr 66 n. Chr. nicht. Die Zurechtweisung durch Paulus in Apostelgeschichte 23,3 als erfüllte Vorhersage zu lesen, ist Deutung, kein historischer Beleg.
- Die Angaben des Josephus betreffen nur den Hohepriester, nicht den Hananias von Damaskus (Apostelgeschichte 9,10–19; 22,12–16) oder den Mann der Saphira (Apostelgeschichte 5,1–11).

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Josephus datiert das Ende der Amtszeit des Hananias nirgends. Er nennt Jonathan, der das Amt 36–37 n. Chr. innegehabt hatte, „den Hohepriester“, als Jonathan unter Felix ermordet wird (Ant. 20.162), und er verzeichnet später die Einsetzung Ismaels (Ant. 20.179). Allein nach Josephus ist es daher eine Schlussfolgerung, dass Hananias um 57 n. Chr. im Amt war; die Apostelgeschichte sagt es aus. Paulus sagt, er habe nicht gewusst, dass Hananias Hohepriester war (Apostelgeschichte 23,5). Die Anmerkung von Albert Barnes aus dem 19. Jahrhundert zu diesem Vers geht Ironie, eine Entschuldigung für ein vorschnelles Wort, Unkenntnis nach langer Abwesenheit und den Umstand durch, dass Hananias weder als Hohepriester saß noch so gekleidet war, bevor sie eine Vakanz im Amt bevorzugt. Fachleute, die meinen, dass Lukas Josephus kannte, fragen, ob die beiden Berichte unabhängig voneinander übereinstimmen. Das feindselige Porträt des Josephus spiegelt zudem seine eigenen aristokratischen und apologetischen Interessen.

**Andere Lesarten**

- **Hananias 57 n. Chr. nicht im Amt.** Josephus nennt kein Enddatum für die Amtszeit des Hananias. Einige Kommentatoren des 19. Jahrhunderts, etwa Albert Barnes zu Apostelgeschichte 23,5, meinten, das Amt sei damals vakant gewesen und Hananias habe aus Höflichkeit den Vorsitz geführt, was die Antwort des Paulus erklären würde. Das Schweigen des Josephus beweist keine Lücke, und der Jonathan, den er in Ant. 20.162 „den Hohepriester“ nennt, hatte das Amt nur 36–37 n. Chr. innegehabt (Ant. 18.95, 123).
- **Lukas stützte sich auf Josephus.** Richard Pervo und, zurückhaltender, Steve Mason argumentieren, dass der Verfasser der Apostelgeschichte die Werke des Josephus kannte. Wenn ja, könnte die Apostelgeschichte Namen und Amt des Hananias von Josephus übernommen haben statt aus unabhängigem Wissen. Andere datieren die Apostelgeschichte vor die Altertümer (93/94 n. Chr.) oder finden hier keine Spur einer Entlehnung, da das Verhör in Apostelgeschichte 23 bei Josephus keine Entsprechung hat.
- **Eine komponierte Szene.** Einige kritische Kommentatoren behandeln Apostelgeschichte 23,1–10 als eine Szene, die Lukas um seine eigenen Themen herum gestaltet hat, etwa die Achtung des Paulus vor dem Gesetz und den Streit der Pharisäer und Sadduzäer über die Auferstehung. Nach dieser Lesart zeigen der zutreffende Name und das zutreffende Amt, dass Lukas die Epoche kannte, bestätigen aber nicht, dass das Verhör so stattfand, wie es erzählt wird.
- **Whistons Identifizierung zu Ant. 20.205.** In einer Anmerkung zu seiner Übersetzung von 1737 hielt Whiston den wohlhabenden „Hohepriester Ananias“ in Ant. 20.205-213 für Hannas den Älteren. Der Text des Josephus nennt ihn dort Ananias, wie auch Whistons eigene Übersetzung druckt, während seine übliche Form für Hannas Ananus lautet.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.103 (Whiston 20.5.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=5:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.131 (Whiston 20.6.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=6:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.162 (Whiston 20.8.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.179 (Whiston 20.8.8): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=8>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.205 (Whiston 20.9.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.206 (Whiston 20.9.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=2>
- William Whiston, Antiquities of the Jews, translator's note to 20.9.2 (William Whiston, 1737), Whiston's note on Ant. 20.205 (Whiston 20.9.2 n. 1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.213 (Whiston 20.9.4): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=4>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.243 (Whiston 2.12.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=12:whiston%20section=6>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.426 (Whiston 2.17.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=17:whiston%20section=6>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.441 (Whiston 2.17.9): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=17:whiston%20section=9>

### Josephus über den Statthalter Porcius Festus

Josephus nennt Porcius Festus als den von Nero eingesetzten Nachfolger des Felix in Judäa. Er zeigt Festus in einem Streit um eine Tempelmauer auf der Seite von König Agrippa II. und berichtet, dass Festus im Amt starb und durch Albinus ersetzt wurde. Das entspricht der Amtsnachfolge und dem Personenkreis von Apostelgeschichte 24,27–26,32. Josephus erwähnt Paulus nie und nennt kein Jahr. Die Ankunft des Festus, meist um 59–60 n. Chr. datiert, ist eine Rekonstruktion.

- **Datierung:** Jüdischer Krieg meist um 75–79 n. Chr. datiert; Jüdische Altertümer abgeschlossen 93/94 n. Chr. (Ant. 20.267); schildert Ereignisse von etwa 59–62 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001 (Josephus, Jewish Antiquities); CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg004 (Josephus, Jewish War)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 24,27–26,32; Apostelgeschichte 24,10; Apostelgeschichte 21,18; Galater 1,19
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus nennt Porcius Festus als den Statthalter, den Nero als Nachfolger des Felix nach Judäa sandte (Ant. 20.182; War 2.271). Apostelgeschichte 24,27 gibt denselben vollen Namen und dieselbe Reihenfolge der Amtsnachfolge an.
- Josephus stellt Festus und König Agrippa II. in Angelegenheiten in Jerusalem auf dieselbe Seite. Beide wandten sich gegen eine Mauer, die dem König die Sicht in den Tempel und den Wachen der Römer die Sicht von dessen westlichen Säulenhallen aus versperrte. Festus befahl, sie abzureißen, ließ aber eine jüdische Gesandtschaft an Nero appellieren (Ant. 20.189-196). Apostelgeschichte 25,13–26,32 lässt Festus ebenfalls Agrippa in einer religiösen Streitfrage der Juden zu Rate ziehen.
- Festus starb im Amt. Nero sandte Albinus, als er davon hörte, und in der Zwischenzeit ließ der Hohepriester Ananus Jakobus, „den Bruder des Jesus, der Christus genannt wurde“, und andere zur Steinigung verurteilen (Ant. 20.197-203). Die meisten identifizieren ihn mit dem Jakobus aus Apostelgeschichte 21,18 und Galater 1,19; die Stelle wird weithin, wenn auch nicht allgemein, als echt anerkannt.
- Josephus stellt Festus als tatkräftigen Statthalter einer unruhigen Provinz dar. Festus schickte Reiterei und Fußtruppen gegen die Anhänger eines Betrügers in der Wüste (Ant. 20.185-188), und das Bellum rechnet ihm an, die meisten Räuber gefasst zu haben, anders als sein Nachfolger Albinus (War 2.271-272).

**Was es nicht belegt**

- Josephus erwähnt Paulus nie. Die Verhöre vor Festus, die Berufung auf den Kaiser und die Audienz bei Agrippa und Berenike (Apostelgeschichte 25,1–26,32) beruhen allein auf der Apostelgeschichte.
- Josephus nennt weder ein Jahr für die Ankunft des Festus noch eine Dauer seiner Amtszeit. Die üblichen Daten (Ankunft um 59–60 n. Chr., Tod um 62 n. Chr.) sind Rekonstruktionen. Eine frühere Ankunft, um 55–56 n. Chr., stützt sich auf einen Chronikeintrag aus dem 4. Jahrhundert (die lateinische Fassung der Chronik des Eusebius durch Hieronymus, unter dem zweiten Regierungsjahr des Nero), dessen Grundlage unbekannt ist, sowie auf ein Argument aus dem Amtsverlust des Pallas im Jahr 55.
- Die Übereinstimmung beim Namen des Statthalters, seiner Stellung in der Amtsfolge und seinem Umgang mit Agrippa zeigt, dass die Apostelgeschichte in dieses politische Umfeld passt. Sie beweist nicht die Reden oder Ereignisse, die die Apostelgeschichte erzählt. Falls Lukas Josephus benutzte, würde die Übereinstimmung nicht als unabhängige Bestätigung zählen.
- Die Notizen des Eusebius (HE 2.22.1; 2.23.21) stützen sich auf die Apostelgeschichte und auf Josephus, den er zitiert. Sie wiederholen diese Zeugen, statt einen unabhängigen hinzuzufügen.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen sind offen. Chronologie: Die meisten Fachleute datieren die Ankunft des Festus auf etwa 59–60 n. Chr.; McGiffert (1890) ließ höchstens 59–61 zu, und Schürer (1890) nannte 60. Sie verweisen auf die Bemerkung des Paulus, Felix habe das Volk seit vielen Jahren gerichtet (Apostelgeschichte 24,10), und auf die Ereignisse aus der Zeit des Felix, die Josephus unter Nero einordnet (Ant. 20.160-181). Das Enddatum stützt sich auf War 6.300-305, wo Albinus amtiert, als Jesus, Sohn des Ananus, dessen Rufe vier Jahre vor dem Krieg am Laubhüttenfest begonnen hatten, vor ihn gebracht wurde. Eine Minderheit bevorzugt 55–56 n. Chr. Sie beruft sich auf die Fassung der Chronik des Eusebius durch Hieronymus und argumentiert, dass Pallas, der nach Josephus damals bei Nero in höchstem Ansehen stand und Felix rettete (Ant. 20.182), sein Amt im Jahr 55 verlor (Tacitus, Ann. 13.14). Andere entgegnen, dass Pallas sein Ansehen nach dem Verlust seines Postens behielt: Er wurde später im Jahr 55 vom Vorwurf der Verschwörung freigesprochen (Ann. 13.23) und lebte bis 62 (Ann. 14.65). Abhängigkeit: Einige argumentieren, Lukas habe Josephus benutzt; andere halten die Apostelgeschichte für unabhängig von ihm.

**Andere Lesarten**

- **Frühe Chronologie.** Festus kam um 55–56 n. Chr. an. Die lateinische Fassung der Chronik des Eusebius durch Hieronymus setzt den Statthalterwechsel in das zweite Regierungsjahr des Nero, und die Bemerkung des Josephus, Pallas habe Felix gerettet, wurde so gelesen, als verlange sie ein Datum, bevor Pallas 55 sein Amt verlor. Die Herausgeber Valesius und Heinichen setzten dieses Datum voraus, und Schürer (1890) nennt Kellner und Weber unter den späteren Verfechtern einer Abberufung früh in der Regierungszeit des Nero. Nach dieser Auffassung rücken die Haft des Paulus in Cäsarea und seine Seereise nach Rom um mehrere Jahre früher.
- **Lukas stützte sich auf Josephus.** Wenn die Apostelgeschichte nach den Altertümern (93/94 n. Chr.) geschrieben wurde und ihr Verfasser Josephus benutzte, würden der gemeinsame Name, die Amtsnachfolge und die Verbindung mit Agrippa zeigen, dass Lukas eine Quelle benutzte, und keine unabhängige Bestätigung darstellen. Kritiker dieser Auffassung merken an, dass die Szenen mit Festus in der Apostelgeschichte vieles enthalten, was bei Josephus fehlt, und keine der Episoden um Festus, die Josephus selbst erzählt: die sicarii, den Betrüger in der Wüste und die Tempelmauer.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.182 (Whiston 20.8.9): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=9>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.185-188 (Whiston 20.8.10): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=10>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.189-196 (Whiston 20.8.11): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=11>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.197 (Whiston 20.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.200 (Whiston 20.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=9:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.267 (Whiston 20.11.3): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.271-272 (Whiston 2.14.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=14:whiston%20section=1>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 6.300 (Whiston 6.5.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=6:whiston%20chapter=5:whiston%20section=3>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 6.305 (Whiston 6.5.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=6:whiston%20chapter=5:whiston%20section=3>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 13.14: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=13:chapter=14>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 13.23: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=13:chapter=23>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 14.65: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=14:chapter=65>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.22.1: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.23.21: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- A. C. McGiffert, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1), note on HE 2.21 (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.21.3, note 468: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxii.html>
- A. C. McGiffert, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1), note on HE 2.22 (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.22.1, note 469: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxiii.html>

### Josephus über den ägyptischen Propheten in Apostelgeschichte 21,38

Josephus beschreibt zweimal einen namenlosen ägyptischen Propheten, der, während Felix Judäa verwaltete, eine Anhängerschaft zum Ölberg führte und entkam, als die Truppen des Felix angriffen. In Apostelgeschichte 21,38 fragt der römische Oberst, ob Paulus dieser Mann sei. Josephus bezeugt die Episode, die die Frage voraussetzt, nicht die Verhaftung des Paulus selbst, und die Zahlen weichen ab: etwa 30.000 Anhänger im Bellum, 400 Getötete und 200 Gefangene in den Altertümern, 4.000 Männer in der Apostelgeschichte.

- **Datierung:** Episode Mitte der 50er-Jahre n. Chr., unter Felix und nach dem Regierungsantritt des Nero (54); berichtet in den Werken Jüdischer Krieg (meist um 75–79 n. Chr. datiert) und Jüdische Altertümer (abgeschlossen 93/94 n. Chr., Ant. 20.267)
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg004 (Josephus, Jewish War); CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001 (Josephus, Jewish Antiquities)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 21,37–39; Apostelgeschichte 22,1–21; Apostelgeschichte 23,24–26
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus, ein nichtchristlicher Historiker, berichtet zweimal, dass, während Felix Judäa verwaltete, ein selbsternannter Prophet, nur als „der Ägypter“ bekannt, eine Anhängerschaft zum Ölberg führte, von den Truppen des Felix geschlagen wurde und entkam (War 2.261-263; Ant. 20.169-172).
- Die Voraussetzung der Frage des Obersten in Apostelgeschichte 21,38 stimmt mit Josephus überein: derselbe Statthalter (Apostelgeschichte 23,24–26), derselbe Beiname, eine mit der Wüste verbundene Bewegung, wenn auch in anderer Richtung (War 2.262), und ein Anführer, der entkam und nicht wieder auftauchte (Ant. 20.172).
- Apostelgeschichte 21,38 verwendet das lateinische Lehnwort sicarii, den Begriff, den Josephus für die Dolchmänner gebraucht, die er unter Felix in Jerusalem ansiedelt (War 2.254-257); der Wortlaut der Apostelgeschichte passt also zu den 50er-Jahren, wie Josephus sie beschreibt (zur Abhängigkeit siehe unten).
- Die eigenen Berichte des Josephus lassen sich schwer vereinbaren: Das Bellum nennt etwa 30.000 Anhänger und sagt, die meisten der Leute des Ägypters seien getötet oder gefangen genommen worden, während die Altertümer 400 Getötete und 200 Gefangene zählen. Die 4.000 der Apostelgeschichte sind eine dritte Zahl, kein Widerspruch zu einer feststehenden Zahl.

**Was es nicht belegt**

- Das Zeugnis des Josephus bestätigt weder die Verhaftung des Paulus noch seinen Wortwechsel mit dem Obersten oder die anschließende Rede (Apostelgeschichte 22,1–21); es bezeugt die frühere Episode, die die Frage voraussetzt.
- Das Zeugnis entscheidet nicht, welche Zahl stimmt oder ob Lukas Josephus kannte, sich auf verbreitete Berichte stützte oder eine eigene Quelle hatte. Die beiden Berichte des Josephus sind ein Zeuge, nicht zwei.
- Josephus bringt den Ägypter nie mit den sicarii in Verbindung. Er beschreibt die Dolchmänner, die Wüstenpropheten und den Ägypter als getrennte Unruhen (War 2.254-263); diese Verbindung erscheint also nur in der Apostelgeschichte.
- Die Berichte weichen in der Richtung ab: Josephus lässt die Anhänger des Ägypters aus der Wüste (Bellum) oder aus der Stadt (Altertümer) zum Ölberg ziehen, während Apostelgeschichte 21,38 von Männern spricht, die in die Wüste hinausgeführt wurden.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen bleiben offen. Zu den Zahlen: Die 30.000 des Bellum könnten eine runde oder übertriebene Schätzung der Menge sein. McGiffert (1890) las unter Berufung auf Tholuck die 30.000 stattdessen als den Haufen, der sich zerstreute, 600 als die Räuber, die Felix tötete oder gefangen nahm, und 4.000 als die kleine Zahl derer, die mit dem Ägypter entkamen, und fügte hinzu, dass Zahlzeichen leicht falsch abgeschrieben werden. Zur Abhängigkeit argumentiert Steve Mason, dass Lukas Josephus kannte, da die Verbindung des Ägypters mit den sicarii, die das Bellum unmittelbar vor ihm beschreibt, der Abfolge des Bellum zu genau folgt, um Zufall zu sein. Andere entgegnen, dass die 4.000 der Apostelgeschichte, ihre Marschrichtung und ihr Wortlaut keinem der beiden Berichte des Josephus entsprechen, was auf unabhängige Kenntnis eines berüchtigten jüngeren Aufstands hindeutet.

**Andere Lesarten**

- **Die Apostelgeschichte stützt sich auf Josephus.** Lukas kannte Josephus und verband die sicarii, die in War 2.254-263 unmittelbar vor dem Ägypter beschrieben werden, mit der Bewegung des Ägypters. Nach dieser Auffassung wurde die Apostelgeschichte nach dem Bellum geschrieben oder, falls Lukas die Altertümer benutzte, nach 93/94 n. Chr.
- **Unabhängige Erinnerung an den Aufstand.** Lukas oder seine Quelle könnte einen berüchtigten jüngeren Aufstand mit den Dolchmännern derselben Jahre verbunden haben, ohne Josephus gelesen zu haben. Die Zahl, die Marschrichtung und die Formulierung in der Apostelgeschichte folgen keinem der beiden Berichte des Josephus, was eher auf eigenständige Kenntnis als auf Abschreiben hinweist.
- **Harmonisierte Zahlen.** Die drei Zahlen zählen verschiedene Gruppen: eine Menge von 30.000, die sich zerstreute, etwa 600 Getötete oder Gefangene und eine Schar von 4.000, die mit dem Anführer entkam. McGiffert (1890) schlug dies unter Berufung auf Tholuck vor und räumte zugleich ein, dass Zahlzeichen leicht falsch abgeschrieben werden. Dies setzt voraus, dass man die Aussage des Bellum, er sei mit wenigen anderen entkommen, als wenige im Verhältnis zu 30.000 liest.

**Quellen**

- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.261-262 (Whiston 2.13.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=13:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.263 (Whiston 2.13.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=13:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 2.254 (Whiston 2.13.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=2:whiston%20chapter=13:whiston%20section=3>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.169 (Whiston 20.8.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=6>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.171-172 (Whiston 20.8.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=6>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.267 (Whiston 20.11.3): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.21.3: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- A. C. McGiffert, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1), note on HE 2.21 (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.21.3, note 466 (the three figures): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxii.html>
- A. C. McGiffert, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1), note on HE 2.21 (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.21.3, note 466 (on numerals): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxii.html>
- A. C. McGiffert, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1), note on HE 2.21 (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.21.3, note 468: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxii.html>

### Josephus über die Hungersnot in Judäa unter Klaudius

Josephus, ein jüdischer Historiker, der um 93/94 n. Chr. schrieb, berichtet von einer schweren Hungersnot in Jerusalem und Judäa unter Klaudius, unter Fadus oder, nach dem von Niese gedruckten griechischen Text, unter seinem Nachfolger Tiberius Alexander (um 44–48 n. Chr.). Die Getreidekäufe der Königin Helena von Adiabene linderten sie. Das entspricht der Hungersnot der Apostelgeschichte unter der Herrschaft des Klaudius mit Not in Judäa. Doch Josephus erwähnt nie Christen, Agabus, Barnabas oder Saulus, und keine Quelle verzeichnet eine einzige Hungersnot, die die gesamte römische Welt erfasste.

- **Datierung:** Jüdische Altertümer abgeschlossen 93/94 n. Chr. (Ant. 20.267). Die dort berichtete Hungersnot fällt in die Zeit des Cuspius Fadus oder des Tiberius Alexander, um 44–48 n. Chr.; vorgeschlagene Daten für ihren Höhepunkt reichen von 46 bis 47/48 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CTS urn:cts:greekLit:tlg0526.tlg001 (Josephus, Jewish Antiquities)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 11,27–30; Apostelgeschichte 12,25; Apostelgeschichte 12,20–23; Apostelgeschichte 5,36–37; Galater 2,1–10
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Josephus war ein jüdischer Historiker, kein Christ. Er berichtet von einer schweren Hungersnot in Jerusalem und Judäa während der Herrschaft des Klaudius, in der viele starben (Ant. 20.51, 20.101), unter Fadus oder, nach dem von Niese gedruckten griechischen Text, unter seinem Nachfolger Tiberius Alexander (um 44–48 n. Chr.). Cumanus löste Tiberius Alexander etwa zu der Zeit ab, als Herodes von Chalkis starb, im achten Regierungsjahr des Klaudius (Ant. 20.103-104).
- Hilfe für Jerusalem kam von außerhalb von Judäa. Helena von Adiabene, die jüdische Bräuche angenommen hatte (Ant. 20.17), ließ Getreide in Alexandria und getrocknete Feigen auf Zypern kaufen. Ihr Sohn Izates schickte Geld an die führenden Männer von Jerusalem (Ant. 20.51-53). Hilfe von außen für Jerusalem in dieser Hungersnot ist also unabhängig von der Apostelgeschichte bezeugt.
- Römische Autoren verzeichnen unter Klaudius wiederholte Getreideknappheit in Rom. Dio berichtet in seiner Darstellung des Jahres 42 n. Chr. von einer schweren Hungersnot (Dio 60.10.1, 60.11.1). Im Jahr 51 n. Chr. hatte Rom nach schlechten Ernten Lebensmittel für fünfzehn Tage, und eine Menge bedrängte den Kaiser auf dem Forum (Tacitus, Ann. 12.41, 12.43; vgl. Sueton, Claud. 18.2).
- Die Apostelgeschichte datiert eine Hungersnot in die Regierungszeit des Klaudius und lässt Hilfe nach Judäa schicken (Apostelgeschichte 11,28–30). Das stimmt in Herrschaft und Region mit Josephus überein. Die Apostelgeschichte nennt kein Jahr, und ihre Einordnung nahe dem Tod des Herodes Agrippa I. (44 n. Chr.; Apostelgeschichte 12,20–23) passt nur ungefähr zu den etwa 44–48 bei Josephus; Ramsay las Apostelgeschichte 12 als Exkurs.

**Was es nicht belegt**

- Josephus sagt nichts über Christen, die Prophezeiung des Agabus, die Sammlung in Antiochia oder die Reise von Barnabas und Saulus (Apostelgeschichte 11,30; 12,25). Diese Einzelheiten beruhen allein auf der Apostelgeschichte. Dass Hungersnot und Herrschaft zutreffend angegeben sind, bestätigt für sich genommen den Besuch nicht.
- Keine Quelle beschreibt eine gleichzeitige Hungersnot, die die ganze römische Welt erfasste. Bezeugte Knappheiten fallen in verschiedene Jahre und Orte (Rom 42 und 51; Ägypten um 45–46; Judäa um 44–48). Ob sie zusammen eine weit verbreitete Knappheit bilden oder die Apostelgeschichte verallgemeinert, ist umstritten.
- Das genaue Jahr der Hungersnot lässt sich nicht festlegen. Ant. 20.101 kann so gelesen werden, dass beide Prokuratoren oder nur Tiberius Alexander gemeint sind. Die andere Hungersnotnotiz des Josephus (Ant. 3.320) nennt einen Hohepriester Ismael, doch in Buch 20 setzt Agrippa II. einen Ismael erst ein, nachdem der Tod des Klaudius berichtet ist (Ant. 20.179).
- Spätere christliche Autoren fügen keine unabhängigen Belege hinzu. Eusebius zitiert Josephus (HE 2.11.3-2.12.1), und Orosius (Hist. 7.6.12) setzt eine Hungersnot in ganz Syrien in das vierte Regierungsjahr des Klaudius und macht Helena, entgegen Josephus, zu einer Bekehrten zu Christus. Falls Lukas Josephus benutzte, wäre auch die Hungersnotnotiz der Apostelgeschichte nicht unabhängig.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Datierung: Whiston gibt Ant. 20.101 mit „unter diesen Prokuratoren“ wieder, was Fadus und Tiberius Alexander umfasst; der von Niese gedruckte griechische Text liest den Singular, was die Hungersnot auf Tiberius Alexander (um 46–48) eingrenzen würde. Die vorgeschlagenen Daten reichen von 46 (Ramsay) oder 46/47 (Gapp, anhand ägyptischer Papyri) bis 47/48 (Jeremias, ein Sabbatjahr). Umfang: Ramsay und Gapp halten die weltweite Hungersnot der Apostelgeschichte für real, wenn auch auf unterschiedliche Weise; Schürer beurteilte sie als unhistorische Verallgemeinerung. Abhängigkeit: Ant. 20.97-102 berichtet von Theudas und dann von den Söhnen des Judas, weshalb einige argumentieren, Lukas habe Josephus gelesen; andere halten die Unterschiede für zu groß. Der Besuch: Einige identifizieren ihn mit Galater 2,1–10; andere meinen, Galater 1–2 lasse keinen Raum für ihn.

**Andere Lesarten**

- **Lukas verallgemeinerte eine örtliche Hungersnot.** Ramsay berichtet, dass Emil Schürer die Aussage des Lukas über die Hungersnot als unhistorisch, unwahrscheinlich und unbestätigt beurteilte, und der überarbeitete Schürer (1973) hält eine weltweite Hungersnot noch immer für unwahrscheinlich. Nach dieser Auffassung machte die Apostelgeschichte aus der Hungersnot in Judäa ein Weltereignis. Einige Kritiker, die den eigenen Bericht des Paulus über seine Besuche in Jerusalem in Galater 1–2 lesen, behandeln auch den Hilfsbesuch von Barnabas und Saulus als Konstruktion des Lukas statt als eigene Reise.
- **Eine Regierungszeit mit aufeinanderfolgenden regionalen Knappheiten.** Ramsay argumentierte, dass die Apostelgeschichte eine Hungersnot über die römische Welt hin während der Herrschaft des Klaudius behauptet, nicht in einem einzigen Jahr. Nach seiner Lesart erfüllen Teuerungen in Rom und anderswo in verschiedenen Jahren zusammen mit der Hungersnot in Judäa (die er wahrscheinlich auf 46 n. Chr. datierte) diese Aussage.
- **Eine weit verbreitete Knappheit.** Gapp (1935) argumentierte anhand ägyptischer Papyri, dass ein sehr hoher Nilstand den Weizenanbau in Ägypten 45–46 unrentabel machte und dass sich die allgemeine Hungersnot nicht als bloße Abfolge örtlicher Hungersnöte erklären lasse. Winter (1989) beurteilte die Teuerung ebenfalls als weit verbreitet, wenn auch nicht überall zugleich spürbar.
- **Die Apostelgeschichte stützt sich auf Josephus.** Altertümer 20.97-102 berichtet von Theudas unter Fadus und dann von der Hinrichtung der Söhne des Judas des Galiläers und erinnert dabei an den Aufstand des Judas. Apostelgeschichte 5,36–37 erwähnt Theudas und dann Judas; deshalb argumentieren einige, Lukas sei der Abfolge des Josephus gefolgt. Andere entgegnen, dass die Apostelgeschichte Theudas vor den Aufstand des Judas im Jahr 6 n. Chr. setzt, mit einer anderen Anhängerschaft, was ein Leser des Josephus kaum hervorbringen würde.
- **Der Hilfsbesuch ist Galater 2.** Ramsay identifizierte ihn, wie viele, die den Hilfsbesuch für historisch halten, mit der privaten Zusammenkunft des Paulus in Jerusalem in Galater 2,1–10 und verwies auf die dortige Bitte, an die Armen zu denken. Andere setzen Galater 2 mit dem Apostelkonzil aus Apostelgeschichte 15 gleich und bringen den Hilfsbesuch auf andere Weise mit dem Galaterbrief in Einklang oder bezweifeln, dass er stattfand.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.51-53 (Whiston 20.2.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=2:whiston%20section=5>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.101 (Whiston 20.5.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=5:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.102 (Whiston 20.5.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=5:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.103-104 (Whiston 20.5.2): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=5:whiston%20section=2>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.17 (Whiston 20.2.1): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.97 (Whiston 20.5.1): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 3.320 (Whiston 3.15.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=3:whiston%20chapter=15:whiston%20section=3>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.179 (Whiston 20.8.8): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=8:whiston%20section=8>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.267 (Whiston 20.11.3): <https://www.gutenberg.org/cache/epub/2848/pg2848.txt>
- Suetonius, The Lives of the Caesars: Claudius (J. C. Rolfe, 1914), Claud. 18.2: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 12.43: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=12:chapter=43>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 12.41: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=12:chapter=41>
- Cassius Dio, Roman History (Earnest Cary, 1914–1927), Dio 60.10.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- Cassius Dio, Roman History (Earnest Cary, 1914–1927), Dio 60.11.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.8.1: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), HE 2.11.3-2.12.1: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Orosius, Historiae adversus paganos, Hist. 7.6.12: <https://www.thelatinlibrary.com/orosius/orosius7.shtml>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. III §3 (Schürer's verdict): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.vi.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. III §3 (date of the famine): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.vi.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. III §3 (Galatians and the relief visit): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.vi.html>

### König Agrippa II. und Berenike bei Josephus und Juvenal

Josephus bestätigt, dass Agrippa II. ein römischer Klientelkönig war, dem der Tempel in Jerusalem anvertraut war, und er zeigt die Schwester des Agrippa, Berenike, öffentlich an seiner Seite, wie es Apostelgeschichte 25,13–26,32 in Cäsarea tut. Er berichtet außerdem von einem Gerücht über Inzest zwischen den beiden, das Juvenal als Satire wiederholt. Diese Quellen bestätigen das Paar und seine Stellung, nicht die Anhörung des Paulus, und manche Forscher meinen, Lukas habe aus Josephus geschöpft.

- **Datierung:** Der Jüdische Krieg des Josephus um 75–79 n. Chr. und die Jüdischen Altertümer 93/94 n. Chr. (vollendet im dreizehnten Regierungsjahr Domitians, Ant. 20.267); Juvenals 6. Satire frühes 2. Jahrhundert. Die geschilderten Ereignisse reichen von 44 n. Chr. bis in die 70er-Jahre. Tacitus und Sueton (frühes 2. Jahrhundert) fallen in die Spanne von dateFrom bis dateTo; Dio (frühes 3. Jahrhundert) ist ein späterer, stützender Zeuge außerhalb dieser Spanne.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 25,13–26,32; Apostelgeschichte 25,13–22; Apostelgeschichte 25,23; Apostelgeschichte 26,3; Apostelgeschichte 26,30–32
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Agrippa II., Sohn des Herodes Agrippa I., besaß in den Jahren von Apostelgeschichte 25–26 ein von Rom verliehenes Königreich. Klaudius gab ihm anstelle von Chalkis die frühere Tetrarchie des Philippus, und Nero fügte Tiberias, Taricheae und Julias hinzu (Josephus, Ant. 19.354; 20.138, 20.159). Der Königstitel, den ihm die Apostelgeschichte gibt, passt zu diesem Befund.
- Josephus zeigt Agrippa und den Prokurator Festus gemeinsam in einen Streit um den Tempel in Jerusalem verwickelt. Er sagt, Klaudius habe die Sorge für den Tempel Agrippa übertragen, der Hohepriester ein- und absetzte (Ant. 20.189-196, 20.222-223). Das passt zum Bild der Apostelgeschichte, in dem Festus ihm einen jüdischen Religionsstreit vorlegt (Apostelgeschichte 25,13–22; 26,3).
- Berenike, die Schwester des Agrippa und Witwe des Herodes von Chalkis (Ant. 20.145), erscheint 66 n. Chr. öffentlich an seiner Seite. Sie wird während seiner Rede so platziert, dass die Menge in Jerusalem sie sehen kann, weint mit ihm und geht mit ihm zum Tempel hinauf. Aufständische brennen „die Paläste des Agrippa und der Berenike“ nieder (War 2.344, 402, 405, 426). Die Apostelgeschichte zeigt sie mit dem König in Cäsarea (Apostelgeschichte 25,13.23; 26,30).
- Antike Autoren gaben ein Gerücht über Inzest zwischen Berenike und ihrem Bruder weiter. Josephus berichtet es, zusammen mit ihrem Versuch, es durch die Heirat mit Polemon, dem König von Kilikien, zu widerlegen (Ant. 20.145-146), und Juvenal wiederholt es als satirischen Seitenhieb (Sat. 6.156-159). Das zeigt den Ruf des Paares, nicht die Wahrheit des Vorwurfs.

**Was es nicht belegt**

- Keine dieser Quellen erwähnt Paulus oder die Anhörung in Cäsarea. Sie bestätigen die Personen und ihre Stellung, nicht das Ereignis, die Reden oder das Urteil, von denen Apostelgeschichte 25,13–26,32 erzählt.
- Sie beweisen den Inzestvorwurf nicht. Josephus stellt ihn als Hörensagen dar, das Berenike als Verleumdung behandelte. Juvenal ist ein Satiriker, der Jahrzehnte später schrieb, in einem Rom, das der mit Kaiser Titus verbundenen orientalischen Königin feindlich gesinnt gewesen war (Tacitus, Hist. 2.2; Sueton, Tit. 7.1; Dio 66.15.3-4).
- Die Übereinstimmung mit Josephus zeigt für sich genommen nicht, dass Lukas von ihm unabhängig war. Korrekte Namen und Titel könnten aus allgemeiner Kenntnis eines prominenten königlichen Paares stammen, und manche Forscher vertreten die Ansicht, dass Lukas die Werke des Josephus kannte.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen bleiben offen. Erstens, wie sich die Apostelgeschichte zu Josephus verhält. Manche Forscher vertreten die Ansicht, Lukas habe die Jüdischen Altertümer benutzt, was die Übereinstimmung über Agrippa und Berenike abgeleitet statt unabhängig machen würde. Andere verweisen auf Unterschiede an anderer Stelle und darauf, wie prominent das Paar in den 50er- und 60er-Jahren war, und sehen darin unabhängige Kenntnis. Zweitens, was hinter dem Inzestgerücht stand. Es könnte feindseliger Klatsch über eine verwitwete Königin sein, die am Hof ihres Bruders lebte und später mit Kaiser Titus in Rom Anstoß erregte, oder es könnte eine damals weit verbreitete Überzeugung sein. Keine Quelle bietet mehr als den Ruf.

**Andere Lesarten**

- **Lukas schöpfte aus Josephus.** Wenn die Apostelgeschichte nach 93/94 n. Chr. geschrieben wurde, könnte ihr Bild von Agrippa und Berenike aus den Jüdischen Altertümern des Josephus stammen, wie Max Krenkel (1894) und Richard Pervo (2006) argumentierten. Nach dieser Sicht zeigt die Übereinstimmung die Quelle des Lukas, keine unabhängige Bestätigung. Steve Mason (1992) argumentiert, dass Lukas die Werke des Josephus wahrscheinlich kannte, räumt aber ein, dass sich dies nicht beweisen lässt.
- **Unabhängige frühe Kenntnis.** Colin Hemer (1989) und andere meinen, dass die Darstellung römischer Amtsträger und klientelköniglicher Herrscher in der Apostelgeschichte frühe, unabhängige Kenntnis widerspiegelt. Nach dieser Sicht waren Agrippa und Berenike prominente öffentliche Gestalten, deren gemeinsame Auftritte in Judäa und Syrien weithin bekannt gewesen wären, sodass Lukas keine literarische Quelle brauchte, um sie korrekt zu benennen.
- **Gerücht als Verleumdung oder als Überzeugung.** Josephus stellt den Vorwurf als Bericht dar, den Berenike zu widerlegen versuchte, und Juvenals Zeile ist eine Schmähung; daher behandeln viele Leser das Gerücht als Klatsch. Andere merken an, dass Josephus, der Agrippa wohlgesinnt war, es dennoch aufzuzeichnen beschloss, und dass er sagt, Berenike habe Polemon, „wie gesagt wurde“, mit unlauteren Absichten verlassen (Ant. 20.146). Sie schließen daraus, dass die Überzeugung weit verbreitet war, auch wenn sie unbewiesen bleibt.

**Quellen**

- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.145-147 (Whiston 20.7.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston%20chapter%3D7%3Awhiston%20section%3D3>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.137-140 (Whiston 20.7.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston%20chapter%3D7%3Awhiston%20section%3D1>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.158-159 (Whiston 20.8.4): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston%20chapter%3D8%3Awhiston%20section%3D4>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.189-196 (Whiston 20.8.11): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston%20chapter%3D8%3Awhiston%20section%3D11>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 20.222-223 (Whiston 20.9.7): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D20%3Awhiston%20chapter%3D9%3Awhiston%20section%3D7>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 19.354 (Whiston 19.9.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0146%3Abook%3D19%3Awhiston%20chapter%3D9%3Awhiston%20section%3D1>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.342-344 (Whiston 2.16.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D2%3Awhiston%20chapter%3D16%3Awhiston%20section%3D3>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.402-404 (Whiston 2.16.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D2%3Awhiston%20chapter%3D16%3Awhiston%20section%3D5>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.405-407 (Whiston 2.17.1): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D2%3Awhiston%20chapter%3D17%3Awhiston%20section%3D1>
- Flavius Josephus, The Wars of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), War 2.426 (Whiston 2.17.6): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0148%3Abook%3D2%3Awhiston%20chapter%3D17%3Awhiston%20section%3D6>
- Juvenal, Satires (Satire 6) (G. G. Ramsay, 1918), Sat. 6.156-159: <https://www.tertullian.org/fathers/juvenal_satires_06.htm>
- Tacitus, Histories (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1873 (reprinted 1942, as given by Perseus)), Hist. 2.2: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0080%3Abook%3D2%3Achapter%3D2>
- Tacitus, Histories (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1873 (reprinted 1942, as given by Perseus)), Hist. 2.81: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0080%3Abook%3D2%3Achapter%3D81>
- Suetonius, Lives of the Caesars: Titus (J. C. Rolfe, 1914), Tit. 7.1: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Titus*.html>
- Cassius Dio, Roman History (Epitome) (Earnest Cary, 1925), 66.15.3-4 (Boissevain numbering, as in the LacusCurtius section anchors; printed in Cary's Loeb as Book 65): <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/65*.html>

### Die Ausweisung von Juden aus Rom durch Klaudius (Sueton, Claudius 25.4)

Sueton, ein nichtchristlicher römischer Biograf, berichtet, dass Klaudius Juden aus Rom auswies, weil sie „auf Anstiften des Chrestus“ fortwährend Unruhen verursachten (Claud. 25.4). Dies ist ein unabhängiger Beleg für die Art von Anordnung, die Apostelgeschichte 18,2 erwähnt. Sueton nennt kein Datum. Das übliche Jahr 49 n. Chr. stammt erst von Orosius im 5. Jahrhundert, Dio berichtet für 41 n. Chr. nur ein Versammlungsverbot, und ob „Chrestus“ Christus meint, ist umstritten.

- **Datierung:** Hauptzeuge: Suetons Kaiserviten, um 119–122 n. Chr. Rolfe (1913) datiert ihre Veröffentlichung auf 120 und setzt die Präfektur ihres Widmungsempfängers Septicius Clarus auf 119–121; dateFrom und dateTo geben dieses Abfassungsfenster an. Ereignisfenster: Maßnahme(n) unter Klaudius von 41 bis um 49 n. Chr. Dio (frühes 3. Jahrhundert) rechnet ein Verbot jüdischer Versammlungen zu den Maßnahmen aus dem ersten Regierungsjahr des Klaudius (41 n. Chr.); Orosius (frühes 5. Jahrhundert) datiert die Ausweisung in das neunte Regierungsjahr des Klaudius (um 49 n. Chr.).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 18,1–3; Apostelgeschichte 18,12–17; Römer 16,3–5; Apostelgeschichte 28,17
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Sueton (Claud. 25.4), ein nichtchristlicher römischer Biograf, berichtet, dass Klaudius Juden aus Rom auswies, weil sie auf Anstiften eines gewissen „Chrestus“ fortwährend Aufruhr machten. Dies ist ein unabhängiger Beleg für eine Ausweisung unter Klaudius wie die, die Apostelgeschichte 18,2 als Grund dafür angibt, dass Aquila und Priszilla kürzlich aus Italien gekommen waren. Dass es sich um dieselbe Anordnung handelt, ist wahrscheinlich, hängt aber von der umstrittenen Datierung ab.
- Dio Cassius (60.6.6) führt unter den Maßnahmen aus dem ersten Regierungsjahr des Klaudius (41 n. Chr.) eine Maßnahme betreffend die Juden auf. Er sagt, sie seien zu zahlreich gewesen, um sie ohne Tumult aus der Stadt zu verbannen; daher habe Klaudius sie nicht vertrieben, sondern ihnen ihre überlieferte Lebensweise gelassen und ihnen verboten, Versammlungen abzuhalten. Ob es sich um dieselbe, anders berichtete Maßnahme oder um eine eigene Maßnahme handelt, ist umstritten.
- Orosius (Hist. adv. pag. 7.6.15) gibt das einzige ausdrückliche Datum: das neunte Regierungsjahr des Klaudius, um 49 n. Chr. Er schreibt den Bericht Josephus zu, doch in den erhaltenen Werken des Josephus ist keine solche Stelle bekannt. Diese Werke schildern eine frühere Ausweisung von Juden aus Rom unter Tiberius (Ant. 18.81-84).
- Antike Autoren verwechselten die beiden Schreibweisen. Orosius zitiert Sueton als „inpulsore Christo“ und deutet es auf Christus, sagt aber, er könne nicht entscheiden, ob Klaudius die gegen Christus aufrührerischen Juden meinte oder auch Christen (7.6.16). Rolfes Anmerkung nennt Chrestus „eine andere Form von Christus“ und verweist auf Tertullians Klage über die heidnische Falschaussprache „Chrestianus“ (Apol. 3). Das macht die Deutung auf Christus plausibel, beweist sie aber nicht.

**Was es nicht belegt**

- Der Beleg zeigt nicht, dass „Chrestus“ Jesus war oder dass die Unruhen Streitigkeiten über christliche Verkündigung waren. Sueton sagt weder das eine noch das andere. Der in der Loeb-Ausgabe gedruckte lateinische Text liest „Chresto“, und Sueton verwendet „Christiani“ für die unter Nero bestrafte Gruppe (Nero 16.2).
- Der Beleg zeigt nicht, wie viele Juden Rom verließen oder für wie lange. Die Apostelgeschichte beschreibt eine Anordnung, die alle Juden betraf, während Dios Notiz zu 41 n. Chr. besagt, dass Klaudius sie nicht auswies. Priska und Aquila (falls Römer 16 an Rom gerichtet war) und die jüdischen Führer in Rom sind später wieder in der Stadt (Römer 16,3–5; Apostelgeschichte 28,17).
- Der Beleg liefert kein gesichertes Datum im Jahr 49 n. Chr. Sueton nennt kein Datum und stellt die Notiz zwischen nicht zusammenhängende Maßnahmen, und die Autorität, auf die sich Orosius beruft, lässt sich nicht überprüfen.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Viele Historiker verstehen „Chrestus“ als römische Falschschreibung von Christus. Nach dieser Sicht verursachte die Verkündigung von Jesus als Messias Konflikte in den Synagogen von Rom, und die Beteiligten wurden ausgewiesen. Die Apostelgeschichte sagt nicht, ob Aquila und Priszilla bereits Gläubige waren. Andere, etwa Slingerland, merken an, dass Chrestus ein gängiger Personenname war, dass Sueton das Wort „Christiani“ kennt und dass Tacitus, der etwa zur selben Zeit schrieb, die korrekte Form „Christus“ verwendet (Ann. 15.44). Nach dieser Sicht war Chrestus jemand anderes: ein örtlicher Unruhestifter oder jemand, der Klaudius zum Handeln veranlasste. Was das Datum betrifft, akzeptieren viele das Jahr 49 n. Chr. des Orosius und behandeln Dios Versammlungsverbot als früheren Schritt im Jahr 41. Andere meinen, die beiden Berichte beschrieben ein einziges Ereignis, und misstrauen der Berufung des Orosius auf Josephus, die sich nicht überprüfen lässt.

**Andere Lesarten**

- **Chrestus als jemand anderes als Christus.** Sueton könnte einen Mann meinen, der tatsächlich Chrestus hieß. Rolfes Anmerkung von 1914 brachte diese Möglichkeit ins Spiel („irgendein Jude dieses Namens“), hielt die Deutung auf Christus aber für wahrscheinlicher. H. Dixon Slingerland (1997) lehnt die Deutung auf Christus ab und schlägt vor, Chrestus sei jemand gewesen, vielleicht ein freigelassener Berater, der Klaudius zum Handeln veranlasste. In beiden Fällen bestätigt die Stelle eine Ausweisung unter Klaudius, sagt aber nichts über Gläubige in Rom.
- **Eine einzige Maßnahme im Jahr 41 n. Chr..** Sueton und Dio beschreiben eine einzige Maßnahme früh in der Regierungszeit des Klaudius, und das Jahr 49 des Orosius ist unzuverlässig. Wenn das zutrifft, erfordert die kürzliche Ankunft von Aquila und Priszilla in Korinth entweder einen früheren Besuch des Paulus dort, wie in der Chronologie Lüdemanns, oder eine freiere Lesart von Apostelgeschichte 18,1–3.
- **Zwei Maßnahmen: 41 n. Chr. und um 49 n. Chr..** Dio beschreibt ein erstes Verbot jüdischer Versammlungen im Jahr 41. Sueton, die Apostelgeschichte und Orosius beschreiben eine spätere Ausweisung um 49, möglicherweise beschränkt auf die an den Unruhen Beteiligten. Das passt dazu, dass Paulus Korinth kurz vor der Statthalterschaft des Gallio erreichte (Apostelgeschichte 18,12–17).

**Quellen**

- Suetonius, Life of Claudius (Lives of the Caesars) (J. C. Rolfe, 1914), Claud. 25.4: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- J. C. Rolfe, Loeb Suetonius, editor's note 75 on Claud. 25.4, Claud. 25.4, note 75: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- Suetonius, Divus Claudius (Latin text as printed in the Loeb Classical Library, 1913), Claud. 25.4: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Claudius*.html>
- J. C. Rolfe, Suetonius, vol. 1 (Loeb Classical Library), Introduction, Introduction, 'The Life and Works of Suetonius': <https://archive.org/download/suetonius01suet_0/suetonius01suet_0_djvu.txt>
- J. C. Rolfe, Suetonius, vol. 1 (Loeb Classical Library), Introduction, Introduction, 'The Life and Works of Suetonius': <https://archive.org/download/suetonius01suet_0/suetonius01suet_0_djvu.txt>
- Suetonius, Life of Nero (Lives of the Caesars) (J. C. Rolfe, 1914), Nero 16.2: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Nero*.html>
- Cassius Dio, Roman History (Earnest Cary, 1924), 60.6.6: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- Paulus Orosius, Historiarum adversum paganos libri VII, 7.6.15: <https://www.thelatinlibrary.com/orosius/orosius7.shtml>
- Paulus Orosius, Historiarum adversum paganos libri VII, 7.6.16: <https://www.thelatinlibrary.com/orosius/orosius7.shtml>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737 (Perseus text: Auburn and Buffalo, 1895)), Ant. 18.81-84 (Whiston 18.3.5): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=18:whiston%20chapter=3:whiston%20section=5>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 (Random House reprint, as given by Perseus)), Ann. 15.44: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=15:chapter=44>

### Tacitus über die Bestrafung der Christen durch Nero nach dem Brand von Rom (Annalen 15.44)

Annalen 15.44 des Tacitus, im frühen 2. Jahrhundert geschrieben, ist der einzige unabhängige ausführliche Bericht darüber, dass Nero den Christen in Rom die Schuld am Brand vom Juli 64 gab und viele von ihnen töten ließ; die spätere Fassung des Sulpicius Severus hängt davon ab. Die Stelle setzt eine beträchtliche christliche Gruppe im Rom des Römerbriefs und von Apostelgeschichte 28 voraus. Sie nennt keinen Apostel und sagt nichts über den Tod des Paulus, und eine Minderheit von Historikern vertritt die Ansicht, dass sie eher die Zeit des Tacitus selbst widerspiegelt als die 60er-Jahre.

- **Datierung:** Geschrieben im frühen 2. Jahrhundert n. Chr.: Die Annalen werden üblicherweise auf um 110–120 datiert, und Furneaux (1907) setzt ihre Vollendung volle fünfzig Jahre nach der Verfolgung an. Berichtet Ereignisse, die auf den Brand vom 19. Juli 64 n. Chr. folgten (Ann. 15.41).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung. Die Annalen 11–16 sind durch die zweite Mediceische Handschrift (zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts) erhalten, die sich heute in der Biblioteca Laurenziana in Florenz befindet (Furneaux 1907)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 28,15; Apostelgeschichte 28,30–31; Römer 1,7–8
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Tacitus war ein römischer Senator und Historiker, und er stand der Bewegung feindlich gegenüber. Er berichtet, dass Nero nach dem Brand vom Juli 64 die Schuld auf Menschen abwälzte, die die Menge Christen nannte, und dass eine große Zahl von ihnen verurteilt und bei Schauspielen in den Gärten des Nero getötet wurde (Ann. 15.44; das Datum des Brandes steht in 15.41).
- Nach dem Bericht des Tacitus waren die Christen in Rom bis 64 zahlreich und sichtbar genug, um herausgegriffen zu werden. Das passt zu der etablierten Gemeinschaft von Gläubigen in Rom, die Römer 1,7–8 voraussetzt und deren Mitglieder Paulus in Apostelgeschichte 28,15 entgegenkommen.
- Sueton führt die Bestrafung der Christen gesondert unter den polizeilichen Maßnahmen des Nero auf (Nero 16.2). Furneaux urteilte, dass er einer anderen Autorität folgt; er bringt sie nicht mit dem Brand in Verbindung. Ein Vorgehen gegen Christen in Rom unter Nero beruht also nicht auf Tacitus allein, wohl aber die Verbindung mit dem Brand: Dios Bericht über den Brand erwähnt keine Christen (Dio 62.16-18).
- Die Stelle liefert den nichtchristlichen Hintergrund für die christliche Überlieferung, dass Paulus in Rom unter Nero starb. 1. Clemensbrief 5 (üblicherweise um 96 n. Chr. datiert) sagt, Paulus habe vor den Herrschern Zeugnis abgelegt und sei aus dieser Welt geschieden, ohne Nero zu nennen. Tertullian nennt Nero als ersten Verfolger und verlegt den Tod des Paulus nach Rom; Eusebius datiert ihn unter Nero (HE 2.25.4-5; Prescr. 36). Diese Überlieferung entwickelte sich weitgehend ohne Tacitus.

**Was es nicht belegt**

- Die Stelle nennt weder Paulus noch Petrus noch irgendeine einzelne christliche Person und ist daher kein Beleg dafür, dass Paulus bei den Vergeltungsmaßnahmen von 64 starb. Die Verbindung zwischen Nero und dem Tod des Paulus stammt von christlichen Autoren. Unter den antiken christlichen Autoren folgt nur Sulpicius Severus (um 400 n. Chr.) eindeutig der Erzählung des Tacitus (Furneaux 1907), und er datiert anschließend die Verurteilung des Paulus und des Petrus in diese Zeit (Chron. 2.29).
- Sie legt weder das Jahr noch den Ort in Rom noch die Art des Todes des Paulus fest. Tertullian deutet eine Enthauptung an („einen Tod wie den des Johannes“), und Eusebius berichtet sie; Tacitus sagt nichts darüber. Ob Paulus nach der Haft von Apostelgeschichte 28 freikam, ist eine eigene Frage.
- Sie zeigt nicht, dass Christen den Brand legten oder dass Nero es tat: Tacitus sagt, die Ursache sei ungewiss (Ann. 15.38). Ebenso wenig zeigt sie, dass 64 ein allgemeines Gesetz gegen Christen oder eine reichsweite Verfolgung bestand.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die meisten Historiker halten Annalen 15.44 für echten Tacitus. Brent Shaw (2015) hält die Stelle für wahrscheinlich echt, vertritt aber die Ansicht, dass sie die Vorstellungen aus der Zeit des Tacitus selbst widerspiegelt. Er bestreitet eine von Nero angeordnete Massenhinrichtung und den Tod von Petrus und Paulus unter Nero. Christopher P. Jones (2017) entgegnet, es gebe keinen Grund, den Bericht des Tacitus anzuzweifeln. Richard Carrier (2014) vertritt die Ansicht, der Satz, der Christus nennt, sei als mutmaßlich spätere Einfügung zu betrachten. Eine eigene offene Frage ist, ob Paulus bei den Vergeltungsmaßnahmen von 64 starb, davor oder später in der Regierungszeit des Nero nach einer Freilassung.

**Andere Lesarten**

- **Echt, aber anachronistisch (Shaw).** Das Kapitel ist wahrscheinlich das eigene Werk des Tacitus, doch seine Verbindung zwischen den Christen und dem Brand spiegelt Annahmen des frühen 2. Jahrhunderts wider. Nach dieser Sicht ordnete Nero 64 keine Massenhinrichtung von Christen an, und die Stelle sichert nicht das Martyrium von Petrus und Paulus unter Nero.
- **Verdächtiger Satz über Christus (Carrier).** Der Satz, der Christus als unter Pontius Pilatus hingerichtet bezeichnet, könnte ein späterer christlicher Zusatz sein und sollte als verdächtig behandelt werden. Der Einwand betrifft diesen Satz, nicht den Bericht über die Strafen des Nero als solchen.
- **Der Tod des Paulus unabhängig vom Brand.** Paulus könnte vor 64 gestorben sein, am Ende der zweijährigen Haft von Apostelgeschichte 28,30–31. Oder er könnte später in der Regierungszeit des Nero gestorben sein, nach einer Freilassung und einer zweiten römischen Gefangenschaft, die Eusebius als Überlieferung berichtet („wie man sagt“, HE 2.22.2). Nach beiden Sichtweisen liefert Tacitus den allgemeinen Hintergrund, nicht das Ereignis.

**Quellen**

- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 (Random House reprint, as given by Perseus)), Ann. 15.44: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=15:chapter=44>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 (Random House reprint, as given by Perseus)), Ann. 15.38: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=15:chapter=38>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1942 (Random House reprint, as given by Perseus)), Ann. 15.41: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=15:chapter=41>
- Suetonius, Lives of the Caesars: Nero (J. C. Rolfe, 1914), Nero 16.2: <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/Nero*.html>
- Cassius Dio, Roman History (epitome of Book 62) (Earnest Cary, 1925), 62.16.1 (fire narrative 62.16-18; Christians not mentioned): <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/62*.html>
- Clement of Rome (traditional attribution), 1 Clement (J. B. Lightfoot), 1 Clem. 5.5-6: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>
- Eusebius (quoting Tertullian), Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.4: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.5: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.22.2: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Tertullian, The Prescription against Heretics (Peter Holmes, 1885), Prescr. 36 (of the church at Rome): <https://www.newadvent.org/fathers/0311.htm>

## Frühchristliche Autoren

### Der Brief des Polykarp an die Philipper über Paulus und seine Briefe

Der Brief des Polykarp von Smyrna an die Gemeinde in Philippi (um 110–140 n. Chr.) erinnert daran, dass Paulus dort persönlich lehrte und ihnen später schrieb (3.2; 11.3). Er zählt Paulus zu den Aposteln, die gelitten haben (9.1–2), schreibt ihm eine Lehre zu, die sich im ersten Korintherbrief findet, und lässt Anklänge an den Epheserbrief und den ersten Timotheusbrief erkennen; diese Briefe und Erinnerungen waren also früh in Gebrauch. Er entscheidet nicht, wer den Epheserbrief oder den ersten Timotheusbrief schrieb, und fügt der Apostelgeschichte keine Ereignisse hinzu.

- **Datierung:** Um 110–140 n. Chr. Gewöhnlich datiert kurz nachdem Ignatius auf seinem Weg nach Rom durch Smyrna und Philippi gekommen war; nach Harrisons Zwei-Briefe-Theorie gehören die Kapitel 1–12 in die Zeit um 135. Die Notiz der Übersetzer in den Ante-Nicene Fathers datierte den Brief etwa in die Mitte des 2. Jahrhunderts, und eine Minderheit, die einer Datierung des Ignatius in die 140er-Jahre folgt (Barnes), würde ihn später ansetzen.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CPG 1040
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 16,11–40; Apostelgeschichte 2,24; Philipper 1,5; Philipper 2,16; 2. Thessalonicher 1,4; 1. Korinther 6,2; 1. Korinther 6,9–10; Galater 4,26; Galater 6,7; Epheser 2,8–9; Epheser 4,26; 1. Timotheus 2,1–2; 1. Timotheus 6,7–10; 2. Timotheus 4,10
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Polykarp sagt den Philippern, dass Paulus persönlich unter ihnen lehrte, ihnen in seiner Abwesenheit schrieb und unter ihnen „gearbeitet“ hat (3.2; 11.3). Das ist eine Gemeindeerinnerung aus dem frühen 2. Jahrhundert, die mit Apostelgeschichte 16 und dem Philipperbrief des Paulus übereinstimmt.
- Er schreibt Paulus („wie Paulus lehrt“) die Lehre zu, die sich in 1. Korinther 6,2 findet (11.2). Er stimmt eng mit 1. Timotheus 6,7 und 6,10 (4.1), Epheser 2,8–9 (1.3) und Epheser 4,26 (12.1) überein, sodass der Wortlaut des Epheserbriefs sehr wahrscheinlich und der des ersten Timotheusbriefs wahrscheinlich in Smyrna bekannt war, als er schrieb.
- Weitere Formulierungen ähneln Galater 4,26 (3.3), Galater 6,7 (5.1), 1. Korinther 6,9–10 (5.3), Philipper 2,16 und 2. Timotheus 4,10 (9.2) sowie 1. Timotheus 2,1–2 (12.3). Dies sind redaktionelle Vergleiche von Formulierungen; sie zeigen Vertrautheit mit paulinischer Sprache, nicht, welche Briefe Polykarp besaß oder wie er sie einschätzte.
- Er stellt „Paulus selbst und die übrigen Apostel“ neben Ignatius und Gläubige aus Philippi als Vorbilder der Standhaftigkeit, Menschen, die mit dem Herrn gelitten haben und nun bei ihm sind (9.1–2).
- Der Brief ist früh bezeugt. Irenäus empfiehlt ihn bereits um 180 (Gegen die Häresien 3.3.4). Eusebius zitiert später 9.1–2 und 13.1–2 auf Griechisch, wobei er vor der Bitte um Nachrichten über Ignatius abbricht, und vermerkt die Verwendung des ersten Petrusbriefs (Kirchengeschichte 3.36.13–15; 4.14.9).

**Was es nicht belegt**

- Polykarp nennt keinen Brief beim Titel und verbindet die Formulierungen aus dem ersten Timotheusbrief oder dem Epheserbrief mit keinem Verfassernamen. Die Parallelen zeigen, dass der Wortlaut in Gebrauch war, nicht, dass Paulus diese Briefe schrieb.
- Er fügt keine unabhängige Einzelheit über die Mission des Paulus in Philippi oder über seinen Tod hinzu. 9.2 sagt, dass die Apostel gelitten haben und beim Herrn sind, aber nicht, wie, wann oder wo Paulus starb.
- Der griechische Plural hinter „einen Brief“ in 3.2 zeigt für sich allein nicht, dass Paulus den Philippern mehr als einen Brief schrieb.
- Die Kapitel 10–12, der Schluss von Kapitel 13 und Kapitel 14 sind nur auf Latein erhalten (Eusebius bewahrt Kapitel 9 und den größten Teil von Kapitel 13 auf Griechisch), sodass der genaue Wortlaut dort unsicher ist, einschließlich des „sind“ in 13.2 und der Zuschreibung an Paulus in 11.2.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Einheit und Datierung: 9.1–2 zählt Ignatius zu denen, die nun beim Herrn sind, doch 13.2 bittet um Nachrichten über ihn und die, die bei ihm sind. P. N. Harrison teilte den Text daher in ein frühes Begleitschreiben (Kap. 13, vielleicht mit 14) und einen späteren Brief um 135 (Kap. 1–12). Lightfoot vor ihm und Hartog seither verteidigen einen einzigen Brief, der kurz nach der Reise des Ignatius geschrieben wurde. Einige frühere Kritiker behandelten Kap. 13 stattdessen als Interpolation, eine Ansicht, die die Notiz der Übersetzer der Ante-Nicene Fathers für gewichtig hielt. Bezug: ob der Plural in 3.2 einen Brief oder mehrere meint. Abhängigkeit: ob die Parallelen zum Epheserbrief und zum ersten Timotheusbrief literarische Entlehnung sind und ob Polykarp diese Briefe für Briefe des Paulus hielt.

**Andere Lesarten**

- **Zwei Briefe (Harrison).** P. N. Harrison (1936) las Kapitel 13 als frühes Begleitschreiben, das mit den Briefen des Ignatius verschickt wurde, als sein Schicksal noch unbekannt war; das Latein von 13.2 spricht von denen, die bei ihm „sind“. Kapitel 1–12 las er als späteren Brief um 135, der möglicherweise auf eine Lehre wie die Marcions antwortete, eine Verbindung, die andere bestreiten. Verteidiger eines einzigen Briefes entgegnen, Polykarp könne vom Tod des Ignatius gewusst haben, bevor er dessen Umstände erfuhr.
- **Was der Plural in 3.2 bedeutet.** Der griechische Plural kann einen einzigen Brief meinen, wie die Ante-Nicene-Übersetzer anmerken und wie Lightfoot übersetzt. Er kann mehr als einen Brief nach Philippi widerspiegeln, wie einige Teilungshypothesen zum kanonischen Philipperbrief annehmen. Oder er kann lose auch die Briefe des Paulus nach Thessalonich und Korinth einschließen, wie eine eingeklammerte redaktionelle Anmerkung in jener Ausgabe nahelegt; dass Paulus sich der Philipper unter den Gemeinden rühmt (11.3), ähnelt 2. Thessalonicher 1,4.
- **Der Wortlaut von 11.3.** Das Latein von 11.3 ist dunkel. Lightfoot gibt es so wieder, dass die Philipper die „Briefe am Anfang“ des Paulus gewesen seien; die Ante-Nicene-Übersetzer geben es so wieder, dass sie am Anfang seines Briefes empfohlen würden, und vergleichen Philipper 1,5. So oder so erinnert es an den Briefwechsel des Paulus mit Philippi, ohne eine neue Tatsache hinzuzufügen.
- **Gemeinsame Überlieferung oder gemeinsame Verfasserschaft, kein Zitat.** Die Sprüche in 4.1 über die Geldliebe und darüber, nichts in die Welt zu bringen, klingen an Moralmaximen an, die weiter verbreitet waren; daher halten manche eine Abhängigkeit vom ersten Timotheusbrief für wahrscheinlich, aber nicht für sicher. Hans von Campenhausen (1951) schlug vor, Polykarp oder sein Kreis habe die Pastoralbriefe verfasst; die Parallelen würden dann einen gemeinsamen Ursprung statt einer Rezeption zeigen, doch die meisten Forscher haben diese Ansicht nicht übernommen.
- **Wird der Epheserbrief Schrift genannt?.** In 12.1, das nur auf Latein erhalten ist, leitet Polykarp den Wortlaut von Psalm 4,4 und von Epheser 4,26 mit der Wendung wie es in diesen Schriften gesagt ist ein. Manche sehen darin eine Behandlung des Epheserbriefs als Schrift. Andere meinen, Polykarp habe geglaubt, beide Zeilen stammten aus dem Alten Testament, oder die Formulierung eines Übersetzers könne diesen Schluss nicht tragen.
- **Kenntnis der Apostelgeschichte?.** In 1.2 ähnelt Polykarps Wendung davon, dass Gott die Wehen des Hades löste, stark Apostelgeschichte 2,24, wie die Ante-Nicene-Übersetzer festhielten. Sie kann Kenntnis der Apostelgeschichte oder eine gemeinsame frühe Formel über die Auferstehung widerspiegeln; daher ist sie kein sicherer Beleg dafür, dass die Apostelgeschichte in Smyrna im Umlauf war.

**Quellen**

- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 3.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 9.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 9.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 11.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 11.3: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 12.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 13.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 3, note 358: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.iii.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 1, note 341: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.i.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 10, note 391: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.x.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 11, note 401: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.xi.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 13, note 414: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.xiii.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 13, note 415: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.xiii.html>
- Alexander Roberts and James Donaldson (translators' notes), Ante-Nicene Fathers, vol. 1: The Epistle of Polycarp to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), ch. 13, note 416: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.ii.xiii.html>
- Ante-Nicene Fathers translators, Ante-Nicene Fathers, vol. 1: Introductory Note to the Epistle of Polycarp to the Philippians, Introductory Note (original Introductory Notice), on chapter 13: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.i.html>
- Ante-Nicene Fathers translators, Ante-Nicene Fathers, vol. 1: Introductory Note to the Epistle of Polycarp to the Philippians, Introductory Note (original Introductory Notice), on the date: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.iv.i.html>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.36.13: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.36.15: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 4.14.9: <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), AH 3.3.4 (Polycarp's letter): <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), AH 3.3.4 (Polycarp and Marcion): <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>
- Wikidata item: Epistle of Polycarp to the Philippians, Q914111 (P7988 Clavis Patrum Graecorum ID 1040): <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q914111.json>
- Pleiades place record: Krenides/Philippi/Col. Augusta Iulia Philippensis, 501482: <https://pleiades.stoa.org/places/501482/json>

### Der erste Clemensbrief über den Tod des Paulus und seinen Brief nach Korinth

Nach seiner üblichen Datierung (um 95–97 n. Chr.) ist der erste Clemensbrief, den die Gemeinde in Rom an die Gemeinde in Korinth sandte, der früheste Text außerhalb des Neuen Testaments, der vom Ende des Lebens des Paulus berichtet, nach Gefangenschaften, Verbannung, Steinigung und Zeugnis vor Herrschern. Er ist auch der früheste, der die Leser auf seinen Brief über die korinthischen Parteiungen zurückverweist (den ersten Korintherbrief). Er sagt nicht, wo, wann oder wie er starb.

- **Datierung:** Gewöhnlich um 95–97 n. Chr., spät in der Regierungszeit Domitians oder kurz danach (Lightfoot: etwa 95 oder 96 n. Chr.). Die Vorschläge reichen von um 70 n. Chr. (Edmundson, Robinson, Herron) bis um 140 (Welborns äußerste Grenze). Die älteste erhaltene Abschrift steht im Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CPG 1001; Gregory-Aland 02 (Codex Alexandrinus), London, British Library, Royal MS 1 D VIII, 5th century; 1 Clement incomplete (a leaf lost near the end); Codex Hierosolymitanus 54 (Jerusalem, Holy Sepulchre collection), dated AD 1056, 1 Clement on fols. 51b-70a; formerly no. 456 in the Holy Sepulchre library at Constantinople (Lightfoot 1890)
- **Bezieht sich auf:** 1. Korinther 1,10–12; 1. Korinther 3,4–6; 2. Korinther 11,23–25; Apostelgeschichte 13,50; Apostelgeschichte 14,19; Römer 15,24; Römer 15,28; Apostelgeschichte 28,30–31
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Ein im Namen der Gemeinde in Rom versandter Brief stellt Petrus und Paulus als „Kämpfer“ ihrer eigenen Generation dar, die verfolgt wurden und „bis zum Tod gekämpft“ haben (1 Clem. 5.1–7). Nach der üblichen Datierung behandelte die römische Gemeinde eine Generation später den Tod des Paulus als bekannte jüngere Geschichte.
- Er fasst Laufbahn und Ende des Paulus zusammen: siebenmal in Fesseln, in die Verbannung getrieben, gesteinigt, predigend in Ost und West, bis an „die äußersten Grenzen des Westens“ gelangt, „vor den Herrschern“ Zeugnis ablegend und dann aus der Welt scheidend, „an den heiligen Ort“ (1 Clem. 5.6–7).
- Er fordert die Korinther auf, „den Brief des seligen Paulus zur Hand zu nehmen“, und erinnert an seine Rüge der Parteien, die sich um ihn selbst, Kephas und Apollos gebildet hatten (1 Clem. 47.1–3). Das entspricht 1. Korinther 1,10–12 (vergleiche 1. Korinther 3,4–6) und zeigt, dass man in Rom den Brief kannte und annahm, Korinth habe ihn noch.
- Seine Liste der Leiden stimmt mit dem eigenen Katalog des Paulus und mit der Apostelgeschichte überein, was die Steinigung (2. Korinther 11,25; Apostelgeschichte 14,19), wiederholte Gefangenschaften (2. Korinther 11,23) und Vertreibungen wie die in Apostelgeschichte 13,50 betrifft. Seine Zahl von sieben Gefangenschaften übersteigt das, was die Apostelgeschichte erzählt; die Liste ist also nicht einfach ein Auszug aus der Apostelgeschichte.

**Was es nicht belegt**

- Er nennt keinen Ort, kein Datum, keinen Kaiser und keine Todesart. Rom wird aus 6.1 erschlossen; Dionysius von Korinth (um 170, bei Eusebius, Kirchengeschichte 2.25.8) verbindet Petrus und Paulus mit Rom und sagt, sie hätten in Italien gelehrt und seien zur selben Zeit als Märtyrer gestorben. Eine Enthauptung deutet Tertullian an (um 200), und Eusebius verortet sie in Rom unter Nero.
- „Die äußersten Grenzen des Westens“ beweisen für sich allein weder eine Mission nach Spanien noch eine Freilassung nach Apostelgeschichte 28. Viele lesen darin Spanien (vergleiche Römer 15,24.28), und das Muratorische Fragment spricht später davon, dass Paulus von Rom nach Spanien ging (seine Datierung ist umstritten). Andere lesen darin Rom oder rhetorische Universalität, und die Wendung könnte eher aus Römer 15 stammen als aus unabhängiger Kenntnis.
- Der Brief nennt weder seinen Verfasser noch sein eigenes Datum. Die Zuschreibung an Clemens und die Datierung auf um 95–97 beruhen auf Zeugnissen des 2. Jahrhunderts (Dionysius von Korinth, Hegesippus, Irenäus) und auf Schlüssen aus dem Text.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen sind offen. Datierung: Die meisten Forscher setzen den Brief um 95–97 an und lesen die „plötzlichen und wiederholten Unglücksfälle“ (1.1) vor dem Hintergrund der Regierungszeit Domitians. Edmundson, Robinson und Herron treten für um 70 ein, Welborn für ein lockereres Fenster von 80–140 n. Chr. Geografie: Lightfoot meinte, „die äußersten Grenzen des Westens“ müssten Spanien bedeuten, was voraussetzt, dass Paulus nach Apostelgeschichte 28 freigelassen wurde. Andere lesen darin Rom, rhetorische Universalität oder einen Anklang an Römer 15,24. Einzelheiten: Bewahrt „siebenmal in Fesseln“ eine unabhängige Überlieferung oder eine konventionelle Zahl? Und bedeutet „sein Zeugnis abgelegt“ bereits Martyrium oder nur ein Zeugnis vor Gericht? Viele verbinden außerdem die „große Menge“ von Opfern in 6.1 mit der neronischen Verfolgung, die Tacitus beschreibt (Annalen 15.44), obwohl der Brief keinen Kaiser nennt.

**Andere Lesarten**

- **Frühe Datierung (um 70 n. Chr.).** Edmundson (1913) argumentierte, die Unglücksfälle von 1.1 passten zu den Umwälzungen des Jahres 69 n. Chr. und der Brief sei Anfang 70 n. Chr. geschrieben worden. Robinson (1976) und Herron (2008) verteidigen ebenfalls eine Datierung um 70. Nach dieser Sicht stammt das Zeugnis aus wenigen Jahren nach dem Tod des Paulus.
- **Lockereres oder späteres Fenster.** Welborn (1984; 1992) argumentierte, 1.1 müsse sich nicht auf eine Verfolgung unter Domitian beziehen, sodass die traditionelle Datierung keinen festen Anker habe. Nach dieser Sicht könnte der Brief irgendwann zwischen etwa 80 und 140 n. Chr. entstanden sein, sodass sein Abstand zum Tod des Paulus ungewiss ist.
- **„Grenzen des Westens“ als Rom oder Rhetorik.** Manche meinen, Paulus sei am Ende der römischen Haft in Apostelgeschichte 28 gestorben. Sie lesen die Wendung als Rom, die westliche Grenze seines eigenen Wirkens, oder als rhetorisches Gegenstück zu „der ganzen Welt“. Lightfoot führte solche Lesarten auf und lehnte sie ab, weil ein in Rom schreibender Autor die Stadt kaum „den äußersten Westen“ nennen würde.
- **Sieben als konventionelle Zahl.** Die Zahl von sieben Gefangenschaften könnte eine gerundete oder symbolische Zahl in einer exemplarischen Leidensliste sein, die zur Eintracht mahnen sollte, keine aus Aufzeichnungen gewonnene Zählung.

**Quellen**

- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 5.6: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 5.7: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 5.1: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot), 1 Clem. 5.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 47.1-3: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 6.1: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 1.1: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. inscription (salutation): <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 2, Note on 1 Clem. 5 ('the extreme west'), p. 30: <https://archive.org/stream/apostolicfathers0102clem/apostolicfathers0102clem_djvu.txt>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 2, Note on 1 Clem. 5 ('the extreme west'), p. 31: <https://archive.org/stream/apostolicfathers0102clem/apostolicfathers0102clem_djvu.txt>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 2, Note on 1 Clem. 5 ('seven times'), p. 29: <https://archive.org/stream/apostolicfathers0102clem/apostolicfathers0102clem_djvu.txt>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 1, Part I, vol. 1, p. 27: <https://archive.org/stream/apostolicfathers0101clem/apostolicfathers0101clem_djvu.txt>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 1, Part I, vol. 1, p. 118 (Alexandrian MS): <https://archive.org/stream/apostolicfathers0101clem/apostolicfathers0101clem_djvu.txt>
- J. B. Lightfoot, The Apostolic Fathers, Part I: S. Clement of Rome, vol. 1, Part I, vol. 1, p. 122 (Constantinople MS): <https://archive.org/stream/apostolicfathers0101clem/apostolicfathers0101clem_djvu.txt>
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), AH 3.3.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.16: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius of Caesarea, quoting Dionysius of Corinth (c. 170), Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 4.23.11: <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.5: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius of Caesarea, quoting Dionysius of Corinth (c. 170), Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.8: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Tertullian, The Prescription against Heretics (Peter Holmes, 1885), Praescr. 36: <https://www.newadvent.org/fathers/0311.htm>
- Anonymous, Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), §2 in ANF numbering (on Acts): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Tacitus, Annals (Alfred John Church and William Jackson Brodribb, 1876), Ann. 15.44: <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0078%3Abook%3D15%3Achapter%3D44>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Kurzgefasste Liste: GA 02 (Codex Alexandrinus), docID 20002 (GA 02; London, British Library, Royal 1 D.VIII; 5th century): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=20002&detail=page>
- Wikidata, First Epistle of Clement, Q10993949 (P7988 Clavis Patrum Graecorum ID 1001): <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q10993949.json>
- Wikidata, Codex Hierosolymitanus, Q2724904 (inventory Codex Hierosolymitanus 54; inception 1056): <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q2724904.json>

### 2. Petrus 3,15–16: ein früher Verweis auf die Briefe des Paulus als Gruppe

In 2. Petrus 3,15–16 nennt der Verfasser, der als Petrus spricht, Paulus einen lieben Bruder, verweist auf die Briefe des Paulus als ein Korpus, das seine Leser bereits kennen, und stellt sie implizit in eine Reihe mit der Schrift. Die Stelle gehört zu den frühesten Zeugnissen dafür, dass mehrere Briefe des Paulus zusammen bekannt waren, obwohl sie keinen von ihnen nennt, und ihr Gewicht hängt von einer umstrittenen Datierung ab: Mitte der 60er-Jahre, wenn Petrus sie schrieb, später, wenn sie pseudonym ist.

- **Datierung:** Umstritten: Mitte der 60er-Jahre n. Chr., wenn von Petrus verfasst; spätes 1. bis 2. Jahrhundert, wenn pseudonym (die Obergrenze 150 ist eine runde Zahl für Vorschläge aus dem 2. Jahrhundert). Früheste Handschrift P72 (3./4. Jahrhundert); erstmals, mit Zweifeln, von Origenes genannt (3. Jahrhundert, zitiert bei Eusebius).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** Gregory-Aland P72 (P. Bodmer VIII, Vatican Library; 2 Peter 3:11-18 on pp. 35-36)
- **Bezieht sich auf:** 2. Petrus 3,15–16; 2. Petrus 3,1; 2. Petrus 1,14; Kolosser 4,16; 1. Thessalonicher 5,27; Galater 2,9; Galater 2,11–14; Apostelgeschichte 15,7–11; 1. Korinther 6,2
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- 2. Petrus 3,15–16 verweist auf die Briefe des Paulus im Plural, als ein Korpus, das seine Leser bereits kennen, und nicht nur auf einen an sie gesandten Brief. Das setzt voraus, dass Abschriften mehrerer Briefe des Paulus über ihre ersten Empfänger hinaus gelangt waren; die eigenen Anweisungen des Paulus, Briefe allen Gläubigen vorzulesen und an eine benachbarte Gemeinde weiterzugeben (1. Thessalonicher 5,27; Kolosser 4,16), machen eine solche Verbreitung plausibel.
- Die Stelle ordnet die Briefe des Paulus implizit den Schriften zu; die meisten Leser verstehen die Wendung so, eine Minderheit jedoch als andere Schriften im Allgemeinen. Sie sagt, dass manches darin schwierig sei und dass unwissende, unbeständige Leser es verdrehen; die Auslegung des Paulus war also bereits umstritten, als sie geschrieben wurde.
- Sie ist eines von mehreren frühen Zeugnissen dafür, dass die Briefe des Paulus über ihre ersten Bestimmungsorte hinaus gelesen wurden. 1. Clemensbrief 47 verweist Korinth zurück auf den ersten Korintherbrief. Polykarp (An die Philipper 3.2; 11.2) weiß, dass Paulus nach Philippi schrieb, und schreibt ihm eine Lehre zu, die sich in 1. Korinther 6,2 findet. Ignatius (An die Epheser 12.2) sagt, Paulus erwähne die Epheser in jedem Brief, eine Übertreibung, die voraussetzt, dass er mehrere kannte.
- Die früheste erhaltene Handschrift der Stelle ist P72 (P. Bodmer VIII, heute in der Vatikanischen Bibliothek), vom INTF auf das 3. oder 4. Jahrhundert datiert; ihre Seiten 35–36 umfassen 2. Petrus 3,11–18. Zum Vergleich: P46 (INTF-Datierung um 200–225), ein früher Kodex der Briefe des Paulus und des Hebräerbriefs, enthält den zweiten Petrusbrief nicht.

**Was es nicht belegt**

- Sie sagt nicht, welche oder wie viele Briefe des Paulus der Verfasser kannte. Sie ist daher kein Beleg für eine redigierte Sammlung, für ein festes Korpus von dreizehn oder vierzehn Briefen oder für einen abgeschlossenen Kanon.
- Sie klärt weder ihre eigene Verfasserschaft noch ihre Datierung. Wenn der zweite Petrusbrief pseudonym ist, zeigt die Stelle, wie ein späterer Autor die Sicht des Petrus auf Paulus darstellte, nicht die eigenen Worte des Petrus.
- Sie sagt nichts über die Reisen des Paulus und liefert keine unabhängige Bestätigung für die Reiseroute oder Chronologie der Apostelgeschichte.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die meisten kritischen Forscher halten den zweiten Petrusbrief für pseudonym. Sie verweisen auf Stil und Wortschatz, die sich von denen des ersten Petrusbriefs unterscheiden; auf die engen Parallelen zum Judasbrief; auf seine langsame und zweifelnde frühe Rezeption (das Zögern des Origenes und die Einordnung durch Eusebius unter die umstrittenen Bücher); und auf eben diesen Verweis auf die Briefe des Paulus als eine der Schrift gleichgestellte Gruppe. Verteidiger der petrinischen Verfasserschaft entgegnen, der Plural brauche nur die Briefe zu meinen, die der Verfasser kannte, und der herzliche, aber offene Ton passe zu Petrus. Ein weiterer Streitpunkt ist, ob der zweite Petrusbrief die Petrusapokalypse benutzte oder von ihr benutzt wurde.

**Andere Lesarten**

- **Petrinisch, Mitte der 60er-Jahre.** Petrus, vielleicht mithilfe eines Sekretärs, schrieb kurz vor seinem Tod unter Nero. Die Stelle würde dann zeigen, dass die Briefe des Paulus innerhalb weniger Jahre nach ihrer Abfassung in den Gemeinden abgeschrieben und gelesen wurden und dass ein Apostel, der einst mit Paulus aneinandergeraten war (Galater 2,11–14), aber auch die Mission unter den Heiden gebilligt hatte (Galater 2,9; Apostelgeschichte 15,7–11), ihn empfahl.
- **Pseudonym, nachapostolisch.** Ein späterer Autor benutzte den Namen des Petrus und stellte den Brief als zweiten Brief des Petrus und als Abschiedstestament dar (2. Petrus 3,1; 2. Petrus 1,14). Die Stelle bezeugt dann mehrere Briefe des Paulus mit autoritativer Geltung in der Generation nach den Aposteln, zusammen mit einem erinnerten Bild von Petrus und Paulus im Einvernehmen.
- **2. Jahrhundert, nach der Petrusapokalypse.** Jörg Frey vertritt die Ansicht, dass der zweite Petrusbrief von der Petrusapokalypse abhängt. Das würde den Brief weit ins 2. Jahrhundert verlegen, sodass er bezeugen würde, wie die Briefe des Paulus in dieser Zeit behandelt wurden, und nicht im apostolischen Zeitalter.

**Quellen**

- Eusebius of Caesarea, Church History, Book III (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.3.1: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History, Book III (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.25.3: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Eusebius of Caesarea (quoting Origen, Commentary on John, Book 5), Church History, Book VI (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 6.25.8: <https://www.newadvent.org/fathers/250106.htm>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot, 1891), Eph. 12.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 3.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot), Phil. 11.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Clement of Rome (the church at Rome to the church at Corinth), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 47.1-2: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster, Kurzgefasste Liste (NTVMR), P72, docID 10072 (P72; P. Bodmer VIII, Biblioteca Apostolica Vaticana: 1 Pet 1:1-5:14, 2 Pet 1:1-3:18; P. Bodmer VII, Bibliotheca Bodmeriana: Jude); date III/IV (200-399): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10072&detail=page>
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster, Kurzgefasste Liste (NTVMR), P46, docID 10046 (P46; Dublin, Chester Beatty Library, CBL BP II, and Ann Arbor, University of Michigan Library, Inv. 6238; date III (A), 200-225): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10046&detail=page>
- Wikidata entity: Second Epistle of Peter, Q131178: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q131178.json>
- Wikidata entity: Papyrus 72, Q673569: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q673569.json>

### Die Briefe des Ignatius von Antiochia über Paulus

Die Briefe des Ignatius von Antiochia, üblicherweise um 110 n. Chr. datiert und unter Bewachung auf dem Weg nach Rom geschrieben, zeigen, dass Paulus früh als Apostel und Briefschreiber geehrt wurde, fügen aber keine neuen Fakten über seinen Werdegang hinzu. In Ign. Eph. 12.2 nennt er die Epheser Mitgeweihte des Paulus, die Paulus „in jedem Brief“ erwähnt. In Ign. Rom. 4.3 stellt er Petrus und Paulus als Apostel, die Befehle erteilen konnten, sich selbst als einem Verurteilten gegenüber.

- **Datierung:** Üblicherweise um 105–117 n. Chr. (spät in der Regierungszeit Trajans) oder etwas später; Barnes (2008) plädiert für die 140er-Jahre. dateFrom und dateTo decken nur die Sicht ab, nach der die Briefe echt sind; die Fälschungshypothese würde die Briefe später im zweiten Jahrhundert ansetzen.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Katalognummern:** CPG 1025.1 (Ignatius, Ad Ephesios)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 9,15; Apostelgeschichte 10,41; Apostelgeschichte 19,1–41; Apostelgeschichte 20,17–38; Apostelgeschichte 28,14–31; Römer 1,7–15; 1. Korinther 1,18–20; 1. Korinther 4,13; 1. Korinther 6,9–10; 1. Korinther 15,8–9; 1. Korinther 15,32; 1. Korinther 16,8; Epheser 1,1; 1. Timotheus 1,3; 2. Timotheus 1,18; 2. Timotheus 4,12
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- In der mittleren Rezension, die die meisten Forschenden anerkennen, nennt Ignatius Paulus geheiligt und „aller Glückpreisung würdig“, hofft, in seinen Fußstapfen gefunden zu werden, und sagt, Paulus erwähne die Epheser „in jedem Brief“ (Ign. Eph. 12.2). Ein syrischer Bischof kannte Paulus also bereits als Briefschreiber, der eng mit Ephesus verbunden war, und nach der üblichen Lesart als Verfasser mehrerer Briefe.
- Ign. Rom. 4.3 nennt Petrus und Paulus gemeinsam als Apostel, die der Gemeinde in Rom Befehle erteilen konnten, was Ignatius, ein verurteilter Gefangener, ablehnt. Die Stelle steht in allen drei erhaltenen Textformen: der syrischen Kurzfassung, der mittleren Rezension und der langen Rezension.
- Ignatius greift Formulierungen aus 1. Korinther auf. Ign. Eph. 18.1 klingt an 1. Kor 1,18–20 und 4,13 an; Ign. Rom. 9.2, wo er sich „den Allerletzten“ und „eine Fehlgeburt“ nennt, klingt an 1. Kor 15,8–9 an; Ign. Eph. 16.1 und Ign. Phld. 3.3 klingen an 1. Kor 6,9–10 an. Zusammengenommen machen diese Stellen 1. Korinther zum deutlichsten Fall eines paulinischen Briefes, den er kannte.
- Die Briefe selbst sind früh und von außen bezeugt. Polykarp (Brief an die Philipper 13.2) spricht davon, die Briefe des Ignatius zu sammeln und weiterzuleiten. Irenäus (Haer. 5.28.4) zitiert Ign. Rom. 4.1, ohne ihn zu nennen, und Eusebius (HE 3.36.12) schreibt das Zitat Ignatius zu. Eusebius nennt die sieben Briefe, aus denen die mittlere Rezension besteht, in HE 3.36.5-10.

**Was es nicht belegt**

- Die Briefe sind keine unabhängige Kontrolle der Apostelgeschichte. Ignatius zitiert die Apostelgeschichte nie eindeutig. Die nächste Parallele, Ign. Smyrn. 3.3 mit Apostelgeschichte 10,41, kann aus gemeinsamer Überlieferung stammen und zeigt nicht, dass er die Apostelgeschichte gelesen hat. Die Wendung „auserwähltes Werkzeug“ (Apostelgeschichte 9,15) gelangt erst in der langen Rezension des vierten Jahrhunderts in Ign. Eph. 12. Sein Bild von der Verbindung des Paulus mit Ephesus ist kein eigener Zeuge für Apostelgeschichte 19–20.
- „In jedem Brief“ kann nicht wörtlich genommen werden, weil Ephesus nur in einigen der Paulus zugeschriebenen Briefe genannt wird (zum Beispiel 1. Korinther 15,32; 16,8; 1. Timotheus 1,3; 2. Timotheus 1,18; 4,12). Die Wendung zeigt nicht, wie viele paulinische Briefe Ignatius hatte oder welche, und sie entscheidet nicht, ob Epheser 1,1 ursprünglich Ephesus nannte.
- Ign. Rom. 4.3 sagt nicht, dass Petrus und Paulus in Rom starben, die Gemeinde in Rom gründeten oder welche Befehle sie gaben; das sind spätere Schlussfolgerungen und Überlieferungen. In Ign. Eph. 12.2 lautet das Wort, das Lightfoot mit „der ein gutes Zeugnis erlangte“ übersetzt, bei Roberts-Donaldson „der Gemarterte“; es ist daher kein sicherer Beleg für das Martyrium des Paulus.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die meisten Forschenden halten im Gefolge von Zahn und Lightfoot die mittlere Rezension mit sieben Briefen für echt und datieren sie spät in die Regierungszeit Trajans oder etwas später; Barnes plädiert für die 140er-Jahre. Eine Minderheit, namentlich Joly, hält die Briefe für eine spätere Fälschung. Zu Ign. Eph. 12.2 wird gefragt, ob „in jedem Brief“ eine Übertreibung ist, „überall in einem Brief“ bedeutet oder eine bekannte Sammlung der Briefe des Paulus widerspiegelt; ob das Wort, das Paulus beschreibt, „gut bezeugt“ oder „gemartert“ bedeutet; und wie viele Briefe außer 1. Korinther Ignatius tatsächlich benutzte.

**Andere Lesarten**

- **Spätere Fälschung.** Die sieben Briefe sind ein pseudonymes Werk des späteren zweiten Jahrhunderts (Joly 1979 ist die bekannteste Darstellung). Nach dieser Sicht zeigen Ign. Eph. 12.2 und Ign. Rom. 4.3 zwar noch, wie man sich im zweiten Jahrhundert an Paulus erinnerte, sind aber kein Zeugnis mehr aus den ein oder zwei Generationen nach seinem Tod.
- **Übertreibung und begrenzte Kenntnis.** „In jedem Brief“ ist rhetorische Übertreibung, und Ignatius kannte möglicherweise kaum mehr als 1. Korinther. Einige der paulinisch klingenden Wendungen könnten aus mündlicher kirchlicher Überlieferung stammen statt aus der Lektüre geschriebener Briefe.
- **Die syrische Kurzform als Original.** Cureton (1845) vertrat, dass nur die drei gekürzten syrischen Briefe echt sind. Der syrische Brief an die Epheser hat kein Kapitel 12; nach seiner Sicht wäre die Stelle „in jedem Brief“ also nicht von Ignatius selbst. Die meisten späteren Forschenden behandeln die syrische Fassung als Kurzfassung der mittleren Rezension.

**Quellen**

- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Eph. 12.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Romans (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Rom. 4.3: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-romans-lightfoot.html>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Romans (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Rom. 9.2 (echo of 1 Cor 15:8-9): <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-romans-lightfoot.html>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Eph. 18.1 (echo of 1 Cor 1:18-20; 4:13): <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Smyrnaeans (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Smyrn. 3.3: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-smyrnaeans-lightfoot.html>
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians, shorter (middle) recension, ANF 1 (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), Ign. Eph. 12 (shorter version): <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.v.ii.xii.html>
- Ignatius of Antioch (long recension, 4th-century revision), Epistle to the Ephesians, longer recension, ANF 1 (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), Ign. Eph. 12 (longer version): <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.v.ii.xii.html>
- Ignatius of Antioch (Syriac abridgment), Epistle to the Romans, Syriac version, ANF 1 (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), Ign. Rom. 4 (Syriac version): <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.v.xii.iv.html>
- Ignatius of Antioch (long recension, 4th-century revision), Epistle to the Romans, longer recension, ANF 1 (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), Ign. Rom. 4 (longer version): <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.v.v.iv.html>
- ANF editors (A. Roberts, J. Donaldson; A. C. Coxe), Introductory Note to the Epistles of Ignatius, ANF 1, ANF 1, Introductory Note to the Epistles of Ignatius: <https://ccel.org/ccel/schaff/anf01.v.i.html>
- Eusebius of Caesarea, Ecclesiastical History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.36.10: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot), Pol. Phil. 13.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 5.28.4 (quoting Ign. Rom. 4.1): <https://www.newadvent.org/fathers/0103528.htm>
- Wikidata: Epistle of Ignatius to the Ephesians, Q65051525 (P7988 CPG 1025.1): <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q65051525.json>
- Wikidata: Letters of Ignatius, Q350126: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q350126.json>

### Die Liste der Briefe des Paulus im Muratorischen Fragment

Das Muratorische Fragment, eine lateinische Liste neutestamentlicher Bücher, die meist um 170–200 datiert wird (manche plädieren für das 4. Jahrhundert), nimmt dreizehn Briefe des Paulus an, darunter die an Philemon und an Titus sowie zwei an Timotheus, und verwirft Briefe „an die Laodizener“ und „an die Alexandriner“ als Fälschungen. Vollständig erhalten ist es nur in einer Handschrift aus der Mitte des 8. Jahrhunderts in Mailand. Es zeigt, wie die Briefe des Paulus aufgenommen wurden, nicht, wer sie schrieb.

- **Datierung:** Der Text wurde wahrscheinlich im späten 2. Jahrhundert verfasst (um 170–200, spätestens im frühen 3.). Eine Minderheit datiert ihn ins 4. Jahrhundert, und ein neueres Argument hält ihn für eine spätantike Fälschung. dateTo 400 deckt die Datierung ins 4. Jahrhundert ab, nicht aber die Fälschungsthese. Die einzige vollständige Abschrift stammt aus der Mitte des 8. Jahrhunderts (Lowe, CLA III 352: „VIII med“).
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Biblioteca Ambrosiana, Mailand (I 101 sup., auch zitiert als J 101 sup.)
- **Katalognummern:** CLA III 352
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 1,1–2; Kolosser 4,14; Kolosser 4,16; Römer 15,24–28; 1. Korinther 1,10–12; Galater 5,2–6; 1. Timotheus 1,1–2; 2. Timotheus 1,1–2; Titus 1,1–4; Philemon 1,1–3
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Der erhaltene Text nimmt dreizehn Briefe unter dem Namen des Paulus an. Es gibt Briefe an sieben Gemeinden (Korinther, Epheser, Philipper, Kolosser, Galater, Thessalonicher, Römer), mit je einem zweiten Brief an die Korinther und die Thessalonicher, dazu einen an Philemon, einen an Titus und zwei an Timotheus. Das Fragment setzt diese Zahl voraus, nennt sie aber nie, und es erwähnt den Brief an die Hebräer nicht.
- Es beschreibt die Briefe an Philemon, Titus und Timotheus als persönliche Briefe, die die katholische (das heißt allgemeine) Kirche dennoch heilig hält und für die Kirchenzucht verwendet. Es verwirft Briefe „an die Laodizener“ und „an die Alexandriner“ als unter dem Namen des Paulus gefälscht im Zusammenhang mit der Häresie Markions. Sein Verfasser zog also eine Grenze zwischen angenommenen paulinischen Briefen und pseudonymen.
- Es schreibt „die Taten aller Apostel“ Lukas zu, dem Arzt, den Paulus als Begleiter mitnahm, und sagt, das Buch sei an Theophilus gerichtet. Es erklärt, warum die Apostelgeschichte nichts vom Tod des Petrus oder von der Reise des Paulus von Rom nach Spanien sagt: Lukas habe, so behauptet es, nur aufgezeichnet, was er selbst bezeugte.
- Die einzige vollständige Abschrift ist ein lateinischer Unzialkodex des 8. Jahrhunderts aus der Bibliothek von Bobbio, heute in der Biblioteca Ambrosiana, Mailand. Lowes CLA datiert ihn in die Mitte des 8. Jahrhunderts und hält ihn für wahrscheinlich in Bobbio geschrieben. Muratori veröffentlichte ihn 1740 (ANF-Vorbemerkung). Einige Sätze sind auch in Handschriften der Briefe des Paulus aus Monte Cassino erhalten.

**Was es nicht belegt**

- Es zeigt, welche Briefe sein Verfasser und dessen Gemeinde zur umstrittenen Zeit und am umstrittenen Ort der Liste als Briefe des Paulus annahmen. Für sich allein entscheidet es nicht, wer die Pastoralbriefe oder einen anderen bestrittenen Brief schrieb.
- Seine Aussage, Paulus sei von Rom nach Spanien gegangen, gibt eine Überzeugung seines Verfassers wieder, mit der er das Ende der Apostelgeschichte erklärt. Sie ist kein unabhängiger Beleg dafür, dass die Reise stattfand.
- Es ist kein Zeugnis des ersten Jahrhunderts, und seine Datierung und Herkunft sind umstritten; daher kann es keinen abgeschlossenen Kanon bis 200 n. Chr. beweisen. Auch seine historischen Bemerkungen sind schematisch: Es lässt Paulus beim Schreiben an sieben Gemeinden „seinem Vorgänger Johannes“ folgen, was keine verlässliche Chronologie ist.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Datierung ins späte 2. Jahrhundert stützt sich vor allem auf zwei Dinge: die Angabe, Hermas habe den „Hirten“ „ganz kürzlich, in unseren Zeiten“ unter Pius geschrieben, dem Bischof von Rom in der Mitte des 2. Jahrhunderts, und die Gruppen, die die Liste verwirft (Markion, Valentinus, die Montanisten). Sundberg (1973) und Hahneman (1992) plädieren für eine östliche Liste des 4. Jahrhunderts, Rothschild (2018) für eine spätantike Fälschung. Ferguson, Hill, Verheyden, Schnabel und Guignard entgegnen, dass ein westlicher Kontext um 200 am besten passt. Schnabels Überblick von 2014 urteilt, dass die meisten Reaktionen auf Hahneman kritisch ausfallen. Die Wendung, die die ANF-Übersetzung von 1886 mit „gegen die Häresie Markions gerichtet“ wiedergibt, wird häufiger als „zur Unterstützung der Häresie Markions gefälscht“ gelesen.

**Andere Lesarten**

- **Östliche Liste des 4. Jahrhunderts.** Sundberg und Hahneman lesen „ganz kürzlich, in unseren Zeiten“ in einem weiten Sinn und ordnen den Text den Kanonverzeichnissen des 4. Jahrhunderts zu. Hahneman setzt ihn um 375 in Syrien oder Palästina an. Nach dieser Sicht zeigt die Liste die Rezeption derselben dreizehn paulinischen Briefe im 4. Jahrhundert, nicht im 2. Jahrhundert.
- **Spätantike Fälschung.** Rothschild vertritt, dass die Liste später verfasst und auf alt gemacht wurde, sodass ihr Verweis auf Pius ein literarischer Kunstgriff ist. Guignard entgegnet, dass Chromatius von Aquileia (gest. 407) den Text benutzte und dass sich ein griechisches Original schwer mit einer späten westlichen Fälschung vereinbaren lässt.
- **Identität der verworfenen Briefe.** Manche halten die verworfenen „Laodizener“ für Markions Titel des Briefes, den die Kirche den Brief an die Epheser nannte (Tertullian, Gegen Markion 5.17). Andere denken an einen eigenen pseudonymen Brief, etwa den kurzen lateinischen Laodizenerbrief, der in späteren lateinischen Bibeln steht. Der Brief „an die Alexandriner“ ist unbekannt, und ihn mit dem Brief an die Hebräer gleichzusetzen, ist Spekulation.

**Quellen**

- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3, on Philemon, Titus and Timothy (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3, on Laodiceans and Alexandrians (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 2, on Acts and Theophilus (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 2, on Peter's passion and Paul's journey to Spain (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 4 (ANF 5:604): <https://ccel.org/ccel/caius/fragments/anf05.v.iii.iii.html>
- ANF vol. 5 editors (editorial headnote), Ante-Nicene Fathers vol. 5, note to 'Canon Muratorianus', ANF 5:603, headnote (CCEL note 4977): <https://ccel.org/ccel/caius/fragments/anf05.v.iii.iii.html>
- Tertullian, Against Marcion, in Ante-Nicene Fathers vol. 3 (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Tertullian, Against Marcion, in Ante-Nicene Fathers vol. 3 (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.17: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Wikidata item: Muratorian fragment, Q692665: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q692665.json>

### Dionysius von Korinth, Gaius von Rom und Tertullian über den Tod des Paulus in Rom

Die Hinrichtung des Paulus in Rom beruht auf kirchlicher Überlieferung, nicht auf der Apostelgeschichte, die endet, bevor über seinen Prozess entschieden ist. Dionysius von Korinth (um 170) sagt, Petrus und Paulus hätten etwa zur selben Zeit das Martyrium erlitten. Gaius von Rom (um 200) verweist auf die „Siegeszeichen“ der Apostel auf dem Vatikan und an der Via Ostiensis, und Tertullian (um 200) deutet eine Enthauptung an. Das wichtigste frühere Zeugnis, 1. Clemensbrief 5 (meist um 96 datiert), nennt keinen Ort. Eusebius (frühes 4. Jahrhundert) spricht als Erster ausdrücklich von einer Freilassung und einer zweiten Gefangenschaft.

- **Datierung:** Dionysius von Korinth um 170 n. Chr. (Brief an die Gemeinde in Rom unter Bischof Soter); Gaius von Rom und Tertullian um 200 n. Chr.; die Kirchengeschichte des Eusebius entstand in mehreren Stufen und wurde in den 320er-Jahren abgeschlossen. Die Worte des Dionysius von Korinth und des Gaius von Rom sind nur als Zitate bei Eusebius erhalten.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 18,1–11; Apostelgeschichte 22,25–28; Apostelgeschichte 28,16; Apostelgeschichte 28,30–31; 1. Korinther 1,12; 1. Korinther 3,6–10; 1. Korinther 4,15; Römer 1,13; Römer 15,20–23; Römer 15,24–28; Philipper 1,25–26; Philipper 2,24; Philemon 1,22; 2. Timotheus 4,6–8; 2. Timotheus 4,16–18
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Überlieferte Darstellung

**Was es belegt**

- Dionysius von Korinth, der Bischof der Stadt, schrieb zur Zeit von Bischof Soter (um 170 n. Chr.) an die Gemeinde in Rom. Er sagte, Petrus und Paulus hätten in Korinth gepflanzt und gelehrt, gemeinsam in Italien gelehrt und „zur selben Zeit“ das Martyrium erlitten (Kirchengeschichte 2.25.8; der Brief wird in 4.23.9 datiert). McGiffert merkt an, dass die griechische Wendung einen gewissen zeitlichen Spielraum lässt und nicht denselben Tag bedeuten muss.
- Gaius von Rom, ein Kirchenmann, der um 200 n. Chr. unter Bischof Zephyrinus in Rom wirkte, sagte in einem Streit mit Proklus, einem Montanisten (der „phrygischen Häresie“), er könne die „Siegeszeichen“ der Apostel auf dem Vatikan und an der Via Ostiensis zeigen (Kirchengeschichte 2.25.6-7; 6.20.3). Um 200 n. Chr. verband die Gemeinde in Rom die Apostel also mit zwei bestimmten Gedenkstätten.
- Tertullian, Die Prozesseinrede gegen die Häretiker 36 (um 200 n. Chr.), sagt, Paulus habe seine Krone in Rom „durch einen Tod wie den des Johannes“ errungen, was die ANF-Herausgeber auf den Tod des Täufers beziehen, also auf Enthauptung. Derselbe Satz lässt den Apostel Johannes unversehrt in siedendes Öl getaucht werden; es handelt sich also um Überlieferung aus Rom, nicht um geprüfte Tatsachen. Auch das Bürgerrecht des Paulus (Apostelgeschichte 22,25–28) ließe eine Enthauptung erwarten, sodass die Einzelheit auch eine Schlussfolgerung sein könnte.
- In seinem Bericht über die Verfolgung unter Nero stellt Eusebius fest, dass Paulus in Rom enthauptet wurde (Kirchengeschichte 2.25.5). Er berichtet außerdem, Paulus sei nach seiner Verteidigung freigelassen worden und bei einem zweiten Aufenthalt in Rom als Märtyrer gestorben (2.22.2-8); er leitet dies mit „man sagt“ ein und begründet es aus 2. Timotheus 4. McGiffert (1890) hielt ihn für den ersten Autor, der dies ausdrücklich festhält.

**Was es nicht belegt**

- Keiner nennt die Anklage, den Prozess oder den Ort der Hinrichtung, und keiner datiert den Tod anders als durch die Verbindung mit Petrus oder mit Nero. Dionysius von Korinth und Gaius von Rom erreichen uns nur in Auszügen, die Eusebius ausgewählt hat. Tertullian kannte eine Schrift über Paulus und Thekla und verwarf sie als gefälscht; sie wird meist mit den Acta Pauli gleichgesetzt, deren Martyrium Nero ebenfalls Paulus enthaupten lässt; eine gemeinsame Überlieferung lässt sich nicht ausschließen.
- Gaius von Rom sagt nicht, dass die Siegeszeichen Gräber waren oder welche Stätte zu welchem Apostel gehörte. Sie als Grabstätten zu lesen, ist die Deutung des Eusebius. Die Zuweisung der Via Ostiensis an Paulus stammt aus der Überlieferung in Rom, nicht aus den Worten des Gaius von Rom.
- Kein Autor vor Eusebius spricht ausdrücklich von einer Freilassung und einer zweiten Gefangenschaft, obwohl 1. Clemensbrief 5 („die äußersten Grenzen des Westens“) und die Reise nach Spanien im Muratorischen Fragment eine Tätigkeit nach Apostelgeschichte 28 andeuten könnten. Die Rekonstruktion stützt sich darauf, dass 2. Timotheus von Paulus stammt und nach der Apostelgeschichte geschrieben wurde; beides ist umstritten.
- Dionysius von Korinth ist nicht in jeder Einzelheit zuverlässig. Seine Behauptung, Petrus und Paulus hätten gemeinsam die Gemeinden von Korinth und Rom gepflanzt, verträgt sich schlecht mit Apostelgeschichte 18,1–11 und den eigenen Briefen des Paulus (1. Korinther 3,6–10; 4,15; Römer 1,13; 15,20–23). McGiffert meinte, der auf Korinth bezogene Teil der Überlieferung sei wahrscheinlich zum Teil aus der Kephas-Gruppe von 1. Korinther 1,12 erwachsen.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die meisten Historiker nehmen an, dass Paulus in Rom starb. Offen ist, wie viel jedes Zeugnis unabhängig beiträgt. Die „Siegeszeichen“ des Gaius von Rom könnten Gräber oder Hinrichtungsstätten markieren. Eine Freilassung und zweite Gefangenschaft stehen und fallen weitgehend damit, dass 2. Timotheus ein eigener Brief des Paulus ist, geschrieben nach der Apostelgeschichte, was viele Forschende bezweifeln. Brent Shaw bestreitet, dass eine Verfolgung unter Nero Petrus und Paulus das Leben kostete. Christopher Jones verteidigt den Bericht des Tacitus über diese Verfolgung. Otto Zwierlein bestreitet, dass Petrus je in Rom war, was die Behauptung des Dionysius von Korinth berührt, die beiden hätten gemeinsam das Martyrium erlitten.

**Andere Lesarten**

- **Freilassung, weitere Mission, Tod unter Nero.** Paulus wurde nach den zwei Jahren von Apostelgeschichte 28,30–31 freigelassen und wirkte weiter, vielleicht im Osten und vielleicht in Spanien (Römer 15,24.28), bevor er Mitte der 60er-Jahre unter Nero ein zweites Mal verhaftet und hingerichtet wurde. Das ist die Darstellung des Eusebius, die meist von denen vertreten wird, die 2. Timotheus als Brief des Paulus anerkennen. Falls die Briefe an die Philipper und an Philemon aus der Haft in Rom stammen, erwartet Paulus dort seine Freilassung (Philipper 1,25–26; 2,24; Philemon 1,22).
- **Eine einzige Haft in Rom, die mit dem Tod endete.** Nach dieser Sicht wurde Paulus nie freigelassen. Die Haft, die Apostelgeschichte 28 beschreibt, endete mit seiner Hinrichtung, und die zweite Gefangenschaft wurde aus den Pastoralbriefen erschlossen. Schon McGiffert (1890) bemerkte, dass die meisten Forschenden, die die Echtheit der Pastoralbriefe bestreiten, auch eine zweite Gefangenschaft ablehnen.
- **Tod in Rom ohne neronische Verfolgung.** Brent Shaw vertritt, dass der Bericht des Tacitus über die Verfolgung von Christen durch Nero Vorstellungen aus der eigenen Zeit des Tacitus widerspiegelt. Trifft das zu, könnte die Verbindung zwischen dem Tod der Apostel und Nero eine spätere Konstruktion sein. Christopher Jones entgegnet, es gebe keinen Grund, den Bericht des Tacitus anzuzweifeln.
- **Das Martyrium des Petrus in Rom als spätere Konstruktion.** Otto Zwierlein vertritt, dass Petrus nie nach Rom gelangte. Er behandelt die paarweise Überlieferung von Petrus und Paulus, einschließlich des Briefes des Dionysius von Korinth, als literarische Entwicklung des zweiten Jahrhunderts. Das betrifft die Behauptung eines gemeinsamen Martyriums stärker als den Tod des Paulus in Rom, da schon die Apostelgeschichte selbst Paulus dorthin bringt.

**Quellen**

- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.6-7: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.8: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.25.5: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 2.22.2: <https://www.newadvent.org/fathers/250102.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 4.23.9: <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- Eusebius of Caesarea, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 6.20.3: <https://www.newadvent.org/fathers/250106.htm>
- Tertullian, The Prescription against Heretics (Peter Holmes, 1885), Praescr. 36, on Peter and Paul: <https://www.newadvent.org/fathers/0311.htm>
- Tertullian, The Prescription against Heretics (Peter Holmes, 1885), Praescr. 36, on the apostle John: <https://www.newadvent.org/fathers/0311.htm>
- ANF editors, The Prescription against Heretics, ANF vol. 3, footnote, Praescr. 36, ANF footnote on 'a death like John's' (CCEL note 2235): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf03.v.iii.xxxvi.html>
- Arthur Cushman McGiffert, Church History of Eusebius, NPNF2 vol. 1, notes, Note on HE 2.22.2 (CCEL footnote 474), opening: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxiii.html>
- Arthur Cushman McGiffert, Church History of Eusebius, NPNF2 vol. 1, notes, Note on HE 2.22.2 (CCEL footnote 474), on the second imprisonment: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxiii.html>
- Arthur Cushman McGiffert, Church History of Eusebius, NPNF2 vol. 1, notes, Note on HE 2.25.8 (CCEL footnote 555): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxvi.html>
- Arthur Cushman McGiffert, Church History of Eusebius, NPNF2 vol. 1, notes, Note on HE 2.25.8 (CCEL footnote 556): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf201.iii.vii.xxvi.html>
- Tertullian, On Baptism (S. Thelwall, 1885), De bapt. 17: <https://www.newadvent.org/fathers/0321.htm>
- Clement of Rome, First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 5: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>
- Wikidata item: Caius (early 3rd-century Christian author), Q2441699: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q2441699.json>
- Pleiades place record: Via Ostiensis, 390205932: <https://pleiades.stoa.org/places/390205932/json>

### Markions Ausgabe von zehn Briefen des Paulus (das „Apostolikon“)

Markion aus Pontus, der um die Mitte des zweiten Jahrhunderts lehrte, benutzte eine Ausgabe von zehn paulinischen Briefen, an deren Spitze der Brief an die Galater stand. Ihr fehlten 1. Timotheus, 2. Timotheus und Titus, und nach Tertullian gab sie dem Brief an die Epheser den Titel „An die Laodizener“. Sie ist verloren und nur durch Gegner bekannt, vor allem durch Tertullian (ab etwa 207) und Epiphanius (späteres 4. Jahrhundert). Sie zeigt, dass bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts zehn Briefe zu einer Ausgabe zusammengestellt worden waren. Für sich allein kann sie die Pastoralbriefe nicht datieren.

- **Datierung:** Mitte des zweiten Jahrhunderts. Tertullian setzt Markion unter Antoninus Pius (138–161) an; das Datum der Ausgabe selbst ist unbekannt und könnte früher liegen. Der hier angegebene Zeitraum 138–161 ist dieses Fenster der Wirksamkeit Markions, kein Datum für die Ausgabe.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung (verloren; rekonstruiert aus Zitaten bei Tertullian, Epiphanius und anderen)
- **Bezieht sich auf:** Kolosser 4,16; Epheser 1,1; Epheser 2,12; 1. Timotheus 6,7; 1. Timotheus 6,10
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Durch Quellen gestützt

**Was es belegt**

- Markion wirkte um die Mitte des zweiten Jahrhunderts. Justin der Märtyrer, zitiert bei Eusebius (Kirchengeschichte 4.11.9), beschreibt ihn als noch lebend und lehrend. Tertullian nennt ihn einen Häretiker aus der Regierungszeit des Antoninus Pius, 138–161 (Gegen Markion 1.19.2). Schon Irenäus wirft ihm vor, aus den Briefen des Paulus alles herausgeschnitten zu haben, was den Schöpfer der Welt als Vater von Christus bezeichnete (Gegen die Häresien 1.27.2).
- Tertullian widerlegt im fünften Buch von Gegen Markion zehn Briefe in dieser Reihenfolge: Galater, 1. Korinther und 2. Korinther, Römer, 1. Thessalonicher und 2. Thessalonicher, „Laodizener“ (Epheser), Kolosser, Philipper und Philemon. Epiphanius (Panarion 42), ein späterer Zeuge, der nach eigener Aussage aus Markions eigenem Text argumentiert, nennt dieselben zehn mit Galater an erster Stelle, nennt aber Epheser und setzt Philemon an die neunte und Philipper an die zehnte Stelle.
- 1. Timotheus, 2. Timotheus und Titus waren nicht in der Ausgabe enthalten. Tertullian sagt, Markion habe den kurzen persönlichen Brief an Philemon angenommen, die Briefe an Timotheus und Titus aber verworfen (Gegen Markion 5.21.1). Der Brief an die Hebräer erscheint in keiner der beiden Listen.
- Im markionitischen Gebrauch trug der Brief, den die Kirche als Brief an die Epheser kannte, den Titel „An die Laodizener“. Tertullian sagt bei der Besprechung von Epheser 2,12, die Häretiker meinten, er sei an die Laodizener geschrieben, und lastet den neuen Titel Markion an (Gegen Markion 5.11.12; 5.17.1). Epiphanius (Panarion 42) führt dagegen Epheser auf, sagt aber, Markion habe auch Teile eines sogenannten „Laodizenerbriefs“ gehabt.

**Was es nicht belegt**

- Sie gibt nicht Markions genauen Wortlaut wieder. Der Text ist nur in feindseligen Zitaten und Paraphrasen erhalten, daher weichen moderne Rekonstruktionen voneinander ab, und manche Lesarten, die Markion angelastet werden, könnten ältere Varianten sein, die er übernahm.
- Sie zeigt nicht, wann oder von wem die Pastoralbriefe geschrieben wurden. Ihr Fehlen passt zu Tertullians Behauptung, Markion habe sie verworfen. Es ist aber auch damit vereinbar, dass Markion sie nicht kannte oder dass sie später geschrieben wurden.
- Sie zeigt nicht, dass der Brief an die Epheser ursprünglich nach Laodizea geschickt wurde. Markions Titel könnte eine Schlussfolgerung aus Kolosser 4,16 sein, angewandt auf eine Abschrift ohne die Ortsangabe Ephesus. Tertullian behandelt den Titel als Neuerung Markions.
- Sie zeigt nicht, dass Markion die Sammlung der paulinischen Briefe erfand oder dass das Neue Testament der Kirche bloß eine Reaktion auf ihn war.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen bleiben offen. Erstens: Hat Markion diese Ausgabe zusammengestellt oder übernommen, und wie viel hat er verändert? Seine Kritiker behaupten gezielte Streichungen (Tertullian, Gegen Markion 5.13.4). Clabeaux und Schmid vertreten, dass viele seiner Lesarten bereits im Umlauf waren, er also an einer übernommenen Sammlung arbeitete. Zweitens: Bedeutet das Fehlen von 1. Timotheus, 2. Timotheus und Titus, dass er sie verwarf, wie Tertullian sagt? Vielleicht kannte er sie nicht, oder sie waren noch nicht geschrieben. Drittens: Bewahrt „Laodizener“ eine echte Adresse für einen Brief, dessen Ortsangabe Ephesus in mindestens einer frühen Abschrift (P46) fehlt? Oder hat Markion sie aus Kolosser 4,16 erschlossen?

**Andere Lesarten**

- **Eine übernommene, leicht bearbeitete Ausgabe.** Clabeaux (1989) und Schmid (1995) vertreten, dass Markion eine bestehende Ausgabe der Briefe des Paulus benutzte. Viele Lesarten, die seine Kritiker ihm anlasteten, erscheinen auch in anderen frühen Textformen. Nach dieser Sicht waren seine gezielten Änderungen weniger, als Tertullian und Epiphanius nahelegen.
- **Pastoralbriefe zur Zeit Markions geschrieben (von Campenhausen).** Eine Minderheitsmeinung, vertreten von von Campenhausen (1951), datiert 1. Timotheus, 2. Timotheus und Titus in die Mitte des zweiten Jahrhunderts und schlägt Polykarp oder einen Zeitgenossen als Verfasser vor, der teilweise gegen markionähnliche Lehre schrieb. Nach dieser Sicht fehlten die Briefe in Markions Ausgabe, weil sie neu oder noch nicht im Umlauf waren.
- **Pastoralbriefe existierten vor Markion.** Ob von Paulus geschrieben (wie Johnson vertritt) oder von einem späteren Anhänger um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrhundert: Die Briefe existierten bereits, und Markion schloss sie aus, wie Tertullian sagt. Falls Polykarps Brief an die Philipper (4.1) an 1. Timotheus 6,7 und 6,10 anklingt, war 1. Timotheus vor Markion bekannt, auch wenn ein gemeinsames Sprichwort die Übereinstimmung erklären könnte.
- **„Laodizener“ als echte Adresse.** Mindestens eine frühe Abschrift des Briefes an die Epheser (P46) nennt im Eingangsvers keine Stadt; deshalb verstehen einige Forschende den Brief als Rundschreiben oder als für Laodizea bestimmt und setzen ihn mit dem Brief aus Kolosser 4,16 gleich. Das Muratorische Fragment erwähnt einen gefälschten „Laodizenerbrief“, der mit der Häresie Markions verbunden ist, vielleicht ein anderer Brief. Salmond gibt das Lateinische mit „gerichtet gegen“ wieder; andere Übersetzer verstehen es als „zur Förderung der Häresie Markions geschrieben“.
- **Markion als Auslöser des Kanons.** Harnack, Knox und von Campenhausen sahen in Markions zweiteiliger Schrift, einem Evangelium und dem „Apostel“, einen entscheidenden Anstoß für das Neue Testament der Kirche. Trobisch und andere vertreten, dass die Briefe des Paulus schon lange vor Markion gesammelt wurden. Nach dieser Sicht spiegelt seine Ausgabe eine bestehende Praxis wider, statt sie zu begründen.

**Quellen**

- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21.1: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.17.1: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.11.12: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.13.4: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 1.19.2: <https://www.newadvent.org/fathers/03121.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 1.15: <https://www.newadvent.org/fathers/03121.htm>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 1.27.2: <https://www.newadvent.org/fathers/0103127.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 4.11.9 (quoting Justin): <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, sec. 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Polycarp, Epistle of Polycarp to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Phil. 4.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>
- INTF NTVMR transcription of P46, P46 folio 75r: <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/transcript/get/?docid=10046&pageID=1310&format=xhtml>

### Irenäus von Lyon über die Pastoralbriefe und die Verfasserschaft der Apostelgeschichte

Irenäus von Lyon, der um 180 n. Chr. „Gegen die Häresien“ schrieb, zitiert die Briefe an Timotheus und Titus ausdrücklich als Briefe des Paulus und sagt, dass Lukas, den er den untrennbaren Begleiter des Paulus nennt, sowohl das Evangelium als auch die Apostelgeschichte geschrieben habe. Er gehört zu den frühesten datierbaren Zeugen für beide Zuschreibungen. Das zeigt, wie diese Bücher zu jener Zeit aufgenommen wurden; die Verfasserfrage entscheidet es nicht, da sich seine Begründung für die Begleiterschaft des Lukas teilweise auf die Apostelgeschichte selbst stützt.

- **Datierung:** Um 180 n. Chr. (Buch III entstand, als Eleutherius Bischof von Rom war; Eusebius gibt ihm dreizehn Jahre, die im zehnten Jahr des Commodus enden, um 189)
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung (vollständig nur in einer antiken lateinischen Übersetzung; griechische Teile sind in Zitaten bei Hippolyt, Epiphanius und Eusebius erhalten)
- **Bezieht sich auf:** 1. Timotheus 1,4; 1. Timotheus 6,7; 1. Timotheus 6,10; 1. Timotheus 6,20; 2. Timotheus 4,10–11; 2. Timotheus 4,21; Titus 3,10; Kolosser 4,14; Galater 2,1–2; Apostelgeschichte 9,15–16; Apostelgeschichte 11,27–30; Apostelgeschichte 15,1–4; Apostelgeschichte 16,8–13; Apostelgeschichte 20,5–6; Apostelgeschichte 27,1–28,16
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Im Text bezeugt

**Was es belegt**

- Um 180 n. Chr. wurden die Briefe an Timotheus und Titus in den Gemeinden, für die Irenäus spricht, bereits als Briefe des Paulus gelesen. Er nennt Paulus, wenn er 2. Timotheus (Gegen die Häresien 3.3.3; 3.14.1) und Titus (1.16.3; 3.3.4) zitiert, zitiert in seiner einleitenden Vorrede 1. Timotheus 1,4 als Worte „des Apostels“ und gibt dem Werk einen Titel, der 1. Timotheus 6,20 entnommen ist (5, Vorrede; Eusebius, Kirchengeschichte 5.7.1).
- Irenäus nennt Lukas, den er als Begleiter des Paulus bezeichnet, als Verfasser des dritten Evangeliums (3.1.1) und behandelt die Apostelgeschichte als Werk des Lukas. Er zitiert die Wir-Berichte von Apostelgeschichte 16 und 20 und fasst den Rest der Reise bis zur Seereise nach Puteoli und Rom als eigenen Bericht des Lukas über Ereignisse zusammen, die er miterlebt habe (3.14.1). Außerdem schreibt er Lukas die Berichte der Apostelgeschichte über die Berufung des Paulus zu (3.15.1).
- Er liest die Apostelgeschichte zusammen mit den Briefen des Paulus. Er argumentiert, dass der Besuch in Jerusalem aus Galater 2,1–2 derjenige ist, den Apostelgeschichte 15,2 berichtet und der wegen der Frage der Beschneidung unternommen wurde, sodass die Aussage des Paulus mit dem Bericht des Lukas übereinstimmt (3.13.3). Ob Galater 2 Apostelgeschichte 15 entspricht oder dem Besuch während der Hungersnot aus Apostelgeschichte 11,27–30, ist nach wie vor umstritten.
- Buch III lässt sich in die Amtszeit des Eleutherius datieren. Seine Liste der römischen Bischöfe reicht von Linus, den Irenäus mit dem Linus der Briefe an Timotheus gleichsetzt, bis zu Eleutherius als gegenwärtigem Bischof (3.3.3). Eusebius zitiert die Liste auf Griechisch und sagt, darauf gestützt, das Werk sei unter Eleutherius verfasst worden (Kirchengeschichte 5.5.9; 5.6.1).

**Was es nicht belegt**

- Es beweist für sich genommen nicht, dass Paulus die Pastoralbriefe oder Lukas die Apostelgeschichte geschrieben hat. Irenäus schreibt mehr als ein Jahrhundert nach Paulus, mitten in einer Auseinandersetzung mit Häretikern, und seine Begründung für die Begleiterschaft des Lukas stützt sich teilweise auf die Wir-Berichte der Apostelgeschichte, Kolosser 4,14 und 2. Timotheus 4,11 selbst.
- Es ist nicht die erste Spur dieser Bücher. Der Brief des Polykarp an die Philipper (4.1) weist frühere Parallelen zu 1. Timotheus auf, nennt Paulus jedoch nicht. Irenäus markiert die ausdrückliche Zuschreibung, nicht die erste Verwendung. Er steht damit auch nicht allein: Das Muratorische Fragment, dessen Datierung umstritten ist, schreibt die Apostelgeschichte ebenfalls Lukas zu und führt einen Brief an Titus und zwei an Timotheus unter denen des Paulus auf.
- Seine Nachfolgeliste mit Linus als erstem Bischof von Rom ist kirchliche Überlieferung des späten zweiten Jahrhunderts. Sie bestätigt nicht unabhängig, wie die Gemeinde in Rom zu Lebzeiten des Paulus organisiert war.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Die Forschung ist uneins darüber, was das Zeugnis des Irenäus beweist. Viele kritische Forschende halten die Pastoralbriefe für pseudonym und bezweifeln, dass ein Begleiter des Paulus die Apostelgeschichte geschrieben hat; manche datieren die Apostelgeschichte ins zweite Jahrhundert, wobei Tyson sie mit der Kontroverse um Markion verbindet. Nach dieser Sicht bezeugt Irenäus die Rezeption, nicht den Ursprung. Andere meinen, dass seine durchgängigen Zuschreibungen eine frühere Überlieferung bewahren, die zu den Texten passt. Tertullian sagt, Markion habe die Pastoralbriefe verworfen; in der Forschung ist umstritten, ob Markion sie verwarf oder nie kannte.

**Andere Lesarten**

- **Ein späterer Konsens.** Um 180 waren diese Zuschreibungen in den Gemeinden, die Irenäus in Gallien, Rom und Asia kannte, gefestigt, doch Jahrzehnte des Umlaufs konnten einen solchen Konsens hervorbringen. Nach dieser Sicht könnten die Pastoralbriefe nachpaulinisch und die Apostelgeschichte das Werk eines späteren Verfassers sein, und Irenäus bezeugt nur die Rezeption.
- **Bewahrte frühere Überlieferung.** Irenäus sagt, er habe in seiner Jugend Polykarp gesehen, und beruft sich auf von Aposteln gegründete Gemeinden. Nach dieser Sicht gibt er eine Überlieferung weiter, die bereits feststand. Zusammen mit den Wir-Berichten der Apostelgeschichte stützt sie die Verfasserschaft des Lukas für die Apostelgeschichte und ist mit der Verfasserschaft des Paulus für die Pastoralbriefe vereinbar.
- **Teilweise ein Rückschluss aus den Texten.** Irenäus könnte Lukas identifiziert haben, indem er die Wir-Berichte der Apostelgeschichte zusammen mit Kolosser 4,14 und 2. Timotheus 4,11 las. Wenn das zutrifft, ist sein Zeugnis nicht völlig unabhängig von den neutestamentlichen Belegen, die es stützen soll.

**Quellen**

- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 1, preface 1 (ANF editors' note identifies 1 Tim 1:4): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.ii.i.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.1.1: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.iv.ii.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.3.3: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.iv.iv.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.3.4 (Titus 3:10 cited as Paul's): <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.iv.iv.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.13.3: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.iv.xiv.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.14.1: <https://www.ccel.org/ccel/schaff/anf01.ix.iv.xv.html>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.15.1: <https://www.newadvent.org/fathers/0103315.htm>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 1.16.3 (Titus 3:10 cited as Paul's command): <https://www.newadvent.org/fathers/0103116.htm>
- Irenaeus, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 5, preface (the work's title adopts the phrase of 1 Tim 6:20): <https://www.newadvent.org/fathers/0103500.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.5.9: <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.6.1 (Greek text of Haer. 3.3.3): <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.7.1 (title Irenaeus gave his five books): <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.8.3 (Greek text of Haer. 3.1.1): <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>
- Eusebius, Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.22: <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>
- Muratorian Fragment (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, section 2 (printed in ANF 5 among the 'Fragments of Caius'): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Muratorian Fragment (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, section 3 (printed in ANF 5 among the 'Fragments of Caius'): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>
- Polycarp, Epistle to the Philippians (Alexander Roberts and James Donaldson, 1885), Phil. 4.1 (parallels 1 Tim 6:7, 10 without naming Paul): <https://www.newadvent.org/fathers/0136.htm>

### Die Akten des Paulus und der Thekla und die früheste Beschreibung des Paulus

Die Akten des Paulus und der Thekla zeigen, wie sich Christen des zweiten Jahrhunderts an Paulus erinnerten und ihn sich vorstellten; sie sind kein unabhängiger Bericht über seine Reisen. Diese romanhafte Erzählung, eine Episode der Paulusakten, die auch gesondert umlief, enthält die früheste bekannte Beschreibung des Aussehens des Paulus. Tertullian, der um 200 n. Chr. schrieb, sagt, ein Ältester in Asia habe aus Liebe zu Paulus eine Thekla-Schrift unter dem Namen des Paulus verfasst und sei seines Amtes enthoben worden.

- **Datierung:** Verfasst vor Tertullians Schrift Über die Taufe (um 200 n. Chr.; Ramsay setzte sie um 195 an), wahrscheinlich um 150–200 n. Chr.; M. R. James (1924) schlug etwa 160 n. Chr. vor. Die erhaltenen Handschriften sind viel jünger.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Textüberlieferung (Griechisch, mit koptischen, lateinischen, syrischen und weiteren Versionen)
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 13,50–51; 2. Timotheus 1,15–18; 2. Timotheus 2,17–18; 2. Timotheus 3,11; 2. Timotheus 4,10; 2. Timotheus 4,19; 2. Korinther 10,10; Galater 4,13–14
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Überlieferte Darstellung

**Was es belegt**

- Um 200 n. Chr. verwendete eine Schrift unter dem Namen des Paulus das Beispiel der Thekla, um das Lehren und Taufen durch Frauen zu verteidigen. Tertullian sagt, ein Ältester in Asia habe sie verfasst, als wolle er zum Ruhm des Paulus etwas hinzufügen, und sei, nachdem er überführt worden war und gestanden hatte, dies aus Liebe zu Paulus getan zu haben, seines Amtes enthoben worden (Über die Taufe 17.5).
- Sie bietet die früheste bekannte Beschreibung des Aussehens des Paulus: klein, kahlköpfig, mit krummen Beinen, kräftig gebaut, mit zusammengewachsenen Augenbrauen und etwas langer Nase, voller Gnade, bald wie ein Mensch erscheinend, bald mit dem Gesicht eines Engels (Akten des Paulus und der Thekla 3).
- Sie beginnt damit, dass Paulus nach einer Flucht aus Antiochia in Pisidien nach Ikonion hinaufzieht, wie in Apostelgeschichte 13,50–51, während Onesiphorus auf der Straße nach Lystra auf ihn wartet (vgl. 2. Timotheus 3,11). Sie verwendet Namen, die auch in 2. Timotheus vorkommen (Demas, Hermogenes, Onesiphorus, Titus), und schreibt Demas und Hermogenes die Lehre zu, die Auferstehung sei bereits geschehen, die 2. Timotheus 2,17–18 Hymenäus und Philetus zuschreibt.
- Zu Beginn des vierten Jahrhunderts zählte Eusebius die Paulusakten zu den „verworfenen“ Schriften außerhalb der anerkannten Bücher (Kirchengeschichte 3.25.4).

**Was es nicht belegt**

- Sie zeigt nicht, wie Paulus aussah. Das Porträt wurde vielleicht neunzig Jahre oder mehr nach seinem Tod geschrieben, und sein angegebener Gewährsmann, Titus, gehört selbst zur Erzählung.
- Sie ist kein unabhängiger Zeuge für die Apostelgeschichte. Ihre Orte und Namen können aus der Apostelgeschichte und 2. Timotheus stammen, sodass die Übereinstimmung mit ihnen keine eigenständige Bestätigung liefert.
- Sie bestätigt weder die Prozesse der Thekla noch ihre Wunder noch die Rolle der Königin Tryphaena darin. Selbst wenn Tryphaena die historische Klientelkönigin ist, mit der James und Ramsay sie identifizierten, beglaubigt die Nennung einer realen Person die Episode nicht.
- Tertullian kennzeichnet das Werk nur durch seine Verwendung des Beispiels der Thekla. Dass sein Text Episode für Episode mit den erhaltenen Akten des Paulus und der Thekla übereinstimmte, ist nicht erwiesen; die Handschriften sind viel jünger, und die Textzeugen weichen voneinander ab (Walkers Ausgabe druckt einen alternativen Schluss aus der Handschrift von Grabe).

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Zwei Fragen bleiben offen. Erstens: Bewahrt das Porträt des Paulus Erinnerung? Ramsay urteilte, seine schlichten, wenig schmeichelhaften Einzelheiten verkörperten sehr frühe Überlieferung und seine lokale Geografie zeige einen Verfasser, der die Gegend kannte; andere lesen die Merkmale vor dem Hintergrund griechischer Konventionen zur Beschreibung von Körper und Charakter, was es zu einem literarischen Porträt machen würde. Zweitens: Wie verhält sich die Erzählung zu 2. Timotheus, mit dem sie Namen teilt? Ihr Verfasser könnte sie dem Brief entnommen haben, oder, wie MacDonald argumentierte, beide könnten umstrittene mündliche Erzählungen über Paulus widerspiegeln.

**Andere Lesarten**

- **Frühe lokale Erinnerung.** W. M. Ramsay (1893) argumentierte, das schlichte, wenig schmeichelhafte Porträt verkörpere sehr frühe Überlieferung und die „Königsstraße“ nach Lystra in der Erzählung, ein Name, der nach seiner Auffassung nach 74 n. Chr. außer Gebrauch kam, zeige einen Verfasser des ersten Jahrhunderts, der die Gegend kannte. Ramsay selbst behauptete nicht, die Ereignisse seien historisch. M. R. James (1924) berichtete, Ramsays Theorie einer älteren schriftlichen Thekla-Erzählung habe keine allgemeine Zustimmung gefunden.
- **Literarisches Porträt.** Die Merkmale folgen griechischen Konventionen zur Beschreibung von Körper und Charakter eines Menschen; in diesem Zusammenhang las Abraham Malherbe (1986) das Porträt. Nach dieser Lesart zeigt es, wie sich Christen des zweiten Jahrhunderts Paulus vorstellten, nicht, wie er aussah. Wenn die Merkmale konventionell sind, ist ihre scheinbare Schlichtheit keine Gewähr für frühe Erinnerung.
- **Rückschluss aus den Briefen.** Spätere Verfasser könnten sich eine unscheinbare Gestalt aus den eigenen Briefen des Paulus ausgemalt haben, in denen Kritiker seine leibliche Gegenwart schwach nennen (2. Korinther 10,10), er an eine körperliche Schwäche in Galatien erinnert und sagt, die Galater hätten ihn wie einen Engel von Gott aufgenommen (Galater 4,13–14) – eine mögliche Quelle für das engelhafte Gesicht des Porträts.
- **Mündliche Legende hinter den Pastoralbriefen.** Dennis MacDonald (1983) argumentierte, dass Erzählungen über Paulus und Thekla als mündliche Legenden umliefen, bevor sie in die Paulusakten aufgenommen wurden, und dass die Pastoralbriefe teilweise geschrieben wurden, um solchen Legenden entgegenzuwirken. Nach dieser Sicht hat die Erzählung ihre Namen nicht einfach aus 2. Timotheus übernommen.

**Quellen**

- Anonymous, Acts of Paul and Thecla (Ante-Nicene Fathers vol. 8) (Alexander Walker, 1886), Acts of Paul and Thecla 1 (section numbers as in James 1924): Paul goes up to Iconium: <https://www.newadvent.org/fathers/0816.htm>
- Anonymous, Acts of Paul and Thecla (Ante-Nicene Fathers vol. 8) (Alexander Walker, 1886), Acts of Paul and Thecla 3 (section numbers as in James 1924): Onesiphorus waits on the road to Lystra: <https://www.newadvent.org/fathers/0816.htm>
- Anonymous, Acts of Paul and Thecla (Ante-Nicene Fathers vol. 8) (Alexander Walker, 1886), Acts of Paul and Thecla 3 (section numbers as in James 1924): description of Paul: <https://www.newadvent.org/fathers/0816.htm>
- Anonymous, Acts of Paul and Thecla (Ante-Nicene Fathers vol. 8) (Alexander Walker, 1886), Acts of Paul and Thecla 14 (section numbers as in James 1924): Demas and Hermogenes on the resurrection: <https://www.newadvent.org/fathers/0816.htm>
- Anonymous, Acts of Paul and Thecla (Ante-Nicene Fathers vol. 8) (Alexander Walker, 1886), Acts of Paul and Thecla, editor's note introducing the alternative ending from Grabe's manuscript: <https://www.newadvent.org/fathers/0816.htm>
- Tertullian, On Baptism (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (S. Thelwall, 1885), On Baptism 17.5 (Thecla's example): <https://www.newadvent.org/fathers/0321.htm>
- Tertullian, On Baptism (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (S. Thelwall, 1885), On Baptism 17.5: <https://www.newadvent.org/fathers/0321.htm>
- Eusebius, Church History (Nicene and Post-Nicene Fathers, Series II vol. 1) (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 3.25.4: <https://www.newadvent.org/fathers/250103.htm>

## Klassische Studien

### William Paleys Horae Paulinae (1790): unbeabsichtigte Übereinstimmungen zwischen der Apostelgeschichte und den Briefen des Paulus

William Paleys Horae Paulinae (1790) vergleicht die Briefe des Paulus mit der Apostelgeschichte und argumentiert, dass scheinbar ungeplante Übereinstimmungen zeigen, dass beide auf realen Ereignissen beruhen. Sein Hauptbeispiel ist die Kollekte für Jerusalem, die Römer 15 an einer Stelle darlegt, während die Apostelgeschichte sowie 1. Korinther und 2. Korinther sie in verstreuten Stücken liefern. Es handelt sich um ein Argument aus innerem Vergleich, nicht um neue Belege, und es trägt nur, wenn die Übereinstimmungen ungeplant und unabhängig sind, was manche Forschende bestreiten.

- **Datierung:** 1790 (Erstveröffentlichung); Zitate hier nach den gesammelten Works von 1819
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Gedrucktes Buch; der Dubliner Druck von 1790 und die Works von 1819 sind auf archive.org digitalisiert
- **Bezieht sich auf:** Römer 15,24–28; Apostelgeschichte 20,2–3; Apostelgeschichte 20,16; Apostelgeschichte 24,17–19; 1. Korinther 16,1–4; 2. Korinther 8,1–4; 2. Korinther 9,2; 1. Korinther 4,17–19; 1. Korinther 16,10–11; Apostelgeschichte 19,21–22; Apostelgeschichte 16,1; 2. Timotheus 1,5; 2. Timotheus 3,15; Galater 2,1–10; Apostelgeschichte 15,1–29
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- Paleys Test (Kap. 1): Eine Übereinstimmung zwischen einer Geschichtsdarstellung und Briefen gilt nur dann als Beleg, wenn sie ungeplant wirkt. Eine aus den Briefen zusammengestellte Geschichtsdarstellung, aus der Geschichtsdarstellung gefälschte Briefe oder beide aus einer gemeinsamen Quelle geschöpft würden allesamt beabsichtigte Übereinstimmung hervorbringen. Er wendet den Test auf die Apostelgeschichte und dreizehn Briefe an und nummeriert jeden Fall, sodass Lesende einen schwachen verwerfen können, ohne die übrigen zu verwerfen.
- Sein Hauptbeispiel (Kap. 2, Nr. 1) beruht auf einer stichhaltigen Textbeobachtung. Römer 15,25–26 verbindet die Gaben aus Makedonien und Achaja mit einer bevorstehenden Reise nach Jerusalem. Apostelgeschichte 20,2–3 und 20,16 nennen den Aufenthalt in Griechenland und das Drängen nach Jerusalem, aber keine Kollekte, die die Apostelgeschichte nur in der Verteidigungsrede des Paulus vor Felix erwähnt (24,17). 1. Korinther 16,1–4 sowie 2. Korinther 8,1–4 und 9,2 liefern das Geben in Achaja und Makedonien.
- Ein zweites Beispiel (Kap. 3, Nr. 3–4): Apostelgeschichte 19,21–22 schickt Timotheus und Erastus vor Paulus nach Makedonien. 1. Korinther 4,17 sagt, Timotheus sei bereits gesandt worden, während 16,10–11 seine Ankunft in Korinth als ungewiss behandelt. Paley bringt beides durch eine Route über Makedonien in Einklang. Diese Route ist sein eigener Rückschluss, und er stellt sie als wahrscheinlich, nicht als ausdrücklich bezeugt dar.
- Beide Hauptbeispiele hängen nur von Briefen ab, die fast alle Forschenden als Briefe des Paulus anerkennen (Römer, 1. Korinther und 2. Korinther).

**Was es nicht belegt**

- Dass die Apostelgeschichte durchweg zutreffend ist. Die Übereinstimmungen betreffen Reisepläne, Begleiter und eine Kollekte, nicht die Reden, die Wunder oder die Deutung der Ereignisse durch den Erzähler.
- Dass alle dreizehn Briefe, die Paley heranzog, von Paulus stammen. Seine Beispiele aus umstrittenen Briefen wie 2. Timotheus sind nur so stark wie die Gründe dafür, diese Briefe in die Lebenszeit des Paulus zu datieren.
- Dass die Übereinstimmungen zweifelsfrei unabhängig sind. Wenn der Verfasser der Apostelgeschichte die Briefe kannte, wären einige Übereinstimmungen abhängig statt bestätigend.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Paleys Schluss trägt nur, wenn die Übereinstimmungen unabhängig sind. Seit F. C. Baur haben viele kritische Forschende die Apostelgeschichte als spätere, gestaltete Darstellung gelesen, und die meisten erkennen nur sieben Briefe als sicher von Paulus stammend an. Richard Pervo argumentierte, die Apostelgeschichte stamme aus dem frühen zweiten Jahrhundert und habe die Briefe des Paulus benutzt – genau die Abhängigkeit, die Paleys Test ausschließen will. Die Antwort der Methode, von Paley bis Lydia McGrew, lautet, die Übereinstimmungen seien zu indirekt, um Entlehnungen zu sein: In Paleys Beispielen erwähnt die Apostelgeschichte die Kollekte kaum und schickt Timotheus in 19,22 nur nach Makedonien. Ob solches Schweigen zufällig oder absichtlich ist, ist selbst umstritten. Viele Forschende meinen, der Verfasser der Apostelgeschichte habe die Briefe nicht gekannt, womit sie Paleys Unabhängigkeitsprämisse zugestehen. Sie entgegnen stattdessen, dass Übereinstimmungen bei Reisen und Begleitern gute Informationen über die Bewegungen des Paulus belegen, nicht die Genauigkeit der Reden oder der Theologie der Apostelgeschichte, und sie geben den Briefen den Vorrang, wo beide einander widersprechen (Knox).

**Andere Lesarten**

- **Die Apostelgeschichte benutzte die Briefe.** Einige Forschende, namentlich Richard Pervo, meinen, der Verfasser der Apostelgeschichte habe mehrere Briefe des Paulus gekannt. Nach dieser Sicht sind einige Übereinstimmungen Entlehnungen, keine unabhängigen Bestätigungen. Die lockere Passung, auf die Paley hinweist (die Apostelgeschichte schweigt fast ganz über die Kollekte, Timotheus wird nur nach Makedonien geschickt), würde dann bedeuten, dass die Briefe frei benutzt statt abgeschrieben wurden.
- **Das Schweigen ist absichtlich.** Einige Kommentatoren erklären das Beinahe-Schweigen der Apostelgeschichte über die Kollekte als bewusste Zurückhaltung, etwa wenn die Gabe kühl aufgenommen wurde oder mit der Verhaftung des Paulus verknüpft war. Das würde die Auslassung zu einer beabsichtigten statt einer zufälligen machen. Es würde dennoch voraussetzen, dass der Verfasser von der Kollekte wusste.
- **Ein späterer Brief benutzte die Apostelgeschichte.** Viele kritische Forschende halten 2. Timotheus für nach der Lebenszeit des Paulus geschrieben. Ein späterer Verfasser könnte die jüdische Mutter des Timotheus aus Apostelgeschichte 16,1 übernommen haben, was Paley als unbeabsichtigte Übereinstimmung mit 2. Timotheus 1,5 und 3,15 anführt (Kap. 12, Nr. 2–3). Diese Beispiele haben daher nur für Lesende Gewicht, die den Brief bereits in die Zeit des Paulus datieren.
- **Übereinstimmungen gezählt, Spannungen ausgeblendet.** Kritiker der Methode wenden ein, dass eine Liste von Übereinstimmungen die Sache überzeichnen kann, wenn nicht Spannungen, etwa die zwischen Galater 1–2 und der Apostelgeschichte über die Besuche des Paulus in Jerusalem, mit abgewogen werden. Paley selbst erörtert die Lücke zwischen Galater 2 und Apostelgeschichte 15 und argumentiert, sie zeige, dass keiner der beiden Verfasser auf den anderen zurückgriff; seine Verteidiger fügen hinzu, dass jede Übereinstimmung für sich beurteilt werden muss.

**Quellen**

- William Paley, Horae Paulinae, ch. 1 (Exposition of the Argument); Works (London, 1819) vol. 2, p. 132: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 1 (Exposition of the Argument); Works (London, 1819) vol. 2, p. 133: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 1 (Exposition of the Argument); Works (London, 1819) vol. 2, p. 139: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 2 (Romans), no. 1; Works (London, 1819) vol. 2, p. 145: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 3 (First Corinthians), no. 3; Works (London, 1819) vol. 2, p. 178: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 5 (Galatians), no. 2; Works (London, 1819) vol. 2, p. 235: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae, ch. 12 (Second Timothy), no. 2; Works (London, 1819) vol. 2, p. 355: <https://archive.org/details/paleyworks02paleuoft>
- William Paley, Horae Paulinae (Dublin printing), Title page and contents, Dublin printing of 1790 (Princeton Theological Seminary Library copy): <https://archive.org/details/horaepaulinaeo00pale>

### James Smiths nautische Analyse der Seereise und des Schiffbruchs des Paulus (1848)

In The Voyage and Shipwreck of St. Paul (1848) prüfte James Smith of Jordanhill, ein schottischer Segler und Geologe, Apostelgeschichte 27 anhand hydrographischer Seekarten, Segelanweisungen und des Rats von Marineoffizieren. Er argumentierte, dass der Sturm, der Schutz unter Kauda, das Untergürten des Schiffes, die Drift und die Lotungen alle zu einer Landung in der St Paul's Bay auf Malta passen. Das zeigt nautische Stimmigkeit, wobei einige Ausgangsdaten der Apostelgeschichte selbst entnommen waren. Verfasserschaft oder jedes einzelne Ereignis kann es nicht beweisen.

- **Datierung:** 1848 (Erstausgabe; spätere Ausgaben 1856, 1866 und 1880)
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Veröffentlichtes Buch; die Erstausgabe von 1848 ist im Internet Archive nach einem Exemplar der Harvard College Library digitalisiert
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 27,12; Apostelgeschichte 27,13–20; Apostelgeschichte 27,21–26; Apostelgeschichte 27,27–29; Apostelgeschichte 27,39–44; Apostelgeschichte 28,1
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Rekonstruiert

**Was es belegt**

- Smith rekonstruierte den Sturm von Apostelgeschichte 27,13–17 als Sturm aus Ostnordost; bei Apostelgeschichte 27,14 zog er den Windnamen der ältesten Handschriften und Übersetzungen, der nach seiner Auffassung einen Wind zwischen Ost und Nordost bezeichnet, der späteren Lesart vor. Der Sturm trieb das Schiff von einer Position vor der Mitte der Südküste von Kreta in den Windschatten von Kauda (heute Gavdos), wo die Mannschaft das Beiboot an Bord hieven und Taue um den Rumpf legen konnte.
- Smith übernahm aus den Schätzungen zweier Kapitäne der Royal Navy eine mittlere Drift von etwa sechsunddreißigeinhalb Meilen pro Tag. Bei dieser Geschwindigkeit würde ein beigedrehtes Schiff von Kauda aus die 476,6 Meilen bis Koura Point auf Malta in etwas mehr als dreizehn Tagen zurücklegen. Das passt zur vierzehnten Nacht von Apostelgeschichte 27,27, und der berechnete Kurs entspricht der Peilung der St Paul's Bay.
- Smith ordnete die Lotungen von zwanzig, dann fünfzehn Faden (Apostelgeschichte 27,28) der Vermessung der St Paul's Bay durch Kapitän Smyth zu und führte das Kriegsgericht von 1810 über die Fregatte Lively an, deren Ausguck bei Koura Point die Brandung sah, bevor er Land sah (Apostelgeschichte 27,27). Er verlegte die Strandung in die Nähe von Salmonetta (St Paul's Island) und räumte ein, dass die Übereinstimmung der Drift zum Teil zufällig war und dass der Sandstrand der Bucht verschwunden ist.
- Ramsay (1895) nannte Smiths Argumentation für die St Paul's Bay einen der vollständigsten Dienste, die der neutestamentlichen Wissenschaft je erwiesen wurden, und gab ihm beim quer verlaufenden Untergürten recht, hielt aber seine Lösung mit dem verschwundenen Strand für ziemlich gewaltsam. Außerdem verwarf er Smiths Deutung des Griechischen zu Phönix und zur Drift: Lukas, der Phönix nie gesehen habe, habe eine entstellte Beschreibung weitergegeben und über die Drift mit der Vorstellung eines Landbewohners geschrieben.

**Was es nicht belegt**

- Sie ist kein unabhängiger Zeuge der Seereise. Smith leitete die Windrichtung aus der Geographie der Erzählung selbst ab, entnahm die Driftgeschwindigkeit Schätzungen von Offizieren des 19. Jahrhunderts und verwendete den traditionellen maltesischen Endpunkt. Die Übereinstimmung zeigt daher, dass der Bericht mit realen Winden, Seekarten und Küsten stimmig ist; sie bestätigt nicht jedes Detail durch äußere Belege.
- Sie zeigt nicht, dass Lukas als Augenzeuge schrieb oder dass Ereignisse jenseits nautischer Überprüfbarkeit stattfanden, etwa die Botschaft des Engels und die Zusicherungen des Paulus in Apostelgeschichte 27,21–26. Smiths Behauptung, kein Nichtseemann könne ohne eigene Beobachtung so stimmig schreiben, ist ein Schluss aus der Stimmigkeit der Erzählung, und andere bestreiten ihn. Selbst Ramsay meinte, Lukas habe Phönix aus zweiter Hand wiedergegeben und die Drift so beschrieben, wie es ein Landbewohner tun würde.
- Sie legt weder die genaue Landestelle fest noch klärt sie jeden technischen Punkt. Die von Smith gewählte Bucht braucht einen Strand, den es nicht mehr gibt, und sowohl die Methode des Untergürtens als auch die Ausrichtung des Hafens von Phönix bleiben umstritten.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Smiths Bewunderer, von Ramsay bis Colin Hemer, lesen die nautische Stimmigkeit der Erzählung als Kennzeichen eines Berichts aus erster Hand. Andere erwidern, die Erzählung von Seereisen in der ersten Person sei eine literarische Konvention gewesen (Vernon Robbins), oder Apostelgeschichte 27–28 ahme die Schiffbrüche des Odysseus nach (Dennis MacDonald). Nach diesen Lesarten kann Genauigkeit eher seemännisches Wissen als Anwesenheit an Bord belegen. Hemer entgegnete, die Parallelen von Robbins belegten keine solche Konvention, räumte aber ein, dass nautische Präzision allein nur zeige, dass der Verfasser eine solche Reise unternommen hatte. Auch technische Fragen bleiben offen: ob die Taue zum Untergürten quer oder längs um den Rumpf liefen, in welche Richtung Phönix ausgerichtet war und ob Melita überhaupt Malta war. Heinz Warnecke sprach sich für Kephallenia aus, A. Acworth und O. F. A. Meinardus für Mljet.

**Andere Lesarten**

- **Literarische Konvention.** Vernon Robbins argumentiert, dass die Erzählung in der ersten Person Plural zu den Konventionen antiker Seereiseberichte gehörte. Nach dieser Lesart zeigen Smiths Prüfungen, dass der Verfasser wusste, wie sich Schiffe und die Winde im Mittelmeer verhalten, nicht, dass er an Bord war. Hemer antwortete, die Beispiele von Robbins belegten keine solche Gattung.
- **Homerische Nachahmung.** Dennis MacDonald argumentiert, dass Apostelgeschichte 27–28 wiederholt auf die Schiffbrüche des Odysseus verweist – mit gemeinsamer nautischer Bildsprache, einer göttlichen Zusage der Rettung und einem Helden, den Inselbewohner aufnehmen –, um Paulus und seinen Gott durch den Vergleich zu erhöhen. Ihre Gestalt wäre dann literarisch, selbst wo ihre Geographie realistisch ist.
- **Eine andere Insel.** Heinz Warnecke verlegte den Schiffbruch nach Kephallenia vor der Westküste von Griechenland. Eine ältere Ansicht, von Smith widerlegt und von A. Acworth (1973) und O. F. A. Meinardus wiederbelebt, setzte Melita mit Mljet (Meleda) in der Adria gleich. Malta, und insbesondere die St Paul's Bay, bleibt die Identifizierung der Mehrheit.

**Quellen**

- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Introduction, p. ix, note: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Introduction, p. xiii: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Introduction, p. xix: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 60: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 64: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 81: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 82: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 85: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, Crete to Melita, p. 87: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- James Smith, The Voyage and Shipwreck of St. Paul, The Shipwreck, p. 102: <https://archive.org/details/voyageandshipwr01smitgoog>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV, p. 326: <https://archive.org/details/stpaultravellerr00rams>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV, p. 329: <https://archive.org/details/stpaultravellerr00rams>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV, p. 334: <https://archive.org/details/stpaultravellerr00rams>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV, p. 341: <https://archive.org/details/stpaultravellerr00rams>
- Wikidata, Q6143365: <https://www.wikidata.org/wiki/Q6143365>

### W. M. Ramsays St Paul the Traveller (1895) und die Argumente für die Genauigkeit der Apostelgeschichte

In St Paul the Traveller (1895) schrieb der Aberdeener Altphilologe W. M. Ramsay, er habe einst die Tübinger Sicht der Apostelgeschichte als eines Werkes des zweiten Jahrhunderts geteilt. Jahre der Arbeit über Kleinasien überzeugten ihn, dass ihre regionalen Begriffe zum römischen Galatien des ersten Jahrhunderts passen, etwa bei der Flucht aus Ikonion nach Lykaonien (Apostelgeschichte 14,6). Wo seine Deutungen zutreffen, zeigen sie, dass der Verfasser die Region kannte; sie bestätigen nicht jedes Ereignis, und sein Datierungsfenster sowie seine südgalatische These bleiben umstritten.

- **Datierung:** Erstmals veröffentlicht 1895 (Widmung datiert auf den 17. September, Vorwort auf den 23. September 1895); Zitate geprüft an der zehnten Auflage, Hodder and Stoughton, 1907
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Veröffentlichtes Buch; die zehnte Auflage (Hodder and Stoughton, 1907) ist von der Christian Classics Ethereal Library digitalisiert
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 13,49; Apostelgeschichte 14,1–7; Apostelgeschichte 14,11; Apostelgeschichte 16,6; Apostelgeschichte 18,23; Galater 1,2; Galater 3,1
- **Grad der Sicherheit:** Mittel bis hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Umstritten

**Was es belegt**

- 1895 schrieb Ramsay, die Tübinger Theorie habe ihn einst völlig überzeugt und er habe die Apostelgeschichte als Schrift des zweiten Jahrhunderts behandelt. Seine Sicht habe sich allmählich geändert, als er die Apostelgeschichte als Quelle für die Topographie, die Altertümer und die Gesellschaft von Kleinasien nutzte.
- Er argumentierte, dass Apostelgeschichte 14,6 eine reale Grenze markiert. Nach seiner Darstellung gehörte Ikonion zum phrygischen Bezirk der Provinz Galatien, während Lystra und Derbe in deren römischem („galatischem“) Teil von Lykaonien lagen. Er meinte, diese Beschreibung sei nur zwischen 37 und 72 n. Chr. zutreffend gewesen.
- Ramsay hielt die südgalatische Deutung des Briefes an die Galater für eng verknüpft mit der Entstehung der Apostelgeschichte im ersten Jahrhundert und ihrer lukanischen Verfasserschaft. Seine galatische These war von Anfang an umstritten: durch Dr. Chase im Expositor (1893–94) und später durch James Moffatt. Selbst ein wohlwollender Beurteiler, F. F. Bruce (1966), urteilte, er habe zur Übertreibung seiner These geneigt, wenngleich es eine gute These zum Übertreiben gewesen sei.

**Was es nicht belegt**

- Das Buch zeigt nicht, dass die Ereignisse, Reden oder Wunder der Apostelgeschichte so geschahen, wie sie erzählt werden. Eine zutreffende Grenze, ein zutreffender Titel oder Bezirk zeigt, dass der Verfasser den Schauplatz kannte, nicht, dass jede Episode historisch ist.
- Ramsays Bericht über seinen Sinneswandel belegt, dass er seine Meinung änderte, ist aber keine unabhängige Bestätigung der Apostelgeschichte. In seiner Nacherzählung von 1915 ist, wie Gasque sie zusammenfasst, die lykaonische Episode von Apostelgeschichte 14,5–12 der Wendepunkt. Der Text von 1895 betont dagegen den Streit darüber, ob Paulus durch das nördliche Galatien oder durch Lykaonien reiste.
- Das Buch klärt weder das südgalatische Ziel des Briefes an die Galater noch eine Frühdatierung und lukanische Verfasserschaft der Apostelgeschichte. Alle drei bleiben umstritten.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Drei Fragen bleiben offen. Erstens: Weist genaue Ortskenntnis auf einen Begleiter des Paulus hin (Ramsay, Hemer), oder passt sie zu einem späteren, gut informierten Verfasser, der die Ereignisse theologisch gestaltete? Die vorgeschlagenen Datierungen der Apostelgeschichte reichen von den frühen 60er-Jahren (Hemer) über die verbreitet angenommenen 80er-Jahre bis ins zweite Jahrhundert (O'Neill); Gasque berichtet, Barrett lasse eine Datierung bis 95–115 zu. Zweitens: Lebten die Galater des Paulus in den südlichen Städten der römischen Provinz oder im ethnischen Galatien im Norden (Lightfoot, Moffatt)? Drittens: Ist Ramsays Zeitfenster 37–72, das auf der Teilung zwischen dem römischen und dem antiochischen Lykaonien beruht, so entscheidend, wie er behauptete, obwohl er selbst einräumte, dass die Belege für die Bezirke der Provinz spärlich seien?

**Andere Lesarten**

- **Ein späterer, gut informierter Verfasser.** Genaue Geographie und Verwaltungsbegriffe könnten aus Quellen, Reisewissen oder regionalem Sprachgebrauch stammen, der lange fortbestand. Sie passen daher zu einem Verfasser, der spät im ersten Jahrhundert oder danach schrieb und die Geschichte für theologische Zwecke gestaltete. Nach dieser Sicht zeigte Ramsay, dass der Verfasser Kleinasien kannte, nicht, dass er ein Begleiter des Paulus war.
- **Nordgalatische Deutung.** J. B. Lightfoot, zu Ramsays Zeit der klassische Verteidiger dieser Sicht, hielt die Galater des Paulus für das gallische Volk im zentralen Kleinasien, das er auf den Reisen von Apostelgeschichte 16,6 und 18,23 besucht habe. Moffatt hielt gegen Ramsay an dieser Sicht fest, ebenso, wie Gasque berichtet, der größte Teil der deutschen Forschung. Ihre Verteidiger ziehen die Apostelgeschichte ebenfalls für die Route des Paulus heran; Ramsays Behauptung, ihre Sicht sei mit einer lukanischen Apostelgeschichte aus dem ersten Jahrhundert unvereinbar, ist daher seine eigene Schlussfolgerung.
- **Ramsay verfeinert, nicht widerlegt.** Wohlwollende Nachfolger wie Gasque und Hemer behalten seine Methode bei, die Apostelgeschichte an Inschriften und Geographie zu prüfen. Gasque hält die südgalatische These für von den Belegen begünstigt, aber nicht zur Zufriedenheit jedes Forschers beweisbar. Bruce urteilte in seinem Vorwort zu Gasque, Ramsays spätere Rolle als populärer Apologet habe seinem wissenschaftlichen Ruf geschadet.

**Quellen**

- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. 1 §1 (Trustworthiness): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.iv.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. 5 §6 (The Cities of Lycaonia): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.viii.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, Preface to the second edition (dated 25 March 1896): <https://ccel.org/ccel/ramsay/paul_roman/paul_roman.iii.html>
- Wikidata item for William Mitchell Ramsay, Q326308: <https://www.wikidata.org/wiki/Special:EntityData/Q326308.json>

### Amtstitel in der Apostelgeschichte, Stadt für Stadt

Die Apostelgeschichte verwendet für jeden Ort, den sie beschreibt, einen passenden Titel: Statthalter auf Zypern und in Achaja, Politarchen in Thessalonich, Prätoren mit Liktoren in der Kolonie Philippi, Asiarchen und einen Stadtschreiber in Ephesus, einen „ersten Mann“ auf Malta und einen römischen Oberst in Jerusalem. Inschriften und antike Autoren belegen die meisten davon; in Philippi war „Prätoren“ ein höflicher Sprachgebrauch. Das zeigt gute Ortskenntnis oder gute Quellen; es beweist nicht, dass jedes Ereignis stattfand, und datiert die Apostelgeschichte nicht.

- **Datierung:** Sprachgebrauch belegt von 22 v. Chr. (Zypern wieder durch Statthalter verwaltet) bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. (der Asiarch Philippos in Smyrna, nach der üblichen Datierung um 155–160; Dekrete aus Ephesus bis 160 n. Chr.). Einige berichtende Quellen sind später (Cassius Dio, frühes drittes Jahrhundert; Eusebius, frühes viertes). Die Szenen der Apostelgeschichte fallen nach der üblichen Chronologie in die Zeit um 46–60 n. Chr.
- **Heutiger Aufbewahrungsort:** Nicht zutreffend: ein Überblick über mehrere Texte und Inschriften; den Standort jedes Objekts finden Sie bei den verlinkten Einträgen.
- **Katalognummern:** IG XIV 601
- **Bezieht sich auf:** Apostelgeschichte 13,6–12; Apostelgeschichte 16,12–40; Apostelgeschichte 17,5–9; Apostelgeschichte 18,12–17; Apostelgeschichte 19,29–41; Apostelgeschichte 21,30–40; Apostelgeschichte 22,24–29; Apostelgeschichte 23,10–30; Apostelgeschichte 24,22; Apostelgeschichte 28,7–10
- **Grad der Sicherheit:** Hoch
- **Wie die Aussage gestützt wird:** Durch Quellen gestützt

**Was es belegt**

- Die Statthalter der Apostelgeschichte auf Zypern und in Achaja (Apostelgeschichte 13,7; Apostelgeschichte 18,12) entsprechen dem damaligen Status der jeweiligen Provinz. Augustus gab Zypern 22 v. Chr. an das Volk zurück; danach verwalteten es Statthalter (Dio 54.4.1). Achaja ging 15 n. Chr. an den Kaiser über und erhielt 44 n. Chr. unter Klaudius wieder durch das Los bestimmte Statthalter (Tacitus, Annalen 1.76; Dio 60.24.1), und zwar vor der Amtszeit des Gallio als Statthalter, die gewöhnlich in die frühen 50er-Jahre datiert wird.
- Politarch (Apostelgeschichte 17,6 und 17,8) war vor allem ein makedonischer städtischer Titel. Burton stellte 1898 fest, dass diese Form des Wortes außerhalb der Apostelgeschichte damals nur aus Inschriften bekannt war (eine verwandte Form kommt bei Aineias Taktikos vor). Seine Liste war überwiegend makedonisch, mit einigen Beispielen aus Thrakien, Bithynien, dem Bosporus und Ägypten und keinem aus dem eigentlichen Griechenland; in Thessalonich reichen sie von Augustus bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts.
- In der römischen Kolonie Philippi (Apostelgeschichte 16,12) nennt die Apostelgeschichte die Stadtrichter mit dem üblichen griechischen Begriff für Prätoren und gibt ihnen Liktoren bei (Apostelgeschichte 16,20–38). Ramsay hielt „Prätoren“ nicht für den fachlich korrekten Titel, sondern für einen Höflichkeitstitel, der oft für die obersten Beamten einer Kolonie verwendet wurde; Lukas schreibe „auf der Ebene gebildeter Unterhaltung“ und nicht mit strenger fachlicher Genauigkeit.
- In Ephesus tragen die Asiarchen der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 19,31) einen Provinztitel, der auch außerhalb der Apostelgeschichte belegt ist: Im Martyrium des Polykarp, das Eusebius zitiert (Kirchengeschichte 4.15.27), fordert die Menge in Smyrna den Asiarchen Philippos auf, einen Löwen auf Polykarp loszulassen. Ramsay hielt den Stadtschreiber für wahrscheinlich den wichtigsten Beamten von Ephesus; Hicks' Ausgabe der dortigen Inschriften von 1890 zeigt den Stadtschreiber beim Entwerfen von Dekreten und bei der Führung der öffentlichen Geschäfte.
- Auf Malta bezeichnet eine griechische Inschrift (IG XIV 601) einen römischen Ritter als protos Melitaion, „Erster der Malteser“, und Kaibels Anmerkung verweist zum Vergleich auf Apostelgeschichte 28,7. Für Jerusalem berichtet Josephus, in der Burg Antonia sei stets eine römische Einheit stationiert gewesen, mit Abgängen zu den Säulenhallen des Tempels, die sie an Festen nutzte (Jüdischer Krieg 5.243-244). Er nennt auch einen Oberst (Chiliarch), Celer, in Judäa unter Klaudius (Ant. 20.136).

**Was es nicht belegt**

- Dass eine bestimmte Szene so geschah, wie sie erzählt wird. Ein korrekter Titel für die Beamten von Thessalonich oder Malta bestätigt weder den Angriff auf das Haus des Jason noch die Heilung des Vaters des Publius; jede Episode muss für sich beurteilt werden.
- Für sich allein ein Datum oder einen Verfasser der Apostelgeschichte. Die meisten dieser Titel blieben über Generationen in Gebrauch (Politarchen in Thessalonich bis ins zweite Jahrhundert, Asiarchen noch in der Mitte des zweiten Jahrhunderts), sodass auch ein späterer Verfasser mit guten Quellen sie richtig wiedergeben konnte.
- Durchgängige fachliche Präzision. In Philippi war „Prätoren“ nach Ramsays Urteil ein Höflichkeitstitel und nicht der formelle Titel der Kolonie, und die Apostelgeschichte verwendet dort auch ein allgemeines Wort für Machthaber (Apostelgeschichte 16,19). Die Genauigkeit ist die eines informierten, gebildeten Sprachgebrauchs, nicht juristischer Fachsprache.
- Dass jeder genannte Amtsträger unabhängig identifiziert ist oder dass jeder Titel eine einzige feste Bedeutung hatte. Ob eine Inschrift den Statthalter Sergius Paulus nennt, was genau die Asiarchen waren und ob der „Erste“ von Malta ein formelles Amt oder ein Ehrenrang war (Kaibels Anmerkung sagt nur, dass eine bestimmte bürgerliche Auszeichnung gemeint ist), ist nach wie vor umstritten.

**Wo die Auslegungen auseinandergehen**

Ramsay, Sherwin-White und Hemer sahen in der Reihe zutreffender lokaler Details, darunter Titel, einen kumulativen Beleg dafür, dass die Apostelgeschichte auf frühem, gut informiertem Wissen beruht; Ramsay trat für Lukas als Begleiter des Paulus ein, und Hemer verteidigte die lukanische Verfasserschaft und eine Datierung vor 70 n. Chr. Pervo entgegnet, dass auch antike Romane reale Personen und Techniken der Geschichtsschreibung verwendeten, und datierte die Apostelgeschichte auf etwa 115; Witetschek liest ihr Lokalkolorit aus Ephesus eher als Zeugnis für die Zeit des Lukas selbst als für die des Paulus. Engere Fragen bleiben offen, besonders ob ein Asiarch einfach der Oberpriester der Provinz Asia war (Ramsays Sicht, die Hicks 1890 teilte) oder etwas anderes – ein Zweifel, den Witetschek aus Apostelgeschichte 19,31 selbst ableitet.

**Andere Lesarten**

- **Gut informierter Begleiter.** Die Bandbreite korrekter, ortsspezifischer Titel spiegelt einen Verfasser wider, der mit Paulus reiste oder diese Städte aus eigener Anschauung kannte, wie Ramsay und Hemer argumentierten. Das passt zu den „Wir“-Passagen, ist aber ein Schluss aus der Genauigkeit, kein Beweis der Verfasserschaft.
- **Späterer Verfasser mit guten Quellen.** Ein Autor des späten ersten oder frühen zweiten Jahrhunderts, der auf Reisenotizen, örtliche Gewährsleute oder frühere Berichte zurückgriff, konnte Titel wiedergeben, die zu seiner eigenen Zeit noch gebräuchlich waren. Nach dieser Sicht bürgen die Titel eher für die Qualität der Quellen oder für die Zeit des Verfassers selbst als für eine Frühdatierung (Pervo; Witetschek).
- **Literarischer Realismus.** Auch antike Romane verwendeten reale Personen, Orte und Techniken der Geschichtsschreibung; korrektes Lokalkolorit zeigt daher Können, kann aber für sich allein Geschichte nicht von Fiktion unterscheiden. Jede Episode muss nach ihren eigenen Belegen beurteilt werden.

**Quellen**

- Cassius Dio, Roman History (Earnest Cary, 1917), 54.4.1 (22 BC): <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/54*.html>
- Tacitus, Annals (A. J. Church and W. J. Brodribb, 1876), Ann. 1.76 (AD 15): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.02.0078:book=1:chapter=76>
- Cassius Dio, Roman History (Earnest Cary, 1924), 60.24.1 (AD 44): <https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cassius_Dio/60*.html>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. X sect. 3, p. 218 (praetors at Philippi): <https://archive.org/download/stpaultraveller02ramsgoog/stpaultraveller02ramsgoog_djvu.txt>
- Eusebius, Church History (A. C. McGiffert, 1890), Hist. eccl. 4.15.27 (quoting Mart. Pol. 12.2): <https://www.newadvent.org/fathers/250104.htm>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XII sect. 5, p. 281 (Asiarchs): <https://archive.org/download/stpaultraveller02ramsgoog/stpaultraveller02ramsgoog_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XII sect. 5, p. 281 (town clerk): <https://archive.org/download/stpaultraveller02ramsgoog/stpaultraveller02ramsgoog_djvu.txt>
- W. M. Ramsay, St. Paul the Traveller and the Roman Citizen, ch. XIV sect. 9, p. 343 (Malta): <https://archive.org/download/stpaultraveller02ramsgoog/stpaultraveller02ramsgoog_djvu.txt>
- G. Kaibel, Inscriptiones Graecae XIV: Inscriptiones Siciliae et Italiae, IG XIV 601 (p. 112): <https://archive.org/download/bub_gb_WNFOCQoUpq4C/bub_gb_WNFOCQoUpq4C_djvu.txt>
- Flavius Josephus, The Jewish War (William Whiston, 1737), War 5.243-244 (Whiston 5.5.8; his 'legion' renders a general Greek word for a military unit): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0148:book=5:whiston%20chapter=5:whiston%20section=8>
- Flavius Josephus, Antiquities of the Jews (William Whiston, 1737), Ant. 20.136 (Whiston 20.6.3): <https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0146:book=20:whiston%20chapter=6:whiston%20section=3>

## Wie früh jeder Brief bekannt war

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### Römer

Irenäus nennt um 180 n. Chr. den Brief an die Römer als Brief des Paulus; Markions Ausgabe aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts, bekannt aus dem feindseligen Bericht Tertullians, enthielt einen gekürzten Text. Der 1. Clemensbrief (meist um 96 datiert) und Polykarp übernehmen wahrscheinlich seinen Wortlaut; eine Parallele bei Ignatius könnte auf ein gemeinsames Bekenntnis zurückgehen. Ein Brief gallischer Gemeinden aus dem Jahr 177 zitiert ihn, ohne ihn zu nennen. P46, nach der Schrift auf etwa 200 n. Chr. datiert, ist die früheste Handschrift.

- **1. Clemensbrief (Gemeinde von Rom an Korinth)** (um 95–97 n. Chr. (Vorschläge reichen von etwa 70 bis 140); Wahrscheinliche Anspielung): Sein Lasterkatalog teilt Begriffe mit Römer 1,29–32, darunter Verleumdung und Hass gegen Gott, und verurteilt ebenso diejenigen, die zustimmen, wie diejenigen, die es tun. Er wurde in Rom geschrieben, wohin der Brief an die Römer gesandt wurde; da Lasterkataloge formelhaft sind, bleibt Raum für Zufall.
- Clement of Rome (traditional attribution), 1 Clement (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 35.6: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Smyrnäer** (um 105–117 n. Chr. (manche plädieren für die 140er-Jahre); Möglicher Anklang): Nennt Christus nach leiblicher Abstammung einen Nachkommen von David, durch göttliche Macht aber Sohn Gottes – die Paarung, die sich in Römer 1,3–4 findet. Viele meinen, Paulus greife dort ein älteres Bekenntnis auf; Ignatius könnte daher eher diese gemeinsame Formel als den Brief aufnehmen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Smyrnaeans (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Smyrn. 1.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-smyrnaeans-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Wahrscheinliche Anspielung): Verbindet das Stehen vor dem Richterstuhl des Christus damit, dass jeder für sich selbst Rechenschaft gibt, wie es Römer 14,10–12 tut. Auch 2. Korinther 5,10 kennt die Wendung vom Richterstuhl, und Polykarp nennt keine Quelle; eine vermischte Erinnerung oder ein verbreitetes Wort bleibt daher möglich.
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Phil. 6.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (Markion wirkte um 138–161 n. Chr.; Tertullian schrieb ab etwa 207; Briefliste): Tertullian behandelt den Brief an die Römer als vierten in Markions Ausgabe mit zehn Briefen, nach dem Brief an die Galater und den beiden Briefen an die Korinther. Er sagt, Markion habe ganze Abschnitte gestrichen, und seine Erörterung endet bei Römer 14,10. Da die Ausgabe nur aus feindseligen Berichten bekannt ist, ist ihr genauer Inhalt unsicher.
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.13: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Brief der Gemeinden von Vienne und Lyon** (um 177–178 n. Chr. (überliefert von Eusebius, frühes 4. Jahrhundert); Eindeutiges Zitat): Bei der Schilderung von Märtyrern in Gallien gibt er Römer 8,18 fast wörtlich wieder, nennt Paulus aber nicht. Eusebius sagt, er gebe die eigenen Worte der Gemeinden wieder, und datiert die Verfolgung in das siebzehnte Jahr des Antoninus Verus, also Mark Aurels (177 n. Chr.).
- Eusebius (quoting the churches of Vienne and Lyons), Church History (Arthur Cushman McGiffert, 1890), HE 5.1.6: <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Sagt, Paulus habe im Schreiben an die Römer gezeigt, dass Jesus und Christus einer sind, und zitiert dann Römer 1,1–4 und Römer 9,5; in 3.16.9 nennt er den Brief erneut. Buch 3 stammt aus der Zeit, in der Eleutherius Bischof von Rom war.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.16.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103316.htm>

- **Muratorisches Fragment** (Wahrscheinlich um 170–200 n. Chr.; eine Minderheit datiert es ins 4. Jahrhundert; Briefliste): Führt den Brief an die Römer unter den Briefen des Paulus an sieben Gemeinden auf und sagt, er habe ihn nach der Richtschnur der Schriften des Alten Testaments geschrieben, deren erster Gegenstand Christus sei. Meist datiert nach seiner Bemerkung, Hermas habe vor Kurzem unter Pius geschrieben; manche setzen es ins vierte Jahrhundert.
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3, on Paul's letters to seven churches: <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Papyrus 46 (P46)** (um 200 n. Chr. nach der Schrift (CSNTM: spätes 2. oder frühes 3. Jahrhundert; INTF: frühes 3. Jahrhundert); Handschrift): Gilt meist als früheste Handschrift des Briefes an die Römer, der in seiner Briefreihenfolge an erster Stelle steht. Die Blätter vor Römer 5,17 und zwei Blätter, die den größten Teil von Römer 6,14–8,15 umfassten, sind verloren. Die Doxologie (Römer 14,24–26 in der WEB-Zählung) steht hier nach Römer 15,33. Allein nach der Schrift datiert.
- CSNTM manuscript record: P46, GA P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### 1. Korinther

Der erste Brief an die Korinther ist früh bezeugt: Der 1. Clemensbrief, meist auf etwa 96 n. Chr. datiert, fordert Korinth auf, den Brief des Paulus über ihre Spaltungen zur Hand zu nehmen – wahrscheinlich die früheste Nennung eines paulinischen Briefes überhaupt. Ignatius und Polykarp zitieren ihn innerhalb weniger Jahrzehnte; Markions Ausgabe und die Muratorische Liste enthalten ihn, Irenäus nennt ihn, und P46, um 200 n. Chr., ist die früheste erhaltene Abschrift.

- **1. Clemensbrief** (um 95–97 n. Chr. (umstritten); Ausdrücklich genannt): Aus Rom an Korinth schreibend, fordert er die Leser auf, den Brief des Paulus über ihre Parteiungen um Paulus, Kephas und Apollos zur Hand zu nehmen (1. Korinther 1,10–12). Die Kapitel 37–38 und 49 schöpfen wahrscheinlich aus 1. Korinther 12–13, obwohl das Bild vom Leib verbreitet war. Die vorgeschlagenen Datierungen reichen von etwa 70 bis 140.
- Clement of Rome, The Epistle of S. Clement to the Corinthians (Lightfoot, Apostolic Fathers Part I, vol. 2) (J. B. Lightfoot, 1890), 1 Clem. 47.1-3: <https://www.earlychristianwritings.com/lightfoot/pt1vol2/translation1.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Epheser** (um 105–117 n. Chr. (umstritten); Eindeutiges Zitat): Ohne Kennzeichnung, aber nahezu wörtlich: zwei der drei „Wo ist …?“-Fragen aus 1. Korinther 1,20, neben dem Kreuz als Ärgernis und Rettung (1. Korinther 1,18–23); An die Epheser 16.1 klingt an 1. Korinther 6,9–10 an. Meist um 105–117 datiert; Barnes (2008) plädiert für die 140er-Jahre; eine Minderheit bezweifelt die Echtheit.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot, 1891), Ign. Eph. 18.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Römer** (um 105–117 n. Chr. (umstritten); Wahrscheinliche Anspielung): Ignatius nennt sich unwürdig, „den Allerletzten“ und eine „Fehlgeburt“ – Ausdrücke, die zusammen in 1. Korinther 15,8–9 stehen. Wahrscheinlich, nicht sicher: Er bezieht sie auf seine Stellung in der syrischen Gemeinde. Auch An die Römer 5.1 entlehnt aus 1. Korinther 4,4.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Romans (J. B. Lightfoot, 1891), Ign. Rom. 9.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-romans-lightfoot.html>

- **Polykarp, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr. (umstritten); Eindeutiges Zitat): Polykarp schreibt das Richten der Welt durch die Heiligen Paulus zu (1. Korinther 6,2) und nennt dabei den Apostel, nicht aber den Brief. Kapitel 11 ist nur in lateinischer Übersetzung erhalten; der griechische Text von 5.3 wiederholt einen Teil des Lasterkatalogs aus 1. Korinther 6,9–10 ohne Zuschreibung.
- Polycarp, Epistle of Polycarp to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 11.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, über Tertullian** (Mitte des 2. Jahrhunderts (berichtet im frühen 3. Jahrhundert); Briefliste): Tertullian behandelt in seinem Überblick über Markions Ausgabe den ersten Brief an die Korinther an zweiter Stelle, nach dem Brief an die Galater, und wirft Markion vor, dessen Text in 1. Korinther 15,45 verändert zu haben. Es handelt sich um einen feindseligen Bericht, der Jahrzehnte später geschrieben wurde; wie viel Markion veränderte, statt es zu übernehmen, ist umstritten.
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (P. Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.10: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Irenäus, Gegen die Häresien** (um 180 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Irenäus nennt den Brief und zitiert 1. Korinther 10,1–12, während er einen ungenannten Presbyter wiedergibt, der von denen gelernt hatte, die die Apostel gesehen hatten (4.27.1). Wie viel von der Argumentation von dem Presbyter stammt und nicht von Irenäus selbst, ist unklar.
- Irenaeus, Against Heresies (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (A. Roberts and W. H. Rambaut, 1885), Haer. 4.27.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103427.htm>

- **Muratorisches Fragment** (um 170–200 n. Chr. (manche plädieren für das 4. Jahrhundert); Briefliste): Es führt zweimal die Briefe an die Korinther als erste unter den Gemeindebriefen des Paulus auf und vermerkt zwei Briefe an Korinth. Die meisten datieren es um 170–200, da es Hermas als zeitnah bezeichnet; Sundberg (1973) und Hahneman (1992) plädieren für das vierte Jahrhundert. Es ist in einer lateinischen Abschrift des siebten oder achten Jahrhunderts erhalten.
- Muratorian Fragment (Ante-Nicene Fathers vol. 5) (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, section 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Papyrus 46 (P46)** (um 200 n. Chr. (spätes 2. oder frühes 3. Jahrhundert); Handschrift): CSNTM datiert ihn um 200, spätes zweites oder frühes drittes Jahrhundert. Die Datierung beruht allein auf der Schrift; Kim (1988) plädierte für das späte erste Jahrhundert, eine Sicht, die die meisten ablehnen. Der erste Brief an die Korinther folgt auf die Briefe an die Römer und an die Hebräer; durch beschädigte Blätter gehen einige Zeilen verloren.
- CSNTM manuscript record, Gregory-Aland P46, GA P46 (Dublin, CBL BP II): <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### 2. Korinther

Der zweite Brief an die Korinther ist zuerst sicher in Markions Sammlung bezeugt (um die 140er-Jahre, bekannt durch Tertullian) und wird zuerst von Irenäus (um 180) namentlich genannt, danach von Clemens von Alexandria und der Muratorischen Liste (Datierung umstritten). Polykarp nimmt ihn wahrscheinlich auf; Ignatius und der 1. Clemensbrief bieten höchstens schwache Anklänge. Papyrus 46 (um 200) ist die früheste Handschrift.

- **1. Clemensbrief (Rom an Korinth)** (um 96 (vorgeschlagen: 80–100); Möglicher Anklang): Das Bild vom Spiegel könnte an 2. Korinther 3,18 anklingen, doch 1. Korinther 13,12 steht ebenso nahe. Clemens nennt nur einen paulinischen Brief an Korinth (47.1); manche sehen darin ein Zeichen, dass der zweite Brief an die Korinther in Rom noch nicht bekannt war, andere die Wahl des passenden Briefes.
- Clement of Rome, First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 36.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Trallianer und An die Philadelphier** (um 110 (manche plädieren für etwa 140); Möglicher Anklang): An die Trallianer 9.2 (der Vater werde die Glaubenden auferwecken, wie er Jesus auferweckte) ähnelt 2. Korinther 4,14, ebenso aber 1. Korinther 6,14; An die Philadelphier 6.3 (niemandem zur Last fallen) erinnert an 2. Korinther 11,9, aber auch an 1. Thessalonicher 2,9. Eine Abhängigkeit vom zweiten Brief an die Korinther lässt sich nicht nachweisen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Trallians (J. B. Lightfoot, 1891), Trall. 9.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-trallians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140 (Datierung umstritten); Wahrscheinliche Anspielung): Drei Wendungen berühren sich gehäuft mit 2. Korinther 4,14 (Gott erweckt die Glaubenden, wie er Jesus erweckte), 2. Korinther 6,7 (Waffen der Gerechtigkeit) und 2. Korinther 8,21 (ehrbar vor Gott und den Menschen). Jede hat anderswo eine Parallele (1. Korinther 6,14; Römer 6,13; Römer 12,17), daher beruht das Argument auf der Häufung.
- Polycarp, Epistle of Polycarp to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 2.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon (nach dem Bericht Tertullians)** (um 140–150; berichtet um 208; Briefliste): Tertullian geht Markions Text des zweiten Briefes an die Korinther durch, in seiner Reihenfolge der dritte nach dem Brief an die Galater und dem ersten Brief an die Korinther, und bestreitet Markions Zeichensetzung in 2. Korinther 4,4. Das früheste sichere Zeichen, dass der Brief in einer paulinischen Sammlung umlief, wenn auch nur durch feindselige Berichte bekannt.
- Tertullian, Against Marcion (P. Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.11: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180; Ausdrücklich genannt): Irenäus nennt den zweiten Brief an die Korinther, als er Gegnern antwortet, die 2. Korinther 4,4 als Beleg für eine zweite, niedrigere Gottheit lasen – den Vers, den Markion laut Tertullian interpunktiert hatte. Beide Seiten behandelten den Brief als Brief des Paulus.
- Irenaeus, Against Heresies (A. Roberts and W. H. Rambaut, 1885), Haer. 3.7.1: <https://www.newadvent.org/fathers/0103307.htm>

- **Muratorisches Fragment** (spätes 2. Jahrhundert oder 4. Jahrhundert (umstritten); Briefliste): Die Liste sagt, Paulus habe zweimal an die Korinther geschrieben; sie kennt also zwei Briefe an die Korinther. Stammt sie aus dem späten zweiten Jahrhundert und aus Rom, ist sie eine frühe Kanonliste; stammt sie aus dem vierten Jahrhundert, wie A. C. Sundberg und G. M. Hahneman meinten, trägt sie wenig zu den frühen Belegen bei.
- Muratorian Fragment (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3 (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200; Ausdrücklich genannt): Clemens nennt den zweiten Brief an die Korinther und zitiert in Strom. 4.21 lange Abschnitte daraus. Zusammen mit Irenäus in Gallien und Tertullian in Karthago zeigt dies, dass der Brief um 200 in der ganzen Kirche als Brief des Paulus gelesen wurde.
- Clement of Alexandria, Stromata (W. Wilson, 1885), Strom. 4.16: <https://www.newadvent.org/fathers/02104.htm>

- **Papyrus 46 (P46)** (um 200 (spätes 2. oder frühes 3. Jahrhundert); Handschrift): Die früheste Handschrift des zweiten Briefes an die Korinther, in einem Kodex der Briefe des Paulus, der zwischen Dublin (CBL BP II, 56 Blätter) und Ann Arbor (P.Mich. inv. 6238, 30 Blätter) aufgeteilt ist. CSNTM datiert ihn um 200; Y. K. Kims Datierung ins erste Jahrhundert von 1988 hat wenig Zustimmung gefunden.
- Manuscript P46, GA P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### Galater

Der Brief an die Galater wird erstmals eindeutig benutzt, als Polykarp Galater 6,7 zitiert (um 110–140). Markion (um die 140er-Jahre) stellte ihn offenbar an den Anfang seiner paulinischen Sammlung. Irenäus (um 180) nennt ihn und ordnet den darin geschilderten Besuch in Jerusalem Apostelgeschichte 15 zu. P46 (um 200) ist die früheste Handschrift. Parallelen im 1. Clemensbrief und bei Ignatius sind mögliche Anklänge, kein Beweis.

- **1. Clemensbrief (Rom)** (um 96 (umstritten); Möglicher Anklang): Nennt die verfolgten Apostel, unter ihnen Petrus und Paulus, die „Säulen“ der Kirche – das Wort, das Galater 2,9 für Jakobus, Kephas und Johannes gebraucht. Lightfoot bemerkte, das Bild sei in den Schriften der Juden verbreitet gewesen; eine Abhängigkeit ist daher zweifelhaft. Der einzige paulinische Brief, auf den sich Clemens ausdrücklich beruft, ist der erste Brief an die Korinther (47.1).
- Clement of Rome, First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clement 5.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Philadelphier** (um 110 (manche plädieren für die 130er- bis 140er-Jahre); Möglicher Anklang): Sagt, der Bischof habe sein Amt „nicht von sich selbst noch durch Menschen“. Der Wortlaut steht der Verneinung menschlichen Ursprungs in Galater 1,1 nahe, beschreibt hier aber einen Bischof. Die Warnungen des Ignatius vor dem „Judentum“ (An die Magnesier 8.1, 10.3) sind thematische Parallelen, kein Beweis, dass er den Brief an die Galater gelesen hat.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Philadelphians (J. B. Lightfoot, 1891), Philadelphians 1.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-philadelphians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140; Eindeutiges Zitat): Leitet den charakteristischen Wortlaut von Galater 6,7 mit „da wir wissen“ ein, derselben Formel, die er auch für 1. Timotheus 6,7 verwendet (4.1). Ein gemeinsames älteres Wort ist möglich, aber nicht belegt. Dass er den Glauben die Mutter aller Glaubenden nennt (3.3), klingt wahrscheinlich an Galater 4,26 an. Er nennt Paulus, nicht den Brief an die Galater.
- Polycarp, Epistle of Polycarp to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Philippians 5.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (um 140–150 (berichtet um 208); Briefliste): Markions Sammlung mit zehn Briefen ist nur durch Gegner bekannt. Sie begann offenbar mit dem Brief an die Galater, den Tertullians Buch 5 als ersten behandelt. Tertullian sagt, Markion habe Verweise auf Abraham getilgt (5.3-4); manche meinen, Markions Text habe sich einfach unterschieden. Sie bezeugt eher die Autorität des Briefes als seinen vollständigen Text.
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (P. Holmes, 1885), Against Marcion 4.3: <https://www.newadvent.org/fathers/03124.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180; Ausdrücklich genannt): Nennt „den Brief an die Galater“, zitiert dessen Bericht über den Hinaufzug mit Barnabas und Titus und argumentiert, die Jahre stimmten mit Apostelgeschichte 15 überein. Diese Gleichsetzung ist bis heute umstritten: Viele bevorzugen den Besuch zur Hungersnot nach Apostelgeschichte 11,30, und manche sehen eine echte Spannung zwischen den Berichten.
- Irenaeus, Against Heresies (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (A. Roberts and W. H. Rambaut, 1885), Against Heresies 3.13.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103313.htm>

- **Muratorisches Fragment** (um 170–200 oder 4. Jahrhundert (umstritten); Briefliste): Sagt, der Brief an die Galater sei geschrieben worden, um die Beschneidung zu verbieten, und führt ihn erneut unter sieben Gemeinden auf. Seine Bemerkung über Hermas deutet auf Rom um 170–200, doch Sundberg und Hahneman plädieren für das vierte Jahrhundert. Es ist in einer lateinischen Abschrift des siebten oder achten Jahrhunderts erhalten.
- Muratorian Fragment (Ante-Nicene Fathers vol. 5, Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3: <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200; Ausdrücklich genannt): Leitet Galater 4,19 damit ein, dass Paulus an die Galater schreibe (ANF druckt dieses Buch lateinisch). Die Stromateis zitieren den Brief an die Galater häufig. Auch Tertullian in Karthago nennt ihn (Die Prozesseinreden gegen die Häretiker 6), sodass um 200 Schriftsteller in mehreren Regionen ihn namentlich zitierten.
- Clement of Alexandria, The Stromata, or Miscellanies (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (W. Wilson, 1885), Stromata 3.15: <https://www.newadvent.org/fathers/02103.htm>

- **Papyrus 46 (P46)** (um 200 (nach der Schrift); Handschrift): Früheste Handschrift des Briefes an die Galater: ein paulinischer Kodex, wahrscheinlich aus Ägypten, in dem der Brief an die Galater auf den an die Epheser folgt. Er ist allein nach der Schrift datiert. CSNTM gibt um 200 an, die INTF-Liste das frühe dritte Jahrhundert; veröffentlichte Vorschläge reichen vom späten ersten bis zum dritten Jahrhundert.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, CSNTM manuscript record: P46, GA P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### Epheser

Der Brief an die Epheser war um 110–140 n. Chr. bekannt: Polykarp zitiert Epheser 4,26 (nur lateinisch erhalten), Ignatius spielt wahrscheinlich darauf an, und der 1. Clemensbrief enthält mögliche Anklänge. Markion betitelte ihn „An die Laodizener“; Irenäus und Clemens von Alexandria nennen ihn; P46 (um 200) nennt in der Anschrift keine Stadt. Das zeigt die Verbreitung unter dem Namen des Paulus, nicht die Verfasserschaft, die viele Fachleute bestreiten.

- **1. Clemensbrief (Gemeinde von Rom an Korinth)** (um 95–97 n. Chr. (Vorschläge: etwa 70–140); Möglicher Anklang): Clemens’ Berufung auf einen Gott, einen Christus, einen Geist und eine Berufung (46.6) ähnelt Epheser 4,4–6; seine Bitte, die Augen des Herzens zu öffnen (59.3), ähnelt Epheser 1,18. Gemeinsame liturgische Sprache könnte beides erklären; ein Oxforder Komitee (1905) fand eine Abhängigkeit nicht nachweisbar.
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 46.6: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia** (herkömmlich um 105–117 n. Chr.; manche plädieren für später; Wahrscheinliche Anspielung): Sein Gruß an Ephesus greift Segensvokabular aus Epheser 1,3–12 auf; An Polykarp 5.1 klingt an Epheser 5,25 an. Seine Aussage, Paulus erwähne sie in jedem Brief (12.2), nennt keinen Brief. Ein Oxforder Komitee (1905) hielt die Anklänge für fast sicher nicht zufällig; von der Goltz bezweifelte eine Abhängigkeit.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot, 1891), Ign. Eph. inscription: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Eindeutiges Zitat): Polykarp verbindet zwei Satzteile, die nur in Epheser 4,26 zusammenstehen, und nennt sie Schriften; sein erstes Kapitel klingt eng an Epheser 2,8–9 an. Kapitel 12 ist nur lateinisch erhalten, und sein erster Satzteil steht auch in den griechischen Psalmen, sodass die Bezeichnung den Psalm meinen könnte.
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 12.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon (nach dem Bericht Tertullians)** (Mitte des 2. Jahrhunderts, um 138–161 n. Chr.; berichtet um 207–208; Ausdrücklich genannt): Markions bearbeitete paulinische Sammlung führte diesen Brief als „An die Laodizener“, vielleicht erschlossen aus Kolosser 4,16 oder aus einer Abschrift ohne Stadtnamen. Tertullian, ein feindseliger Berichterstatter, sagt, die kirchliche Überlieferung nenne ihn den Brief an die Epheser, und wirft Markion vor, Wörter gestrichen zu haben (5.17-18).
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.17.1: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180 n. Chr. (Buch 3 geschrieben, als Eleutherus Bischof von Rom war); Ausdrücklich genannt): Irenäus nennt den Brief wiederholt (auch 5.8.1 und 5.14.3) und berichtet, dass Lehrer der Valentinianer seine Worte als Worte des Paulus anführten (1.8.4-5). Um 180 behandelten sowohl er als auch seine Gegner ihn als Brief des Paulus; das zeigt Anerkennung, nicht wer ihn schrieb.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 5.2.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103502.htm>

- **Muratorisches Fragment** (Traditionell um 170–200 n. Chr.; manche plädieren für das 4. Jahrhundert; Briefliste): Führt den Brief an die Epheser an zweiter Stelle unter den Briefen des Paulus an sieben namentlich genannte Gemeinden auf. Viele datieren die Liste um 170–200 und verorten sie im Westen; Sundberg (1973) und Hahneman (1992) plädieren für eine östliche Liste des vierten Jahrhunderts. Ihre Hauptabschrift ist eine lateinische Handschrift des achten Jahrhunderts.
- Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 198–210 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Clemens nennt den Brief und zitiert aus Epheser 5,21–29 mit der Formel „es steht geschrieben“, um sich dann dem Brief an die Kolosser zuzuwenden. Er lehrte in Alexandria und zeigt, dass der Brief in Ägypten mit Autorität gelesen wurde, wie Irenäus es für Gallien zeigt.
- Clement of Alexandria, Stromata (William Wilson, 1885), Strom. 4.8: <https://www.newadvent.org/fathers/02104.htm>

- **Papyrus 46 (P46)** (um 200 n. Chr. (nach der Schrift); Handschrift): Die früheste Handschrift: ein Papyruskodex der Briefe des Paulus, nach der Schrift auf etwa 200 n. Chr. datiert, mit einem Spielraum von Jahrzehnten. In Epheser 1,1 nennt er keine Stadt, wie der Sinaiticus und der Vaticanus, bevor spätere Korrektoren Ephesus hinzufügten.
- CSNTM manuscript record: GA P46, GA P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### Philipper

Der Brief an die Philipper ist bis zum späten zweiten Jahrhundert gut bezeugt. Polykarp (um 110–140) erinnert die Philipper daran, dass Paulus ihnen geschrieben hat; Markions Sammlung (um die 140er-Jahre) enthielt ihn; ein Brief aus Lyon (um 177) zitiert ihn; Irenäus und Clemens von Alexandria zitieren ihn mit Namen; P46 (um 200) bewahrt ihn. Anklänge im 1. Clemensbrief und bei Ignatius sind möglich, aber unbewiesen.

- **1. Clemensbrief (Rom an Korinth)** (um 95–100 (umstritten); Möglicher Anklang): 21.1 verbindet „würdig“ mit dem griechischen Verb für eine Lebensführung als Bürger, wie es Philipper 1,27 tut, und das „am Anfang des Evangeliums“ in 47.2 entspricht Philipper 4,15. Beides kann gemeinsame christliche Ausdrucksweise sein; Clemens nennt nur den Brief des Paulus an Korinth.
- Clement of Rome, First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 21.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, Briefe** (um 110 (umstritten); Möglicher Anklang): An die Philadelphier 8.2 teilt das griechische „nichts aus Rivalität“ mit Philipper 2,3; An die Smyrnäer 4.2, über das Ertragen von allem, da Christus ihn stärkt, ähnelt Philipper 4,13. Ignatius nennt den Brief an die Philipper nie, und solche Wendungen könnten unabhängig umgelaufen sein; eine Benutzung ist daher möglich, nicht bewiesen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Philadelphians (J. B. Lightfoot, 1891), Phld. 8.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-philadelphians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140; Ausdrücklich genannt): Teilt der Gemeinde in Philippi mit, dass Paulus ihr in seiner Abwesenheit „Briefe“ geschrieben habe (griechischer Plural; Lightfoot übersetzt „einen Brief“): Ein Brief, mehrere oder ein aus Teilen zusammengesetzter Brief an die Philipper – alles wird vertreten. 9.2 teilt Wortlaut mit Philipper 2,16 (vgl. Galater 2,2); 12.3, nur lateinisch erhalten, könnte an Philipper 3,18 anklingen.
- Polycarp, Epistle of Polycarp to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 3.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (um die 140er-Jahre (berichtet im frühen 3. Jh.); Briefliste): Buch 5 argumentiert nur aus den paulinischen Briefen, die Markion anerkannte; Kapitel 20 behandelt den Brief an die Philipper und antwortet auf die markionitische Behauptung, gestützt auf Philipper 2,6–8, Christus habe nur scheinbar Fleisch gehabt. Markions Sammlung ist nur durch feindselige Berichterstatter erhalten, daher ist ihr genauer Wortlaut unsicher.
- Tertullian, Against Marcion (P. Holmes, 1885), Marc. 5.20: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Brief der Gemeinden von Vienne und Lyon, bei Eusebius** (um 177 (überliefert von Eusebius, frühes 4. Jh.); Eindeutiges Zitat): Beschreibt, wie die Märtyrer Christus nachahmten, mit den Worten von Philipper 2,6, zitiert ohne Nennung des Briefes. Der Brief der gallischen Gemeinden ist nur in den Auszügen des Eusebius erhalten, sodass sein Wortlaut uns durch ihn erreicht.
- Eusebius of Caesarea, Church History (A. C. McGiffert, 1890), Hist. eccl. 5.2.2: <https://www.newadvent.org/fathers/250105.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180–189; Ausdrücklich genannt): Leitet Philipper 4,18, die von Epaphroditus überbrachte Gabe, mit „wie auch Paulus im Brief an die Philipper sagt“ ein, als Vorbild für die Opfergabe der Kirche. Eines der frühesten erhaltenen Zitate, das die Adressaten des Briefes nennt.
- Irenaeus, Against Heresies (A. Roberts and W. H. Rambaut, 1885), Haer. 4.18.4: <https://www.newadvent.org/fathers/0103418.htm>

- **Muratorisches Fragment** (spätes 2. Jh. (umstritten); Briefliste): Führt den Brief an die Philipper an dritter Stelle unter den Briefen des Paulus an sieben Gemeinden auf, ein symbolisches Schema. Viele verorten die Liste im Rom des späten zweiten Jahrhunderts; Sundberg und Hahneman plädierten für eine Entstehung im vierten Jahrhundert. Es ist in einer lateinischen Handschrift des siebten oder achten Jahrhunderts erhalten.
- Muratorian Fragment (Ante-Nicene Fathers vol. 5), Pauline letter list: <https://www.earlychristianwritings.com/text/muratorian.html>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200 (umstritten); Ausdrücklich genannt): Zitiert Philipper 1,28–2,2 und 2,20–21, paraphrasiert 2,17 und nennt „die Philipper“ als Adressaten des Apostels; das zeigt den Brief um 200 in Alexandria in Gebrauch.
- Clement of Alexandria, Stromata (W. Wilson, 1885), Strom. 4.13: <https://www.newadvent.org/fathers/02104.htm>

- **Papyrus 46 (Chester Beatty BP II und Michigan)** (um 200 (umstritten); Handschrift): Früheste erhaltene Handschrift des Briefes an die Philipper, in einem Kodex der Briefe des Paulus, der zwischen Dublin (Chester Beatty BP II) und Ann Arbor (P. Mich. inv. 6238) aufgeteilt ist. Die meisten datieren ihn um 200; Young Kyu Kims Datierung ins späte erste Jahrhundert hat wenig Zustimmung gefunden.
- P46 manuscript record, Gregory-Aland P46: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### Kolosser

Irenäus ist um 180 der früheste sicher datierte Schriftsteller, der den Brief an die Kolosser nennt. Schon vorher stand er, wie Tertullian berichtet, bis etwa 150 in Markions Sammlung der Briefe des Paulus, und Lehrer der Valentinianer zitierten ihn als Brief des Paulus. Ignatius und Polykarp könnten an ihn anklingen, doch keiner der beiden Fälle ist sicher. Papyrus 46, um 200, ist die früheste erhaltene Abschrift. Frühe Benutzung entscheidet nicht über die Verfasserschaft.

- **Ignatius von Antiochia, An die Trallianer** (um 110 n. Chr. (Datierung umstritten); Möglicher Anklang): Ignatius stellt Sichtbares und Unsichtbares neben Engelsränge, wie es Kolosser 1,16 tut, und An die Smyrnäer 6.1 ist ähnlich. Christen könnten diese Art, die Himmel zu beschreiben, geteilt haben, ohne sie dem Brief zu entnehmen; es handelt sich daher nur um einen möglichen Anklang.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Trallians (J. B. Lightfoot, 1891), To the Trallians 5.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-trallians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Möglicher Anklang): Der Aufruf, im Glauben fest und unbeweglich zu sein, ähnelt Kolosser 1,23, doch 1. Korinther 15,58 steht mindestens ebenso nahe. Dieses Kapitel ist nur in einer lateinischen Fassung erhalten, sodass sein griechischer Wortlaut nicht verglichen werden kann.
- Polycarp, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), To the Philippians 10.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (um 140–150 n. Chr. (berichtet um 207–208); Briefliste): Tertullian antwortet Markion aus den Briefen in Markions Ausgabe, und hier argumentiert er aus Markions Brief an die Kolosser; der Brief stand also bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts in Markions Sammlung der Briefe des Paulus. Wie genau Markions Text mit unserem übereinstimmte, ist umstritten.
- Tertullian, Against Marcion, Book 5 (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Against Marcion 5.19: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Lehrer der Valentinianer, nach dem Bericht des Irenäus** (vor etwa 180 n. Chr.; Eindeutiges Zitat): Irenäus berichtet, dass Lehrer der Valentinianer Paulus mit Worten anführten, die Kolosser 3,11 und Kolosser 2,9 nahestehen, um zu zeigen, dass der Erlöser von allen Äonen abstammt. Leser außerhalb der Hauptkirchen behandelten die Worte des Briefes also schon vor etwa 180 als Worte des Paulus.
- Irenaeus, Against Heresies, Book 1 (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Against Heresies 1.3.4: <https://www.newadvent.org/fathers/0103103.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180–189 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Irenäus nennt den Brief an die Kolosser und führt den Gruß des Lukas in Kolosser 4,14 an, um zu zeigen, dass Lukas eng bei Paulus blieb. Er nennt den Brief auch an anderer Stelle, zum Beispiel in Gegen die Häresien 5.14.2.
- Irenaeus, Against Heresies, Book 3 (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Against Heresies 3.14.1: <https://www.newadvent.org/fathers/0103314.htm>

- **Muratorisches Fragment** (spätes 2. Jahrhundert oder 4. Jahrhundert (umstritten); Briefliste): Die Liste führt den Brief an die Kolosser an vierter Stelle unter den Briefen des Paulus an sieben Gemeinden. Die meisten Fachleute datieren sie auf etwa 170–200, eine Minderheit ins vierte Jahrhundert. Ihr vollständiger Text ist nur in einer lateinischen Handschrift des siebten oder achten Jahrhunderts erhalten.
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus (Ante-Nicene Fathers vol. 5) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3 (ANF numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Clemens nennt den an die Kolosser geschriebenen Brief und zitiert mehrere seiner Abschnitte, darunter Kolosser 1,9–11 und Kolosser 1,25–27, über ein den reifen Glaubenden offenbartes Geheimnis. Christen in Alexandria lasen ihn um 200 als Brief des Paulus.
- Clement of Alexandria, Stromata, Book 5 (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Stromata 5.10: <https://www.newadvent.org/fathers/02105.htm>

- **Papyrus 46 (Gregory-Aland P46)** (um 200 n. Chr. (umstritten); Handschrift): In diesem Kodex der Briefe des Paulus geht der Brief an die Philipper unmittelbar in den an die Kolosser über und dieser in den ersten an die Thessalonicher. CSNTM datiert ihn auf etwa 200. Die meisten paläografischen Datierungen liegen zwischen etwa 175 und 250; ein Vorschlag für das erste Jahrhundert hat wenig Zustimmung gefunden.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, CSNTM manuscript record: GA P46, GA P46 (CSNTM images 134471, Philippians 4 to Colossians 1; 134835, Colossians 4 to 1 Thessalonians 1): <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

### 1. Thessalonicher

Irenäus, der um 180–189 schreibt, ist der früheste sicher datierte kirchliche Schriftsteller, der den ersten Brief an die Thessalonicher nennt; er zitiert dessen Gebet für Geist, Seele und Leib. Tertullians spätere Widerlegung zeigt, dass Markions paulinische Sammlung der 140er-Jahre ihn bereits enthielt. Ignatius und Polykarp bieten nur mögliche Anklänge. Clemens von Alexandria zitiert ihn eindeutig. Papyrus 46, um 200, bewahrt Teile der Kapitel 1–2.

- **Ignatius von Antiochia** (um 110 (manche plädieren für etwa 140); Möglicher Anklang): Fordert die Epheser auf, unablässig für Außenstehende zu beten – das Gebot aus 1. Thessalonicher 5,17; in An die Römer 2.1 stellt er es, Menschen zu gefallen, dem gegenüber, Gott zu gefallen, wie es 1. Thessalonicher 2,4 tut. Ähnliche Sprache in Römer 1,9 und Galater 1,10 bedeutet, dass eine Abhängigkeit möglich, aber nicht erwiesen ist.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot, 1891), Ign. Eph. 10.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna** (um 110–140; Möglicher Anklang): Lightfoot übersetzt die Zeile mit „Enthaltet euch von allem Bösen“; die ANF-Fassung verwendet den Wortlaut von 1. Thessalonicher 5,22. Das Kapitel ist nur lateinisch erhalten, und die Maxime ist verbreitete Sittenlehre, also höchstens ein Anklang; 11.2 führt den ersten Brief an die Korinther als Brief des Paulus an.
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 11.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon (nach dem Bericht Tertullians)** (um 140–150 (berichtet um 207–212); Briefliste): Tertullian antwortet auf Markions Ausgabe der Briefe des Paulus Brief für Brief und erhebt den Vorwurf, die Häretiker hätten in 1. Thessalonicher 2,15 „ihre eigenen“ eingefügt; Markions Apostolikon enthielt also diesen Brief. Der Beleg ist indirekt: Markions Text ist nur in feindseligen Berichten erhalten, hier um 207–212 geschrieben.
- Tertullian, Against Marcion, Book V (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.15 (on 1 Thessalonians 2:15): <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Irenäus von Lyon** (um 180–189; Ausdrücklich genannt): Nennt „den ersten Brief an die Thessalonicher“ und zitiert 1. Thessalonicher 5,23 als Worte des Apostels, um zu begründen, dass das Heil den Leib einschließt. Den „zweiten“ nennt er in Gegen die Häresien 3.7.2. Die früheste sicher datierte ausdrückliche Nennung durch einen kirchlichen Schriftsteller.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies, Book V (Ante-Nicene Fathers vol. 1) (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Adv. Haer. 5.6.1: <https://www.newadvent.org/fathers/0103506.htm>

- **Muratorisches Fragment** (um 170–200 oder 4. Jahrhundert (umstritten); Briefliste): Führt die Briefe an die Thessalonicher an sechster Stelle unter den Briefen des Paulus an sieben Gemeinden auf und sagt, er habe zweimal an die Korinther und an die Thessalonicher geschrieben. Meist auf etwa 170–200 datiert und in Rom verortet; manche, vor allem Hahneman (1992), plädieren für das vierte Jahrhundert.
- Anonymous, Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), §3 in ANF numbering (Paul's letters): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Papyrus 46 (GA P46)** (um 200 (2.–3. Jahrhundert); Handschrift): CSNTM-Aufnahmen von Folio 94 zeigen Kolosser 4,16–18, gefolgt von 1. Thessalonicher 1,1 und 1,9–2,3. CSNTM datiert den Kodex um 200, die Chester Beatty Library ins dritte Jahrhundert; eine vorgeschlagene Datierung ins erste Jahrhundert hat wenig Zustimmung gefunden.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, Manuscript record: GA P46 (Chester Beatty Biblical Papyrus II), GA P46, images P46_094a and P46_094b (Dublin, Chester Beatty Library, CBL BP II; 2nd-3rd century): <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P46>

- **Clemens von Alexandria** (um 200; Eindeutiges Zitat): Zitiert 1. Thessalonicher 4,3–8 ausführlich als Worte des „göttlichen Apostels“, während er Basilides antwortet; an anderer Stelle in den Stromateis (1.11, 6.13) führt er 1. Thessalonicher 5,21 und 4,17 als Worte des Apostels an. Eindeutige, autoritative Benutzung, auch wenn diese Stellen den Brief nicht nennen.
- Clement of Alexandria, Stromata, Book IV (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 4.12 (against Basilides): <https://www.newadvent.org/fathers/02104.htm>

- **Tertullian** (um 207–212; Eindeutiges Zitat): Geht den Brief gegen Markion durch und zitiert oder paraphrasiert 1. Thessalonicher 2,15; 4,3–5; 4,15–17; 5,19–20 und 5,23; wie Irenäus verwendet er das Gebet für Geist, Seele und Leib, um das Heil des Leibes zu verteidigen. Die Stelle nennt den Brief nicht.
- Tertullian, Against Marcion, Book V (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.15 (on 1 Thessalonians 5:23): <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

### 2. Thessalonicher

Polykarp (um 110–140) benutzte wahrscheinlich den zweiten Brief an die Thessalonicher: Er greift dessen Rühmen der Thessalonicher auf, während er nach Philippi schreibt, und Markions Ausgabe aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts enthielt ihn. Irenäus (um 180) ist der früheste erhaltene Autor, der ihn nennt; die Muratorische Liste zählt ihn mit. Ignatius bietet nur einen möglichen Anklang. P30, ein Papyrus des dritten Jahrhunderts, gehört zu seinen ältesten Abschriften. Frühe Benutzung entscheidet nicht über die Verfasserschaft.

- **Ignatius von Antiochia, An die Römer** (um 105–117 (manche plädieren für die 140er-Jahre); Möglicher Anklang): Der griechische Text des Ignatius spricht wörtlich von der Ausdauer des Jesus Christus, nahe am Wortlaut von 2. Thessalonicher 3,5. Offenbarung 1,9 verwendet ähnliche Sprache, sodass es sich um gemeinsame Ausdrucksweise handeln könnte. Das Oxforder Komitee von 1905 stufte es in Klasse d ein, zu unsicher, um sich darauf zu stützen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Romans (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Rom. 10.3: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-romans-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140; Wahrscheinliche Anspielung): Polykarp schreibt an die Gemeinde in Philippi, Paulus rühme sich ihrer in allen Gemeinden. Der nächste Wortlaut ist 2. Thessalonicher 1,4, gerichtet an eine andere makedonische Gemeinde; er könnte sich falsch erinnert oder das Lob des Paulus für Philippi verallgemeinert haben. Nur lateinisch. Das Oxforder Komitee von 1905 hielt eine Benutzung für sehr wahrscheinlich.
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 11.3: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140; Möglicher Anklang): Polykarp ermahnt die Philipper, den früheren Presbyter Valens und seine Frau nicht als Feinde zu betrachten – nahe an 2. Thessalonicher 3,15 –, sondern sie zurückzugewinnen, was Galater 6,1 näher steht. Gängige Gemeindepraxis könnte es erklären. Das Oxforder Komitee von 1905 stufte es niedriger ein (Klasse c). Nur lateinisch.
- Polycarp of Smyrna, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. Phil. 11.4: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (um 138–161 (Markion, laut Tertullian); berichtet um 207 oder später; Briefliste): Tertullian wirft Markion vor, das Feuer des Gerichts in 2. Thessalonicher 1,7–8 getilgt zu haben; der Brief stand also in Markions Apostolikon mit zehn Briefen; Tertullian behandelt ihn direkt nach dem ersten Brief an die Thessalonicher. Der Bericht ist feindselig und stammt von etwa 207 oder später.
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.16: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Muratorisches Fragment** (um 170–200 (Minderheit: 4. Jahrhundert); Briefliste): Nachdem es sieben Gemeinden genannt hat, an die Paulus schrieb, fügt es hinzu, er habe zweimal an die Korinther und an die Thessalonicher geschrieben; es zählt also zwei Briefe an die Thessalonicher. Seine Bemerkung, Hermas habe erst vor sehr Kurzem geschrieben, stützt um 170–200; Sundberg (1973) und Hahneman (1992) plädieren für das vierte Jahrhundert.
- Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180; Ausdrücklich genannt): Irenäus nennt den zweiten Brief an die Thessalonicher und zitiert 2. Thessalonicher 2,8–9 als Worte des Paulus, während er dessen Wortstellung erörtert; Haer. 5.25.1 und 5.25.3 nennen ihn erneut im Zusammenhang mit dem Antichrist. Dies ist die früheste erhaltene Nennung durch einen bekannten Autor.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Haer. 3.7.2: <https://www.newadvent.org/fathers/0103307.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200; Eindeutiges Zitat): Clemens zitiert 2. Thessalonicher 3,1–2 eng, unmittelbar nachdem er 1. Korinther 8,7 als Worte des Apostels angeführt hat, in einer Kette von Texten darüber, wie wenige Glauben haben. Den Brief nennt er hier nicht.
- Clement of Alexandria, Stromata, Book V (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 5.3: <https://www.newadvent.org/fathers/02105.htm>

- **Papyrus 30 (P. Oxy. 1598)** (3. Jahrhundert (Ersteditoren: spätes 3. oder 4.); Handschrift): Ein Papyruskodex aus Oxyrhynchus, heute in Gent. Seine Ersteditoren lasen 1. Thessalonicher 4,12 bis 2. Thessalonicher 1,2 mit Lücken; der zweite Brief an die Thessalonicher folgte also auf den ersten. Die Seitenzahlen 207–208 deuten auf eine paulinische Sammlung. Sie datierten ihn ins späte dritte oder vierte Jahrhundert, wahrscheinlich ins späte dritte.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, CSNTM manuscript record: P30, GA P30: <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P30>

### 1. Timotheus

Eindeutige, zugeschriebene Benutzung des ersten Briefes an Timotheus erscheint ab etwa 180 n. Chr. bei Irenäus, dann bei Clemens von Alexandria, Tertullian und in der Muratorischen Liste (falls sie aus dem zweiten Jahrhundert stammt). Polykarp (um 110–140) schöpft wahrscheinlich aus ihm; der 1. Clemensbrief und Ignatius bieten nur mögliche Anklänge. Tertullian sagt, Markions Ausgabe aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts habe ihn nicht enthalten. Die früheste bekannte Abschrift ist P133, ein Papyrusfragment des dritten Jahrhunderts.

- **1. Clemensbrief (Brief der Gemeinde von Rom an Korinth)** (Meist um 95–97 n. Chr. (Vorschläge reichen von etwa 70 bis etwa 140); Möglicher Anklang): Ein Gebet für die Herrschenden nennt Gott „König der Äonen“ – den griechischen Titel aus 1. Timotheus 1,17 –, in der Nähe von Themen aus 1. Timotheus 2,1–3. Solche Sprache war im Gebet der Juden traditionell, und viele datieren den ersten Brief an Timotheus nach dem 1. Clemensbrief; eine Abhängigkeit lässt sich daher nicht zeigen.
- Clement of Rome (traditional attribution), 1 Clement (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clem. 61.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, Brief an Polykarp** (Herkömmlich um 105–117 n. Chr.; manche plädieren für die 140er-Jahre; Möglicher Anklang): Warnt vor denen, die „fremde Lehre lehren“ – ein seltenes griechisches Verb, das im Neuen Testament nur in 1. Timotheus 1,3 und 6,3 vorkommt; An die Magnesier 8.1 fügt „veraltete Fabeln“ hinzu. Gemeinsames antihäretisches Vokabular könnte dies ohne literarische Abhängigkeit erklären.
- Ignatius of Antioch, Epistle to Polycarp (J. B. Lightfoot, 1891), Pol. 3.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-polycarp-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, Brief an die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Wahrscheinliche Anspielung): Zwei Worte über das Geld folgen 1. Timotheus 6,10 und 6,7 in umgekehrter Reihenfolge, das zweite als bekannte Lehre eingeleitet („da wir also wissen“). Viele Fachleute schließen auf Abhängigkeit, obwohl beide Worte sprichwörtliche Parallelen hatten; von Campenhausen (1951) schlug sogar vor, Polykarp habe die Pastoralbriefe geschrieben.
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Phil. 4.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Muratorisches Fragment (lateinische Liste neutestamentlicher Bücher)** (Meist um 170–200 n. Chr.; eine Minderheit plädiert für das 4. Jahrhundert; Briefliste): Zählt zwei Briefe an Timotheus zu denen des Paulus: persönliche Briefe, die die allgemeine Kirche dennoch heilig hält und für die Gemeindeordnung verwendet. Es zeigt Rezeption, nicht Verfasserschaft, und ist hauptsächlich in einer lateinischen Handschrift aus etwa dem achten Jahrhundert erhalten.
- Anonymous (Muratorian Fragment), Canon Muratorianus, in Ante-Nicene Fathers vol. 5 (printed among the Fragments of Caius) (S. D. F. Salmond, 1886), Canon Muratorianus 3, on Philemon, Titus and Timothy (ANF 5:603): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Beginnt mit einem Zitat von 1. Timotheus 1,4 als Worten „des Apostels“; bezeichnet sein Ziel als „fälschlich so genannte Erkenntnis“ (1. Timotheus 6,20; Vorrede zu Buch 2); sagt, Paulus erwähne Linus „in den Briefen an Timotheus“ (3.3.3). Zeigt die Zuschreibung an Paulus um 180, nicht die Verfasserschaft.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), AH 1, preface 1: <https://www.newadvent.org/fathers/0103100.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis (Teppiche)** (um 195–210 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Führt 1. Timotheus 6,20–21 als Worte „des Apostels“ an Timotheus an und berichtet dann, dass Häretiker, durch dieses Wort überführt, die Briefe an Timotheus ablehnen. Um 200 waren die Briefe in Alexandria angenommen, aber von einigen häretischen Gruppen bestritten.
- Clement of Alexandria, Stromata, Book II (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Strom. 2.11: <https://www.newadvent.org/fathers/02102.htm>

- **Papyrus 133 (P.Oxy. LXXXI 5259)** (3. Jahrhundert (nach der Schrift datiert); Handschrift): Fragmente eines Papyrusblattes aus Oxyrhynchus mit Teilen von 1. Timotheus 3,13–4,8, veröffentlicht 2016: die früheste bekannte Abschrift. Die erhaltenen Blätter von P46 (um 200) enden vor den Pastoralbriefen; der früheste vollständige Text steht im Codex Sinaiticus (4. Jahrhundert).
- Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster, Kurzgefasste Liste (NTVMR), P133, Gregory-Aland P133 (INTF docID 10133): <https://ntvmr.uni-muenster.de/community/vmr/api/metadata/liste/search/?docID=10133&detail=page>

- **Tertullian über Markions Ausgabe der Briefe des Paulus** (um 207–212 n. Chr. (berichtet über Markion, der um 138–161 wirkte); Ausdrücklich genannt): Sagt, Markions Ausgabe der Briefe des Paulus aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts habe den Brief an Philemon behalten, aber beide Briefe an Timotheus und den an Titus „verworfen“. Manche sehen ein Motiv darin, dass der erste Brief an Timotheus Ehe, Speisen und Gesetz billigt (1. Timotheus 1,8; 4,3–4); andere meinen, Markion habe sie nie besessen oder sie seien nach ihm entstanden.
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

### 2. Timotheus

Irenäus (um 180) ist der früheste sicher datierte Schriftsteller, der den zweiten Brief an Timotheus als Brief des Paulus zitiert und dabei „die Briefe an Timotheus“ nennt; Clemens von Alexandria, Tertullian und die Muratorische Liste folgen. Polykarp spielt wahrscheinlich schon früher auf ihn an; Ignatius und der 1. Clemensbrief bieten nur mögliche Anklänge. Markions Ausgabe enthielt ihn nicht. Der Codex Sinaiticus (viertes Jahrhundert) ist die früheste Handschrift; kein früherer Papyrus ist erhalten.

- **1. Clemensbrief** (meist um 95–97 n. Chr. datiert; Möglicher Anklang): Clemens sagt, Gott schütze die, die ihm „in reinem Gewissen“ dienen, nahe an 2. Timotheus 1,3. Die Wendung ist kurz und kehrt in 1. Timotheus 3,9 wieder; viele Fachleute datieren den zweiten Brief an Timotheus nach dem 1. Clemensbrief, sodass eine Abhängigkeit in beide Richtungen unbewiesen ist.
- Church of Rome (traditionally Clement of Rome), First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clement 45:7: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Smyrnäer** (um 110 n. Chr. (manche plädieren für später, bis etwa 140); Möglicher Anklang): Ignatius dankt den Smyrnäern, dass sie sich seiner Fesseln nicht geschämt haben, und nennt Christus „vollkommene Treue“, was 2. Timotheus 1,16 und 2,13 ähnelt; An Polykarp 6:2 ähnelt 2. Timotheus 2,4. Gemeinsame Bilder vom Gefangenen und vom Soldaten sowie Lukas 9,26 könnten die Ähnlichkeit erklären.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Smyrnaeans (J. B. Lightfoot, 1891), Ignatius, To the Smyrnaeans 10:2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-smyrnaeans-lightfoot.html>

- **Polykarp, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Wahrscheinliche Anspielung): Polykarp sagt, Ignatius, Paulus und andere hätten „die gegenwärtige Welt nicht geliebt“, eine Umkehrung von 2. Timotheus 4,10 über Demas; 5:2 („mit ihm herrschen“) ähnelt 2. Timotheus 2,12. Die Formulierung ist charakteristisch, aber kurz. Von Campenhausen (1951) vertrat, Polykarp selbst habe die Pastoralbriefe geschrieben; wenige folgen dem.
- Polycarp of Smyrna, Letter to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Polycarp, To the Philippians 9:2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Irenäus, Gegen die Häresien** (um 180–189 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Linus erscheint im Neuen Testament nur in 2. Timotheus 4,21. In 3.14.1 zitiert Irenäus 2. Timotheus 4,10–11 als eigene Worte des Paulus, um zu zeigen, dass Lukas bei ihm blieb. Er führt den Brief ohne Begründung an, als anerkannten Brief.
- Irenaeus of Lyons, Against Heresies (Alexander Roberts and William Rambaut, 1885), Against Heresies 3.3.3: <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>

- **Muratorisches Fragment** (meist um 170–200 n. Chr.; manche plädieren für das vierte Jahrhundert; Briefliste): Führt einen Brief an Titus und zwei an Timotheus unter denen des Paulus auf, persönlich im Ursprung, aber für die Gemeindeordnung in Ehren gehalten. Meist um 170–200 in Rom verortet; Sundberg und Hahneman plädierten für eine Datierung ins vierte Jahrhundert, die es zu einem späteren Zeugen machen würde.
- Anonymous, Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, sec. 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 200 n. Chr.; Ausdrücklich genannt): Nachdem er 1. Timotheus 6,20 zitiert hat, sagt Clemens, Häretiker lehnten „die Briefe an Timotheus“ ab. Er zitiert 2. Timotheus 2,1–2 als Worte des Paulus (Stromateis 1.1) und 2. Timotheus 1,7–8 als „an Timotheus“ geschrieben (4.7). Die Häretiker nennt er nicht.
- Clement of Alexandria, Stromata, Book II (Ante-Nicene Fathers vol. 2) (William Wilson, 1885), Stromata 2.11: <https://www.newadvent.org/fathers/02102.htm>

- **Tertullian, Gegen Markion (über Markions Apostolikon)** (um 207–212 n. Chr., berichtet über Markions Ausgabe der 140er-Jahre; Ausdrücklich genannt): Markions Apostolikon mit zehn Briefen (um die 140er-Jahre) enthielt weder die beiden Briefe an Timotheus noch den an Titus. Tertullian sagt, Markion habe sie verworfen; andere meinen, er habe sie nicht gekannt oder sie seien noch nicht geschrieben gewesen. Tertullian selbst führt 2. Timotheus 1,14 als Wort des Paulus an (Prozesseinreden 25).
- Tertullian, Against Marcion (Ante-Nicene Fathers vol. 3) (Peter Holmes, 1885), Against Marcion 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Codex Sinaiticus (Gregory-Aland 01)** (viertes Jahrhundert; Handschrift): Die früheste bekannte Handschrift des zweiten Briefes an Timotheus, der auf Folio 295b der British Library beginnt. Kein früherer Papyrus ist erhalten. P46 (frühes drittes Jahrhundert) enthält in seinen erhaltenen Blättern die Pastoralbriefe nicht; ob seine verlorenen Blätter sie enthielten, ist umstritten. Der Vaticanus bricht bei Hebräer 9,14 ab.
- Codex Sinaiticus Project, Codex Sinaiticus: See the Manuscript (2 Timothy 1:1), Folio 295b (quire 86, folio 3v): 1 Timothy 6:9-21 and 2 Timothy 1:1-15, scribe A: <https://codexsinaiticus.org/en/manuscript.aspx?book=48&chapter=1&lid=en&side=r&verse=1&zoomSlider=0>

### Titus

Der Brief an Titus ist ab etwa 180 n. Chr. sicher bezeugt: Irenäus zitiert ihn als Brief des Paulus, Clemens von Alexandria nennt ihn, und die Muratorische Liste enthält ihn, falls die Liste aus dem zweiten Jahrhundert stammt. Frühere Berührungen im 1. Clemensbrief, bei Ignatius und bei Polykarp sind nur mögliche Anklänge. Tertullian berichtet, Markions Sammlung (140er-Jahre) habe ihn nicht enthalten; seine früheste Handschrift, P32, ist nach der Schrift auf etwa 200–300 n. Chr. datiert.

- **1. Clemensbrief (Clemens von Rom)** (um 96 n. Chr. (die meisten datieren auf 90–100); Möglicher Anklang): Sein „bereit zu jedem guten Werk“ (2.7) entspricht Titus 3,1; 1.3 wendet sich an die Gruppen aus Titus 2: ältere Männer, die Jungen, Frauen, die ihre Männer lieben und ihre Haushalte führen. Doch 2. Timotheus 2,21 ist ähnlich, und Haustafel-Unterweisung war Allgemeingut, sodass gemeinsame Überlieferung beides erklären könnte.
- Clement of Rome, First Epistle of Clement to the Corinthians (J. B. Lightfoot, 1891), 1 Clement 2.7: <https://www.earlychristianwritings.com/text/1clement-lightfoot.html>

- **Ignatius von Antiochia, An die Magnesier** (um 105–117 n. Chr. (manche datieren später); Möglicher Anklang): Warnt vor „veralteten Fabeln, die nutzlos sind“, verbunden mit einem Leben nach dem Judentum, was an Titus 1,14 und 3,9 erinnert. Doch Fabeln erscheinen auch im ersten Brief an Timotheus, fremde Lehren in Hebräer 13,9, und Polemik gegen Judaisierende war weit verbreitet; nichts ist charakteristisch genug, um eine Benutzung zu beweisen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Magnesians (J. B. Lightfoot, 1891), Magnesians 8.1: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-magnesians-lightfoot.html>

- **Polykarp von Smyrna, An die Philipper** (um 110–140 n. Chr.; Möglicher Anklang): Er benutzt wahrscheinlich den ersten Brief an Timotheus (4.1). Seine Weisung an die Ehefrauen (4.2) ähnelt Titus 2,4–5, klingt aber an das „ihre eigenen Männer liebend“ aus dem 1. Clemensbrief 1.3 an, sodass eine Abhängigkeit von Clemens oder gemeinsame Unterweisung wahrscheinlicher ist. Campenhausen (1951) schlug sogar vor, Polykarp habe die Pastoralbriefe geschrieben; wenige folgen ihm.
- Polycarp, Epistle to the Philippians (J. B. Lightfoot, 1891), Philippians 4.2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/polycarp-lightfoot.html>

- **Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien** (um 180 n. Chr. (Buch 3 unter Bischof Eleutherius geschrieben); Ausdrücklich genannt): Zitiert Titus 3,10–11 als Worte des Paulus unmittelbar nach der Geschichte, wie Polykarp Markion zurückwies; 1.16.3 führt erneut das Gebot des Paulus an, Häretiker nach zwei Ermahnungen zu meiden. Als eine der ersten datierbaren Zuschreibungen an Paulus zeigt sie Rezeption, nicht wer den Brief schrieb.
- Irenaeus, Against Heresies (A. Roberts and W. H. Rambaut, 1885), Against Heresies 3.3.4: <https://www.newadvent.org/fathers/0103303.htm>

- **Muratorisches Fragment** (Spätes 2. Jahrhundert oder 4. Jahrhundert (umstritten); Briefliste): Führt den Brief an Titus mit dem an Philemon und den beiden an Timotheus als persönliche Briefe auf, die für die kirchliche Disziplin in Ehren gehalten werden. Die lateinische Abschrift stammt aus dem 7.–8. Jahrhundert; viele datieren das Original ins späte zweite Jahrhundert, doch Sundberg (1973) und Hahneman (1992) plädieren für das vierte.
- Muratorian Fragment (Ante-Nicene Fathers vol. 5) (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian fragment §3 (ANF numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Clemens von Alexandria, Stromateis** (um 198–203 n. Chr. (nach 192 n. Chr.); Ausdrücklich genannt): Nennt „den Brief an Titus“ und zitiert Titus 1,12–13 als Stelle, an der Paulus den kretischen Propheten Epimenides zitiert; Stromateis 1.8 führt auch Titus 1,10 an. Geschrieben nach dem Tod des Commodus im Jahr 192, mit dem die Chronologie von Buch 1 endet.
- Clement of Alexandria, Stromata (W. Wilson, 1885), Stromata 1.14: <https://www.newadvent.org/fathers/02101.htm>

- **Tertullian über Markions Apostolikon** (um 207–212 n. Chr., berichtet über Markions Sammlung der 140er-Jahre; Ausdrücklich genannt): Berichtet, Markions Apostolikon (um die 140er-Jahre) habe die beiden Briefe an Timotheus und den an Titus ausgelassen, und sagt, er habe sie verworfen. Andere vertreten, Markion habe die Pastoralbriefe nie gekannt oder sie seien später geschrieben worden, nach Meinung mancher teilweise gegen ihn; Tertullian selbst behandelt den Brief an Titus als Brief des Paulus.
- Tertullian, Against Marcion (P. Holmes, 1885), Against Marcion 5.21: <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Papyrus 32 (P32)** (Um 200 n. Chr. oder später im 3. Jahrhundert (nach der Schrift); Handschrift): Bewahrt Titus 1,11–15 und 2,3–8 von einem Kodexblatt, nur nach der Schrift datiert: drittes Jahrhundert (Hunt 1911), um 200 (CSNTM). Gathergood (2013) vertritt, dass im Kodex mindestens ein Text dem Brief an Titus vorausging. Die erhaltenen Blätter von P46 enthalten die Pastoralbriefe nicht.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, Manuscript P32 (CSNTM digital manuscript collection), GA P32 (Manchester, John Rylands University Library, Gr. P. 5): <https://manuscripts.csntm.org/Manuscript/Group/GA_P32>

### Philemon

Der Brief an Philemon ist zuerst sicher in Markions Sammlung der Briefe des Paulus (um 140–160) bezeugt, über die Tertullian berichtet. Die Muratorische Liste nennt ihn als Brief des Paulus; Tertullian behandelt ihn ebenso. Ignatius könnte schwach an ihn anklingen. Aus dem 1. Clemensbrief, von Polykarp, Justin, Irenäus oder Clemens von Alexandria ist kein eindeutiges Zitat bekannt, vielleicht weil er so kurz ist. Die älteste Handschrift, P87, stammt aus dem dritten Jahrhundert.

- **Ignatius von Antiochia, An die Epheser** (um 110; manche datieren ihn später; Möglicher Anklang): Unmittelbar nachdem er Bischof Onesimus von Ephesus genannt hat, schreibt Ignatius „möge ich Freude an euch haben“ – das Verb aus Philemon 1,20, einmalig im Neuen Testament. Doch er wiederholt den Wunsch an anderer Stelle, der Name Onesimus war unter Sklaven verbreitet, und John Knox’ Gleichsetzung der beiden Männer ist unbewiesen.
- Ignatius of Antioch, Epistle to the Ephesians (J. B. Lightfoot and J. R. Harmer, 1891), Ign. Eph. 2.1-2: <https://www.earlychristianwritings.com/text/ignatius-ephesians-lightfoot.html>

- **Markions Apostolikon, nach dem Bericht Tertullians** (um 140–160; berichtet um 208; Briefliste): Frühester sicherer Beleg: Markions Sammlung der Briefe des Paulus mit zehn Briefen enthielt den Brief an Philemon. Der Bericht stammt von einem feindseligen Zeugen etwa sechzig Jahre später; auch Epiphanius (viertes Jahrhundert) führt ihn auf. Tertullian sagt, seine Kürze habe ihn vor Markions Bearbeitung bewahrt.
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21.1 (Marcion's Apostolicon): <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

- **Muratorisches Fragment** (um 170–200 oder viertes Jahrhundert; Briefliste): Führt den Brief an Philemon zusammen mit dem an Titus und den beiden an Timotheus als Briefe an Einzelpersonen auf, aus persönlicher Zuneigung geschrieben, aber von der Kirche in Ehren gehalten. Die meisten datieren es um 170–200, wahrscheinlich in Rom; A. C. Sundberg (1973) und G. M. Hahneman (1992) plädieren für eine Datierung ins vierte Jahrhundert.
- Anonymous (Muratorian Fragment), Muratorian Fragment (Canon Muratorianus) (S. D. F. Salmond, 1886), Muratorian Fragment, sec. 3 (ANF 5 numbering): <https://www.newadvent.org/fathers/0510.htm>

- **Papyrus 87 (Gregory-Aland P87)** (Drittes Jahrhundert; Handschrift): Älteste erhaltene Abschrift: ein Fragment eines Kodexblattes mit Teilen von Philemon 1,13–15 auf der einen und Philemon 1,24–25 auf der anderen Seite, nach der Schrift ins dritte Jahrhundert datiert. Die erhaltenen Blätter von P46 enthalten den Brief an Philemon nicht; vollständige Abschriften beginnen mit Kodizes des vierten Jahrhunderts wie dem Sinaiticus.
- Center for the Study of New Testament Manuscripts, CSNTM manuscript catalogue: GA P87, GA P87 (3rd century; Köln, Institut für Altertumskunde, Inv. Nr. 12): <https://manuscripts.csntm.org/manuscript/View/GA_P87>

- **Tertullian, Gegen Markion** (um 207–212; Ausdrücklich genannt): In einem Kapitel, das in modernen Ausgaben mit „Über den Brief an Philemon“ überschrieben ist, behandelt Tertullian ihn als Brief des Paulus an einen einzelnen Mann, zitiert aber keinen Vers. Irenäus und Clemens von Alexandria zitieren ihn nie; daher ist Tertullian sein frühester sicher datierter Zeuge aus der Großkirche.
- Tertullian, Against Marcion (Peter Holmes, 1885), Adv. Marc. 5.21.1 (Philemon's brevity): <https://www.newadvent.org/fathers/03125.htm>

## Häufige Fragen

### Erwähnt ein römischer oder jüdischer Autor Paulus?

Kein erhaltener nichtchristlicher Autor des ersten Jahrhunderts nennt Paulus beim Namen. Josephus, Sueton und Tacitus beschreiben Personen und Ereignisse in seinem Umfeld – Felix, Festus, den Hohenpriester Hananias, das Vorgehen von Klaudius gegen die Juden in Rom, die Verfolgung unter Nero –, sodass sich die Apostelgeschichte an unabhängigen Darstellungen ihres Umfelds überprüfen lässt.

### Was ist der stärkste externe Beleg für die Chronologie des Lebens des Paulus?

Die Inschrift aus Delphi, die Gallio nennt. Sie datiert seine Amtszeit als Statthalter von Achaja auf etwa 51–52 n. Chr., und die Apostelgeschichte stellt Paulus in Korinth vor ihn. Die meisten Rekonstruktionen der Chronologie des Paulus werden von diesem einen festen Punkt aus nach außen erschlossen.

### Wer zitiert die Briefe des Paulus als Erster?

Der erste Clemensbrief, um 96 n. Chr. aus Rom nach Korinth geschrieben, fordert seine Leser auf, den Brief zur Hand zu nehmen, den Paulus ihnen über die Parteiungen geschrieben hat, und klingt an den Brief an die Römer an. Ignatius und Polykarp kennen im frühen zweiten Jahrhundert mehrere Briefe. Die Sammlung Markions von etwa 140 n. Chr. ist die erste bekannte Liste.


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Kanonisch: https://paulineletters.com/de/explore/evidence
